Schriften
zur
Kunst
von
deutscher
Baukunst
.
D.
M.
Ervini
a
Steinbach
.
(
1772
)
als
ich
auf
deinem
Grabe
herumwandelte
,
edler
Erwin
,
und
den
Stein
suchte
,
der
mir
deuten
sollte
:
anno
domini
1318
.
XVI
.
Kal.
Febr.
obiit
Magister
Ervinus
,
Gubernator
Fabricae
Ecclesiae
Argentinensis
,
und
ich
ihn
nicht
finden
,
keiner
deiner
Landsleute
mir
ihn
zeigen
konnte
,
daß
sich
meine
Verehrung
deiner
an
der
heiligen
Stätte
ergossen
hätte
,
da
ward
ich
tief
in
die
Seele
betrübt
,
und
mein
Herz
,
jünger
,
wärmer
,
töriger
und
besser
als
jetzt
,
gelobte
dir
ein
Denkmal
,
wenn
ich
zum
ruhigen
Genuß
meiner
Besitztümer
gelangen
würde
,
von
Marmor
oder
Sandsteinen
,
wie
ich's
vermöchte
.
was
braucht's
dir
Denkmal
!
du
hast
dir
das
herrlichste
errichtet
;
und
kümmert
die
Ameisen
,
die
drum
krabbeln
,
dein
Name
nichts
,
hast
du
gleiches
Schicksal
mit
dem
Baumeister
,
der
Berge
auftürmte
in
die
Wolken
.
wenigen
ward
es
gegeben
,
einen
Babelgedanken
in
der
Seele
zu
zeugen
,
ganz
,
groß
,
und
bis
in
den
kleinsten
Teil
notwendig
schön
,
wie
Bäume
Gottes
;
wenigern
,
auf
tausend
bietende
Hände
zu
treffen
,
Felsengrund
zu
graben
,
steile
Höhen
drauf
zu
zaubern
,
und
dann
sterbend
ihren
Söhnen
zu
sagen
:
ich
bleibe
bei
euch
,
in
den
Werken
meines
Geistes
,
vollendet
das
Begonnene
in
die
Wolken
.
was
braucht's
dir
Denkmal
!
und
von
mir
!
wenn
der
Pöbel
heilige
Namen
ausspricht
,
ist's
Aberglaube
oder
Lästerung
.
dem
schwachen
Geschmäckler
wird's
ewig
schwindeln
an
deinem
Koloß
,
und
ganze
Seelen
werden
dich
erkennen
ohne
Deuter
.
also
nur
,
trefflicher
Mann
,
eh
'
ich
mein
geflicktes
Schiffchen
wieder
auf
den
Ozean
wage
,
wahrscheinlicher
dem
Tod
als
dem
Gewinst
entgegen
,
siehe
hier
in
diesem
Hain
,
wo
ringsum
die
Namen
meiner
Geliebten
grünen
,
schneid
'
ich
den
deinigen
in
eine
deinem
Turm
gleich
schlank
aufsteigende
Buche
,
hänge
an
seinen
vier
Zipfeln
dies
Schnupftuch
mit
Gaben
dabei
auf
.
nicht
ungleich
jenem
Tuche
,
das
dem
heiligen
Apostel
aus
den
Wolken
herabgelassen
ward
,
voll
reiner
und
unreiner
Tiere
,
so
auch
voll
Blumen
,
Blüten
,
Blätter
,
auch
wohl
dürres
Gras
und
Moos
und
über
Nacht
geschoßne
Schwämme
,
das
alles
ich
auf
dem
Spaziergang
durch
unbedeutende
Gegenden
,
kalt
zu
meinem
Zeitvertreib
botanisierend
,
eingesammelt
,
dir
nun
zu
Ehren
der
Verwesung
weihe
.
es
ist
im
kleinen
Geschmack
,
sagt
der
Italiener
,
und
geht
vorbei
.
Kindereien
!
lallt
der
Franzose
nach
,
und
schnellt
triumphierend
auf
seine
Dose
a
la
Grecque
.
was
habt
ihr
getan
,
daß
ihr
verachten
dürft
?
hat
nicht
der
seinem
Grab
entsteigende
Genius
der
Alten
den
deinen
gefesselt
,
Welscher
!
krochst
an
den
mächtigen
Resten
,
Verhältnisse
zu
betteln
,
flicktest
aus
den
heiligen
Trümmern
dir
Lusthäuser
zusammen
und
hältst
dich
für
Verwahrer
der
Kunstgeheimnisse
,
weil
du
auf
Zoll
und
Linien
von
Riesengebäuden
Rechenschaft
geben
kannst
.
hättest
du
mehr
gefühlt
als
gemessen
,
wäre
der
Geist
der
Massen
über
dich
gekommen
,
die
du
anstauntest
,
du
hättest
nicht
so
nur
nachgeahmt
,
weil
sie's
taten
und
es
schön
ist
;
notwendig
und
wahr
hättest
du
deine
Plane
geschaffen
,
und
lebendige
Schönheit
wäre
bildend
aus
ihnen
gequollen
.
so
hast
du
deinen
Bedürfnissen
einen
Schein
von
Wahrheit
und
Schönheit
aufgetüncht
.
die
herrliche
Wirkung
der
Säulen
traf
dich
,
du
wolltest
auch
ihrer
brauchen
und
mauertest
sie
ein
,
wolltest
auch
Säulenreihen
haben
und
umzirkeltest
den
Vorhof
der
Peterskirche
mit
Marmorgängen
,
die
nirgends
hin
noch
her
führen
,
daß
Mutter
Natur
,
die
das
Ungehörige
und
Unnötige
verachtet
und
haßt
,
deinen
Pöbel
trieb
,
ihre
Herrlichkeit
zu
öffentlichen
Kloaken
zu
prosituieren
,
daß
ihr
die
Augen
wegwendet
und
die
Nasen
zuhaltet
vorm
Wunder
der
Welt
.
das
geht
nun
so
alles
seinen
Gang
,
die
Grille
des
Künstlers
dient
dem
Eigensinne
des
Reichen
,
der
Reisebeschreiber
gafft
,
und
unsre
schöne
Geister
,
genannt
Philosophen
,
erdrechseln
aus
protoplastischen
Märchen
Prinzipien
und
Geschichte
der
Künste
bis
auf
den
heutigen
Tag
,
und
echte
Menschen
ermordet
der
böse
Genius
im
Vorhof
der
Geheimnisse
.
schädlicher
als
Beispiele
sind
dem
Genius
Prinzipien
.
vor
ihm
mögen
einzelne
Menschen
einzelne
Teile
bearbeitet
haben
.
er
ist
der
erste
,
aus
dessen
Seele
die
Teile
,
in
ein
ewiges
Ganze
zusammengewachsen
,
hervortreten
.
aber
Schule
und
Prinzipium
fesselt
alle
Kraft
der
Erkenntnis
und
Tätigkeit
.
was
soll
uns
das
,
du
neufranzösischer
philosophierender
Kenner
,
daß
der
erste
zum
Bedürfnis
erfindsame
(
sic
!
)
Mensch
vier
Stämme
einrammelte
,
vier
Stangen
drüber
verband
,
und
Äste
und
Moos
drauf
deckte
?
daraus
drüber
scheidest
du
das
Gehörige
unsrer
heurigen
Bedürfnisse
,
eben
als
wenn
du
dein
neues
Babylon
mit
einfältigem
patriarchalischem
Hausvatersinn
regieren
wolltest
.
und
es
ist
noch
dazu
falsch
,
daß
deine
Hütte
die
erstgeborne
der
Welt
ist
.
zwei
an
ihrem
Gipfel
sich
kreuzende
Stangen
vornen
,
zwei
hinten
und
eine
Stange
quer
über
zum
First
ist
und
bleibt
,
wie
du
alltäglich
an
Hütern
der
Felder
und
Weinberge
erkennen
kannst
,
eine
weit
primävere
Erfindung
,
von
der
du
doch
nicht
einmal
Prinzipium
für
deine
Scheineställe
abstrahieren
könntest
.
so
vermag
keiner
deiner
Schlüsse
sich
zur
Region
der
Wahrheit
zu
erheben
,
sie
schweben
alle
in
der
Atmosphäre
deines
Systems
.
du
willst
uns
lehren
,
was
wir
brauchen
sollen
,
weil
das
,
was
wir
brauchen
,
sich
nach
deinen
Grundsätzen
nicht
rechtfertigen
läßt
.
die
Säule
liegt
dir
sehr
am
Herzen
,
und
in
andrer
Weltgegend
wärst
du
Prophet
.
du
sagst
:
die
Säule
ist
der
erste
,
wesentliche
Bestandteil
des
Gebäudes
,
und
der
schönste
.
welche
erhabene
Eleganz
der
Form
,
welche
reine
mannigfaltige
Größe
,
wenn
sie
in
Reihen
da
stehn
!
nur
hütet
euch
,
sie
ungehörig
zu
brauchen
;
ihre
Natur
ist
,
frei
zu
stehn
.
wehe
den
Elenden
,
die
ihren
schlanken
Wuchs
an
plumpe
Mauern
geschmiedet
haben
!
und
doch
,
dünkt
mich
,
lieber
Abt
,
hätte
die
öftere
Wiederholung
dieser
Unschicklichkeit
des
Säuleneinmauerns
,
daß
die
Neuern
sogar
antiker
Tempel
Interkolumnia
mit
Mauerwerk
ausstopften
,
dir
einiges
Nachdenken
erregen
können
.
wäre
dein
Ohr
nicht
für
Wahrheit
taub
,
diese
Steine
würden
sie
dir
gepredigt
haben
.
Säule
ist
mit
nichten
ein
Bestandteil
unsrer
Wohnungen
;
sie
widerspricht
vielmehr
dem
Wesen
all
unsrer
Gebäude
.
unsre
Häuser
entstehen
nicht
aus
vier
Säule
in
vier
Ecken
;
sie
entstehen
aus
vier
Mauern
auf
vier
Seiten
,
die
statt
aller
Säulen
sind
,
alle
Säulen
ausschließen
,
und
wo
ihr
sie
anflickt
,
sind
sie
belastender
Überfluß
.
eben
das
gilt
von
unsern
Palästen
und
Kirchen
.
wenige
Fälle
ausgenommen
,
auf
die
ich
nicht
zu
achten
brauche
.
eure
Gebäude
stellen
euch
also
Flächen
dar
,
die
,
je
weiter
sie
sich
ausbreiten
,
je
kühner
sie
gen
Himmel
steigen
,
mit
desto
unerträglicherer
Einförmigkeit
die
Seele
unterdrücken
müssen
!
wohl
!
wenn
uns
der
Genius
nicht
zu
Hülfe
käme
,
der
Erwinen
von
Steinbach
eingab
:
vermannigfaltige
die
ungeheure
Mauer
,
die
du
gen
Himmel
führen
sollst
,
daß
sie
aufsteige
gleich
einem
hocherhabnen
,
weitverbreiteten
Baume
Gottes
,
der
mit
tausend
Ästen
,
Millionen
Zweigen
und
Blättern
wie
der
Sand
am
Meer
ringsum
der
Gegend
verkündet
die
Herrlichkeit
des
Herrn
,
seines
Meisters
.
als
ich
das
erstemal
nach
dem
Münster
ging
,
hatt
'
ich
den
Kopf
voll
allgemeiner
Erkenntnis
guten
Geschmacks
.
auf
Hörensagen
ehrt
'
ich
die
Harmonie
der
Massen
,
die
Reinheit
der
Formen
,
war
ein
abgesagter
Feind
der
verworrnen
Willkürlichkeiten
gotischer
Verzierungen
.
unter
die
Rubrik
Gotisch
,
gleich
dem
Artikel
eines
Wörterbuchs
,
häufte
ich
alle
synonymische
Mißverständnisse
,
die
mir
von
Unbestimmtem
,
Ungeordnetem
,
Unnatürlichem
,
Zusammengestoppeltem
,
Aufgeflicktem
,
Überladenem
jemals
durch
den
Kopf
gezogen
waren
.
nicht
gescheiter
als
ein
Volk
,
das
die
ganze
fremde
Welt
barbarisch
nennt
,
hieß
alles
Gotisch
,
was
nicht
in
mein
System
paßte
,
von
dem
gedrechselten
bunten
Puppen-
und
Bilderwerk
an
,
womit
unsre
bürgerliche
Edelleute
ihre
Häuser
schmücken
,
bis
zu
den
ernsten
Resten
der
älteren
deutschen
Baukunst
,
über
die
ich
,
auf
Anlaß
einiger
abenteuerlichen
Schnörkel
,
in
den
allgemeinen
Gesang
stimmte
:
"
ganz
von
Zierat
erdrückt
!
"
,
und
so
graute
mir's
im
Gehen
vorm
Anblick
eines
mißgeformten
krausborstigen
Ungeheuers
.
mit
welcher
unerwarteten
Empfindung
überraschte
mich
der
Anblick
,
als
ich
davor
trat
!
ein
ganzer
,
großer
Eindruck
füllte
meine
Seele
,
den
,
weil
er
aus
tausend
harmonierenden
Einzelheiten
bestand
,
ich
wohl
schmecken
und
genießen
,
keineswegs
aber
erkennen
und
erklären
konnte
.
sie
sagen
,
daß
es
also
mit
den
Freuden
des
Himmels
sei
,
und
wie
oft
bin
ich
zurückgekehrt
,
diese
himmlisch-irdische
Freude
zu
genießen
,
den
Riesengeist
unsrer
ältern
Brüder
in
ihren
Werken
zu
umfassen
.
wie
oft
bin
ich
zurückgekehrt
,
von
allen
Seiten
,
aus
allen
Entfernungen
,
in
jedem
Lichte
des
Tags
zu
schauen
seine
Würde
und
Herrlichkeit
!
schwer
ist's
dem
Menschengeist
,
wenn
seines
Bruders
Werk
so
hoch
erhaben
ist
,
daß
er
nur
beugen
und
anbeten
muß
.
wie
oft
hat
die
Abenddämmerung
mein
durch
forschendes
Schauen
ermattetes
Aug
'
mit
freundlicher
Ruhe
geletzt
,
wenn
durch
sie
die
unzähligen
Teile
zu
ganzen
Massen
schmolzen
,
und
nun
diese
,
einfach
und
groß
,
vor
meiner
Seele
standen
und
meine
Kraft
sich
wonnevoll
entfaltete
,
zugleich
zu
genießen
und
zu
erkennen
!
da
offenbarte
sich
mir
,
in
leisen
Ahndungen
,
der
Genius
des
großen
Werkmeisters
.
was
staunst
du
?
lispelt
'
er
mir
entgegen
.
alle
diese
Massen
waren
notwendig
,
und
siehst
du
sie
nicht
an
allen
älteren
Kirchen
meiner
Stadt
?
nur
ihre
willkürliche
Größen
hab
'
ich
zum
stimmenden
Verhältnis
erhoben
.
wie
über
dem
Haupteingang
,
der
zwei
kleinere
zun
Seiten
beherrscht
,
sich
der
weite
Kreis
des
Fensters
öffnet
,
der
dem
Schiffe
der
Kirche
antwortet
und
sonst
nur
Tageloch
war
,
wie
hoch
drüber
der
Glockenplatz
die
kleineren
Fenster
forderte
!
das
all
war
notwendig
,
und
ich
bildete
es
schön
.
aber
ach
,
wenn
ich
durch
die
düstern
,
erhabnen
Öffnungen
hier
zur
Seite
schwebe
,
die
leer
und
vergebens
da
zu
stehn
scheinen
.
in
ihre
kühne
schlanke
Gestalt
hab
'
ich
die
geheimnisvollen
Kräfte
verborgen
,
die
jene
beiden
Türme
hoch
in
die
Luft
heben
sollten
,
deren
,
ach
,
nur
einer
traurig
da
steht
,
ohne
den
fünfgetürmten
Hauptschmuck
,
den
ich
ihm
bestimmte
,
daß
ihm
und
seinem
königlichen
Bruder
die
Provinzen
umher
huldigten
.
und
so
schied
er
von
mir
,
und
ich
versank
in
teilnehmende
Traurigkeit
.
bis
die
Vögel
des
Morgens
,
die
in
seinen
tausend
Öffnungen
wohnen
,
der
Sonne
entgegenjauchzten
und
mich
aus
dem
Schlummer
weckten
.
wie
frisch
leuchtet
'
er
im
Morgenduftglanz
mir
entgegen
,
wie
froh
konnt
'
ich
ihm
meine
Arme
entgegenstrecken
,
schauen
die
großen
harmonischen
Massen
,
zu
unzählig
kleinen
Teilen
belebt
,
wie
in
Werken
der
ewigen
Natur
,
bis
aufs
geringste
Zäserchen
,
alles
Gestalt
,
und
alles
zweckend
zum
Ganzen
;
wie
das
festgegründete
,
ungeheure
Gebäude
sich
leicht
in
die
Luft
hebt
,
wie
durchbrochen
alles
und
doch
für
die
Ewigkeit
.
deinem
Unterricht
dank
'
ich's
,
Genius
,
daß
mir's
nicht
mehr
schwindelt
an
deinen
Tiefen
,
daß
in
meine
Seele
ein
Tropfen
sich
senkt
der
Wonneruh
des
Geistes
,
der
auf
solch
eine
Schöpfung
herabschauen
und
gottgleich
sprechen
kann
:
es
ist
gut
!
und
nun
soll
ich
nicht
ergrimmen
,
heiliger
Erwin
,
wenn
der
deutsche
Kunstgelehrte
,
auf
Hörensagen
neidischer
Nachbarn
,
seinen
Vorzug
verkennt
,
dein
Werk
mit
dem
unverstandnen
Worte
Gotisch
verkleinert
.
da
er
Gott
danken
sollte
,
laut
verkündigen
zu
können
:
das
ist
deutsche
Baukunst
,
unsre
Baukunst
,
da
der
Italiener
sich
keiner
eignen
rühmen
darf
,
viel
weniger
der
Franzos
.
und
wenn
du
dir
selbst
diesen
Vorzug
nicht
zugestehen
willst
,
so
erweis
uns
,
daß
die
Goten
schon
wirklich
so
gebaut
haben
,
wo
sich
einige
Schwierigkeiten
finden
werden
.
und
,
ganz
am
Ende
,
wenn
du
nicht
dartust
,
ein
Homer
sei
schon
vor
dem
Homer
gewesen
,
so
lassen
wir
dir
gerne
die
Geschichte
kleiner
gelungner
und
mißlungner
Versuche
,
und
treten
anbetend
vor
das
Werk
des
Meisters
,
der
zuerst
die
zerstreuten
Elemente
in
ein
lebendiges
Ganze
zusammenschuf
.
und
du
,
mein
lieber
Bruder
im
Geiste
des
Forschens
nach
Wahrheit
und
Schönheit
,
verschließ
dein
Ohr
vor
allem
Wortgeprahle
über
bildende
Kunst
,
komm
,
genieße
und
schaue
.
hüte
dich
,
den
Namen
deines
edelsten
Künstlers
zu
entheiligen
,
und
eile
herbei
,
daß
du
schauest
sein
treffliches
Werk
!
macht
es
dir
einen
widrigen
Eindruck
,
oder
keinen
,
so
gehab
dich
wohl
,
laß
einspannen
,
und
so
weiter
nach
Paris
.
aber
zu
dir
,
teurer
Jüngling
,
gesell
'
ich
mich
,
der
du
bewegt
dastehst
und
die
Widersprüche
nicht
vereinigen
kannst
,
die
sich
in
deiner
Seele
kreuzen
,
bald
die
unwiderstehliche
Macht
des
großen
Ganzen
fühlst
,
bald
mich
einen
Träumer
schiltst
,
daß
ich
da
Schönheit
sehe
,
wo
du
nur
Stärke
und
Rauheit
siehst
.
laß
einen
Mißverstand
uns
nicht
trennen
,
laß
die
weiche
Lehre
neuerer
Schönheitelei
dich
für
das
bedeutende
Rauhe
nicht
verzärteln
,
daß
nicht
zuletzt
deine
kränkelnde
Empfindung
nur
eine
unbedeutende
Glätte
ertragen
könne
.
sie
wollen
euch
glauben
machen
,
die
schönen
Künste
seien
entstanden
aus
dem
Hang
,
den
wir
haben
sollen
,
die
Dinge
rings
um
uns
zu
verschönern
.
das
ist
nicht
wahr
!
denn
in
dem
Sinne
,
darin
es
wahr
sein
könnte
,
braucht
wohl
der
Bürger
und
Handwerker
die
Worte
,
kein
Philosoph
.
die
Kunst
ist
lange
bildend
,
eh
'
sie
schön
ist
,
und
doch
so
wahre
,
große
Kunst
,
ja
oft
wahrer
und
größer
als
die
schöne
selbst
.
denn
in
dem
Menschen
ist
eine
bildende
Natur
,
die
gleich
sich
tätig
beweist
,
wann
seine
Existenz
gesichert
ist
.
sobald
er
nichts
zu
sorgen
und
zu
fürchten
hat
,
greift
der
Halbgott
,
wirksam
in
seiner
Ruhe
,
umher
nach
Stoff
,
ihm
seinen
Geist
einzuhauchen
.
und
so
modelt
der
Wilde
mit
abenteuerlichen
Zügen
,
gräßlichen
Gestalten
,
hohen
Farben
seine
Kokos
,
seine
Federn
und
seinen
Körper
.
und
laßt
diese
Bildnerei
aus
den
willkürlichsten
Formen
bestehn
,
sie
wird
ohne
Gestaltsverhältnis
zusammenstimmen
;
denn
eine
Empfindung
schuf
sie
zum
charakteristischen
Gangen
.
diese
charakteristische
Kunst
ist
nun
die
einzige
wahre
.
wenn
sie
aus
inniger
,
einiger
,
eigner
,
selbstständiger
Empfindung
um
sich
wirkt
,
unbekümmert
,
ja
unwissend
alles
Fremden
,
da
mag
sie
aus
rauher
Wildheit
oder
aus
gebildeter
Empfindsamkeit
geboren
werden
,
sie
ist
ganz
und
lebendig
.
da
seht
ihr
bei
Nationen
und
einzelnen
Menschen
dann
unzählige
Grade
.
je
mehr
sich
die
Seele
erhebt
zu
dem
Gefühl
der
Verhältnisse
,
die
allein
schön
und
von
Ewigkeit
sind
,
deren
Hauptakkorde
man
beweisen
,
deren
Geheimnisse
man
nur
fühlen
kann
,
in
denen
sich
allein
das
Leben
des
gottgleichen
Genius
in
seligen
Melodien
herumwälzt
;
je
mehr
diese
Schönheit
in
das
Wesen
eines
Geistes
eindringt
,
daß
sie
mit
ihm
entstanden
zu
sein
scheint
,
daß
ihm
nichts
genugtut
als
sie
,
daß
er
nichts
aus
sich
wirkt
als
sie
,
desto
glücklicher
ist
der
Künstler
,
desto
herrlicher
ist
er
,
desto
tiefgebeugter
stehen
wir
da
und
beten
an
den
Gesalbten
Gottes
.
und
von
der
Stufe
,
auf
welche
Erwin
gestiegen
ist
,
wird
ihn
keiner
herabstoßen
.
hier
steht
sein
Werk
,
tretet
hin
und
erkennt
das
tiefste
Gefühl
von
Wahrheit
und
Schönheit
der
Verhältnisse
,
wirkend
aus
starker
,
rauher
,
deutscher
Seele
,
auf
dem
eingeschränkten
düstern
Pfaffenschauplatz
des
medii
aevi
.
und
unser
aevum
?
hat
auf
seinen
Genius
verziehen
,
hat
seine
Söhne
umhergeschickt
,
fremde
Gewächse
zu
ihrem
Verderben
einzusammeln
.
der
leichte
Franzose
,
der
noch
weit
ärger
stoppelt
,
hat
wenigstens
eine
Art
von
Witz
,
seine
Beute
zu
Einem
Ganzen
zu
fügen
,
er
baut
jetzt
aus
griechischen
Säulen
und
deutschen
Gewölbern
seiner
Magdalene
einen
Wundertempel
.
von
einem
unsrer
Künstler
,
als
er
ersucht
ward
,
zu
einer
altdeutschen
Kirche
ein
Portal
zu
erfinden
,
hab
'
ich
gesehen
ein
Modell
fertigen
,
stattlichen
antiken
Säulenwerks
.
wie
sehr
unsre
geschminkte
Puppenmaler
mir
verhaßt
sind
,
mag
ich
nicht
deklamieren
.
sie
haben
durch
theatralische
Stellungen
,
erlogne
Teints
und
bunte
Kleider
die
Augen
der
Weiber
gefangen
.
männlicher
Albrecht
Dürer
,
den
die
Neulinge
anspötteln
,
deine
holzgeschnitzteste
Gestalt
ist
mir
willkommner
.
und
ihr
selbst
,
treffliche
Menschen
,
denen
die
höchste
Schönheit
zu
genießen
gegeben
ward
,
und
nunmehr
herabtretet
,
zu
verkünden
eure
Seligkeit
,
ihr
schadet
dem
Genius
.
er
will
auf
keinen
fremden
Flügeln
,
und
wären's
die
Flügel
der
Morgenröte
,
emporgehoben
und
fortgerückt
werden
.
seine
eigne
Kräfte
sind's
,
die
sich
im
Kindertraum
entfalten
,
im
Jünglingsleben
bearbeiten
,
bis
er
stark
und
behend
wie
der
Löwe
des
Gebirges
auseilt
auf
Raub
.
drum
erzieht
sie
meist
die
Natur
,
weil
ihr
Pädagogen
ihm
nimmer
den
mannigfaltigen
Schauplatz
erkünsteln
könnt
,
stets
im
gegenwärtigen
Maß
seiner
Kräfte
zu
handeln
und
zu
genießen
.
heil
dir
,
Knabe
!
der
du
mit
einem
scharfen
Aug
'
für
Verhältnisse
geboren
wirst
,
dich
mit
Leichtigkeit
an
allen
Gestalten
zu
üben
.
wenn
denn
nach
und
nach
die
Freude
des
Lebens
um
dich
erwacht
und
du
jauchzenden
Menschengenuß
nach
Arbeit
,
Furcht
und
Hoffnung
fühlst
;
das
mutige
Geschrei
des
Winzers
,
wenn
die
Fülle
des
Herbsts
seine
Gefäße
anschwellt
,
den
belebten
Tanz
des
Schnitters
,
wenn
er
die
müßige
Sichel
hoch
in
den
Balken
geheftet
hat
;
wenn
denn
männlicher
die
gewaltige
Nerve
der
Begierden
und
Leiden
in
deinem
Pinsel
lebt
,
du
gestrebt
und
gelitten
genug
hast
,
und
genug
genossen
,
und
satt
bist
irdischer
Schönheit
,
und
wert
bist
,
auszuruhen
in
dem
Arme
der
Göttin
,
wert
,
an
ihrem
Busen
zu
fühlen
,
was
den
vergötterten
Herkules
neu
gebar
-
nimm
ihn
auf
,
himmlische
Schönheit
,
du
Mittlerin
zwischen
Göttern
und
Menschen
,
und
mehr
als
Prometheus
leit
'
er
die
Seligkeit
der
Götter
auf
die
Erde
.
Aus
den
Frankfurter
Gelehrten
Anzeigen
.
(
1772
)
die
schönen
Künste
in
ihrem
Ursprung
,
ihrer
wahren
Natur
und
besten
Anwendung
,
betrachtet
vn
J.
G.
Sulzer
.
Leipzig
1772
.
8.
85
S.
sehr
bequem
ins
Französische
zu
übersetzen
,
könnte
auch
wohl
aus
dem
Französischen
übersetzt
sein
.
Herr
Sulzer
,
der
nach
dem
Zeugnis
eines
unsrer
berühmten
Männer
ein
ebenso
großer
Philosoph
ist
als
irgendeiner
aus
dem
Altertume
,
scheint
in
seiner
Theorie
,
nach
Art
der
Alten
,
mit
einer
exotischen
Lehre
das
arme
Publikum
abzuspeisen
,
und
diese
Bogen
sind
,
wo
möglich
,
unbedeutender
als
alles
andre
.
die
schönen
Künste
,
ein
Artikel
der
allgemeinen
Theorie
,
tritt
hier
besonders
ans
Licht
,
um
die
Liebhaber
und
Kenner
desto
bälder
in
Stand
zu
setzen
,
vom
Ganzen
zu
urteilen
.
wir
haben
beim
Lesen
des
großen
Werks
bisher
schon
manchen
Zweifel
gehabt
;
da
wir
nun
aber
gar
die
Grundsätze
,
worauf
sie
gebaut
ist
,
den
Leim
,
der
die
verworfnen
Lexikonsglieder
zusammenkleben
soll
,
untersuchen
,
so
finden
wir
uns
in
der
Meinung
nur
zu
sehr
bestärkt
:
hier
sei
für
niemanden
nichts
getan
als
für
den
Schüler
,
der
Elementa
sucht
,
und
für
den
ganz
leichten
Dilettante
nach
der
Mode
.
daß
eine
Theorie
der
Künste
für
Deutschland
noch
nicht
gar
in
der
Zeit
sein
möchte
,
haben
wir
schon
ehmals
unsre
Gedanken
gesagt
.
wir
bescheiden
uns
wohl
,
daß
eine
solche
Meinung
die
Ausgabe
eines
solchen
Buches
nicht
hindern
kann
;
nur
warnen
können
und
müssen
wir
unsre
gute
junge
Freunde
vor
dergleichen
Werken
.
wer
von
den
Künsten
nicht
sinnliche
Erfahrung
hat
,
der
lasse
sie
lieber
.
warum
sollte
er
sich
damit
beschäftigen
?
weil
es
so
Mode
ist
?
er
bedenke
,
daß
er
sich
durch
alle
Theorie
den
Weg
zum
wahren
Genusse
versperrt
,
denn
ein
schädlicheres
Nichts
als
sie
ist
nicht
erfunden
worden
.
die
schönen
Künste
,
der
Grundartikel
Sulzerischer
Theorie
.
da
sind
sie
denn
,
versteht
sich
,
wieder
alle
beisammen
,
verwandt
oder
nicht
.
was
steht
im
Lexiko
nicht
alles
hintereinander
?
was
läßt
sich
durch
solche
Philosophie
nicht
verbinden
?
Malerei
und
Tanzkunst
,
Beredsamkeit
und
Baukunst
,
Dichtkunst
und
Bildhauerei
,
alle
aus
einem
Loche
,
durch
das
magische
Licht
eines
philosophischen
Lämpchens
auf
die
weiße
Wand
gezaubert
,
tanzen
sie
im
Wunderschein
buntfarbig
auf
und
nieder
,
und
die
verzückten
Zuschauer
frohlocken
sich
fast
außer
Atem
.
daß
einer
,
der
ziemlich
schlecht
räsonierte
,
sich
einfallen
ließ
,
gewisse
Beschäftigungen
und
Freuden
der
Menschen
,
die
bei
ungenialischen
,
gzwungnen
Nachahmern
Arbeit
und
Mühseligkeit
wurden
,
ließen
sich
unter
die
Rubrik
Künste
,
schöne
Künste
klassifizieren
,
zum
Behuf
theoretischer
Gaukelei
,
das
ist
denn
der
Bequemlichkeit
wegen
Leitfaden
geblieben
zur
Philosophie
darüber
,
da
sie
doch
nicht
verwandter
sind
als
septem
artes
liberales
der
alten
Pfaffenschulen
.
wir
erstaunen
,
wie
Herr
S.
,
wenn
er
auch
nicht
drüber
nachgedacht
hätte
,
in
der
Ausführung
die
große
Unbequemlichkeit
nicht
fühlen
mußte
,
daß
,
solange
man
in
generalioribus
sich
aufhält
,
man
nichts
sagt
und
höchstens
durch
Deklamation
den
Mangel
des
Stoffes
vor
Unerfahrnen
verbergen
kann
.
er
will
das
unbestimmte
Prinzipium
:
Nachahmung
der
Natur
,
verdrängen
und
gibt
uns
ein
gleich
unbedeutendes
dafür
:
die
Verschönerung
der
Dinge
.
er
will
,
nach
hergebrachter
Weise
,
von
Natur
auf
Kunst
herüberschließen
:
"
in
der
ganzen
Schöpfung
stimmt
alles
darin
überein
,
daß
das
Aug
'
und
die
andern
Sinnen
von
allen
Seiten
her
durch
angenehme
Eindrücke
gerührt
werden
"
.
gehört
denn
,
was
unangenehme
Eindrücke
auf
uns
macht
,
nicht
so
gut
in
den
Plan
der
Natur
als
ihr
Lieblichstes
?
sind
die
wütenden
Stürme
,
Wasserfluten
,
Feuerregen
,
unterirdische
Glut
,
und
Tod
in
allen
Elementen
nicht
ebenso
wahre
Zeugen
ihres
ewigen
Lebens
als
die
herrlich
aufgehende
Sonne
über
volle
Weinberge
und
duftende
Orangenhaine
?
was
würde
Herr
Sulzer
zu
der
liebreichen
Mutter
Natur
sagen
,
wenn
sie
ihm
eine
Metropolis
,
die
er
mit
allen
schönen
Künsten
,
Handlangerinnen
,
erbaut
und
bevölkert
hätte
,
in
ihren
Bauch
hinunterschlänge
?
ebensowenig
besteht
die
Folgerung
:
"
die
Natur
wollte
durch
die
von
allen
Seiten
auf
uns
zuströmenden
Annehmlichkeiten
unsre
Gemüter
überhaupt
zu
der
Sanftmut
und
Empfindsamkeit
bilden
"
.
überhaupt
tut
sie
das
nie
,
sie
härtet
vielmehr
,
Gott
sei
Dank
,
ihre
echten
Kinder
gegen
die
Schmerzen
und
Übel
ab
,
die
sie
ihnen
unablässig
bereitet
,
so
daß
wir
den
den
glücklichsten
Menschen
nennen
können
,
der
der
stärkste
wäre
,
dem
Übel
zu
entgegnen
,
es
von
sich
zu
weisen
und
ihm
zum
Trutz
den
Gang
seines
Willens
zu
gehen
.
das
ist
nun
einem
großen
Teil
der
Menschen
zu
beschwerlich
,
ja
unmöglich
;
daher
retirieren
und
retranchieren
sich
die
meisten
,
sonderlich
die
Philosophen
;
deswegen
sie
denn
auch
überhaupt
so
adäquat
disputieren
.
wie
partikular
und
eingeschränkt
ist
folgendes
,
und
wie
viel
soll
es
beweisen
!
"
vorzüglich
hat
diese
zärtliche
Mutter
den
vollen
Reiz
der
Annehmlichkeit
in
die
Gegenstände
gelegt
,
die
uns
zur
Glückseligkeit
am
nötigsten
sind
,
besonders
die
selige
Vereinigung
,
wodurch
der
Mensch
eine
Gattin
findet
"
.
wir
ehren
die
Schönheit
von
ganzem
Herzen
,
sind
für
ihre
Attraktion
nie
unfühlbar
gewesen
;
allein
sie
hier
zum
primo
mobili
zu
machen
,
kann
nur
der
,
der
von
den
geheimnisvollen
Kräften
nichts
ahndet
,
durch
die
jedes
zu
seinesgleichen
gezogen
wird
,
alles
unter
der
Sonne
sich
paart
und
glücklich
ist
.
wäre
es
nun
also
auch
wahr
,
daß
die
Künste
zu
Verschönerung
der
Dinge
um
uns
wirken
,
so
ist's
doch
falsch
,
daß
sie
es
nach
dem
Beispiele
der
Natur
tun
.
was
wir
von
Natur
sehn
,
ist
Kraft
,
die
Kraft
verschlingt
;
nichts
gegenwärtig
,
alles
vorübergehend
,
tausend
Keime
zertreten
,
jeden
Augenblick
tausend
geboren
,
groß
und
bedeutend
,
mannigfaltig
ins
Unendliche
;
schön
und
häßlich
,
gut
und
bös
,
alles
mit
gleichem
Rechte
nebeneinander
existierend
.
und
die
Kunst
ist
gerade
das
Widerspiel
;
sie
entspringt
aus
den
Bemühungen
des
Individuums
,
sich
gegen
die
zerstörende
Kraft
des
Ganzen
zu
erhalten
.
schon
das
Tier
durch
seine
Kunsttriebe
scheidet
,
verwahrt
sich
;
der
Mensch
durch
alle
Zustände
befestigt
sich
gegen
die
Natur
,
ihre
tausendfache
Übel
zu
vermeiden
und
nur
das
Maß
von
Gutem
zu
genießen
;
bis
es
ihm
endlich
gelingt
,
die
Zirkulation
aller
seiner
wahr-
und
gemachten
Bedürfnisse
in
einen
Palast
einzuschließen
,
sofern
es
möglich
ist
,
alle
zerstreute
Schönheit
und
Glückseligkeit
in
seine
gläserne
Mauer
zu
bannen
,
wo
er
denn
immer
weicher
und
weicher
wird
,
den
Freuden
des
Körpers
Freuden
der
Seele
substituiert
,
und
seine
Kräfte
,
von
keiner
Widerwärtigkeit
zum
Naturgebrauche
aufgespannt
,
in
Tugend
,
Wohltätigkeit
,
Empfindsamkeit
zerfließen
.
Herr
S.
geht
nun
seinen
Gang
,
den
wir
ihm
nicht
folgen
mögen
;
an
einem
großen
Trupp
Schüler
kann's
ihm
so
nicht
fehlen
,
denn
er
setzt
Milch
vor
und
nicht
starke
Speise
;
redet
viel
von
dem
Wesen
der
Künste
,
Zweck
;
und
preist
ihre
hohe
Nutzbarkeit
als
Mittel
zu
Beförderung
der
menschlichen
Glückseligkeit
.
wer
den
Menschen
nur
einigermaßen
kennt
,
und
Künste
und
Glückseligkeit
,
wird
hier
wenig
hoffen
;
es
werden
ihm
die
vielen
Könige
einfallen
,
die
mitten
im
Glanz
ihrer
Herrlichkeit
der
Ennui
zu
Tode
fraß
.
denn
wenn
es
nur
auf
Kennerschaft
angesehn
ist
,
wenn
der
Mensch
nicht
mitwirkend
genießt
,
müssen
bald
Hunger
und
Ekel
,
die
zwei
feindlichsten
Triebe
,
sich
vereinigen
,
den
elenden
Pococurante
zu
quälen
.
hierauf
läßt
er
sich
ein
auf
eine
Abbildung
der
Schicksale
schöner
Künste
und
ihres
gegenwärtigen
Zustandes
,
die
denn
mit
recht
schönen
Farben
hin
imaginiert
ist
,
so
gut
und
nicht
besser
als
die
Geschichten
der
Menschheit
,
die
wir
so
gewohnt
worden
sind
in
unsern
Tagen
,
wo
immer
das
Märchen
der
vier
Weltalter
suffizienter
ist
,
und
im
Ton
der
zum
Roman
umpragmatisierten
Geschichte
.
nun
kommt
Herr
S.
auf
unsere
Zeiten
und
schilt
,
wie
es
einem
Propheten
geziemt
,
wacker
auf
sein
Jahrhundert
;
leugnet
zwar
nicht
,
daß
die
schönen
Künste
mehr
als
zuviel
Beförderer
und
Freunde
gefunden
haben
,
weil
sie
aber
zum
großen
Zweck
,
zur
moralischen
Besserung
des
Volks
,
noch
nicht
gebraucht
worden
,
haben
die
Großen
nichts
getan
.
er
träumt
mit
andern
,
eine
weise
Gesetzgebung
würde
zugleich
Genies
beleben
und
auf
den
wahren
Zweck
zu
arbeiten
anweisen
können
,
und
was
dergleichen
mehr
ist
.
zuletzt
wirft
er
die
Frage
auf
,
deren
Beantwortung
den
Weg
zur
wahren
Theorie
eröffnen
soll
:
"
wie
ist
es
anzufangen
,
daß
der
dem
Menschen
angeborne
Hang
zur
Sinnlichkeit
zu
Erhöhung
seiner
Sinnesart
angewendet
und
in
besondern
Fällen
als
ein
Mittel
gebraucht
werde
,
ihn
unwiderstehlich
zu
seiner
Pflicht
zu
reizen
?
"
so
halb
und
mißverstanden
und
in
den
Wind
,
als
der
Wunsch
Cicerons
,
die
Tugend
in
körperlicher
Schönheit
seinem
Sohne
zuzuführen
.
Herr
S.
beantwortet
auch
die
Frage
nicht
,
sondern
deutet
nur
,
worauf
es
hier
ankomme
,
und
wir
machen
das
Büchlein
zu
.
ihm
mag
sein
Publikum
von
Schülern
und
Kennerchens
getreu
bleiben
,
wir
wissen
,
daß
alle
wahre
Künstler
und
Liebhaber
auf
unsrer
Seite
sind
,
die
so
über
den
Philosophen
lachen
werden
,
wie
sie
sich
bisher
über
die
Gelehrten
beschwert
haben
.
und
zu
diesen
noch
ein
paar
Worte
,
auf
einige
Künste
eingeschränkt
,
das
auf
so
viele
gelten
mag
als
kann
.
wenn
irgendeine
spekulative
Bemühung
den
Künsten
nützen
soll
,
so
muß
sie
den
Künstler
grade
angehen
,
seinem
natürlichen
Feuer
Luft
machen
,
daß
es
um
sich
greife
und
sich
tätig
erweise
.
denn
um
den
Künstler
allein
ist's
zu
tun
,
daß
der
keine
Seligkeit
des
Lebens
fühlt
als
in
seiner
Kunst
,
daß
,
in
sein
Instrument
versunken
,
er
mit
allen
seinen
Empfindungen
und
Kräften
da
lebt
.
am
gaffenden
Publikum
,
ob
das
,
wenn's
ausgegafft
hat
,
sich
Rechenschaft
geben
kann
,
warum's
gaffte
,
oder
nicht
,
was
liegt
an
dem
?
wer
also
schriftlich
,
mündlich
oder
im
Beispiel
,
immer
einer
besser
als
der
andre
,
den
sogenannten
Liebhabeer
,
das
einzige
wahre
Publikum
des
Künstlers
,
immer
näher
und
näher
zum
Künstlergeist
aufheben
könnte
,
daß
die
Seele
mit
einflösse
ins
Instrument
,
der
hätte
mehr
getan
als
alle
psychologische
Theoristen
.
die
Herren
sind
so
hoch
droben
im
Empyreum
transzendenter
Tugendschöne
,
daß
sie
sich
um
Kleinigkeiten
hienieden
nichts
kümmern
,
auf
die
alles
ankommt
.
wer
von
uns
Erdensöhnen
hingegen
sieht
nicht
mit
Erbarmen
,
wieviel
gute
Seelen
z.
B.
in
der
Musik
an
ängstlicher
mechanischer
Ausübung
hangenbleiben
,
drunter
erliegen
?
Gott
erhalt
'
unsre
Sinnen
,
und
bewahr
'
uns
vor
der
Theorie
der
Sinnlichkeit
,
und
gebe
jedem
Anfänger
einen
rechten
Meister
!
weil
denn
die
nun
nicht
überall
und
immer
zu
haben
sind
,
und
es
doch
auch
geschrieben
sein
soll
,
so
gebe
uns
Künstler
und
Liebhaber
ein
peri
heautou
seiner
Bemühungen
,
der
Schwierigkeiten
,
die
ihn
am
meisten
aufgehalten
,
der
Kräfte
,
mit
denen
er
überwunden
,
des
Zufalls
,
der
ihm
geholfen
,
des
Geistes
,
der
in
gewissen
Augenblicken
über
ihn
gekommen
und
ihn
auf
sein
Leben
erleuchtet
,
bis
er
zuletzt
,
immer
zunehmend
,
sich
zum
mächtigen
Besitz
hinaufgeschwungen
und
als
König
und
Überwinder
die
benachbarten
Künste
,
ja
die
ganze
Natur
zum
Tribute
genötigt
.
so
würden
wir
nach
und
nach
vom
Mechanischen
zum
Intellektuellen
,
vom
Harbenreiben
und
Saitenaufziehen
zum
wahren
Einfluß
der
Künste
auf
Herz
und
Sinn
eine
lebendige
Theorie
versammeln
,
würden
dem
Liebhaber
Freude
und
Mut
machen
,
und
vielleicht
dem
Genie
etwas
nutzen
.
englische
Kupferstiche
.
...
zwei
Landschaften
nach
Claude
Lorrain
.
Kinder
des
wärmsten
poetischen
Gefühls
,
reich
an
Gedanken
,
Ahndungen
und
paradiesischen
Blicken
.
das
erste
,
gestochen
von
Mason
,
ein
Morgen
.
hier
landet
eine
Flotte
,
von
der
Morgensonne
,
die
überm
Horizont
noch
im
Nebel
dämmert
,
angeblickt
,
an
den
Küsten
des
glücklichsten
Weltteils
;
hier
hauchen
Felsen
und
Büsche
in
jugendlicher
Schönheit
ihren
Morgenatem
um
einen
Tempel
edelster
Baukunst
,
ein
Zeichen
edelster
Bewohner
.
wer
bist
du
?
der
landet
?
an
den
Küsten
,
die
von
Göttern
geliebt
und
geschützt
,
in
untadelicher
Natur
aufblühen
,
kommst
du
mit
deinen
Heeren
,
Feind
oder
Gast
des
edlen
Volks
?
es
ist
äneas
,
freundliche
Winde
von
den
Göttern
führen
dich
in
den
Busen
Italiens
.
heil
dir
,
Held
!
werde
die
Ahndung
wahr
!
der
heilige
Morgen
verkündet
einen
Tag
der
Klarheit
,
der
hohen
Sonne
,
sei
er
dir
Vorbote
der
Herrlichkeit
deines
Reichs
und
seiner
taggleich
aufsteigenden
Größe
.
das
zweite
!
herabgestiegen
ist
die
Sonne
,
vollendet
ihr
Taglauf
,
sinkt
in
Nebel
und
dämmert
über
Ruinen
in
weiter
Gegend
.
Nacht
wird
zur
Seite
hier
der
Felsenwald
,
die
Schafe
stehn
und
schauen
nach
dem
Heimweg
,
und
mühsam
zwingen
diese
Mädchen
die
Ziege
zum
Bade
im
Teich
.
zusammengestürzt
bist
du
Reich
,
zertrümmert
deine
Triumphbogen
,
zerfallen
deine
Paläste
,
mit
Sträuchen
verwachsen
und
düster
,
und
über
deiner
öden
Grabstätte
dämmert
Nebel
im
sinkenden
Sonnenglanz
.
aus
Goethes
Brieftasche
.
ich
hatte
vor
einiger
Zeit
versprochen
,
dies
Buch
mit
Anmerkungen
herauszugeben
,
nun
ist
mir
aber
zeither
die
Lust
vergangen
,
Anmerkungen
zu
machen
,
da
ich
gespürt
habe
,
daß
jedermann
gerne
die
Mühe
über
sich
nimmt
.
das
Buch
mag
immer
für
Deutschland
brauchbar
sein
,
das
in
den
Taschen
seiner
französischen
Pumphosen
viel
Wahres
,
Gutes
und
Edles
mit
sich
herumträgt
.
es
ist
endlich
einmal
Zeit
,
daß
man
aufgehöret
hat
,
über
die
Form
dramatischer
Stücke
zu
reden
,
über
ihre
Länge
und
Kürze
,
ihre
Einheiten
,
ihren
Anfang
,
ihr
Mittel
und
Ende
,
und
wie
das
Zeug
alle
hieß
.
auch
geht
unser
Verfasser
ziemlich
stracks
auf
den
Inhalt
los
,
der
sich
sonst
so
von
selbst
zu
geben
schien
.
deswegen
gibt's
doch
eine
Form
,
die
sich
von
jener
unterscheidet
wie
der
innere
Sinn
vom
äußern
,
die
nicht
mit
Händen
gegriffen
,
die
gefühlt
sein
will
.
unser
Kopf
muß
übersehen
,
was
ein
andrer
Kopf
fassen
kann
;
unser
Herz
muß
empfinden
,
was
ein
andres
füllen
mag
.
das
Zusammenwerfen
der
Regeln
gibt
keine
Ungebundenheit
,
und
wenn
ja
das
Beispiel
gefährlich
sein
sollte
,
so
ist's
doch
im
Grunde
besser
,
ein
verworrnes
Stück
machen
,
als
ein
kaltes
.
freilich
wenn
mehrere
das
Gefühl
dieser
innern
Form
hätten
,
die
alle
Formen
in
sich
begreift
,
würden
wir
weniger
verschobne
Geburten
des
Geistes
aneklen
.
man
würde
sich
nicht
einfallen
lassen
,
jede
tragische
Begebenheit
zum
Drama
zu
strecken
,
nicht
jeden
Roman
zum
Schauspiel
zerstücklen
!
ich
wollte
,
daß
ein
guter
Kopf
dies
doppelte
Unwesen
parodierte
,
und
etwa
die
Äsopische
Fabel
vom
Wolf
und
Lamme
zum
Trauerspiel
in
fünf
Akten
umarbeitete
.
jede
Form
,
auch
die
gefühlteste
,
hat
etwas
Unwahres
;
allein
sie
ist
ein
für
allemal
das
Glas
,
wodurch
wir
die
heiligen
Strahlen
der
verbreiteten
Natur
an
das
Herz
der
Menschen
zum
Feuerblick
sammeln
.
aber
das
Glas
!
wem's
nicht
gegeben
wird
,
wird's
nicht
erjagen
,
es
ist
,
wie
der
geheimnisvolle
Stein
der
Alchimisten
,
Gefäß
und
Materie
,
Feuer
und
Kühlbad
.
so
einfach
,
daß
es
vor
allen
Türen
liegt
,
und
so
ein
wunderbar
Ding
,
daß
just
die
Leute
,
die
es
besitzen
,
meist
keinen
Gebrauch
davon
machen
können
.
wer
übrigens
eigentlich
für
die
Bühne
arbeiten
will
,
studiere
die
Bühne
,
Wirkung
der
Fernemalerei
,
der
Lichter
,
Schminke
,
Glanzleinewand
und
Flittern
,
lasse
die
Natur
an
ihrem
Ort
,
und
bedenke
ja
fleißig
,
nichts
anzulegen
,
als
was
sich
auf
Brettern
zwischen
Latten
,
Pappendeckel
und
Leinewand
durch
Puppen
,
vor
Kindern
ausführen
läßt
.
folgende
Blätter
streu
'
ich
ins
Publikum
mit
der
Hoffnung
,
daß
sie
die
Menschen
finden
werden
,
denen
sie
Freude
machen
können
.
sie
enthalten
Bemerkungen
und
Grillen
des
Augenblicks
,
meist
über
bildende
Kunst
,
und
scheinen
also
hier
am
unrechten
Platz
hingeworfen
.
sei's
also
nur
denen
,
die
einen
Sprung
über
die
Gräben
,
wodurch
Kunst
von
Kunst
gesondert
wird
,
als
salto
mortale
nicht
fürchten
,
und
solchen
,
die
mit
freundlichem
Herzen
aufnehmen
,
was
man
ihnen
in
harmloser
Zutraulichkeit
hinreicht
.
so
auch
mit
den
Gedichten
.
I.
nach
Falconet
und
über
Falconet
.
-
"
aber
"
,
möchte
einer
sagen
,
"
diese
schwebende
Verbindungen
,
diese
Glanzkraft
des
Marmors
,
die
die
Übereinstimmung
hervorbringen
,
diese
Übereinstimmung
selbst
,
begeistert
sie
nicht
den
Künstler
mit
der
Weichheit
,
mit
der
Lieblichkeit
,
die
er
nachher
in
seine
Werke
legt
?
der
Gips
dagegen
,
beraubt
er
ihn
nicht
einer
Quelle
von
Annehmlichkeiten
,
die
sowohl
die
Malerei
als
die
Bildhauerkunst
erheben
?
diese
Bemerkung
ist
nur
obenhin
.
der
Künstler
findet
die
Zusammenstimmung
weit
stärker
in
den
Gegenständen
der
Natur
als
in
einem
Marmor
,
der
sie
vorstellt
.
das
ist
die
Quelle
,
wo
er
unaufhörlich
schöpft
,
und
da
hat
er
nicht
,
wie
bei
der
Arbeit
nach
dem
Marmor
,
zu
fürchten
,
ein
schwanker
Kolorist
zu
werden
.
man
vergleiche
nur
,
was
diesen
Teil
betrifft
,
Rembrandt
und
Rubens
mit
Poussin
und
entscheide
nachher
,
was
ein
Künstler
mit
allen
den
sogenannten
Vorzügen
des
Marmors
gewinnt
.
auch
sucht
der
Bildhauer
die
Stimmung
nicht
in
der
Materie
,
woraus
er
arbeitet
,
er
versteht
sie
in
der
Natur
zu
sehen
,
er
findet
sie
so
gut
in
dem
Gips
als
in
dem
Marmor
;
denn
es
ist
falsch
,
daß
der
Gips
eines
harmonischen
Marmors
nicht
auch
harmonisch
sei
,
sonst
würde
man
nur
Abgüsse
ohne
Gefühl
machen
können
;
das
Gefühl
ist
Übereinstimmung
und
vice
versa
"
.
die
Liebhaber
,
die
so
bezaubert
von
diesen
Tons
,
diesen
feinen
Schwingungen
sind
,
haben
nicht
unrecht
;
denn
es
zeigen
sich
solche
an
dem
Marmor
so
gut
wie
in
der
ganzen
Natur
,
nur
erkennt
man
sie
leichter
da
,
wegen
der
einfachen
und
starken
Wirkung
,
und
der
Liebhaber
,
weil
er
sie
hier
zum
erstenmal
bemerkt
,
glaubt
,
daß
sie
nirgends
oder
wenigstens
nirgends
so
kräftig
anzutreffen
seien
.
das
Aug
'
des
Künstlers
aber
findet
sie
überall
.
er
mag
die
Werkstätte
eines
Schusters
betreten
oder
einen
Stall
,
er
mag
das
Gesicht
seiner
Geliebten
,
seine
Stiefel
oder
die
Antike
ansehn
,
überall
sieht
er
die
heiligen
Schwingungen
und
leise
Töne
,
womit
die
Natur
alle
Gegenstände
verbindet
.
bei
jedem
Tritte
eröffnet
sich
ihm
die
magische
Welt
,
die
jene
große
Künstler
innig
und
beständig
umgab
,
deren
Werke
in
Ewigkeit
den
wetteifernden
Künstler
zur
Ehrfurcht
hinreißen
,
alle
Verächter
,
ausländische
und
inländische
,
studierte
und
unstudierte
,
im
Zaum
halten
,
und
den
reichen
Sammler
in
Kontribution
setzen
werden
.
jeder
Mensch
hat
mehrmal
in
seinem
Leben
die
Gewalt
dieser
Zauberei
gefühlt
,
die
den
Künstler
allgegenwärtig
faßt
,
dadurch
ihm
die
Welt
ringsumher
belebt
wird
.
wer
ist
nicht
einmal
beim
Eintritt
in
einen
heiligen
Wald
von
Schauer
überfallen
worden
?
wen
hat
die
umfangende
Nacht
nicht
mit
einem
unheimlichen
Grausen
geschüttelt
?
wem
hat
nicht
in
Gegenwart
seines
Mädchens
die
ganze
Welt
golden
geschienen
?
wer
fühlte
nicht
an
ihrem
Arme
Himmel
und
Erde
in
wonnevollsten
Harmonien
zusammenfließen
?
davon
fühlt
nun
der
Künstler
nicht
allein
die
Wirkungen
,
er
dringt
bis
in
die
Ursachen
hinein
,
die
sie
hervorbringen
.
die
Welt
liegt
vor
ihm
,
möcht
'
ich
sagen
,
wie
vor
ihrem
Schöpfer
,
der
in
dem
Augenblick
,
da
er
sich
des
Geschaffnen
freut
,
auch
alle
die
Harmonien
genießt
,
durch
die
er
sie
hervorbrachte
und
in
denen
sie
besteht
.
drum
glaubt
nicht
so
schnell
zu
verstehen
,
was
das
heiße
:
das
Gefühl
ist
die
Harmonie
und
vice
versa
.
und
das
ist
es
,
was
immer
durch
die
Seele
des
Künstlers
webt
,
was
in
ihm
nach
und
nach
sich
zum
verstandensten
Ausdrucke
drängt
,
ohne
durch
die
Erkenntniskraft
durchgegangen
zu
sein
.
auch
dieser
Zauber
ist's
,
der
aus
den
Sälen
der
Großen
und
aus
ihren
Gärten
flieht
,
die
nur
zum
Durchstreifen
,
nur
zum
Schauplatz
der
aneinander
hinwischenden
Eitelkeit
ausstaffiert
und
beschnitten
sind
.
nur
da
,
wo
Vertraulichkeit
,
Bedürfnis
,
Innigkeit
wohnen
,
wohnt
alle
Dichtungskraft
,
und
weh
dem
Künstler
,
der
seine
Hütte
verläßt
,
um
in
den
akademischen
Pranggebäuden
sich
zu
verflattern
!
denn
wie
geschrieben
steht
:
es
seie
schwer
,
daß
ein
Reicher
ins
Reich
Gottes
komme
,
ebenso
schwer
ist's
auch
,
daß
ein
Mann
,
der
sich
der
veränderlichen
modischen
Art
gleichstellt
,
der
sich
an
der
Flitterherrlichkeit
der
neuen
Welt
ergötzt
,
ein
gefühlvoller
Künstler
werde
.
alle
Quellen
natürlicher
Empfindung
,
die
der
Fülle
unsrer
Väter
offen
waren
,
schließen
sich
ihm
.
die
papierne
Tapete
,
die
an
seiner
Wand
in
wenig
Jahren
verbleicht
,
ist
ein
Zeugnis
seines
Sinns
und
ein
Gleichnis
seiner
Werke
.
über
das
Übliche
sind
schon
so
viel
Blätter
verdorben
worden
;
mögen
diese
mit
drein
gehn
.
mich
dünkt
,
das
Schickliche
gelte
in
aller
Welt
fürs
Übliche
;
und
was
ist
in
der
Welt
schicklicher
als
das
Gefühlte
?
Rembrandt
,
Raffael
,
Rubens
kommen
mir
in
ihren
geistlichen
Geschichten
wie
wahre
Heilige
vor
,
die
sich
Gott
überall
auf
Schritt
und
Tritt
,
im
Kämmerlein
und
auf
dem
Felde
gegenwärtig
fühlen
und
nicht
des
umständlichen
Prachts
von
Tempeln
und
Opfern
bedürfen
,
um
ihn
an
ihre
Herzen
herbeizuzerren
.
ich
setze
da
drei
Meister
zusammen
,
die
man
fast
immer
durch
Berge
und
Meere
zu
trennen
pflegt
,
aber
ich
dürfte
mich
wohl
getrauen
,
noch
manche
große
Namen
herzusetzen
,
und
zu
beweisen
,
daß
sie
sich
alle
in
diesem
wesentlichen
Stücke
gleich
waren
.
ein
großer
Maler
wie
der
andre
lockt
durch
große
und
kleine
empfundne
Naturzüge
den
Zuschauer
,
daß
er
glauben
soll
,
er
sei
in
die
Zeiten
der
vorgestellten
Geschichte
entrückt
,
und
wird
nur
in
die
Vorstellungsart
,
in
das
Gefühl
des
Malers
versetzt
.
und
was
kann
er
im
Grunde
verlangen
,
als
daß
ihm
Geschichte
der
Menschheit
mit
und
zu
wahrer
menschlicher
Teilnehmung
hingezaubert
werde
?
wenn
Rembrandt
seine
Mutter
Gottes
mit
dem
Kinde
als
niederländische
Bäurin
vorstellt
,
sieht
freilich
jedes
Herrchen
,
daß
entsetzlich
gegen
die
Geschichte
geschlägt
ist
,
welche
vermeldet
:
Christus
seie
zu
Bethlehem
im
jüdischen
Lande
geboren
worden
.
das
haben
die
Italiener
besser
gemacht
!
sagt
er
.
und
wie
?
-
hat
Raffael
was
anders
,
was
mehr
gemalt
eine
liebende
Mutter
mit
ihrem
Ersten
,
Einzigen
?
und
war
aus
dem
Sujet
etwas
anders
zu
malen
?
und
ist
Mutterliebe
in
ihren
Abschattungen
nicht
eine
ergiebige
Quelle
für
Dichter
und
Maler
in
allen
Zeiten
?
aber
es
sind
die
biblischen
Stücke
alle
durch
kalte
Veredlung
und
die
gesteifte
Kirchenschicklichkeit
aus
ihrer
Einfalt
und
Wahrheit
herausgezogen
und
dem
teilnehmenden
Herzen
entrissen
worden
,
um
gaffende
Augen
des
Dumpfsinns
zu
blenden
.
sitzt
nicht
Maria
zwischen
den
Schnörkeln
aller
Altareinfassungen
vor
den
Hirten
mit
dem
Knäblein
da
,
als
ließ
'
sie's
um
Geld
sehn
oder
habe
sich
,
nach
ausgeruhten
vier
Wochen
,
mit
aller
Kindbettsmuße
und
Weibseitelkeit
auf
die
Ehre
dieses
Besuchs
vorbereitet
?
das
ist
nun
schicklich
!
das
ist
gehörig
!
das
stößt
nicht
mit
der
Geschichte
!
wie
behandelt
Rembrandt
diesen
Vorwurf
?
er
versetzt
uns
in
einen
dunkeln
Stall
;
Not
hat
die
Gebärerin
getrieben
,
das
Kind
an
der
Brust
,
mit
dem
Vieh
das
Lager
zu
teilen
;
sie
sind
beide
bis
an
Hals
mit
Stroh
und
Kleidern
zugedeckt
;
es
ist
alles
düster
,
außer
einem
Lämpchen
,
das
dem
Vater
leuchtet
,
der
mit
einem
Büchelchen
dasitzt
und
Marien
einige
Gebete
vorzulesen
scheint
.
in
dem
Augenblick
treten
die
Hirten
herein
.
der
vorderste
,
der
mit
einer
Stalllaterne
vorangeht
,
guckt
,
indem
er
die
Mütze
abnimmt
,
in
das
Stroh
.
war
an
diesem
Platze
die
Frage
deutlicher
auszudrücken
:
ist
hier
der
neugeborne
König
der
Juden
?
und
so
ist
alles
Costume
lächerlich
!
denn
auch
der
Maler
,
der's
euch
am
besten
zu
beobachten
scheint
,
beobachtet's
nicht
einen
Augenblick
.
derjenige
,
der
auf
die
Tafel
des
reichen
Manns
Stengelgläser
setzte
,
würde
übel
angesehen
werden
,
und
drum
hilft
er
sich
mit
abenteuerlichen
Formen
,
belügt
euch
mit
unbekannten
Töpfen
,
aus
welchem
uralten
Gerümpelschranke
er
nur
immer
mag
,
und
zwingt
euch
durch
den
markleeren
Adel
überirdischer
Wesen
in
stattlich
gefalteten
Schleppmänteln
zu
Bewundrung
und
Ehrfurcht
.
was
der
Künstler
nicht
geliebt
hat
,
nicht
liebt
,
soll
er
nicht
schildern
,
kann
er
nicht
schildern
.
ihr
findet
Rubensens
Weiber
zu
fleischig
!
ich
sage
euch
,
es
waren
seine
Weiber
,
und
hätt
'
er
Himmel
und
Hölle
,
Luft
,
Erd
'
und
Meer
mit
Idealen
bevölkert
,
so
wäre
er
ein
schlechter
Ehmann
gewesen
,
und
es
wäre
nie
kräftiges
Fleisch
von
seinem
Fleisch
und
Bein
von
seinem
Bein
geworden
.
es
ist
törig
,
von
einem
Künstler
zu
fordern
,
er
soll
viel
,
er
soll
alle
Formen
umfassen
.
hatte
doch
oft
die
Natur
selbst
für
ganze
Provinzen
nur
eine
Gesichtsgestalt
zu
vergeben
.
wer
allgemein
sein
will
,
wird
nichts
,
die
Einschränkung
ist
dem
Künstler
so
notwendig
als
jedem
,
der
aus
sich
was
Bedeutendes
bilden
will
.
das
Haften
an
ebendenselben
Gegenständen
,
an
dem
Schrank
voll
alten
Hausrats
und
wunderbaren
Lumpen
hat
Rembrandt
zu
dem
Einzigen
gemacht
,
der
er
ist
.
denn
ich
will
hier
nur
von
Licht
und
Schatten
reden
,
ob
sich
gleich
auf
Zeichnung
eben
das
anwenden
läßt
.
das
Haften
an
eben
der
Gestalt
unter
einer
Lichtsart
muß
notwendig
den
,
der
Auge
hat
,
endlich
in
alle
Geheimnisse
leiten
,
wodurch
sich
das
Ding
ihm
darstellt
,
wie
es
ist
.
nimm
jetzo
das
Haften
an
einer
Form
,
unter
allen
Lichtern
,
so
wird
dir
dieses
Ding
immer
lebendiger
,
wahrer
,
runder
,
es
wird
endlich
du
selbst
werden
.
aber
bedenke
,
daß
jeder
Menschenkraft
ihre
Grenzen
gegeben
sind
.
wieviel
Gegenstände
bist
du
imstande
so
zu
fassen
,
daß
sie
aus
dir
wieder
neu
hervorgeschaffen
werden
mögen
?
das
frag
'
dich
,
geh
vom
Häuslichen
aus
und
verbreite
dich
,
so
du
kannst
,
über
alle
Welt
.
II
.
dritte
Wallfahrt
nach
Erwins
Grabe
im
Juli
1775
.
Vorbereitung
.
wieder
an
deinem
Grabe
und
dem
Denkmal
des
ewigen
Lebens
in
dir
über
deinem
Grabe
,
heiliger
Erwin
!
fühle
ich
,
Gott
sei
Dank
,
daß
ich
bin
,
wie
ich
war
,
noch
immer
so
kräftig
gerührt
von
dem
Großen
und
,
wo
Wonne
!
noch
einziger
,
ausschließender
gerührt
von
dem
Wahren
als
ehemals
,
da
ich
oft
aus
kindlicher
Ergebenheit
das
zu
ehren
mich
bestrebte
,
wofür
ich
nichts
fühlte
und
,
mich
selbst
betrügend
,
den
kraft-
und
wahrheitsleeren
Gegenstand
mit
liebevoller
Ahndung
übertünchte
.
wieviel
Nebel
sind
von
meinen
Augen
gefallen
,
und
doch
bist
du
nicht
aus
meinem
Herzen
gewichen
,
alles
belebende
Liebe
!
die
du
mit
der
Wahrheit
wohnst
,
ob
sie
gleich
sagen
,
du
seist
lichtscheu
und
entfliehend
im
Nebel
.
Gebet
.
du
bist
Eins
und
lebendig
,
gezeugt
und
entfaltet
,
nicht
zusammengetragen
und
geflickt
.
vor
dir
,
wie
vor
dem
schaumstürmenden
Sturze
des
gewaltigen
Rheins
,
wie
vor
der
glänzenden
Krone
der
ewigen
Schneegebirge
,
wie
vor
dem
Anblick
des
heiter
ausgebreiteten
Sees
und
deiner
Wolkenfelsen
und
wüsten
Täler
,
grauer
Gotthard
!
wie
vor
jedem
großen
Gedanken
der
Schöpfung
,
wird
in
der
Seele
reg
,
was
auch
Schöpfungskraft
in
ihr
ist
.
in
Dichtung
stammelt
sie
über
,
in
kritzlenden
Strichen
wühlt
sie
auf
dem
Papier
Anbetung
dem
Schaffenden
,
ewiges
Leben
,
umfassendes
,
unauslöschliches
Gefühl
des
,
das
da
ist
und
da
war
und
da
sein
wird
.
erste
Station
.
ich
will
schreiben
,
denn
mir
ist's
wohl
,
und
sooft
ich
da
schrieb
,
ist's
auch
andern
wohl
worden
,
die's
lasen
,
wenn
ihnen
das
Blut
rein
durch
die
Adern
floß
und
die
Augen
ihnen
hell
waren
.
mög
'
es
euch
wohl
sein
,
meine
Frende
,
wie
mir
in
der
Luft
,
die
mir
über
alle
Dächer
der
verzerrten
Stadt
morgendlich
auf
diesem
Umgange
entgegenweht
.
zweite
Station
.
höher
in
der
Luft
,
hinabschauend
,
schon
überschauend
die
herrliche
Ebne
,
vaterlandwärts
,
liebwärts
und
doch
voll
bleibenden
Gefühls
des
gegenwärtigen
Augenblicks
.
ich
schrieb
ehmals
ein
Blatt
verhüllter
Innigkeit
,
das
wenige
gute
Seelen
nur
Funken
wehen
sahen
des
,
was
sie
unaussprechlich
und
unausgesprochen
glücklich
macht
.
wunderlich
war's
,
von
einem
Gebäude
geheimnisvoll
reden
,
Tatsachen
in
Rätsel
hüllen
,
und
von
Maßverhältnissen
poetisch
lallen
!
und
doch
geht
mir's
jetzt
nicht
besser
.
so
sei
es
denn
mein
Schicksal
,
wie
es
dein
Schicksal
ist
,
himmelan
strebender
Turn
,
und
deins
,
weitverbreitete
Welt
Gottes
!
angegafft
und
läppchensweise
in
den
Gehirnchen
der
Welschen
aller
Völker
auftapeziert
zu
werden
.
dritte
Station
.
hätt
'
ich
euch
bei
mir
,
schöpfungsvolle
Künstler
,
gefühlvolle
Kenner
!
deren
ich
auf
meinen
kleinen
Wanderungen
so
viele
fand
,
und
auch
euch
,
die
ich
nicht
fand
und
die
sind
.
wenn
euch
dies
Blatt
reichen
wird
,
laßt
es
euch
Stärkung
sein
gegen
das
flache
unermüdete
Anspulen
unbedeutender
Mittelmäßigkeit
,
und
solltet
ihr
an
diesen
Platz
kommen
,
gedenkt
mein
in
Liebe
.
tausend
Menschen
ist
die
Welt
ein
Raritätenkasten
,
die
Bilder
gaukeln
vorüber
und
verschwinden
,
die
Eindrücke
bleiben
flach
und
einzeln
in
der
Seele
;
drum
lassen
sie
sich
so
leicht
durch
fremdes
Urteil
leiten
,
sie
sind
willig
,
die
Eindrücke
anders
ordnen
,
verschieben
und
ihren
Wert
auf
und
ab
bestimmen
zu
lassen
.
hier
ward
durch
Lenzens
Ankunft
die
Andacht
des
Schreibers
unterbrochen
,
die
Empfindung
ging
in
Gespräche
über
,
unter
welchen
die
übrigen
Stationen
vollendet
wurden
.
mit
jedem
Tritte
überzeugte
man
sich
mehr
:
daß
Schöpfungskraft
im
Künstler
sei
aufschwellendes
Gefühl
der
Verhältnisse
,
Maße
und
des
Gehörigen
,
und
daß
nur
durch
diese
ein
selbständig
Werk
,
wie
andere
Geschöpfe
durch
ihre
individuelle
Keimkraft
hervorgetrieben
werden
.
einfache
Nachahmung
der
Natur
,
Manier
,
Stil
.
es
scheint
nicht
überflüssig
zu
sein
,
genau
anzuzeigen
,
was
wir
uns
bei
diesen
Worten
denken
,
welche
wir
öfters
brauchen
werden
.
denn
wenn
man
sich
gleich
auch
derselben
schon
lange
in
Schriften
bedient
,
wenn
sie
gleich
durch
theoretische
Werke
bestimmt
zu
sein
scheinen
,
so
braucht
denn
doch
jeder
sie
meistens
in
einem
eigenen
Sinne
und
denkt
sich
mehr
oder
weniger
dabei
,
je
schärfer
oder
schwächer
er
den
Begriff
gefaßt
hat
,
der
dadurch
ausgedrückt
werden
soll
.
einfache
Nachahmung
der
Natur
.
wenn
ein
Künstler
,
bei
dem
man
das
natürliche
Talent
voraussetzen
muß
,
in
der
frühsten
Zeit
,
nachdem
er
nur
einigermaßen
Auge
und
Hand
an
Mustern
geübt
,
sich
an
die
Gegenstände
der
Natur
wendete
,
mit
Treue
und
Fleiß
ihre
Gestalten
,
ihre
Farben
auf
das
genaueste
nachahmte
,
sich
gewissenhaft
niemals
von
ihr
entfernte
,
jedes
Gemälde
,
das
er
zu
fertigen
hätte
,
wieder
in
ihrer
Gegenwart
anfinge
und
vollendete
,
ein
solcher
würde
immer
ein
schätzenswerter
Künstler
sein
;
denn
es
könnte
ihm
nicht
fehlen
,
daß
er
in
einem
unglaublichen
Grade
wahr
würde
,
daß
seine
Arbeiten
sicher
,
kräftig
und
reich
sein
müßten
.
wenn
man
diese
Bedingungen
genau
überlegt
,
so
sieht
man
leicht
,
daß
eine
zwar
fähige
,
aber
beschränkte
Natur
angenehme
,
aber
beschränkte
Gegenstände
auf
diese
Weise
behandlen
könne
.
solche
Gegenstände
müssen
leicht
und
immer
zu
haben
sein
;
sie
müssen
bequem
gesehen
und
ruhig
nachgebildet
werden
können
;
das
Gemüt
,
das
sich
mit
einer
solchen
Arbeit
beschäftigt
,
muß
still
,
in
sich
gekehrt
und
in
einem
mäßigen
Genuß
genügsam
sein
.
diese
Art
der
Nachbildung
würde
also
bei
sogenannten
toten
oder
stilliegenden
Gegenständen
von
ruhigen
,
treuen
,
eingeschränkten
Menschen
in
Ausübung
gebracht
werden
.
sie
schließt
ihrer
Natur
nach
eine
hohe
Vollkommenheit
nicht
aus
.
Manier
.
allein
gewöhnlich
wird
dem
Menschen
eine
solche
Art
,
zu
verfahren
,
zu
ängstlich
oder
nicht
hinreichend
.
er
sieht
eine
Übereinstimmung
vieler
Gegenstände
,
die
er
nur
in
ein
Bild
bringen
kann
,
indem
er
das
Einzelne
aufopfert
;
es
verdrießt
ihn
,
der
Natur
ihre
Buchstaben
im
Zeichnen
nur
gleichsam
nachzubuchstabieren
;
er
erfindet
sich
selbst
eine
Weise
,
macht
sich
selbst
eine
Sprache
,
um
das
,
was
er
mit
der
Seele
ergriffen
,
wieder
nach
seiner
Art
auszudrücken
,
einem
Gegenstande
,
den
er
öfters
wiederholt
hat
,
eine
eigne
bezeichnende
Form
zu
geben
,
ohne
,
wenn
er
ihn
wiederholt
,
die
Natur
selbst
vor
sich
zu
haben
,
noch
auch
sich
geradezu
ihrer
ganz
lebhaft
zu
erinnern
.
nun
wird
es
eine
Sprache
,
in
welcher
sich
der
Geist
des
Sprechenden
unmittelbar
ausdrückt
und
bezeichnet
.
und
wie
die
Meinungen
über
sittliche
Gegenstände
sich
in
der
Seele
eines
jeden
,
der
selbst
denkt
,
anders
reihen
und
gestalten
,
so
wird
auch
jeder
Künstler
dieser
Art
die
Welt
anders
sehen
,
ergreifen
und
nachbilden
,
er
wird
ihre
Erscheinungen
bedächtiger
oder
leichter
fassen
,
er
wird
sie
gesetzter
oder
flüchtiger
wieder
hervorbringen
.
wir
sehen
,
daß
diese
Art
der
Nachahmung
am
geschicktesten
bei
Gegenständen
angewendet
wird
,
welche
in
einem
großen
Ganzen
viele
kleine
subordinierte
Gegenstände
enthalten
.
diese
letztere
müssen
aufgeopfert
werden
,
wenn
der
allgemeine
Ausdruck
des
großen
Gegenstandes
erreicht
werden
soll
,
wie
zum
Exempel
bei
Landschaften
der
Fall
ist
,
wo
man
ganz
die
Absicht
verfehlen
würde
,
wenn
man
sich
ängstlich
beim
Einzelnen
aufhalten
und
den
Begriff
des
Ganzen
nicht
vielmehr
festhalten
wollte
.
Stil
.
gelangt
die
Kunst
durch
Nachahmung
der
Natur
,
durch
Bemühung
,
sich
eine
allgemeine
Sprache
zu
machen
,
durch
genaues
und
tiefes
Studium
der
Gegenstände
selbst
endlich
dahin
,
daß
sie
die
Eigenschaften
der
Dinge
und
die
Art
,
wie
sie
bestehen
,
genau
und
immer
genauer
kennen
lernt
,
daß
sie
die
Reihe
der
Gestalten
übersieht
und
die
verschiedenen
charakteristischen
Formen
nebeneinander
zu
stellen
und
nachzuahmen
weiß
,
dann
wird
der
Stil
der
höchste
Grad
,
wohin
sie
gelangen
kann
;
der
Grad
,
wo
sie
sich
den
höchsten
menschlichen
Bemühungen
gleichstellen
darf
.
wie
die
einfache
Nachahmung
auf
dem
ruhigen
Dasein
und
einer
liebevollen
Gegenwart
beruhet
,
die
Manier
eine
Erscheinung
mit
einem
leichten
,
fähigen
Gemüt
ergreift
,
so
ruht
der
Stil
auf
den
tiefsten
Grundfesten
der
Erkenntnis
,
auf
dem
Wesen
der
Dinge
,
insofern
uns
erlaubt
ist
,
es
in
sichtbaren
und
greiflichen
Gestalten
zu
erkennen
.
die
Ausführung
des
oben
Gesagten
würde
ganze
Bände
einnehmen
;
man
kann
auch
schon
manches
darüber
in
Büchern
finden
;
der
reine
Begriff
aber
ist
allein
an
der
Natur
und
den
Kunstwerken
zu
studieren
.
wir
fügen
noch
einige
Betrachtungen
hinzu
und
werden
,
sooft
von
bildender
Kunst
die
Rede
ist
,
Gelegenheit
haben
,
uns
dieser
Blätter
zu
erinnern
.
es
läßt
sich
leicht
einsehen
,
daß
diese
drei
hier
voneinander
geteilten
Arten
,
Kunstwerke
hervorzubringen
,
genau
miteinander
verwandt
sind
,
und
daß
eine
in
die
andere
sich
zart
verlaufen
kann
.
die
einfache
Nachahmung
leicht
faßlicher
Gegenstände
-
wir
wollen
hier
zum
Beispiel
Blumen
und
Früchte
nehmen
-
kann
schon
auf
einen
hohen
Grad
gebracht
werden
.
es
ist
natürlich
,
daß
einer
,
der
Rosen
nachbildet
,
bald
die
schönsten
und
frischesten
Rosen
kennen
und
unterscheiden
und
unter
Tausenden
,
die
ihm
der
Sommer
anbietet
,
heraussuchen
werde
.
also
tritt
hier
schon
die
Wahl
ein
,
ohne
daß
sich
der
Künstler
einen
allgemeinen
bestimmten
Begriff
von
der
Schönheit
der
Rose
gemacht
hätte
.
er
hat
mit
faßlichen
Formen
zu
tun
;
alles
kommt
auf
die
mannigfaltige
Bestimmung
und
die
Farbe
der
Oberfläche
an
.
die
pelzige
Pfirsche
,
die
fein
bestaubte
Pflaume
,
den
glatten
Apfel
,
die
glänzende
Kirsche
,
die
blendende
Rose
,
die
mannigfaltigen
Nelken
,
die
bunten
Tulpen
,
alle
wird
er
nach
Wunsch
im
höchsten
Grade
der
Vollkommenheit
ihrer
Blüte
und
Reife
in
seinem
stillen
Arbeitszimmer
vor
sich
haben
;
er
wird
ihnen
die
günstigste
Beleuchtung
geben
;
sein
Auge
wird
sich
an
die
Harmonie
der
glänzenden
Farben
,
gleichsam
spielend
,
gewöhnen
;
er
wird
alle
Jahre
dieselben
Gegenstände
zu
erneuern
wieder
imstande
sein
,
und
durch
eine
ruhige
nachahmende
Betrachtung
des
simpeln
Daseins
die
Eigenschaften
dieser
Gegenstände
ohne
mühsame
Abstraktion
erkennen
und
fassen
:
und
so
werden
die
Wunderwerke
eines
Huysums
,
einer
Rachel
Ruysch
entstehen
,
welche
Künstler
sich
gleichsam
über
das
Mögliche
hinüber
gearbeitet
haben
.
es
ist
offenbar
,
daß
ein
solcher
Künstler
nur
desto
größer
und
entschiedener
werden
muß
,
wenn
er
zu
seinem
Talente
noch
ein
unterrichteter
Botaniker
ist
:
wenn
er
,
von
der
Wurzel
an
,
den
Einfluß
der
verschiedenen
Teile
auf
das
Gedeihen
und
den
Wachstum
der
Pflanze
,
ihre
Bestimmung
und
wechselseitige
Wirkungen
erkennt
;
wenn
er
die
sukzessive
Entwicklung
der
Blätter
,
Blumen
,
Befruchtung
,
Frucht
und
des
neuen
Keimes
einsiehet
und
überdenkt
.
er
wird
alsdenn
nicht
bloß
durch
die
Wahl
aus
den
Erscheinungen
seinen
Geschmack
zeigen
,
sondern
er
wird
uns
auch
durch
eine
richtige
Darstellung
der
Eigenschaften
zugleich
in
Verwunderung
setzen
und
belehren
.
in
diesem
Sinne
würde
man
sagen
können
,
er
habe
sich
einen
Stil
gebildet
;
da
man
von
der
andern
Seite
leicht
einsehen
kann
,
wie
ein
solcher
Meister
,
wenn
er
es
nicht
gar
so
genau
nähme
,
wenn
er
nur
das
Auffallende
,
Blendende
leicht
auszudrücken
beflissen
wäre
,
gar
bald
in
die
Manier
übergehen
würde
.
die
einfache
Nachahmung
arbeitet
also
gleichsam
im
Vorhofe
des
Stils
.
je
treuer
,
sorgfältiger
,
reiner
sie
zu
Werke
gehet
,
je
ruhiger
sie
das
,
was
sie
erblickt
,
empfindet
,
je
gelassener
sie
es
nachahmt
,
je
mehr
sie
sich
dabei
zu
denken
gewöhnt
,
das
heißt
,
je
mehr
sie
das
Ähnliche
zu
vergleichen
,
das
Unähnliche
voneinander
abzusondern
und
einzelne
Gegenstände
unter
allgemeine
Begriffe
zu
ordnen
lernet
,
desto
würdiger
wird
sie
sich
machen
,
die
Schwelle
des
Heiligtums
selbst
zu
betreten
.
wenn
wir
nun
ferner
die
Manier
betrachten
,
so
sehen
wir
,
daß
sie
im
höchsten
Sinne
und
in
der
reinsten
Bedeutung
des
Worts
ein
Mittel
zwischen
der
einfachen
Nachahmung
und
dem
Stil
sein
könne
.
je
mehr
sie
bei
ihrer
leichteren
Methode
sich
der
treuen
Nachahmung
nähert
,
je
eifriger
sie
von
der
andern
Seite
das
Charakteristische
der
Gegenstände
zu
ergreifen
und
faßlich
auszudrücken
sucht
,
je
mehr
sie
beides
durch
eine
reine
,
lebhafte
,
tätige
Individualität
verbindet
,
desto
höher
,
größer
und
respektabler
wird
sie
werden
.
unterläßt
ein
solcher
Künstler
,
sich
an
die
Natur
zu
halten
und
an
die
Natur
zu
denken
,
so
wird
er
sich
immer
mehr
von
der
Grundfeste
der
Kunst
entfernen
,
seine
Manier
wird
immer
leerer
und
unbedeutender
werden
,
je
weiter
sie
sich
von
der
einfachen
Nachahmung
und
von
dem
Stil
entfernt
.
wir
brauchen
hier
nicht
zu
wiederholen
,
daß
wir
das
Wort
Manier
in
einem
hohen
und
respektablen
Sinne
nehmen
,
daß
also
die
Künstler
,
deren
Arbeiten
nach
unsrer
Meinung
in
den
Kreis
der
Manier
fallen
,
sich
über
uns
nicht
zu
beschweren
haben
.
es
ist
uns
bloß
angelegen
,
das
Wort
Stil
in
den
höchsten
Ehren
zu
halten
,
damit
uns
ein
Ausdruck
übrig
bleibe
,
um
den
höchsten
Grad
zu
bezeichnen
,
welchen
die
Kunst
je
erreicht
hat
und
je
erreichen
kann
.
diesen
Grad
auch
nur
zu
erkennen
,
ist
schon
eine
große
Glückseligkeit
,
und
davon
sich
mit
Verständigen
unterhalten
,
ein
edles
Vergnügen
,
das
wir
uns
in
der
Folge
zu
verschaffen
manche
Gelegenheit
finden
werden
.
Baukunst
.
in
jeder
Kunst
ist
schwerer
,
als
man
glaubt
,
zu
bestimmen
,
was
lobens-
oder
tadelnswert
sei
;
um
einigermaßen
eine
Norm
für
unsere
Urteile
über
Baukunst
zu
finden
,
mache
ich
folgende
Deduktion
und
bemerke
nur
vorläufig
,
daß
einiges
,
was
ich
sagen
werde
,
allen
Künsten
gemein
ist
;
um
aber
nicht
in
Zweifel
zu
geraten
,
spreche
ich
davon
bloß
vorzüglich
auf
die
Baukunst
.
die
Baukunst
setzt
ein
Material
voraus
,
welches
zu
dreierlei
Zwecken
stufenweise
angewendet
werden
kann
.
der
Baukünstler
lernt
die
Eigenschaften
des
Materials
kennen
und
läßt
sich
entweder
von
den
Eigenschaften
gebieten
,
z.
B.
daß
der
Stein
bloß
vertikal
trägt
und
getragen
wird
,
das
Holz
hingegen
auf
eine
große
Weite
horizontal
trägt
-
hierbei
ist
das
gemeine
Handwerk
hinreichend
-
,
oder
er
zwingt
das
Material
wie
den
Stein
durch
Gewölbe
,
durch
Klammern
,
den
Balken
durch
Hangwerke
,
und
hierzu
ist
schon
mechanische
Kenntnis
und
Einsicht
nötig
.
wir
wenden
uns
nun
zu
den
drei
Zwecken
,
diese
sind
:
der
nächste
,
der
höhere
und
der
höchste
.
der
nächste
,
wenn
der
bloß
notwendig
ist
,
läßt
sich
durch
eine
rohe
Naturpfuscherei
sinnlich
erreichen
;
wird
diese
Notwendigkeit
mannigfaltiger
,
was
wir
nützlich
nennen
,
so
gehört
schon
eine
Handwerksübung
dazu
,
um
ihn
zu
erreichen
;
dieser
nächste
Zweck
und
dessen
Beurteilung
ist
dem
mehr
oder
weniger
gebildeten
Menschenverstand
überlassen
,
das
Notwendige
mit
Bequemlichkeit
vollbringen
zu
können
.
soll
aber
das
Baugeschäft
den
Namen
einer
Kunst
verdienen
,
so
muß
es
neben
dem
Notwendigen
und
Nützlichen
auch
sinnlich-harmonische
Gegenstände
hervorbringen
.
dieses
Sinnlich-Harmonische
ist
in
jeder
Kunst
von
eigner
Art
und
bedingt
;
es
kann
nur
innerhalb
seiner
Bedingung
beurteilt
werden
.
diese
Bedingungen
entspringen
aus
dem
Material
,
aus
dem
Zweck
und
aus
der
Natur
des
Sinns
,
für
welchen
das
Ganze
harmonisch
sein
soll
.
man
sollte
denken
,
die
Baukunst
als
schöne
Kunst
arbeite
allein
fürs
Auge
;
allein
sie
soll
vorzüglich
,
und
worauf
man
am
wenigsten
achthat
,
für
den
Sinn
der
mechanischen
Bewegung
des
menschlichen
Körpers
arbeiten
;
wir
fühlen
eine
angenehme
Empfindung
,
wenn
wir
uns
im
Tanze
nach
gewissen
Gesetzen
bewegen
;
eine
ähnliche
Empfindung
sollten
wir
bei
jemand
erregen
können
,
den
wir
mit
verbundenen
Augen
durch
ein
wohlgebautes
Haus
hindurchführen
.
hier
tritt
die
schwere
und
komplizierte
Lehre
von
den
Proportionen
ein
,
wodurch
der
Charakter
des
Gebäudes
und
seiner
verschiedenen
Teile
möglich
wird
.
hier
tritt
nun
aber
bald
die
Betrachtung
des
höchsten
Zweckes
ein
,
welcher
,
wenn
man
so
sagen
darf
,
die
Überbefriedigung
des
Sinnes
sich
vornimmt
und
einen
gebildeten
Geist
bis
zum
Erstaunen
und
Entzücken
erhebt
;
es
kann
dieses
nur
durch
das
Genie
,
das
sich
zum
Herrn
der
übrigen
Erfordernisse
gemacht
hätte
,
hervorgebracht
werden
;
es
ist
dieses
der
poetische
Teil
der
Baukunst
,
in
welchem
die
Fiktion
eigentlich
wirkt
.
die
Baukunst
ist
keine
nachahmende
Kunst
,
sondern
eine
Kunst
für
sich
,
aber
sie
kann
auf
ihrer
höchsten
Stufe
der
Nachahmung
nicht
entbehren
;
sie
überträgt
die
Eigenschaften
eines
Materials
zum
Schein
auf
das
andere
,
wie
z.
B.
bei
allen
Säulenordnungen
die
Holzbaukunst
nachgeahmt
ist
;
sie
überträgt
die
Eigenschaften
eines
Gebäudes
aufs
andere
,
wie
sie
z.
B.
Säulen
und
Pilaster
mit
Mauern
verbindet
;
sie
tut
es
,
um
mannigfaltig
und
reich
zu
werden
,
und
so
schwer
es
hier
vor
den
Künstler
ist
,
immer
zu
fühlen
,
ob
er
das
Schicklichkeit
tue
,
so
schwer
ist
es
für
den
Kenner
,
zu
urteilen
,
ob
das
Schickliche
getan
sei
.
diese
Absonderung
der
verschiedenen
Zwecke
wird
uns
sowohl
bei
der
Betrachtung
der
verschiedenen
Gebäude
sehr
zustatten
kommen
,
als
auch
in
der
Geschichte
der
Baukunst
zum
Leitfaden
dienen
.
solange
man
nur
den
nächsten
Zweck
vor
Augen
hatte
und
sich
von
dem
Material
mehr
beherrschen
ließ
,
als
daß
man
es
beherrschte
,
war
an
keine
Kunst
zu
denken
,
und
es
ist
die
Frage
,
ob
die
Etrurier
in
diesem
Sinne
ehemals
Baukunst
gehabt
haben
;
solange
man
große
Steine
,
wie
man
sie
findet
,
in
allen
Gestalten
und
Richtungen
zusammenfügt
,
kann
noch
nicht
einmal
der
Zufall
den
Handwerker
auf
Symmetrie
hinweisen
;
er
wird
erst
eine
Weile
viereckte
Steine
in
horizontaler
Lage
übereinander
gemauert
haben
,
bis
es
ihm
einfällt
,
daß
er
jene
aussondern
,
gleich
und
gleich
zusammenbringen
,
sie
symmetrisch
legen
oder
wohl
gar
zu
einerlei
Maß
behauen
sollen
.
bei
Betrachtung
der
Geschichte
der
Baukunst
unter
den
Griechen
sieht
man
,
daß
es
ihr
Vorteil
war
,
daß
sie
sich
unablässig
in
einem
engen
Kreise
herumdrehten
und
dadurch
ihren
Sinn
übten
und
verfeinerten
;
die
dorischen
Tempel
von
Sizilien
und
Großgriechenland
sind
alle
nach
einer
Idee
aufgebauet
und
sind
doch
sehr
verschieden
voneinander
.
es
scheint
,
als
wenn
in
den
frühern
Zeiten
der
Baukunst
der
Begriff
des
Charakters
,
den
das
Gebäude
haben
soll
,
über
das
Maß
geherrscht
habe
;
denn
der
Charakter
läßt
sich
eigentlich
durch
Maß
nicht
ausdrucken
,
und
wir
sehen
bei
Ausmessungen
wirklicher
Gebäude
,
wie
schwer
es
sei
,
ihre
Teile
auf
Zahlverhältnisse
zu
reduzieren
;
es
war
gewiß
kein
Vorteil
für
die
neuere
Baukunst
,
als
man
anfing
,
anstatt
auf
den
Charakter
aufmerksam
zu
machen
,
die
Zahlverhältnisse
zu
lehren
,
nach
welchen
die
verschiedenen
Ordnungen
aufgestellt
werden
sollen
.
am
meisten
aber
ist
man
in
dem
Hauptpunkte
zurückgeblieben
,
man
hat
das
Eigentliche
der
Fiktion
,
das
Schickliche
der
Nachahmung
selten
verstanden
,
da
man
es
doch
am
nötigsten
brauchte
,
indem
man
das
,
was
sonst
nur
Tempeln
und
öffentlichen
Gebäuden
angehörte
,
auf
Privatwohnungen
herübertrug
,
um
ihnen
ein
herrliches
Ansehn
zu
geben
.
man
kann
sagen
,
daß
in
der
neuern
Zeit
auf
diese
Art
eine
doppelte
Fiktion
und
zweifache
Nachahmung
entstanden
ist
,
welche
sowohl
bei
ihrer
Anwendung
als
bei
der
Beurteilung
Geist
und
Sinn
erfordern
.
hierinne
hat
niemand
den
Palladio
übertroffen
,
er
hat
sich
in
dieser
Laufbahn
am
freiesten
bewegt
,
und
wenn
er
ihre
Grenzen
überschritt
,
so
verzeiht
man
ihm
doch
immer
,
was
man
an
ihm
tadelt
.
diese
Lehre
von
der
Fiktion
,
von
ihren
geistigen
Gesetzen
ist
nötig
,
um
gewissen
Puristen
zu
begegnen
,
die
auch
in
der
Baukunst
gern
alles
zu
Prosa
machen
möchten
.
wenn
wir
die
verschiedenen
Teile
der
Baukunst
einzeln
werden
durchgegangen
haben
,
so
kann
das
bisher
Gesagte
bestimmter
ausgedruckt
und
besser
verstanden
werden
.
Einleitung
in
die
Propyläen
.
der
Jüngling
,
wenn
Natur
und
Kunst
ihn
anziehen
,
glaubt
mit
einem
lebhaften
Streben
bald
in
das
innerste
Heiligtum
zu
dringen
;
der
Mann
bemerkt
,
nach
langem
Umherwandeln
,
daß
er
sich
noch
immer
in
den
Vorhöfen
befinde
.
eine
solche
Betrachtung
hat
unsern
Titel
veranlaßt
.
Stufe
,
Tor
,
Eingang
,
Vorhalle
,
der
Raum
zwischen
dem
Innern
und
Äußern
,
zwischen
dem
Heiligen
und
Gemeinen
kann
nur
die
Stelle
sein
,
auf
der
wir
uns
mit
unsern
Freunden
gewöhnlich
aufhalten
werden
.
will
jemand
noch
besonders
bei
dem
Worte
Propyläen
sich
jener
Gebäude
erinner
,
durch
die
man
zur
atheniensischen
Burg
,
zum
Tempel
der
Minerva
gelangte
,
so
ist
auch
dies
nicht
gegen
unsere
Absicht
;
nur
daß
man
uns
nicht
die
Anmaßung
zutraue
,
als
gedächten
wir
ein
solches
Werk
der
Kunst
und
Pracht
hier
selbst
aufzuführen
.
unter
dem
Namen
des
Orts
verstehe
man
das
,
was
daselbst
allenfalls
hätte
geschehen
können
:
man
erwarte
Gespräche
,
Unterhaltungen
,
die
vielleicht
nicht
unwürdig
jenes
Platzes
gewesen
wären
.
werden
nicht
Denker
,
Gelehrte
,
Künstler
angelockt
,
sich
in
ihren
besten
Stunden
in
jene
Gegenden
zu
versetzen
,
unter
einem
Volke
wenigstens
in
der
Einbildungskraft
zu
wohnen
,
dem
eine
Vollkommenheit
,
die
wir
wünschen
und
nie
erreichen
,
natürlich
war
,
bei
dem
in
einer
Folge
von
Zeit
und
Leben
sich
eine
Bildung
in
schöner
und
steigender
Reihe
entwickelt
,
die
bei
uns
nur
als
Stückwerk
vorübergehend
erscheint
?
welche
neuere
Nation
verdankt
nicht
den
Griechen
ihre
Kunstbildung
?
und
,
in
gewissen
Fächern
,
welche
mehr
als
die
deutsche
?
so
viel
zur
Entschuldigung
des
symbolischen
Titels
,
wenn
sie
ja
nötig
sein
sollte
.
er
stehe
uns
zur
Erinnerung
,
daß
wir
uns
so
wenig
als
möglich
vom
klassischen
Boden
entfernen
,
er
erleichtere
durch
seine
Kürze
und
Bedeutsamkeit
die
Nachfrage
der
Kunstfreunde
,
die
wir
durch
gegenwärtiges
Werk
zu
interessieren
gedenken
,
das
Bemerkungen
und
Betrachtungen
harmonisch
verbundener
Freunde
über
Natur
und
Kunst
enthalten
soll
.
derjenige
,
der
zum
Künstler
berufen
ist
,
wird
auf
alles
um
sich
her
lebhaft
achtgeben
,
die
Gegenstände
und
ihre
Teile
werden
seine
Aufmerksamkeit
an
sich
ziehen
,
und
indem
er
praktischen
Gebrauch
von
solchen
Erfahrungen
macht
,
wird
er
sich
nach
und
nach
üben
,
immer
schärfer
zu
bemerken
,
er
wird
in
seiner
frühern
Zeit
alles
soviel
möglich
zu
eignem
Gebrauch
verwenden
,
später
wird
er
sich
auch
andern
gerne
mitteilen
.
so
gedenken
auch
wir
manches
,
was
wir
für
nützlich
und
angenehm
halten
,
was
unter
mancherlei
Umständen
von
uns
seit
mehrern
Jahren
aufgezeichnet
worden
,
unsern
Lesern
vorzulegen
und
zu
erzählen
.
allein
wer
bescheidet
sich
nicht
gern
,
daß
reine
Bemerkungen
seltner
sind
,
als
man
glaubt
?
wir
vermischen
so
schnell
unsere
Empfindungen
,
unsere
Meinung
,
unser
Urteil
mit
dem
,
was
wir
erfahren
,
daß
wir
in
dem
ruhigen
Zustande
des
Beobachters
nicht
lange
verharren
,
sondern
bald
Betrachtungen
anstellen
,
auf
die
wir
kein
größer
Gewicht
legen
dürfen
,
als
insofern
wir
uns
auf
die
Natur
und
Ausbildung
unsers
Geistes
einigermaßen
verlassen
möchten
.
was
uns
hierin
eine
stärkere
Zuversicht
zu
geben
vermag
,
ist
die
Harmonie
,
in
der
wir
mit
mehreren
stehen
,
ist
die
Erfahrung
,
daß
wir
nicht
allein
,
sondern
gemeinschaftlich
denken
und
wirken
.
die
zweifelhafte
Sorge
,
unsere
Vorstellungsart
möchte
uns
nur
allein
angehören
,
die
uns
so
oft
überfällt
,
wenn
andere
gerade
das
Gegenteil
von
unserer
Überzeugung
aussprechen
,
wird
erst
gemildert
,
ja
aufgehoben
,
wenn
wir
uns
in
mehreren
wiederfinden
;
dann
fahren
wir
erst
mit
Sicherheit
fort
,
uns
in
dem
Besitze
solcher
Grundsätze
zu
erfreuen
,
die
eine
lange
Erfahrung
uns
und
andern
nach
und
nach
bewährt
hat
.
wenn
mehrere
vereint
auf
diese
Weise
zusammenleben
,
daß
sie
sich
Freunde
nennen
dürfen
,
indem
sie
ein
gleiches
Interesse
haben
,
sich
fortschreitend
auszubilden
,
und
auf
nahverwandte
Zwecke
losgehen
,
dann
werden
sie
gewiß
sein
,
daß
sie
sich
auf
den
vielfachsten
Wegen
wieder
begegnen
und
daß
selbst
eine
Richtung
,
die
sie
voneinander
zu
entfernen
schien
,
sie
doch
bald
wieder
glücklich
zusammenführen
wird
.
wer
hat
nicht
erfahren
,
welche
Vorteile
in
solchen
Fällen
das
Gespräch
gewährt
!
allein
es
ist
vorübergehend
,
und
indem
die
Resultate
einer
wechselseitigen
Ausbildung
unauslöschlich
bleiben
,
geht
die
Erinnerung
der
Mittel
verloren
,
durch
welche
man
dazu
gelangt
ist
.
ein
Briefwechsel
bewahrt
schon
besser
die
Stufen
eines
freundschaftlichen
Fortschrittes
:
jeder
Moment
des
Wachstums
ist
fixiert
,
und
wenn
das
Erreichte
uns
eine
beruhigende
Empfindung
gibt
,
so
ist
ein
Blick
rückwärts
auf
das
Werden
belehrend
,
indem
er
uns
zugleich
ein
künftiges
,
unablässiges
Fortschreiten
hoffen
läßt
.
kurze
Aufsätze
,
in
die
man
von
Zeit
zu
Zeit
seine
Gedanken
,
seine
Überzeugungen
und
Wünsche
niederlegt
,
um
sich
nach
einiger
Zeit
wieder
mit
sich
selbst
zu
unterhalten
,
sind
auch
ein
schönes
Hülfsmittel
eigner
und
fremder
Bildung
,
deren
keines
versäumt
werden
darf
,
wenn
man
die
Kürze
der
dem
Leben
zugemeßnen
Zeit
und
die
vielen
Hindernisse
bedenkt
,
die
einer
jeden
Ausführung
im
Wege
stehn
.
daß
hier
besonders
von
einem
Ideenwechsel
solcher
Freunde
die
Rede
sei
,
die
sich
im
allgemeinern
zu
Künsten
und
Wissenschaften
auszubilden
streben
,
versteht
sich
von
selbst
,
obgleich
ein
Welt-
und
Geschäftsleben
auch
eines
solchen
Vorteils
nicht
ermangeln
sollte
.
bei
Künsten
und
Wissenschaften
aber
ist
nicht
allein
eine
solche
engere
Verbindung
,
sondern
auch
das
Verhältnis
zu
dem
Publikum
ebenso
günstig
,
als
es
ein
Bedürfnis
wird
.
was
man
irgend
Allgemeines
denkt
oder
leistet
,
gehört
der
Welt
an
,
und
das
,
was
sie
von
den
Bemühungen
der
einzelnen
nutzen
kann
,
bringt
sie
auch
selbst
zur
Reife
.
der
Wunsch
nach
Beifall
,
welchen
der
Schriftsteller
fühlt
,
ist
ein
Trieb
,
den
ihm
die
Natur
eingepflanzt
hat
,
um
ihn
zu
etwas
Höherem
anzulocken
;
er
glaubt
den
Kranz
schon
erreicht
zu
haben
,
und
wird
bald
gewahr
,
daß
eine
mühsamere
Ausbildung
jeder
angebornen
Fähigkeit
nötig
ist
,
um
die
öffentliche
Gunst
festzuhalten
,
die
wohl
auch
durch
Glück
und
Zufall
auf
kurze
Momente
erlangt
werden
kann
.
so
bedeutend
ist
für
den
Schriftsteller
in
einer
frühern
Zeit
sein
Verhältnis
zum
Publikum
,
und
selbst
in
spätern
Tagen
kann
er
es
nicht
entbehren
.
so
wenig
er
auch
bestimmt
sein
mag
,
andere
zu
belehren
,
so
wünscht
er
doch
,
sich
denen
mitzuteilen
,
die
er
sich
gleichgesinnt
weiß
,
deren
Anzahl
aber
in
der
Breite
der
Welt
zerstreut
ist
;
er
wünscht
sein
Verhältnis
zu
den
ältesten
Freunden
dadurch
wieder
anzuknüpfen
,
mit
neuen
es
fortzusetzen
und
in
der
letzten
Generation
sich
wieder
andere
für
seine
übrige
Lebenszeit
zu
gewinnen
.
er
wünscht
der
Jugend
die
Umwege
zu
ersparen
,
auf
denen
er
sich
selbst
verirrte
,
und
,
indem
er
die
Vorteile
der
gegenwärtigen
Zeit
bemerkt
und
nutzt
,
das
Andenken
verdienstlicher
früherer
Bemühungen
zu
erhalten
.
in
diesem
ernsten
Sinne
verband
sich
eine
kleine
Gesellschaft
;
eine
heitere
Stimmung
möge
unsere
Unternehmungen
begleiten
,
und
wohin
wir
gelangen
,
mag
die
Zeit
lehren
.
die
Aufsätze
,
welche
wir
vorzulegen
gedenken
,
werden
,
ob
sie
gleich
von
mehrern
verfaßt
sind
,
in
Hauptpunkten
hoffentlich
niemals
miteinander
in
Widerspruch
stehen
,
wenn
auch
die
Denkart
der
Verfasser
nicht
völlig
die
gleiche
sein
sollte
.
kein
Mensch
betrachtet
die
Welt
ganz
wie
der
andere
,
und
verschiedene
Charaktere
werden
oft
den
gleichen
Grundsatz
,
den
sie
sämtlich
anerkennen
,
verschieden
anwenden
.
ja
,
der
Mensch
ist
sich
in
seinen
Anschauungen
und
Urteilen
nicht
immer
selbst
gleich
:
frühere
Überzeugungen
müssen
spätern
weichen
.
möge
immerhin
das
Einzelne
,
was
man
denkt
und
äußert
,
nicht
alle
Proben
aushalten
,
wenn
man
nur
auf
seinem
Wege
gegen
sich
selbst
und
gegen
andre
wahr
bleibt
!
so
sehr
nun
auch
die
Verfasser
untereinander
und
mit
einem
großen
Teil
des
Publikums
in
Harmonie
zu
stehen
wünschen
und
hoffen
,
so
dürfen
sie
sich
doch
nicht
verbergen
,
daß
ihnen
von
verschiedenen
Seiten
mancher
Mißton
entgegenklingen
wird
.
sie
haben
dies
um
so
mehr
zu
erwarten
,
als
sie
von
den
herrschenden
Meinungen
in
mehr
als
einem
Punkte
abweichen
.
weit
entfernt
,
die
Denkart
irgendeines
Dritten
meistern
oder
verändern
zu
wollen
,
werden
sie
ihre
Meinung
fest
aussprechen
und
,
wie
es
die
Umstände
geben
,
einer
Fehde
ausweichen
oder
sie
aufnehmen
;
im
ganzen
aber
immer
auf
einem
Bekenntnisse
halten
und
besonders
diejenigen
Bedingungen
,
die
ihnen
zu
Bildung
eines
Künstlers
unerläßlich
scheinen
,
oft
genug
wiederholen
.
wem
um
die
Sache
zu
tun
ist
,
der
muß
Partei
zu
nehmen
wissen
,
sonst
verdient
er
nirgends
zu
wirken
.
wenn
wir
nun
Bemerkungen
und
Betrachtungen
über
Natur
vorzulegen
versprechen
,
so
müssen
wir
zugleich
anzeigen
,
daß
es
besonders
solche
sein
werden
,
die
sich
zunächst
auf
bildende
Kunst
,
so
wie
auf
Kunst
überhaupt
,
dann
aber
auch
auf
allgemeine
Bildung
des
Künstlers
beziehen
.
die
vornehmste
Forderung
,
die
an
den
Künstler
gemacht
wird
,
bleibt
immer
die
:
daß
er
sich
an
die
Natur
halten
,
sie
studieren
,
sie
nachbilden
,
etwas
,
das
ihren
Erscheinungen
ähnlich
ist
,
hervorbringen
solle
.
wie
groß
,
ja
wie
ungeheuer
diese
Anforderung
sei
,
wird
nicht
immer
bedacht
,
und
der
wahre
Künstler
selbst
erfährt
es
nur
bei
fortschreitender
Bildung
.
die
Natur
ist
von
der
Kunst
durch
eine
ungeheure
Kluft
getrennt
,
welche
das
Genie
selbst
,
ohne
äußere
Hülfsmittel
,
zu
überschreiten
nicht
vermag
.
alles
,
was
wir
um
uns
her
gewahr
werden
,
ist
nur
roher
Stoff
;
und
wenn
sich
das
schon
selten
genug
ereignet
,
daß
ein
Künstler
durch
Instinkt
und
Geschmack
,
durch
Übung
und
Versuche
dahin
gelangt
,
daß
er
den
Dingen
ihre
äußere
schöne
Seite
abzugewinnen
,
aus
den
vorhandenen
Guten
das
Beste
auszuwählen
und
wenigstens
einen
gefälligen
Schein
hervorzubringen
lernt
,
so
ist
es
,
besonders
in
der
neuern
Zeit
,
noch
viel
seltner
,
daß
ein
Künstler
sowohl
in
die
Tiefe
der
Gegenstände
als
in
die
Tiefe
seines
eignen
Gemüts
zu
dringen
vermag
,
um
in
seinen
Werken
nicht
bloß
etwas
leicht
und
oberflächlich
Wirkendes
,
sondern
,
wetteifernd
mit
der
Natur
,
etwas
Geistig-Organisches
hervorzubringen
und
seinem
Kunstwerk
einen
solchen
Gehalt
,
eine
solche
Form
zu
geben
,
wodurch
es
natürlich
zugleich
und
übernatürlich
erscheint
.
der
Mensch
ist
der
höchste
,
ja
der
eigentliche
Gegenstand
bildender
Kunst
!
um
ihn
zu
verstehen
,
um
sich
aus
dem
Labyrinthe
seines
Baues
herauszuwickeln
,
ist
eine
allgemeine
Kenntnis
der
organischen
Natur
unerläßlich
.
auch
von
den
unorganischen
Körpern
,
so
wie
von
allgemeinen
Naturwirkungen
,
besonders
wenn
sie
,
wie
zum
Beispiel
Ton
und
Farbe
,
zum
Kunstgebrauch
anwendbar
sind
,
sollte
der
Künstler
sich
theoretisch
belehren
;
allein
welchen
weiten
Umweg
müßte
er
machen
,
wenn
er
sich
aus
der
Schule
des
Zergliederers
,
des
Naturbeschreibers
,
des
Naturlehrers
dasjenige
mühsam
aussuchen
sollte
,
was
zu
seinem
Zwecke
dient
;
ja
es
ist
die
Frage
,
ob
er
dort
gerade
das
,
was
ihm
das
Wichtigste
sein
muß
,
finden
würde
?
jene
Männer
haben
ganz
andere
Bedürfnisse
ihrer
eigentlichen
Schüler
zu
befriedigen
,
als
daß
sie
an
das
eingeschränkte
,
besondere
Bedürfnis
des
Künstlers
denken
sollten
.
deshalb
ist
unsere
Absicht
,
hier
ins
Mittel
zu
treten
und
,
wenn
wir
gleich
nicht
voraussehen
,
die
nötige
Arbeit
selbst
vollenden
zu
können
,
dennoch
teils
im
Ganzen
eine
Übersicht
zu
geben
,
teils
im
Einzelnen
die
Ausführung
einzuleiten
.
die
menschliche
Gestalt
kann
nicht
bloß
durch
das
Beschauen
ihrer
Oberfläche
begriffen
werden
;
man
muß
ihr
Inneres
entblößen
,
ihre
Teile
sondern
,
die
Verbindungen
derselben
bemerken
,
die
Verschiedenheiten
kennen
,
sich
von
Wirkung
und
Gegenwirkung
unterrichten
,
das
Verborgne
,
Ruhende
,
das
Fundament
der
Erscheinung
sich
einprägen
,
wenn
man
dasjenige
wirklich
schauen
und
nachahmen
will
,
das
sich
als
ein
schönes
ungetrenntes
Ganze
in
lebendigen
Wellen
vor
unserm
Auge
bewegt
.
der
Blick
auf
die
Oberfläche
eines
lebendigen
Wesens
verwirrt
den
Beobachter
,
und
man
darf
wohl
hier
,
wie
in
andern
Fällen
,
den
wahren
Spruch
anbringen
:
was
man
weiß
,
sieht
man
erst
!
denn
wie
derjenige
,
der
ein
kurzes
Gesicht
hat
,
einen
Gegenstand
besser
sieht
,
von
dem
er
sich
wieder
entfernt
,
als
einen
,
dem
er
sich
erst
nähert
,
weil
ihm
das
geistige
Gesicht
nunmehr
zu
Hülfe
kommt
,
so
liegt
eigentlich
in
der
Kenntnis
die
Vollendung
des
Anschauens
.
wie
gut
bildet
ein
Kenner
der
Naturgeschichte
,
der
zugleich
Zeichner
ist
,
die
Gegenstände
nach
,
indem
er
das
Wichtige
und
Bedeutende
der
Teile
,
woraus
der
Charakter
des
Ganzen
entspringt
,
einsieht
und
den
Nachdruck
darauf
legt
.
so
wie
nun
eine
genauere
Kenntnis
der
einzelnen
Teile
menschlicher
Gestalt
,
die
er
zuletzt
wieder
als
ein
Ganzes
betrachten
muß
,
den
Künstler
äußerst
fördert
,
so
ist
auch
ein
Überblick
,
ein
Seitenblick
über
und
auf
verwandte
Gegenstände
höchst
nützlich
,
vorausgesetzt
,
daß
der
Künstler
fähig
ist
,
sich
zu
Ideen
zu
erheben
und
die
nahe
Verwandtschaft
entfernt
scheinender
Dinge
zu
fassen
.
die
vergleichende
Anatomie
hat
einen
allgemeinen
Begriff
über
organische
Naturen
vorbereitet
:
sie
führt
uns
von
Gestalt
zu
Gestalten
,
und
indem
wir
nah
oder
fern
verwandte
Naturen
betrachten
,
erheben
wir
uns
über
sie
alle
,
um
ihre
Eigenschaften
in
einem
idealen
Bilde
zu
erblicken
.
halten
wir
dasselbe
fest
,
so
finden
wir
erst
,
daß
unsere
Aufmerksamkeit
bei
Beobachtung
der
Gegenstände
eine
bestimmte
Richtung
nimmt
,
daß
abgesonderte
Kenntnisse
durch
Vergleichung
leichter
gewonnen
und
festgehalten
werden
,
und
daß
wir
zuletzt
beim
Kunstgebrauche
nur
dann
mit
der
Natur
wetteifern
können
,
wenn
wir
die
Art
,
wie
sie
bei
Bildung
ihrer
Werke
verfährt
,
ihr
wenigstens
einigermaßen
abgelernt
haben
.
muntern
wir
ferner
den
Künstler
auf
,
auch
von
unorganischen
Naturen
einige
Kenntnis
zu
nehmen
,
so
können
wir
es
um
so
eher
tun
,
als
man
sich
gegenwärtig
von
dem
Mineralreich
bequem
und
schnell
unterrichtet
.
der
Maler
bedarf
einige
Kenntnis
der
Steine
,
um
sie
charakteristisch
nachzuahmen
,
der
Bildhauer
und
Baumeister
,
um
sie
zu
nutzen
;
der
Steinschneider
kann
eine
Kenntnis
der
Edelsteine
nicht
entbehren
,
der
Kenner
und
Liebhaber
wird
gleichfalls
darnach
streben
.
haben
wir
nun
zuletzt
dem
Künstler
geraten
,
sich
von
allgemeinen
Naturwirkungen
einen
Begriff
zu
machen
,
um
diejenigen
kennen
zu
lernen
,
die
ihn
besonders
interessieren
,
teils
um
sich
nach
mehr
Seiten
auszubilden
,
teils
um
das
,
was
ihn
betrifft
,
besser
zu
verstehen
,
so
wollen
wir
auch
über
diesen
bedeutenden
Punkt
noch
einiges
hinzufügen
.
bisher
konnte
der
Maler
die
Lehre
des
Physikers
von
den
Farben
nur
anstaunen
,
ohne
daraus
einigen
Vorteil
zu
ziehen
;
das
natürliche
Gefühl
des
Künstlers
aber
,
eine
fortdauernde
Übung
,
eine
praktische
Notwendigkeit
führte
ihn
auf
einen
eignen
Weg
:
er
fühlte
die
lebhaften
Gegensätze
,
durch
deren
Vereinigung
die
Harmonie
der
Farben
entsteht
,
er
bezeichnete
gewisse
Eigenschaften
derselben
durch
annähernde
Empfindungen
,
er
hatte
warme
und
kalte
Farben
,
Farben
,
die
eine
Nähe
,
andere
,
die
eine
Ferne
ausdrücken
,
und
was
dergleichen
Bezeichnungen
mehr
sind
,
durch
welche
er
diese
Phänomene
den
allgemeinsten
Naturgesetzen
auf
seine
Weise
näher
brachte
.
vielleicht
bestätigt
sich
die
Vermutung
,
daß
die
farbigen
Naturwirkungen
,
so
gut
als
die
magnetischen
,
elektrischen
und
andere
,
auf
einem
Wechselverhältnis
,
einer
Polarität
,
oder
wie
man
die
Erscheinungen
des
Zwiefachen
,
ja
Mehrfachen
in
einer
entschiedenen
Einheit
nennen
mag
,
beruhen
.
diese
Lehre
umständlich
und
für
den
Künstler
faßlich
vorzulegen
,
werden
wir
uns
zur
Pflicht
machen
,
und
wir
können
um
so
mehr
hoffen
,
hierin
etwas
zu
tun
,
das
ihm
willkommen
sei
,
als
wir
nur
dasjenige
,
was
er
bisher
aus
Instinkt
getan
,
auszulegen
und
auf
Grundsätze
zurückzuführen
bemüht
sein
werden
.
so
viel
von
dem
,
was
wir
zuerst
in
Absicht
auf
Natur
mitzuteilen
hoffen
;
und
nun
das
Notwendigste
in
Absicht
auf
Kunst
.
da
die
Einrichtung
des
gegenwärtigen
Werks
von
der
Art
ist
,
daß
wir
einzelne
Abhandlungen
,
ja
dieselben
sogar
teilweise
,
vorlegen
werden
,
dabei
aber
unser
Wunsch
ist
,
nicht
ein
Ganzes
zu
zerstücken
,
sondern
aus
mannigfaltigen
Teilen
endlich
ein
Ganzes
zusammenzusetzen
,
so
wird
es
nötig
sein
,
baldmöglichst
allgemein
und
summerisch
dasjenige
vorzulegen
,
worüber
der
Leser
nach
und
nach
im
Einzelnen
unsere
Ausarbeitungen
erhalten
wird
.
daher
wird
uns
zunächst
ein
Aufsatz
über
bildende
Kunst
beschäftigen
,
worin
die
bekannten
Rubriken
nach
unserer
Vorstellungsart
und
Methode
vorgetragen
werden
sollen
.
dabei
werden
wir
vorzüglich
darauf
bedacht
sein
,
die
Wichtigkeit
eines
jeden
Teils
der
Kunst
vor
Augen
zu
stellen
,
und
zu
zeigen
,
daß
der
Künstler
keinen
derselben
zu
vernachlässigen
habe
,
wie
es
leider
so
oft
geschehen
ist
und
geschieht
.
wir
betrachteten
vorhin
die
Natur
als
die
Schatzkammer
der
Stoffe
im
allgemeinen
;
nun
gelangen
wir
aber
an
den
wichtigen
Punkt
,
wo
sich
zeigt
,
wie
die
Kunst
ihre
Stoffe
sich
selbst
näher
zubereite
.
indem
der
Künstler
irgendeinen
Gegenstand
der
Natur
ergreift
,
so
gehört
dieser
schon
nicht
mehr
der
Natur
an
,
ja
man
kann
sagen
:
daß
der
Künstler
ihn
in
diesem
Augenblick
erschaffe
,
indem
er
ihm
das
Bedeutende
,
Charakteristische
,
Interessante
abgewinnt
oder
vielmehr
erst
den
höhern
Wert
hineinlegt
.
auf
diese
Weise
werden
der
menschlichen
Gestalt
die
schönern
Proportionen
,
die
edlern
Formen
,
die
höhern
Charaktere
gleichsam
erst
aufgedrungen
,
der
Kreis
der
Regelmäßigkeit
,
Vollkommenheit
,
Bedeutsamkeit
und
Vollendung
wird
gezogen
,
in
welchem
die
Natur
ihr
Bestes
gerne
niederlegt
,
wenn
sie
übrigens
,
in
ihrer
großen
Breite
,
leicht
in
Häßlichkeit
ausartet
und
sich
ins
Gleichgültige
verliert
.
ebendasselbe
gilt
von
zusammengesetzten
Kunstwerken
,
ihrem
Gegenstand
und
Inhalt
,
die
Aufgabe
sei
Fabel
oder
Geschichte
.
wohl
dem
Künstler
,
der
sich
bei
Unternehmung
des
Werkes
nicht
vergreift
!
der
das
Kunstgemäße
zu
wählen
oder
vielmehr
dasselbe
zu
bestimmen
versteht
!
wer
in
den
zerstreuten
Mythen
,
in
der
weitläufigen
Geschichte
,
um
sich
eine
Aufgabe
zu
suchen
,
ängstlich
herumirrt
,
mit
Gelehrsamkeit
bedeutend
oder
allegorisch
interessant
sein
will
,
der
wird
in
der
Hälfte
seiner
Arbeit
oft
bei
unerwarteten
Hindernissen
stocken
oder
nach
Vollendung
derselben
seinen
schönsten
Zweck
verfehlen
.
wer
zu
den
Sinnen
nicht
klar
spricht
,
redet
auch
nicht
rein
zum
Gemüt
,
und
wir
achten
diesen
Punkt
so
wichtig
,
daß
wir
gleich
zu
Anfang
eine
ausführlichere
Abhandlung
darüber
einrücken
.
ist
nun
der
Gegenstand
glücklich
gefunden
oder
erfunden
,
dann
tritt
die
Behandlung
ein
,
die
wir
in
die
geistige
,
sinnliche
und
mechanische
einteilen
möchten
.
die
geistige
arbeitet
den
Gegenstand
in
seinem
innern
Zusammenhange
aus
,
sie
findet
die
untergeordneten
Motive
,
und
wenn
sich
bei
der
Wahl
des
Gegenstandes
überhaupt
die
Tiefe
des
künstlerischen
Genies
beurteilen
läßt
,
so
kann
man
an
der
Entdeckung
der
Motive
seine
Breite
,
seinen
Reichtum
,
seine
Fülle
und
Liebenswürdigkeit
erkennen
.
die
sinnliche
Behandlung
würden
wir
diejenige
nennen
,
wodurch
das
Werk
durchaus
den
Sinnen
faßlich
,
angenehm
,
erfreulich
und
durch
einen
milden
Reiz
unentbehrlich
wird
.
die
mechanische
zuletzt
wäre
diejenige
,
die
durch
irgendein
körperliches
Organ
auf
bestimmte
Stoffe
wirkt
und
so
der
Arbeit
ihr
Dasein
,
ihre
Wirklichkeit
verschafft
.
indem
wir
nun
auf
solche
Art
dem
Künstler
nützlich
zu
sein
hoffen
und
lebhaft
wünschen
,
daß
er
sich
manches
Rates
,
mancher
Vorschläge
bei
seinen
Arbeiten
bedienen
möge
,
so
dringt
sich
uns
leider
die
bedenkliche
Betrachtung
auf
:
daß
jedes
Unternehmen
,
so
wie
jeder
Mensch
,
von
seinem
Zeitalter
ebensowohl
leide
,
als
man
davon
gelegentlich
Vorteil
zu
ziehen
im
Fall
ist
;
und
wir
können
bei
uns
selbst
die
Frage
nicht
ganz
ablehnen
,
welche
Aufnahme
wir
denn
wohl
finden
möchten
?
alles
ist
einem
ewigen
Wechsel
unterworfen
,
und
da
gewisse
Dinge
nicht
nebeneinander
bestehen
können
,
verdrängen
sie
einander
.
so
geht
es
mit
Kenntnissen
,
mit
Anleitungen
zu
gewissen
Übungen
,
mit
Vorstellungsarten
und
Maximen
.
die
Zwecke
der
Menschen
bleiben
ziemlich
immer
dieselben
:
man
will
jetzt
noch
ein
guter
Künstler
und
Dichter
sein
oder
werden
,
wie
vor
Jahrhunderten
;
die
Mittel
aber
,
wodurch
man
zu
dem
Zwecke
gelangt
,
sind
nicht
jedem
klar
,
und
warum
sollte
man
leugnen
,
daß
nichts
angenehmer
wäre
,
als
wenn
man
einen
großen
Vorsatz
spielend
ausführen
könnte
?
natürlicherweise
hat
das
Publikum
auf
die
Kunst
großen
Einfluß
,
indem
es
für
seinen
Beifall
,
für
sein
Geld
ein
Werk
verlangt
,
das
ihm
gefalle
,
ein
Werk
,
das
unmittelbar
zu
genießen
sei
;
und
meistens
wird
sich
der
Künstler
gern
darnach
bequemen
,
denn
er
ist
ja
auch
ein
Teil
des
Publikums
,
auch
er
ist
in
gleichen
Jahren
und
Tagen
gebildet
,
auch
er
fühlt
die
glechen
Bedürfnisse
,
er
drängt
sich
in
derselbigen
Richtung
,
und
so
bewegt
er
sich
glücklich
mit
der
Menge
fort
,
die
ihn
trägt
und
die
er
belebt
.
wir
sehen
auf
diese
Weise
ganze
Nationen
,
ganze
Zeitalter
von
ihren
Künstlern
entzückt
,
so
wie
der
Künstler
sich
in
seiner
Nation
,
in
seinem
Zeitalter
bespiegelt
,
ohne
daß
beide
nur
den
mindesten
Argwohn
hätten
,
ihr
Weg
könnte
vielleicht
nicht
der
rechte
,
ihr
Geschmack
wenigstens
einseitig
,
ihre
Kunst
auf
dem
Rückwege
und
ihr
Vordringen
nach
der
falschen
Seite
gerichtet
sein
.
anstatt
uns
hierüber
ins
Allgemeinere
zu
verbreiten
,
machen
wir
hier
eine
Bemerkung
,
die
sich
besonders
auf
bildende
Kunst
bezieht
.
dem
deutschen
Künstler
,
so
wie
überhaupt
jedem
neuen
und
nordischen
,
ist
es
schwer
,
ja
beinahe
unmöglich
,
von
dem
Formlosen
zur
Gestalt
überzugehen
und
,
wenn
er
auch
bis
dahin
durchgedrungen
wäre
,
sich
dabei
zu
erhalten
.
jeder
Künstler
,
der
eine
Zeitlang
in
Italien
gelebt
hat
,
frage
sich
:
ob
nicht
die
Gegenwart
der
besten
Werke
alter
und
neuer
Kunst
in
ihm
das
unablässige
Streben
erregt
habe
,
die
menschliche
Gestalt
in
ihren
Proportionen
,
Formen
,
Charakteren
zu
studieren
und
nachzubilden
,
sich
in
der
Ausführung
allen
Fleiß
und
Mühe
zu
geben
,
um
sich
jenen
Kunstwerken
,
die
ganz
auf
sich
selbst
ruhen
,
zu
nähern
,
um
ein
Werk
hervorzubringen
,
das
,
indem
es
das
sinnliche
Anschauen
befriedigt
,
den
Geist
in
seine
höchsten
Regionen
erhebt
.
er
gestehe
aber
auch
,
daß
er
nach
seiner
Zurückkunft
nach
und
nach
von
jenem
Streben
heruntersinken
müsse
,
weil
er
wenig
Personen
findet
,
die
das
Gebildete
eigentlich
sehen
,
genießen
und
denken
mögen
,
sondern
meist
nur
solche
,
die
ein
Werk
obenhin
ansehen
,
dabei
etwas
Beliebiges
denken
und
nach
ihrer
Art
etwas
dabei
empfinden
und
genießen
wollen
.
das
schlechteste
Bild
kann
zur
Empfindung
und
zur
Einbildungskraft
sprechen
,
indem
es
sich
in
Bewegung
setzt
,
los
und
frei
macht
und
sich
selbst
überläßt
;
das
beste
Kunstwerk
spricht
auch
zur
Empfindung
,
aber
eine
höhere
Sprache
,
die
man
freilich
verstehen
muß
:
es
fesselt
die
Gefühle
und
die
Einbildungskraft
;
es
nimmt
uns
unsre
Willkür
:
wir
können
mit
dem
Vollkommenen
nicht
schalten
und
walten
,
wie
wir
wollen
,
wir
sind
genötigt
,
uns
ihm
hinzugeben
,
um
uns
selbst
von
ihm
,
erhöht
und
verbessert
,
wieder
zu
erhalten
.
daß
dieses
keine
Träume
sind
,
werden
wir
nach
und
nach
im
einzelnen
so
deutlich
als
möglich
zu
zeigen
suchen
,
besonders
werden
wir
auf
einen
Widerspruch
aufmerksam
machen
,
in
welchen
sich
die
Neuern
so
oft
verwickeln
.
die
nennen
die
Alten
ihre
Leher
,
sie
gestehen
jenen
Werken
eine
unerreichbare
Vortrefflichkeit
zu
und
entfernen
sich
in
Theorie
und
Praxis
doch
von
den
Maximen
,
die
jene
beständig
ausübten
.
indem
wir
nun
von
diesem
wichtigen
Punkte
ausgehen
und
oft
wieder
auf
denselben
zurückkehren
werden
,
so
finden
wir
noch
andere
,
davon
noch
einiges
zu
erwähnen
ist
.
eines
der
vorzüglichsten
Kennzeichen
des
Verfalls
der
Kunst
ist
die
Vermischung
der
verschiedenen
Arten
derselben
.
die
Künste
selbst
,
so
wie
ihre
Arten
,
sind
untereinander
verwandt
,
sie
haben
eine
gewisse
Neigung
,
sich
zu
vereinigen
,
ja
sich
ineinander
zu
verlieren
;
aber
eben
darin
besteht
die
Pflicht
,
das
Verdienst
,
die
Würde
des
echten
Künstlers
,
daß
er
das
Kunstfach
,
in
welchem
er
arbeitet
,
von
andern
abzusondern
,
jede
Kunst
und
Kunstart
auf
sich
selbst
zu
stellen
und
sie
aufs
möglichste
zu
isolieren
wisse
.
man
hat
bemerkt
,
daß
alle
bildende
Kunst
zur
Malerei
,
alle
Poesie
zum
Drama
strebe
,
und
es
kann
uns
diese
Erfahrung
künftig
zu
wichtigen
Betrachtungen
Anlaß
geben
.
der
echte
,
gesetzgebende
Künstler
strebt
nach
Kunstwahrheit
,
der
gesetzlose
,
der
einem
blinden
Trieb
folgt
,
nach
Naturwirklichkeit
;
durch
jenen
wird
die
Kunst
zum
höchsten
Gipfel
,
durch
diesen
auf
die
niedrigste
Stufe
gebracht
.
so
wie
mit
dem
Allgemeinen
der
Kunst
,
ebenso
verhält
es
sich
auch
mit
den
Arten
derselben
.
der
Bildhauer
muß
anders
denken
und
empfinden
als
der
Maler
,
ja
er
muß
anders
zu
Werke
gehen
,
wenn
er
ein
halberhobenes
Werk
,
als
wenn
er
ein
rundes
hervorbringen
will
.
indem
man
die
flacherhobenen
Werke
immer
höher
und
höher
machte
,
dann
Teile
,
dann
Figuren
ablöste
,
zuletzt
Gebäude
und
Landschaften
anbrachte
und
so
halb
Malerei
,
halb
Puppenspiel
darstellte
,
ging
man
immer
abwärts
in
der
wahren
Kunst
;
und
leider
haben
treffliche
Künstler
der
neuern
Zeit
ihren
Weg
auf
diese
Weise
genommen
.
wenn
wir
nun
künftig
solche
Maximen
,
die
wir
für
die
rechten
halten
,
aussprechen
werden
,
wünschten
wir
,
daß
sie
,
wie
sie
aus
den
Kunstwerken
gezogen
sind
,
von
dem
Künstler
praktisch
geprüft
werden
.
wie
selten
kann
man
mit
dem
andern
über
einen
Grundsatz
theoretisch
einig
werden
!
hingegen
was
anwendbar
,
was
brauchbar
sei
,
ist
viel
geschwinder
entschieden
.
wie
oft
sieht
man
Künstler
bei
der
Wahl
ihrer
Gegenstände
,
bei
der
für
ihre
Kunst
passenden
Zusammensetzung
im
allgemeinen
,
bei
der
Anordnung
im
besondern
sowie
den
Maler
bei
der
Wahl
der
Farben
in
Verlegenheit
.
dann
ist
es
Zeit
,
einen
Grundsatz
zu
prüfen
,
dann
wird
die
Frage
leichter
zu
entscheiden
sein
:
ob
wir
durch
ihn
den
großen
Mustern
und
allem
,
was
wir
an
ihnen
schätzen
und
lieben
,
näher
kommen
,
oder
ob
er
uns
in
der
empirischen
Verwirrung
einer
nicht
genug
durchdachten
Erfahrung
stecken
läßt
.
gelten
nun
dergleichen
Maximen
zur
Bildung
des
Künstlers
,
zur
Leitung
desselben
in
mancher
Verlegenheit
,
so
werden
sie
auch
bei
Entwicklung
,
Schätzung
und
Beurteilung
alter
und
neuer
Kunstwerke
dienen
und
wieder
wechselsweise
aus
der
Betrachtung
derselben
entstehen
.
ja
,
es
ist
um
so
nötiger
,
sich
auch
hier
daran
zu
halten
,
weil
,
unerachtet
der
allgemein
gepriesnen
Vorzüge
des
Altertums
,
dennoch
unter
den
Neuern
sowohl
einzelne
Menschen
als
ganze
Nationen
oft
eben
das
verkennen
,
worin
der
höchste
Vorzug
jener
Werke
liegt
.
eine
genaue
Prüfung
derselben
wird
uns
am
meisten
vor
diesem
Übel
bewahren
.
deshalb
sei
hier
nur
ein
Beispiel
aufgestellt
,
wie
es
dem
Liebhaber
in
der
plastischen
Kunst
zu
gehen
pflegt
,
damit
etwa
deutlich
werde
,
wie
notwendig
eine
genaue
Kritik
der
ältern
sowohl
als
der
neuern
Kunstwerke
sei
,
wenn
sie
einigermaßen
Nutzen
bringen
soll
.
auf
jeden
,
der
ein
zwar
ungeübtes
,
aber
für
das
Schöne
empfängliches
Auge
hat
,
wird
ein
stumpfer
,
unvollkommner
Gipsabguß
eines
trefflichen
alten
Werks
noch
immer
eine
große
Wirkung
tun
;
denn
in
einer
solchen
Nachbildung
bleibt
doch
immer
die
Idee
,
die
Einfalt
und
Größe
der
Form
,
genug
,
das
Allgemeinste
noch
übrig
,
so
viel
,
als
man
mit
schlechten
Augen
allenfalls
in
der
Ferne
gewahr
werden
könnte
.
man
kann
bemerken
,
daß
oft
eine
lebhafte
Neigung
zur
Kunst
durch
solche
ganz
unvollkommene
Nachbildungen
entzündet
wird
.
allein
die
Wirkung
ist
dem
Gegenstande
gleich
:
es
wird
mehr
ein
dunkles
,
unbestimmtes
Gefühl
erregt
,
als
daß
eigentlich
der
Gegenstand
,
in
seinem
Wert
und
in
seiner
Würde
,
solchen
angehenden
Kunstfreunden
erscheinen
sollte
.
solche
sind
es
,
die
gewöhnlich
den
Grundsatz
äußern
,
daß
eine
allzu
genaue
kritische
Untersuchung
den
Genuß
zerstöre
,
solche
sind
es
,
die
sich
gegen
eine
Würdigung
des
Einzelnen
zu
sträuben
und
zu
wehren
pflegen
.
wenn
ihnen
aber
nach
und
nach
,
bei
weiterer
Erfahrung
und
Übung
,
ein
scharfer
Abguß
statt
eines
stumpfen
,
ein
Original
statt
eines
Abgusses
vorgelegt
wird
,
dann
wächst
mit
der
Einsicht
auch
das
Vergnügen
,
und
so
steigt
es
,
wenn
Originale
selbst
,
wenn
vollkommene
Originale
ihnen
endlich
bekannt
werden
.
gern
läßt
man
sich
in
die
Labyrinthe
genauer
Betrachtungen
ein
,
wenn
das
Einzelne
so
wie
das
Ganze
vollkommen
ist
,
ja
man
lernt
einsehen
,
daß
man
das
Vortreffliche
nur
in
dem
Maße
kennen
lernt
,
insofern
man
das
Mangelhafte
einzusehen
imstande
ist
.
die
Restauration
von
den
ursprünglichen
Teilen
,
die
kopie
von
dem
Original
zu
unterscheiden
,
in
dem
kleinsten
Fragmente
noch
die
zerstörte
Herrlichkeit
des
Ganzen
zu
schauen
,
wird
der
Genuß
des
vollendeten
Kenners
;
und
es
ist
ein
großer
Unterschied
,
ein
stumpfes
Ganze
mit
dunklem
Sinne
oder
ein
vollendetes
mit
hellem
Sinne
zu
beschauen
und
zu
fassen
.
wer
sich
mit
irgendeiner
Kenntnis
abgibt
,
soll
nach
dem
Höchsten
streben
!
es
ist
mit
der
Einsicht
viel
anders
als
mit
der
Ausübung
:
denn
im
Praktischen
muß
sich
jeder
bald
bescheiden
,
daß
ihm
nur
ein
gewisses
Maß
von
Kräften
zugeteilt
sei
;
zur
Kenntnis
,
zur
Einsicht
aber
sind
weit
mehrere
Menschen
fähig
,
ja
man
kann
wohl
sagen
,
ein
jeder
,
der
sich
selbst
verleugnen
,
sich
den
Gegenständen
unterordnen
kann
,
der
nicht
mit
einem
starren
,
beschränkten
Eigensinn
sich
und
seine
kleinliche
Einseitigkeit
in
die
höchsten
Werke
der
Natur
und
Kunst
überzutragen
strebt
.
um
von
Kunstwerken
eigentlich
und
mit
wahrem
Nutzen
für
sich
und
andere
zu
sprechen
,
sollte
es
freilich
nur
in
Gegenwart
derselben
geschehen
.
alles
kommt
aufs
Anschauen
an
,
es
kommt
darauf
an
,
daß
bei
dem
Wort
,
wodurch
man
ein
Kunstwerk
zu
erläutern
hofft
,
das
Bestimmteste
gedacht
werde
,
weil
sonst
gar
nichts
gedacht
wird
.
daher
geschieht
es
so
oft
,
daß
derjenige
,
der
über
Kunstwerke
schreibt
,
bloß
im
Allgemeinen
verweilt
,
wodurch
wohl
Ideen
und
Empfindungen
erregt
werden
,
ja
allen
Lesern
,
nur
demjenigen
nicht
genuggetan
wird
,
der
mit
dem
Buche
in
der
Hand
vor
das
Kunstwerk
hintritt
.
aber
eben
deswegen
werden
wir
in
mehrern
Abhandlungen
vielleicht
in
dem
Falle
sein
,
das
Verlangen
der
Leser
mehr
zu
reizen
als
zu
befriedigen
;
denn
es
ist
nichts
natürlicher
,
als
daß
sie
ein
vortreffliches
Kunstwerk
,
das
genau
zergliedert
wird
,
sogleich
vor
Augen
zu
haben
wünschen
,
um
das
Ganze
,
von
dem
die
Rede
ist
,
zu
genießen
und
,
was
die
Teile
betrifft
,
die
Meinung
,
die
sie
vernehmen
,
ihrem
Urteil
zu
unterwerfen
.
indem
nun
aber
die
Verfasser
für
diejenigen
zu
arbeiten
denken
,
welche
die
Werke
teils
gesehen
haben
,
teils
künftig
sehen
werden
,
so
hoffen
sie
für
solche
,
die
sich
in
keinem
der
beiden
Fälle
befinden
,
dennoch
das
Mögliche
zu
tun
.
wir
werden
die
Nachbildungen
erwähnen
,
anzeigen
,
wo
Abgüsse
von
alten
Kunstwerken
,
alte
Kunstwerke
selbst
besonders
den
Deutschen
sich
näher
befinden
,
und
so
echter
Liebhaberei
und
Kunstkenntnis
,
soviel
an
uns
liegt
,
zu
begegnen
suchen
.
denn
nur
auf
dem
höchsten
und
genausten
Begriff
von
Kunst
kann
eine
Kunstgeschichte
beruhen
;
nur
wenn
man
das
Vortrefflichste
kennt
,
was
der
Mensch
hervorzubringen
imstande
war
,
kann
der
psychologisch-chronologische
Gang
dargestellt
werden
,
den
man
in
der
Kunst
so
wie
in
andern
Fächern
nahm
,
wo
erst
eine
beschränkte
Tätigkeit
in
einer
trocknen
,
ja
traurigen
Nachahmung
des
Unbedeutenden
so
wie
des
Bedeutenden
verweilte
,
sich
darauf
ein
lieblicheres
,
gemütlicheres
Gefühl
gegen
die
Natur
entwickelte
,
dann
,
begleitet
von
Kenntnis
,
Regelmäßigkeit
,
Ernst
und
Strenge
,
unter
günstigen
Umständen
,
die
Kunst
bis
zum
Höchsten
hinaufstieg
,
wo
es
denn
zuletzt
dem
glücklichen
Genie
,
das
sich
von
allen
diesen
Hülfsmitteln
umgeben
fand
,
möglich
ward
,
das
Reizende
,
Vollendete
hervorzubringen
.
leider
aber
erregen
Kunstwerke
,
die
mit
solcher
Leichtigkeit
sich
aussprechen
,
die
dem
Menschen
ein
bequemes
Gefühl
seiner
selbst
,
die
ihm
Heiterkeit
und
Freiheit
einflößen
,
bei
dem
nachstrebenden
Künstler
den
Begriff
,
daß
auch
das
Hervorbringen
bequem
sei
.
da
der
Gipfel
dessen
,
was
Kunst
und
Genie
darstellen
,
eine
leichte
Erscheinung
ist
,
so
werden
die
Nachkommenden
gereizt
,
sich's
leicht
zu
machen
und
auf
den
Schein
zu
arbeiten
.
so
verliert
die
Kunst
sich
nach
und
nach
von
ihrer
Höhe
herunter
,
im
Ganzen
so
wie
im
Einzelnen
.
wenn
wir
nun
aber
hievon
einen
anschaulichen
Begriff
bilden
wollen
,
so
müssen
wir
ins
Einzelne
des
Einzelnen
hinabsteigen
,
welches
nicht
immer
eine
angenehme
und
reizende
Beschäftigung
ist
,
wofür
aber
der
sichere
Blick
über
das
Ganze
nach
und
nach
reichlich
entschädigt
.
wenn
uns
nun
die
Erfahrung
bei
Betrachtung
der
alten
und
mittlern
Kunstwerke
gewisse
Maximen
bewährt
hat
,
so
bedürfen
wir
ihrer
am
meisten
bei
Beurteilung
der
neuen
und
neusten
Arbeiten
;
denn
da
bei
Würdigung
lebender
oder
kurz
verstorbener
Künstler
so
leicht
persönliche
Verhältnisse
,
Liebe
und
Haß
der
Einzelnen
,
Neigung
und
Abneigung
der
Menge
sich
einmischen
,
so
brauchen
wir
Grundsätze
um
so
nötiger
,
um
über
unsere
Zeitgenossen
ein
Urteil
zu
äußern
.
die
Untersuchung
kann
alsdann
sogleich
auf
doppelte
Weise
angestellt
werden
.
der
Einfluß
der
Willkür
wird
vermindert
,
die
Frage
vor
einen
höhern
Gerichtshof
gebracht
.
man
kann
den
Grundsatz
selbst
so
wie
dessen
Anwendung
prüfen
,
und
wenn
man
sich
auch
nicht
vereinigen
sollte
,
so
kann
der
strittige
Punkt
doch
sicher
und
deutlich
bezeichnet
werden
.
besonders
wünschten
wir
,
daß
der
lebende
Künstler
,
bei
dessen
Arbeiten
wir
vielleicht
einiges
zu
erinnern
fänden
,
unsere
Urteile
auf
diese
Weise
bedächtig
prüfte
.
denn
jeder
,
der
diesen
Namen
verdient
,
ist
zu
unserer
Zeit
genötigt
,
sich
aus
Arbeit
und
eignem
Nachdenken
,
wo
nicht
eine
Theorie
,
doch
einen
gewissen
Inbegriff
theoretischer
Hausmittel
zu
bilden
,
bei
deren
Gebrauch
er
sich
in
mancherlei
Fällen
ganz
leidlich
befindet
;
man
wird
aber
oft
bemerken
,
daß
er
auf
diesem
Wege
sich
solche
Maximen
als
Gesetze
aufstellt
,
die
seinem
Talent
,
seiner
Neigung
und
Bequemlichkeit
gemäß
sind
.
er
unterliegt
einem
allgemeinen
menschlichen
Schicksal
.
wie
viele
handeln
nicht
in
andern
Fächern
auf
eben
diese
Weise
!
aber
wir
bilden
uns
nicht
,
wenn
wir
das
,
was
in
uns
liegt
,
nur
mit
Leichtigkeit
und
Bequemlichkeit
in
Bewegung
setzen
.
jeder
Künstler
,
wie
jeder
Mensch
,
ist
nur
ein
einzelnes
Wesen
und
wird
nur
immer
auf
eine
Seite
hängen
.
deswegen
hat
der
Mensch
auch
das
,
was
seiner
Natur
entgegengesetzt
ist
,
theoretisch
und
praktisch
,
insofern
es
ihm
möglich
wird
,
in
sich
aufzunehmen
.
der
Leichte
sehe
nach
Ernst
und
Strenge
sich
um
,
der
Strenge
habe
ein
leichtes
und
bequemes
Wesen
vor
Augen
,
der
Starke
die
Lieblichkeit
,
der
Liebliche
die
Stärke
,
und
jeder
wird
seine
eigne
Natur
nur
desto
mehr
ausbilden
,
je
mehr
er
sich
von
ihr
zu
entfernen
scheint
.
jede
Kunst
verlangt
den
ganzen
Menschen
,
der
höchstmögliche
Grad
derselben
die
ganze
Menschheit
.
die
Ausübung
der
bildenden
Kunst
ist
mechanisch
,
und
die
Bildung
des
Künstlers
fängt
in
seiner
frühsten
Jugend
mit
Recht
vom
Mechanischen
an
;
seine
übrige
Erziehung
hingegen
ist
oft
vernachlässigt
,
da
sie
doch
weit
sorgfältiger
sein
sollte
als
die
Bildung
anderer
,
welche
Gelegenheit
haben
,
aus
dem
Leben
selbst
Vorteil
zu
ziehen
.
die
Gesellschaft
macht
einen
rohen
Menschen
bald
höflich
,
ein
geschäftiges
Leben
den
offensten
vorsichtig
;
literarische
Arbeiten
,
welche
durch
den
Druck
vor
ein
großes
Publikum
kommen
,
finden
überall
Widerstand
und
Zurechtweisung
;
nur
der
bildende
Künstler
allein
ist
meist
auf
eine
einsame
Werkstatt
beschränkt
,
er
hat
fast
nur
mit
dem
zu
tun
,
der
seine
Arbeit
bestellt
und
bezahlt
,
mit
einem
Publikum
,
das
oft
nur
gewissen
krankhaften
Eindrücken
folgt
,
mit
Kennern
,
die
ihn
unruhig
machen
,
und
mit
Marktrufern
,
welche
jedes
Neue
mit
solchen
Lob-
und
Preisformeln
empfangen
,
durch
die
das
Vortrefflichste
schon
hinlänglich
geehrt
wäre
.
doch
es
wird
Zeit
,
diese
Einleitung
zu
schließen
,
damit
sie
nicht
,
anstatt
dem
Werke
bloß
voranzugehen
,
ihm
vorlaufe
und
vorgreife
.
wir
haben
bisher
wenigstens
den
Punkt
bezeichnet
,
von
welchem
wir
auszugehen
gedenken
;
wie
weit
wir
uns
verbreiten
können
und
werden
,
muß
sich
erst
nach
und
nach
entwickeln
.
Theorie
und
Kritik
der
Dichtkunst
wird
uns
hoffentlich
bald
beschäftigen
;
was
uns
das
Leben
überhaupt
,
was
uns
Reisen
,
ja
was
uns
die
Begebenheiten
des
Tags
anbieten
,
soll
nicht
ausgeschlossen
sein
;
und
so
sei
denn
noch
zuletzt
von
einer
wichtigen
Angelegenheit
des
Augenblicks
gesprochen
.
für
die
Bildung
des
Künstlers
,
für
den
Genuß
des
Kunstfreundes
war
es
von
jeher
von
der
größten
Bedeutung
,
an
welchem
Orte
sich
Kunstwerke
befanden
;
es
war
eine
Zeit
,
in
der
sie
,
geringere
Dislokationen
abgerechnet
,
meistens
an
Ort
und
Stelle
blieben
;
nun
aber
hat
sich
eine
große
Veränderung
zugetragen
,
welche
für
die
Kunst
im
Ganzen
sowohl
als
im
Besondern
wichtige
Folgen
haben
wird
.
man
hat
vielleicht
jetzo
mehr
Ursache
als
jemals
,
Italien
als
einen
großen
Kunstkörper
zu
betrachten
,
wie
er
vor
kurzem
noch
bestand
.
ist
es
möglich
,
davon
eine
Übersicht
zu
geben
,
so
wird
sich
alsdann
erst
zeigen
,
was
die
Welt
in
diesem
Augenblicke
verliert
,
da
so
viele
Teile
von
diesem
großen
und
alten
Ganzen
abgerissen
wurden
.
was
in
dem
Akt
des
Abreißens
selbst
zugrunde
gegangen
,
wird
wohl
ewig
ein
Geheimnis
bleiben
;
allein
eine
Darstellung
jenes
neuen
Kunstkörpers
,
der
sich
in
Paris
bildet
,
wird
in
einigen
Jahren
möglich
werden
;
die
Methode
,
wie
ein
Künstler
und
Kunstliebhaber
Frankreich
und
Italien
zu
nutzen
hat
,
wird
sich
angeben
lassen
,
so
wie
dabei
noch
eine
wichtige
und
schöne
Frage
zu
erörtern
ist
:
was
andere
Nationen
,
besonders
Deutschland
und
England
,
tun
sollten
,
um
in
dieser
Zeit
der
Zerstreuung
und
des
Verlustes
mit
einem
wahren
weltbürgerlichen
Sinne
,
der
vielleicht
nirgends
reiner
als
bei
Künsten
und
Wissenschaften
stattfinden
kann
,
die
mannigfaltigen
Kunstschätze
,
die
bei
ihnen
zerstreut
niedergelegt
sind
,
allgemein
brauchbar
zu
machen
und
einen
idealen
Kunstkörper
bilden
zu
helfen
,
der
uns
mit
der
Zeit
für
das
,
was
uns
der
gegenwärtige
Augenblick
zerreißt
,
wo
nicht
entreißt
,
vielleicht
glücklich
zu
entschädigen
vermöchte
.
so
viel
im
allgemeinen
von
der
Absicht
eines
Werkes
,
dem
wir
recht
viel
ernsthafte
und
wohlwollende
Teilnehmer
wünschen
.
über
Laokoon
.
ein
echtes
Kunstwerk
bleibt
,
wie
ein
Naturwerk
,
für
unsern
Verstand
immer
unendlich
:
es
wird
angeschaut
,
empfunden
;
es
wirkt
,
es
kann
aber
nicht
eigentlich
erkannt
,
viel
weniger
sein
Wesen
,
sein
Verdienst
mit
Worten
ausgesprochen
werden
.
was
also
hier
über
Laokoon
gesagt
ist
,
hat
keinesweges
die
Anmaßung
,
diesen
Gegenstand
zu
erschöpfen
,
es
ist
mehr
bei
Gelegenheit
dieses
trefflichen
Kunstwerks
als
über
dasselbe
geschrieben
.
möge
dieses
bald
wieder
so
aufgestellt
sein
,
daß
jeder
Liebhaber
sich
daran
freuen
und
darüber
nach
seiner
Art
reden
könne
!
wenn
man
von
einem
trefflichen
Kunstwerke
sprechen
will
,
so
ist
es
fast
nötig
,
von
der
ganzen
Kunst
zu
reden
:
denn
es
enthält
sie
ganz
,
und
jeder
kann
,
soviel
in
seinen
Kräften
steht
,
auch
das
Allgemeine
aus
einem
solchen
besondern
Fall
entwickeln
;
deswegen
sei
hier
auch
etwas
Allgemeines
vorausgeschickt
.
alle
hohe
Kunstwerke
stellen
die
menschliche
Natur
dar
,
die
bildenden
Künste
beschäftigen
sich
besonders
mit
dem
menschlichen
Körper
;
wir
reden
gegenwärtig
nur
von
diesen
.
die
Kunst
hat
viele
Stufen
,
auf
jeder
derselben
können
vorzügliche
Künstler
erscheinen
,
ein
vollkommenes
Kunstwerk
aber
begreift
alle
Eigenschaften
,
die
sonst
nur
einzeln
ausgeteilt
sind
.
die
höchsten
Kunstwerke
,
die
wir
kennen
,
zeigen
uns
:
lebendige
,
hochorganisierte
Naturen
.
man
erwartet
vor
allem
Kenntnis
des
menschlichen
Körpers
in
seinen
Teilen
,
Maßen
,
innern
und
äußern
Zwecken
,
Formen
und
Bewegungen
im
allgemeinen
.
Charaktere
.
Kenntnis
des
Abweichens
dieser
Teile
in
Gestalt
und
Wirkung
.
Eigenschaften
sondern
sich
ab
und
stellen
sich
einzeln
dar
;
hierdurch
entstehen
die
Charaktere
,
und
es
können
die
verschiedenen
Kunstwerke
dadurch
in
ein
bedeutendes
Verhältnis
gegeneinander
gebracht
werden
,
so
wie
auch
,
wenn
ein
Werk
zusammengesetzt
ist
,
seine
Teile
sich
bedeutend
gegeneinander
verhalten
können
.
der
Gegenstand
ist
:
in
Ruhe
oder
Bewegung
.
ein
werk
oder
seine
Teile
können
entweder
für
sich
bestehend
,
ruhig
ihr
bloßes
Dasein
anzeigend
,
oder
auch
bewegt
,
wirkend
,
leidenschaftlich
ausdrucksvoll
dargestellt
werden
.
Ideal
.
um
hierzu
zu
gelangen
,
bedarf
der
Künstler
eines
tiefen
,
gründlichen
,
ausdauernden
Sinnes
,
zu
dem
aber
noch
ein
hoher
Sinn
sich
gesellen
muß
,
um
den
Gegenstand
in
seinem
ganzen
Umfange
zu
übersehen
,
den
höchsten
darzustellenden
Moment
zu
finden
,
und
ihn
also
aus
einer
beschränkten
Wirklichkeit
herauszuheben
und
ihm
in
einer
idealen
Welt
maß
,
Grenze
,
Realität
und
Würde
zu
geben
.
Anmut
.
der
Gegenstand
aber
und
die
Art
,
ihn
vorzustellen
,
sind
den
sinnlichen
Kunstgesetzen
unterworfen
,
nämlich
der
Ordnung
,
Faßlichkeit
,
Symmetrie
,
Gegenstellung
etc.
,
wodurch
er
für
das
Auge
schön
,
das
heißt
anmutig
wird
.
Schönheit
.
ferner
ist
er
dem
Gesetz
der
geistigen
Schönheit
unterworfen
,
die
durch
das
Maß
entsteht
,
welchem
der
zur
Darstellung
oder
Hervorbringung
des
Schönen
gebildete
Mensch
alles
,
sogar
die
Extreme
zu
unterwerfen
weiß
.
nachdem
ich
die
Bedingungen
,
welche
wir
von
einem
hohen
Kunstwerke
fordern
,
zum
voraus
angegeben
habe
,
so
kann
ich
mit
wenigen
Worten
viel
sagen
,
wenn
ich
behaupte
,
daß
unsere
Gruppe
sie
alle
erfüllt
,
ja
daß
man
sie
aus
derselben
allein
entwickeln
könne
.
man
wird
mir
den
Beweis
erlassen
,
daß
sie
Kenntnis
des
menschlichen
Körpers
,
daß
sie
das
Charakteristische
an
demselben
sowie
Ausdruck
und
Leidenschaft
zeige
.
wie
hoch
und
ideal
der
Gegenstand
gefaßt
sei
,
wird
sich
aus
dem
folgenden
ergeben
;
daß
man
das
Werk
schön
nennen
müsse
,
wird
wohl
niemand
bezweifeln
,
welcher
das
Maß
erkennt
,
womit
das
Extrem
eines
physischen
und
geistigen
Leidens
hier
dargestellt
ist
.
hingegen
wird
manchem
paradox
scheinen
,
wenn
ich
behaupte
,
daß
diese
Gruppe
auch
zugleich
anmutig
sei
.
hierüber
also
nur
einige
Worte
.
jedes
Kunstwerk
muß
sich
als
ein
solches
anzeigen
,
und
das
kann
es
allein
durch
das
,
was
wir
sinnliche
Schönheit
oder
Anmut
nennen
.
die
Alten
,
weit
entfernt
von
dem
modernen
Wahne
,
daß
ein
Kunstwerk
dem
Scheine
nach
wieder
ein
Naturwerk
werden
müsse
,
bezeichneten
ihre
Kunstwerke
als
solche
durch
gewählte
Ordnung
der
Teile
;
sie
erleichterten
dem
Auge
die
Einsicht
in
die
Verhältnisse
durch
Symmetrie
,
und
so
ward
ein
verwickeltes
Werk
faßlich
.
durch
eben
diese
Symmetrie
und
durch
Gegenstellungen
wurden
in
leisen
Abweichungen
die
höchsten
Kontraste
möglich
.
die
Sorgfalt
der
Künstler
,
mannigfaltige
Massen
gegeneinander
zu
stellen
,
besonders
die
Extremitäten
der
Körper
bei
Gruppen
gegeneinander
in
eine
regelmäßige
Lage
zu
bringen
,
war
äußerst
überlegt
und
glücklich
,
so
daß
ein
jedes
Kunstwerk
,
wenn
man
auch
von
dem
Inhalt
abstrahiert
,
wenn
man
in
der
Entfernung
auch
nur
die
allgemeinsten
Umrisse
sieht
,
noch
immer
dem
Auge
als
ein
Zierat
erscheint
.
die
alten
Vasen
geben
uns
hundert
Beispiele
einer
solchen
anmutigen
Gruppierung
,
und
es
würde
vielleicht
möglich
sein
,
stufenweise
von
der
ruhigsten
Vasengruppe
bis
zu
der
höchst
bewegten
des
Laokoons
die
schönsten
Beispiele
einer
symmetrisch
künstlichen
,
den
Augen
gefälligen
Zusammensetzung
darzulegen
.
ich
getraue
mir
daher
nochmals
zu
wiederholen
:
daß
die
Gruppe
des
Laokoons
,
neben
allen
übrigen
anerkannten
Verdiensten
,
zugleich
ein
Muster
sei
von
Symmetrie
und
Mannigfaltigkeit
,
von
Ruhe
und
Bewegung
,
von
Gegensätzen
und
Stufengängen
,
die
sich
zusammen
,
teils
sinnlich
teils
geistig
,
dem
Beschauer
darbieten
,
bei
dem
hohen
Pathos
der
Vorstellung
eine
angenehme
Empfindung
erregen
und
den
Sturm
der
Leiden
und
Leidenschaft
durch
Anmut
und
Schönheit
mildern
.
es
ist
ein
großer
Vorteil
für
ein
Kunstwerk
,
wenn
es
selbstständig
,
wenn
es
geschlossen
ist
.
ein
ruhiger
Gegenstand
zeigt
sich
bloß
in
seinem
Dasein
,
er
ist
also
durch
und
in
sich
selbst
geschlossen
.
ein
Jupiter
mit
einem
Donnerkeil
im
Schoß
,
eine
Juno
,
die
auf
ihrer
Majestät
und
Frauenwürde
ruht
,
eine
in
sich
versenkte
Minerva
sind
Gegenstände
,
die
gleichsam
nach
außen
keine
Beziehung
haben
,
sie
ruhen
auf
und
in
sich
und
sind
die
ersten
,
liebsten
Gegenstände
der
Bildhauerkunst
.
aber
in
dem
herrlichen
Zirkel
des
mythischen
Kunstkreises
,
in
welchem
diese
einzelnen
selbstständigen
Naturen
stehen
und
ruhen
,
gibt
es
kleinere
Zirkel
,
wo
die
einzelnen
Gestalten
in
Bezug
auf
andere
gedacht
und
gearbeitet
sind
.
z.
E.
die
neun
Musen
,
mit
ihrem
Führer
Apoll
,
ist
jede
für
sich
gedacht
und
ausgeführt
,
aber
in
dem
ganzen
mannigfaltigen
Chor
wird
sie
noch
interessanter
.
geht
die
Kunst
zum
leidenschaftlich
Bedeutenden
über
,
so
kann
sie
wieder
auf
dieselbe
Weise
handeln
:
sie
stellt
uns
entweder
einen
Kreis
von
Gestalten
dar
,
die
untereinander
einen
leidenschaftlichen
Bezug
haben
,
wie
Niobe
mit
ihren
Kindern
,
verfolgt
von
Apoll
und
Diana
,
oder
sie
zeigt
uns
in
einem
Werke
die
Bewegung
zugleich
mit
ihrer
Ursache
.
wir
gedenken
hier
nur
des
anmutigen
Knaben
,
der
sich
den
Dorn
aus
dem
Fuße
zieht
,
der
Ringer
,
zweier
Gruppen
von
Faunen
und
Nymphen
in
Dresden
,
und
der
bewegten
herrlichen
Gruppe
des
Laokoon
.
die
Bildhauerkunst
wird
mit
Recht
so
hoch
gehalten
,
weil
sie
die
Darstellung
auf
ihren
höchsten
Gipfel
bringen
kann
und
muß
,
weil
sie
den
Menschen
von
allem
,
was
ihm
nicht
wesentlich
ist
,
entblößt
.
so
ist
auch
bei
dieser
Gruppe
Laokoon
ein
bloßer
Name
;
von
seiner
Priesterschaft
,
von
seinem
trojanisch-nationellen
,
von
allem
poetischen
und
mythologischen
Beiwesen
haben
ihn
die
Künstler
entkleidet
;
er
ist
nichts
von
allem
,
wozu
ihn
die
Fabel
macht
:
es
ist
ein
Vater
mit
zwei
Söhnen
,
in
Gefahr
,
zwei
gefährlichen
Tieren
unterzuliegen
.
so
sind
auch
hier
keine
göttergesandte
,
sondern
bloß
natürliche
Schlangen
,
mächtig
genug
,
einige
Menschen
zu
überwältigen
,
aber
keineswegs
,
weder
in
ihrer
Gestalt
noch
Handlung
,
außerordentliche
,
rächende
,
strafende
Wesen
.
ihrer
Natur
gemäß
schleichen
sie
heran
,
umschlingen
,
schnüren
zusammen
,
und
die
eine
beißt
erst
gereizt
.
sollte
ich
diese
Gruppe
,
wenn
wir
keine
weitere
Deutung
derselben
bekannt
wäre
,
erklären
,
so
würde
ich
sie
eine
tragische
Idylle
nennen
.
ein
Vater
schlief
neben
seinen
beiden
Söhnen
,
sie
wurden
von
Schlangen
umwunden
und
streben
nun
,
erwachend
,
sich
aus
dem
lebendigen
Netze
loszureißen
.
äußerst
wichtig
ist
dieses
Kunstwerk
durch
die
Darstellung
des
Moments
.
wenn
ein
Werk
der
bildenden
Kunst
sich
wirklich
vor
dem
Auge
bewegen
soll
,
so
muß
ein
vorübergehender
Moment
gewählt
sein
;
kurz
vorher
darf
kein
Teil
des
Ganzen
sich
in
dieser
Lage
befunden
haben
,
kurz
hernach
muß
jeder
Teil
genötigt
sein
,
diese
Lage
zu
verlassen
;
dadurch
wird
das
Werk
Millionen
Anschauern
immer
wieder
neu
lebendig
sein
.
um
die
Intention
des
Laokoons
recht
zu
fassen
,
stelle
man
sich
in
gehöriger
Entfernung
mit
geschloßnen
Augen
davor
;
man
öffne
sie
und
schließe
sie
sogleich
wieder
,
so
wird
man
den
ganzen
Marmor
in
Bewegung
sehen
,
man
wird
fürchten
,
indem
man
die
Augen
wieder
öffnet
,
die
ganze
Gruppe
verändert
zu
finden
.
ich
möchte
sagen
,
wie
sie
jetzt
dasteht
,
ist
sie
ein
fixierter
Blitz
,
eine
Welle
,
versteinert
im
Augenblicke
,
da
sie
gegen
das
Ufer
anströmt
.
dieselbe
Wirkung
entsteht
,
wenn
man
die
Gruppe
nachts
bei
der
Fackel
sieht
.
der
Zustand
der
drei
Figuren
ist
mit
der
höchsten
Weisheit
stufenweise
dargestellt
;
der
älteste
Sohn
ist
nur
an
den
Extremitäten
verstrickt
,
der
zweite
öfters
umwunden
,
besonders
ist
ihm
die
Brust
zusammengeschnürt
;
durch
die
Bewegung
des
rechten
Arms
sucht
er
sich
Luft
zu
machen
,
mit
der
Linken
drängt
er
sanft
den
Kopf
der
Schlange
zurück
,
um
sie
abzuhalten
,
daß
sie
nicht
noch
einen
Ring
um
die
Brust
ziehe
;
sie
ist
im
Begriff
,
unter
der
Hand
wegzuschlüpfen
,
keinesweges
aber
beißt
sie
.
der
Vater
hingegen
will
sich
und
die
Kinder
von
diesen
Umstrickungen
mit
Gewalt
befreien
,
er
preßt
die
andere
Schlange
,
und
diese
,
gereizt
,
beißt
ihn
in
die
Hüfte
.
um
die
Stellung
des
Vaters
sowohl
im
ganzen
als
nach
allen
Teilen
des
Körpers
zu
erklären
,
scheint
es
mir
am
vorteilhaftesten
,
das
augenblickliche
Gefühl
der
Wunde
als
die
Hauptursache
der
ganzen
Bewegung
anzugeben
.
die
Schlange
hat
nicht
gebissen
,
sondern
sie
beißt
,
und
zwar
in
den
weichen
Teil
des
Körpers
,
über
und
etwas
hinter
der
Hüfte
.
die
Stellung
des
restaurierten
Kopfes
der
Schlange
hat
den
eigentlichen
Biß
nie
recht
angegeben
;
glücklicherweise
haben
sich
noch
die
Reste
der
beiden
Kinnladen
an
dem
hintern
Teil
der
Statue
erhalten
.
wenn
nur
nicht
diese
höchst
wichtigen
Spuren
bei
der
jetzigen
traurigen
Veränderung
auch
verlorengehen
!
die
Schlange
bringt
dem
unglücklichen
Manne
eine
Wunde
an
dem
Teile
bei
,
wo
der
Mensch
gegen
jeden
Reiz
sehr
empfindlich
ist
,
wo
sogar
ein
geringer
Kitzel
jene
Bewegung
hervorbringt
,
welche
wir
hier
durch
die
Wunde
bewirkt
sehen
:
der
Körper
flieht
auf
die
entgegengesetzte
Seite
,
der
Leib
zieht
sich
ein
,
die
Schulter
drängt
sich
herunter
,
die
Brust
tritt
hervor
,
der
Kopf
senkt
sich
nach
der
berührten
Seite
;
da
sich
nun
doch
in
den
Füßen
,
die
gefesselt
,
und
in
den
Armen
,
die
ringend
sind
,
der
Überrest
der
vorhergehenden
Situation
oder
Handlung
zeigt
,
so
entsteht
eine
Zusammenwirkung
von
Streben
und
Fliehen
,
von
Wirken
und
Leiden
,
von
Anstrengen
und
Nachgeben
,
die
vielleicht
unter
keiner
andern
Bedingung
möglich
wäre
.
man
verliert
sich
in
Erstaunen
über
die
Weisheit
der
Künstler
,
wenn
man
versucht
,
den
Biß
an
einer
andern
Stelle
anzubringen
:
die
ganze
Gebärde
würde
verändert
sein
,
und
auf
keine
Weise
ist
sie
schicklicher
denklich
.
es
ist
also
dieses
ein
Hauptsatz
:
der
Künstler
hat
uns
eine
sinnliche
Wirkung
dargestellt
,
er
zeigt
uns
auch
die
sinnliche
Ursache
.
der
Punkt
des
Bisses
,
ich
wiederhole
es
,
bestimmt
die
gegenwärtigen
Bewegungen
der
Glieder
:
das
Fliehen
des
Unterkörpers
,
das
Einziehen
des
Leibes
,
das
Hervorstreben
der
Brust
,
das
Niederzucken
der
Achsel
und
des
Hauptes
,
ja
alle
die
Züge
des
Angesichts
seh
'
ich
durch
diesen
augenblicklichen
,
schmerzlichen
,
unerwarteten
Reiz
entschieden
.
fern
aber
sei
es
von
mir
,
daß
ich
die
Einheit
der
menschlichen
Natur
trennen
,
daß
ich
den
geistigen
Kräften
dieses
herrlich
gebildeten
Mannes
ihr
Mitwirken
ableugnen
,
daß
ich
das
Streben
und
Leiden
einer
großen
Natur
verkennen
sollte
.
Angst
,
Furcht
,
Schrecken
,
väterliche
Neigung
scheinen
auch
mir
sich
durch
diese
Adern
zu
bewegen
,
in
dieser
Brust
aufzusteigen
,
auf
dieser
Stirn
sich
zu
furchen
;
gern
gesteh
'
ich
,
daß
mit
dem
sinnlichen
auch
das
geistige
Leiden
hier
auf
der
höchsten
Stufe
dargestellt
sei
;
nur
trage
man
die
Wirkung
,
die
das
Kunstwerk
auf
uns
macht
,
nicht
zu
lebhaft
auf
das
Werk
selbst
über
,
besonders
sehe
man
keine
Wirkung
des
Gifts
bei
einem
Körper
,
den
erst
im
Augenblicke
die
Zähne
der
Schlange
ergreifen
;
man
sehe
keinen
Todeskampf
bei
einem
herrlichen
,
strebenden
,
gesunden
,
kaum
verwundeten
Körper
.
hier
sei
mir
eine
Bemerkung
erlaubt
,
die
für
die
bildende
Kunst
von
Wichtigkeit
ist
:
der
höchste
pathetische
Ausdruck
,
den
sie
darstellen
kann
,
schwebt
auf
dem
Übergange
eines
Zustandes
in
den
andern
.
man
sehe
ein
lebhaftes
Kind
,
das
mit
aller
Energie
und
Lust
des
Lebens
rennt
,
springt
und
sich
ergötzt
,
dann
aber
etwa
unverhofft
von
einem
Gespielen
hart
getroffen
oder
sonst
physisch
oder
moralisch
heftig
verletzt
wird
;
diese
neue
Empfindung
teilt
sich
wie
ein
elektrischer
Schlag
allen
Gliedern
mit
,
und
ein
solcher
Übersprung
ist
im
höchsten
Sinne
pathetisch
,
es
ist
ein
Gegensatz
,
von
dem
man
ohne
Erfahrung
keinen
Begriff
hat
.
hier
wirkt
nun
offenbar
der
geistige
sowohl
als
der
physische
Mensch
.
bleibt
alsdann
bei
einem
solchen
Übergange
noch
die
deutliche
Spur
vom
vorhergehenden
Zustande
,
so
entsteht
der
herrlichste
Gegenstand
für
die
bildende
Kunst
,
wie
beim
Laokoon
der
Fall
ist
,
wo
Streben
und
Leiden
in
einem
Augenblick
vereinigt
sind
.
so
würde
z.
B.
Eurydice
,
die
im
Moment
,
da
sie
mit
gesammelten
Blumen
fröhlich
über
die
Wiese
geht
,
von
einer
getretenen
Schlange
in
die
Ferse
gebissen
wird
,
eine
sehr
pathetische
Statue
machen
,
wenn
nicht
allein
durch
die
herabfallenden
Blumen
,
sondern
durch
die
Richtung
aller
Glieder
und
das
Schwanken
der
Falten
der
doppelte
Zustand
des
fröhlichen
Vorschreitens
und
des
schmerzlichen
Anhaltens
ausgedrückt
werden
könnte
.
wenn
wir
nun
die
Hauptfigur
in
diesem
Sinne
gefaßt
haben
,
so
können
wir
auf
die
Verhältnisse
,
Abstufungen
und
Gegensätze
sämtlicher
Teile
des
ganzen
Werkes
mit
einem
freien
und
sichern
Blicke
hinsehen
.
der
gewählte
Gegenstand
ist
einer
der
glücklichsten
,
die
sich
denken
lassen
.
Menschen
mit
gefährlichen
Tieren
im
Kampfe
,
und
zwar
mit
Tieren
,
die
nicht
als
Massen
oder
Gewalten
,
sondern
als
ausgeteilte
Kräfte
wirken
,
nicht
von
einer
Seite
drohen
,
nicht
einen
zusammengefaßten
Widerstand
fordern
,
sondern
die
nach
ihrer
ausgedehnten
Organisation
fähig
sind
,
drei
Menschen
mehr
oder
weniger
ohne
Verletzung
zu
paralysieren
.
durch
dieses
Mittel
der
Lähmung
wird
,
bei
der
großen
Bewegung
,
über
das
Ganze
schon
eine
gewisse
Ruhe
und
Einheit
verbreitet
.
die
Wirkungen
der
Schlangen
sind
stufenweise
angegeben
.
die
eine
umschlingt
nur
,
die
andre
wird
gereizt
und
verletzt
ihren
Gegner
.
die
drei
Menschen
sind
gleichfalls
äußerst
weise
gewählt
.
ein
starker
,
wohlgebauter
Mann
,
aber
schon
über
die
Jahre
der
größten
Energie
hinaus
,
weniger
fähig
,
Schmerz
und
Leiden
zu
widerstehen
.
man
denke
sich
an
seiner
Statt
einen
rüstigen
Jüngling
,
und
die
Gruppe
wird
ihren
ganzen
Wert
verlieren
.
mit
ihm
leiden
zwei
Knaben
,
die
,
selbst
dem
Maße
nach
,
gegen
ihn
klein
gehalten
sind
;
abermals
zwei
Naturen
,
empfänglich
für
Schmerz
.
der
jüngere
strebt
ohnmächtig
;
er
ist
geängstigt
,
aber
nicht
verletzt
;
der
Vater
strebt
mächtig
,
aber
unwirksam
,
vielmehr
bringt
sein
Streben
die
entgegengesetzte
Wirkung
hervor
;
er
reizt
seinen
Gegner
und
wird
verwundet
.
der
älteste
Sohn
ist
am
leichtesten
verstrickt
;
er
fühlt
weder
Beklemmung
noch
Schmerz
,
er
erschrickt
über
die
augenblickliche
Verwundung
und
Bewegung
seines
Vaters
,
er
schreit
auf
,
indem
er
das
Schlangenende
von
dem
einen
Fuße
abzustreifen
sucht
;
hier
ist
also
noch
ein
Beobachter
,
Zeuge
und
Teilnehmer
bei
der
Tat
,
und
das
Werk
ist
abgeschlossen
.
was
ich
schon
im
Vorbeigehen
berührt
habe
,
will
ich
hier
noch
besonders
bemerken
:
daß
alle
drei
Figuren
eine
doppelte
Handlung
äußern
und
so
höchst
mannigfaltig
beschäftigt
sind
.
der
jüngste
Sohn
will
sich
durch
die
Erhöhung
des
rechten
Arms
Luft
machen
und
drängt
mit
der
linken
Hand
den
Kopf
der
Schlange
zurück
,
er
will
sich
das
gegenwärtige
Übel
erleichtern
und
das
größere
vermindern
-
der
höchste
Grad
von
Tätigkeit
,
der
ihm
in
seiner
gefangenen
Lage
noch
übrigbleibt
.
der
Vater
strebt
,
sich
von
den
Schlangen
loszuwinden
,
und
der
Körper
flieht
zugleich
vor
dem
augenblicklichen
Bisse
.
der
älteste
Sohn
entsetzt
sich
vor
der
Bewegung
des
Vaters
und
sucht
sich
von
der
leicht
umwindenden
Schlange
zu
befreien
.
schon
oben
ist
der
Gipfel
des
vorgestellten
Augenblicks
als
ein
großer
Vorzug
dieses
Kunstwerks
gerühmt
,
und
hier
ist
noch
besonders
davon
zu
sprechen
.
wir
nahmen
an
,
daß
natürliche
Schlangen
einen
Vater
mit
seinen
Söhnen
im
Schlaf
umwunden
,
damit
wir
bei
Betrachtung
der
Momente
eine
Steigerung
vor
uns
sähen
.
die
ersten
Augenblicke
des
Unwindens
im
Schlafe
sind
ahndungsvoll
,
aber
für
die
Kunst
unbedeutend
.
man
könnte
vielleicht
einen
schlafenden
jungen
Herkules
bilden
,
wie
er
von
Schlangen
umwunden
wird
,
dessen
Gestalt
und
Ruhe
uns
aber
zeigte
,
was
wir
von
seinem
Erwachen
zu
erwarten
hätten
.
gehen
wir
nun
weiter
und
denken
uns
den
Vater
,
der
sich
mit
seinen
Kindern
,
es
sei
nun
,
wie
es
sei
,
von
Schlangen
umwunden
fühlt
,
so
gibt
es
nur
einen
Moment
des
höchsten
Interesse
:
wenn
der
eine
Körper
durch
die
Umwindung
wehrlos
gemacht
ist
,
wenn
der
andere
zwar
wehrhaft
,
aber
verletzt
ist
und
dem
dritten
eine
Hoffnung
zur
Flucht
übrigbleibt
.
in
dem
ersten
Falle
ist
der
jüngere
Sohn
,
im
zweiten
der
Vater
,
im
dritten
der
ältere
Sohn
.
man
versuche
noch
einen
andern
Fall
zu
finden
!
man
suche
die
Rollen
anders
,
als
sie
hier
ausgeteilt
sind
,
zu
verteilen
!
denken
wir
nun
die
Handlung
vom
Anfang
herauf
und
erkennen
,
daß
sie
gegenwärtig
auf
dem
höchsten
Punkt
steht
,
so
werden
wir
,
wenn
wir
die
nächstfolgenden
und
fernern
Momente
bedenken
,
sogleich
gewahr
werden
,
daß
sich
die
ganze
Gruppe
verändern
muß
und
daß
kein
Augenblick
gefunden
werden
kann
,
der
diesem
an
Kunstwert
gleich
sei
.
der
jüngste
Sohn
wird
entweder
von
der
umwindenden
Schlange
erstickt
oder
,
wenn
er
sie
reizen
sollte
,
in
seinem
völlig
hülflosen
Zustande
noch
gebissen
.
beide
Fälle
sind
unerträglich
,
weil
sie
ein
Letztes
sind
,
das
nicht
dargestellt
werden
soll
.
was
den
Vater
betrifft
,
so
wird
er
entweder
von
der
Schlange
noch
an
andern
Teilen
gebissen
,
wodurch
die
ganze
Lage
seines
Körpers
sich
verändern
muß
und
die
ersten
Bisse
für
den
Zuschauer
entweder
verlorengehen
oder
,
wenn
sie
angezeigt
werden
sollten
,
ekelhaft
sein
würden
;
oder
die
Schlange
kann
auch
sich
umwenden
und
den
ältesten
Sohn
anfallen
,
dieser
wird
alsdann
auf
sich
selbst
zurückgeführt
,
die
Begebenheit
verliert
ihren
Teilnehmer
,
der
letzte
Schein
von
Hoffnung
ist
aus
der
Gruppe
verschwunden
,
es
ist
keine
tragische
,
es
ist
eine
grausame
Vorstellung
.
der
Vater
,
der
jetzt
in
seiner
Größe
und
in
seinem
Leiden
auf
sich
ruht
,
müßte
sich
gegen
den
Sohn
wenden
,
er
würde
teilnehmende
Nebenfigur
.
der
Mensch
hat
bei
eignen
und
fremden
Leiden
nur
drei
Empfindungen
:
Furcht
,
Schrecken
und
Mitleiden
,
das
bange
Voraussehen
eines
sich
annähernden
Übels
,
das
unerwartete
Gewahrwerden
gegenwärtigen
Leidens
und
die
Teilnahme
am
dauernden
oder
vergangenen
;
alle
drei
werden
durch
dieses
Kunstwerk
dargestellt
und
erregt
,
und
zwar
in
den
gehörigsten
Abstufungen
.
die
bildende
Kunst
,
die
immer
für
den
Moment
arbeitet
,
wird
,
sobald
sie
einen
pathetischen
Gegenstand
wählt
,
denjenigen
ergreifen
,
der
Schrecken
erweckt
,
dahingegen
Poesie
sich
an
solche
hält
,
die
Furcht
und
Mitleiden
erregen
.
bei
der
Gruppe
des
Laokoons
erregt
das
Leiden
des
Vaters
Schrecken
,
und
zwar
im
höchsten
Grad
,
an
ihm
hat
die
Bildhauerkunst
ihr
Höchstes
getan
;
allein
teils
um
den
Zirkel
aller
menschlichen
Empfindungen
zu
durchlaufen
,
teils
um
den
heftigen
Eindruck
des
Schreckens
zu
mildern
,
erregt
sie
Mitleiden
für
den
Zustand
des
jüngern
Sohns
und
Furcht
für
den
ältern
,
indem
sie
für
diesen
auch
noch
Hoffnung
übrigläßt
.
so
brachten
die
Künstler
durch
Mannigfaltigkeit
ein
gewisses
Gleichgewicht
in
ihre
Arbeit
,
milderten
und
erhöhten
Wirkung
durch
Wirkungen
und
vollendeten
sowohl
ein
geistiges
als
ein
sinnliches
Ganze
.
genug
,
wir
dürfen
kühnlich
behaupten
,
daß
dieses
Kunstwerk
seinen
Gegenstand
erschöpfe
und
alle
Kunstbedingungen
glücklich
erfülle
.
es
lehrt
uns
:
daß
,
wenn
der
Meister
sein
Schönheitsgefühl
ruhigen
und
einfachen
Gegenständen
einflößen
kann
,
sich
doch
eigentlich
dasselbe
in
seiner
höchsten
Energie
und
Würde
zeige
,
wenn
es
bei
Bildung
mannigfaltiger
Charaktere
seine
Kraft
beweist
und
die
leidenschaftlichen
Ausbrüche
der
menschlichen
Natur
in
der
Kunstnachahmung
zu
mäßigen
und
zu
bändigen
versteht
.
wir
geben
in
der
Folge
wohl
eine
genauere
Beschreibung
der
Statuen
,
welche
unter
dem
Namen
der
Familie
der
Niobe
bekannt
sind
,
sowie
auch
der
Gruppe
des
Farnesischen
Stiers
;
sie
gehören
unter
die
wenigen
pathetischen
Darstellungen
,
welche
uns
von
alter
Skulptur
übriggeblieben
sind
.
gewöhnlich
haben
sich
die
Neuern
bei
der
Wohl
solcher
Gegenstände
vergriffen
.
wenn
Milo
,
mit
beiden
Händen
in
einer
Baumspalte
gefangen
,
von
einem
Löwen
angefallen
wird
,
so
wird
die
Kunst
sich
vergebens
bemühen
,
daraus
ein
Werk
zu
bilden
,
das
eine
reine
Teilnahme
erregen
könnte
.
ein
doppelter
Schmerz
,
eine
vergebliche
Anstrengung
,
ein
hülfloser
Zustand
,
ein
gewisser
Untergang
können
nur
Abscheu
erregen
,
wenn
sie
nicht
ganz
kalt
lassen
.
und
zuletzt
nur
noch
ein
Wort
über
das
Verhältnis
des
Gegenstandes
zur
Poesie
.
man
ist
höchst
ungerecht
gegen
Virgilen
und
die
Dichtkunst
,
wenn
man
des
geschlossenste
Meisterwerk
der
Bildhauerarbeit
mit
der
episodischen
Behandlung
in
der
Äneis
auch
nur
einen
Augenblick
vergleicht
.
da
einmal
der
unglückliche
vertriebene
Äneas
selbst
erzählen
soll
,
daß
er
und
seine
Landsleute
die
unverzeihliche
Torheit
begangen
haben
,
das
bekannte
Pferd
ihre
Stadt
zu
führen
,
so
muß
der
Dichter
nur
darauf
denken
,
wie
die
Handlung
zu
entschuldigen
sei
.
alles
ist
auch
darauf
angelegt
,
und
die
Geschichte
des
Laokoons
steht
hier
als
ein
rhetorisches
Argument
,
bei
dem
eine
Übertreibung
,
wenn
sie
nur
zweckmäßig
ist
,
gar
wohl
gebilligt
werden
kann
.
so
kommen
ungeheure
Schlangen
aus
dem
Meere
,
mit
Kämmen
auf
dem
Haupte
,
eilen
auf
die
Kinder
des
Priesters
,
der
das
Pferd
verletzt
hatte
,
umwickeln
sie
,
beißen
sie
,
begeifern
sie
;
umwinden
,
umschlingen
darauf
Brust
und
Hals
des
zu
Hülfe
eilenden
Vaters
und
ragen
mit
ihren
Köpfen
triumphierend
hoch
empor
,
indem
der
Unglückliche
unter
ihren
Windungen
vergebens
um
Hülfe
schreit
.
das
Volk
entsetzt
sich
und
flieht
beim
Anblick
,
niemand
wagt
es
mehr
,
ein
Patriot
zu
sein
,
und
der
Zuhörer
,
durch
die
abenteuerliche
und
ekelhafte
Geschichte
erschreckt
,
gibt
denn
auch
gern
zu
,
daß
das
Pferd
in
die
Stadt
gebracht
werde
.
so
steht
also
die
Geschichte
Laokoons
im
Virgil
bloß
als
Mittel
zu
einem
höhern
Zwecke
,
und
es
ist
noch
eine
große
Frage
,
ob
die
Begebenheit
an
sich
ein
poetischer
Gegenstand
sei
.
über
Wahrheit
und
Wahrscheinlichkeit
der
Kunstwerke
.
ein
Gespräch
.
auf
einem
deutschen
Theater
ward
ein
ovales
,
gewissermaßen
amphitheatralisches
Gebäude
vorgestellt
,
in
dessen
Logen
viele
Zuschauer
gemalt
sind
,
als
wenn
sie
an
dem
,
was
unten
vorgeht
,
teilnähmen
.
manche
wirkliche
Zuschauer
im
Parterre
und
in
den
Logen
waren
damit
unzufrieden
,
und
wollten
übelnehmen
,
daß
man
ihnen
so
etwas
Unwahres
und
Unwahrscheinliches
aufzubinden
gedächte
.
bei
dieser
Gelegenheit
fiel
ein
Gespräch
vor
,
dessen
ungefährer
Inhalt
hier
aufgezeichnet
wird
.
der
Anwalt
des
Künstlers
.
lassen
Sie
uns
sehen
,
ob
wir
uns
nicht
einander
auf
irgendeinem
Wege
nähern
können
.
der
Zuschauer
.
ich
begreife
nicht
,
wie
Sie
eine
solche
Vorstellung
entschuldigen
wollen
.
Anwalt
.
nicht
wahr
,
wenn
Sie
ins
Theater
gehen
,
so
erwarten
Sie
nicht
,
daß
alles
,
was
Sie
drinnen
sehen
werden
,
wahr
und
wirklich
sein
soll
?
Zuschauer
.
nein
!
ich
verlange
aber
,
daß
mir
wenigstens
alles
wahr
und
wirklich
scheinen
solle
.
Anwalt
.
verzeihen
Sie
,
wenn
ich
in
Ihre
eigne
Seele
leugne
,
und
behaupte
:
Sie
verlangen
das
keinesweges
.
Zuschauer
.
das
wäre
doch
sonderbar
!
wenn
ich
es
nicht
verlangte
,
warum
gäbe
sich
denn
der
Dekorateur
die
Mühe
,
alle
Linien
aufs
genaueste
nach
den
Regeln
der
Perspektiv
zu
ziehen
,
alle
Gegenstände
nach
der
vollkommensten
Haltung
zu
malen
?
warum
studierte
man
aufs
Kostüm
?
warum
ließe
man
sich
es
so
viel
kosten
,
ihm
treu
zu
bleiben
,
um
dadurch
mich
in
jene
Zeiten
zu
versetzen
?
warum
rühmt
man
den
Schauspieler
am
meisten
,
der
die
Empfindungen
am
wahrsten
ausdrückt
,
der
in
Rede
,
Stellung
und
Gebärden
der
Wahrheit
am
nächsten
kommt
,
der
mich
täuscht
,
daß
ich
nicht
eine
Nachahmung
,
sondern
die
Sache
selbst
zu
sehen
glaube
?
Anwalt
.
Sie
drücken
Ihre
Empfindungen
recht
gut
aus
,
nur
ist
es
schwerer
,
als
Sie
vielleicht
denken
,
recht
deutlich
einzusehen
,
was
man
empfindet
.
was
werden
Sie
sagen
,
wenn
ich
Ihnen
einwende
,
daß
Ihnen
alle
theatralische
Darstellungen
keinesweges
wahr
scheinen
,
daß
sie
vielmehr
nur
einen
Schein
des
Wahren
haben
?
Zuschauer
.
ich
werde
sagen
,
daß
Sie
eine
Subtilität
vorbringen
,
die
wohl
nur
ein
Wortspiel
sein
könnte
.
Anwalt
.
und
ich
darf
Ihnen
darauf
versetzen
,
daß
,
wenn
wir
von
Wirkungen
unseres
Geistes
reden
,
keine
Worte
zart
und
subtil
genug
sind
und
daß
Wortspiele
dieser
Art
selbst
ein
Bedürfnis
des
Geistes
anzeigen
,
der
,
da
wir
das
,
was
in
uns
vorgeht
,
nicht
geradezu
ausdrücken
können
,
durch
Gegensätze
zu
operieren
,
die
Frage
von
zwei
Seiten
zu
beantworten
und
so
gleichsam
die
Sache
in
die
Mitte
zu
fassen
sucht
.
Zuschauer
.
gut
denn
!
nur
erklären
Sie
sich
deutlicher
und
,
wenn
ich
bitten
darf
,
in
Beispielen
.
Anwalt
.
die
werde
ich
leicht
zu
meinem
Vorteil
aufbringen
können
.
z.
B.
also
,
wenn
Sie
in
der
Oper
sind
,
empfinden
Sie
nicht
ein
lebhaftes
vollständiges
Vergnügen
?
Zuschauer
.
wenn
alles
wohl
zusammenstimmt
,
eines
der
vollkommensten
,
deren
ich
mir
bewußt
bin
.
Anwalt
.
wenn
aber
die
guten
Leute
da
droben
singend
sich
begegnen
und
bekomplimentieren
,
Billets
absingen
,
die
sie
erhalten
,
ihre
Liebe
,
ihren
Haß
,
alle
ihre
Leidenschaften
singend
darlegen
,
sich
singend
herumschlagen
,
und
singend
verscheiden
,
können
Sie
sagen
,
daß
die
ganze
Vorstellung
oder
auch
nur
ein
Teil
derselben
wahr
scheine
?
ja
ich
darf
sagen
:
auch
nur
einen
Schein
des
Wahren
habe
?
Zuschauer
.
fürwahr
,
wenn
ich
es
überlege
,
so
getraue
ich
mich
das
nicht
zu
sagen
.
es
kommt
mir
von
allem
dem
freilich
nichts
wahr
vor
.
Anwalt
.
und
doch
sind
Sie
dabei
völlig
vergnügt
und
zufrieden
.
Zuschauer
.
ohne
Widerrede
.
ich
erinnre
mich
zwar
noch
wohl
,
wie
man
sonst
die
Oper
,
eben
wegen
ihrer
groben
Unwahrscheinlichkeit
,
lächerlich
machen
wollte
,
und
wie
ich
von
jeher
demungeachtet
das
größte
Vergnügen
dabei
empfand
und
immer
mehr
empfinde
,
je
reicher
und
vollkommner
sie
geworden
ist
.
Anwalt
.
und
fühlen
Sie
sich
nicht
auch
in
der
Oper
vollkommen
getäuscht
?
Zuschauer
.
getäuscht
,
das
Wort
möchte
ich
nicht
brauchen
-
und
doch
ja
-
und
doch
nein
!
Anwalt
.
hier
sind
Sie
ja
auch
in
einem
völligen
Widerspruch
,
der
noch
viel
schlimmer
als
ein
Wortspiel
zu
sein
scheint
.
Zuschauer
.
nur
ruhig
,
wir
wollen
schon
ins
klare
kommen
.
Anwalt
.
sobald
wir
im
klaren
sind
,
werden
wir
einig
sein
.
wollen
Sie
mir
erlauben
,
auf
dem
Punkt
,
wo
wir
stehen
,
einige
Fragen
zu
tun
?
Zuschauer
.
es
ist
Ihre
Pflicht
,
da
Sie
mich
in
diese
Verwirrung
hineingefragt
haben
,
mich
auch
wieder
herauszufragen
.
Anwalt
.
Sie
möchten
also
die
Empfindung
,
in
welche
Sie
durch
eine
Oper
versetzt
werden
,
nicht
gerne
Täuschung
nennen
?
Zuschauer
.
nicht
gern
,
und
doch
ist
es
eine
Art
derselben
,
etwas
,
das
ganz
nahe
mit
ihr
verwandt
ist
.
Anwalt
.
nicht
wahr
,
Sie
vergessen
beinah
sich
selbst
?
Zuschauer
.
nicht
beinahe
,
sondern
völlig
,
wenn
das
Ganze
oder
der
Teil
gut
ist
.
Anwalt
.
Sie
sind
entzückt
?
Zuschauer
.
es
ist
mir
mehr
als
einmal
geschehen
.
Anwalt
.
können
Sie
wohl
sagen
,
unter
welchen
Umständen
?
Zuschauer
.
es
sind
so
viele
Fälle
,
daß
es
mir
schwer
sein
würde
,
sie
aufzuzählen
.
Anwalt
.
und
doch
haben
Sie
es
schon
gesagt
;
gewiß
am
meisten
,
wenn
alles
zusammenstimmte
.
Zuschauer
.
ohne
Widerrede
!
Anwalt
.
stimmte
eine
solche
vollkommne
Aufführung
mit
sich
selbst
oder
mit
einem
andern
Naturprodukt
zusammen
?
Zuschauer
.
wohl
ohne
Frage
mit
sich
selbst
.
Anwalt
.
und
die
Übereinstimmung
war
doch
wohl
ein
Werk
der
Kunst
?
Zuschauer
.
gewiß
.
Anwalt
.
wir
sprachen
vorher
der
Oper
eine
Art
Wahrheit
ab
;
wir
behaupteten
,
daß
sie
keinesweges
das
,
was
sie
nachahmt
,
wahrscheinlich
darstelle
;
können
wir
ihr
aber
eine
innere
Wahrheit
,
die
aus
der
Konsequenz
eines
Kunstwerks
entspringt
,
ableugnen
?
Zuschauer
.
wenn
die
Oper
gut
ist
,
macht
sie
freilich
eine
kleine
Welt
für
sich
aus
,
in
der
alles
nach
gewissen
Gesetzen
vorgeht
,
die
nach
ihren
eignen
Eigenschaften
gefühlt
sein
will
.
Anwalt
.
sollte
nun
nicht
daraus
folgen
,
daß
das
Kunstwahre
und
das
Naturwahre
völlig
verschieden
sei
,
und
daß
der
Künstler
keinesweges
streben
solle
noch
dürfe
,
daß
sein
Werk
eigentlich
als
ein
Naturwerk
erscheine
?
Zuschauer
.
aber
es
scheint
uns
doch
so
oft
als
ein
Naturwerk
.
Anwalt
.
ich
darf
es
nicht
leugnen
.
darf
ich
dagegen
aber
auch
aufrichtig
sein
?
Zuschauer
.
warum
das
nicht
!
es
ist
ja
doch
unter
uns
diesmal
nicht
auf
Komplimente
angesehen
.
Anwalt
.
so
getraue
ich
mir
zu
sagen
:
nur
dem
ganz
ungebildeten
Zuschauer
kann
ein
Kunstwerk
als
ein
Naturwerk
erscheinen
,
und
ein
solcher
ist
dem
Künstler
auch
lieb
und
wert
,
ob
er
gleich
nur
auf
der
untersten
Stufe
steht
.
leider
aber
nur
so
lange
,
als
der
Künstler
sich
zu
ihm
herabläßt
,
wird
jener
zufrieden
sein
,
niemals
wird
er
sich
mit
dem
echten
Künstler
erheben
,
wenn
dieser
den
Flug
,
zu
dem
ihn
das
Genie
treibt
,
beginnen
,
sein
Werk
im
ganzen
Umfang
vollenden
muß
.
Zuschauer
.
es
ist
sonderbar
,
doch
läßt
sich's
hören
.
Anwalt
.
Sie
würden
es
nicht
gern
hören
,
wenn
Sie
nicht
schon
selbst
eine
höhere
Stufe
erstiegen
hätten
.
Zuschauer
.
lassen
Sie
mich
nun
selbst
einen
Versuch
machen
,
das
Abgehandelte
zu
ordnen
und
weiter
zu
gehen
,
lassen
Sie
mich
die
Stelle
des
Fragenden
einnehmen
.
Anwalt
.
desto
lieber
.
Zuschauer
.
nur
dem
Ungebildeten
,
sagen
Sie
,
könne
ein
Kunstwerk
als
ein
Naturwerk
erscheinen
.
Anwalt
.
gewiß
!
erinnern
Sie
sich
der
Vögel
,
die
nach
des
großen
Meisters
Kirschen
flogen
.
Zuschauer
.
nun
,
beweist
das
nicht
,
daß
diese
Früchte
fürtrefflich
gemalt
waren
?
Anwalt
.
keinesweges
,
vielmehr
beweist
mir's
,
daß
diese
Liebhaber
echte
Sperlinge
waren
.
Zuschauer
.
ich
kann
mich
doch
deswegen
nicht
erwehren
,
ein
solches
Gemälde
für
fürtrefflich
zu
halten
.
Anwalt
.
soll
ich
Ihnen
eine
neuere
Geschichte
erzählen
?
Zuschauer
.
ich
höre
Geschichten
meistens
lieber
als
Räsonnement
.
Anwalt
.
ein
großer
Naturforscher
besaß
,
unter
seinen
Haustieren
,
einen
Affen
,
den
er
einst
vermißte
und
nach
langem
Suchen
in
der
Bibliothek
fand
.
dort
saß
das
Tier
an
der
Erde
und
hatte
die
Kupfer
eines
ungebundnen
naturgeschichtlichen
Werkes
um
sich
her
zerstreut
.
erstaunt
über
dieses
eifrige
Studium
des
Hausfreundes
,
nahte
sich
der
Herr
,
und
sah
zu
seiner
Verwunderung
und
zu
seinem
Verdruß
,
daß
der
genäschige
Affe
die
sämtlichen
Käfer
,
die
er
hie
und
da
abgebildet
gefunden
,
herausgespeist
habe
.
Zuschauer
.
die
Geschichte
ist
lustig
genug
.
Anwalt
.
und
passend
,
hoffe
ich
.
Sie
werden
doch
nicht
diese
illuminierten
Kupfer
dem
Gemälde
eines
so
großen
Künstlers
an
die
Seite
setzen
?
Zuschauer
.
nicht
leicht
.
Anwalt
.
aber
den
Affen
doch
unter
die
ungebildeten
Liebhaber
rechnen
?
Zuschauer
.
wohl
,
und
unter
die
gierigen
dazu
.
Sie
erregen
in
mir
einen
sonderbaren
Gedanken
!
sollte
der
ungebildete
Liebhaber
nicht
eben
deswegen
verlangen
,
daß
ein
Kunstwerk
natürlich
sei
,
um
es
nur
auch
auf
eine
natürliche
,
oft
rohe
und
gemeine
Weise
genießen
zu
können
?
Anwalt
.
ich
bin
völlig
dieser
Meinung
.
Zuschauer
.
und
Sie
behaupteten
daher
,
daß
ein
Künstler
sich
erniedrige
,
der
auf
diese
Wirkung
losarbeite
?
Anwalt
.
es
ist
meine
feste
Überzeugung
.
Zuschauer
.
ich
fühle
aber
hier
noch
immer
einen
Widerspruch
.
Sie
erzeigten
mir
vorhin
und
auch
sonst
schon
die
Ehre
,
mich
wenigstens
unter
die
halbgebildeten
Liebhaber
zu
zählen
.
Anwalt
.
unter
die
Liebhaber
,
die
auf
dem
Wege
sind
,
Kenner
zu
werden
.
Zuschauer
.
nun
,
so
sagen
Sie
mir
:
warum
erscheint
auch
mir
ein
vollkommnes
Kunstwerk
als
ein
Naturwerk
?
Anwalt
.
weil
es
mit
Ihrer
bessern
Natur
übereinstimmt
,
weil
es
übernatürlich
,
aber
nicht
außernatürlich
ist
.
ein
vollkommenes
Kunstwerk
ist
ein
Werk
des
menschlichen
Geistes
,
und
in
diesem
Sinne
auch
ein
Werk
der
Natur
.
aber
indem
die
zerstreuten
Gegenstände
in
eins
gefaßt
und
selbst
die
gemeinsten
in
ihrer
Bedeutung
und
Würde
aufgenommen
werden
,
so
ist
es
über
die
Natur
.
es
will
durch
einen
Geist
,
der
harmonisch
entsprungen
und
gebildet
ist
,
aufgefaßt
sein
,
und
dieser
findet
das
Fürtreffliche
,
das
in
sich
Vollendete
auch
seiner
Natur
gemäß
.
davon
hat
der
gemeine
Liebhaber
keinen
Begriff
,
er
behandelt
ein
Kunstwerk
wie
einen
Gegenstand
,
den
er
auf
dem
Markte
antrifft
;
aber
der
wahre
Liebhaber
sieht
nicht
nur
die
Wahrheit
des
Nachgehamten
,
sondern
auch
die
Vorzüge
des
Ausgewählten
,
das
Geistreiche
der
Zusammenstellung
,
das
Überirdische
der
kleinen
Kunstwelt
;
er
fühlt
,
daß
er
sich
zum
Künstler
erheben
müsse
,
um
das
Werk
zu
genießen
,
er
fühlt
,
daß
er
sich
aus
seinem
zerstreuten
Leben
sammeln
,
mit
dem
Kunstwerke
wohnen
,
es
wiederholt
anschauen
und
sich
selbst
dadurch
eine
höhere
Existenz
geben
müsse
.
Zuschauer
.
gut
,
mein
Freund
,
ich
habe
bei
Gemälden
,
im
Theater
,
bei
andern
Dichtungsarten
wohl
ähnliche
Empfindungen
gehabt
,
und
das
ungefähr
geahnet
,
was
Sie
fordern
.
ich
will
künftig
noch
besser
auf
mich
und
auf
die
Kunstwerke
achtgeben
;
wenn
ich
mich
aber
recht
besinne
,
so
sind
wir
sehr
weit
von
dem
Anlaß
unsers
Gesprächs
abgekommen
.
Sie
wollten
mich
überzeugen
,
daß
ich
die
gemalten
Zuschauer
in
unserer
Oper
zulässig
finden
solle
;
und
noch
sehe
ich
nicht
,
wenn
ich
bisher
auch
mit
Ihnen
einig
geworden
bin
,
wie
Sie
auch
diese
Lizenz
verteidigen
und
unter
welcher
Rubrik
Sie
diese
gemalten
Teilnehmer
bei
mir
einführen
wollen
.
Anwalt
.
glücklicherweise
wird
die
Oper
heute
wiederholt
,
und
Sie
werden
sie
doch
nicht
versäumen
wollen
?
Zuschauer
.
keineswegs
.
Anwalt
.
und
die
gemalten
Männer
?
Zuschauer
.
werden
mich
nicht
verscheuchen
,
weil
ich
mich
für
etwas
besser
als
einen
Sperling
halte
.
Anwalt
.
ich
wünsche
,
daß
ein
beiderseitiges
Interesse
uns
bald
wieder
zusammenführen
möge
.
der
Sammler
und
die
Seinigen
.
fünfter
Brief
.
die
Heiterkeit
Ihrer
Antwort
bürgt
mir
,
daß
Sie
mein
Brief
in
der
besten
Stimmung
angetroffen
und
Ihnen
diese
herrliche
Gabe
des
Himmels
nicht
verkümmert
hat
;
auch
mir
waren
Ihre
Blätter
ein
angenehmes
Geschenk
in
einem
angenehmen
Augenblick
.
wenn
das
Glück
viel
öfter
allein
und
viel
seltner
in
Gesellschaft
kommt
als
das
Unglück
,
so
habe
ich
diesmal
eine
Ausnahme
von
der
Regel
erfahren
;
erwünschter
und
bedeutender
hätten
mir
Ihre
Blätter
nicht
kommen
können
,
und
Ihre
Anmerkungen
zu
meinen
wunderlichen
Klassifikationen
hätten
nicht
leicht
geschwinder
Frucht
gebracht
als
eben
in
dem
Augenblick
,
da
sie
,
wie
ein
schon
keimender
Same
,
in
ein
fruchtbares
Erdreich
fielen
.
lassen
Sie
mich
also
die
Geschichte
des
gestrigen
Tages
erzählen
,
damit
Sie
erfahren
,
was
für
ein
neuer
Stern
mir
aufging
,
mit
welchem
das
Gestirn
Ihres
Briefs
in
eine
so
glückliche
Konjunktion
tritt
.
gestern
meldete
sich
bei
uns
ein
Fremder
an
,
dessen
Name
mir
nicht
unbekannt
,
der
mir
als
ein
guter
Kenner
gerühmt
war
.
ich
freute
mich
bei
seinem
Eintritt
,
machte
ihn
mit
meinen
Besitzungen
im
allgemeinen
bekannt
,
ließ
ihn
wählen
und
zeigte
vor
.
ich
bemerkte
bald
ein
sehr
gebildetes
Auge
für
Kunstwerke
,
besonders
für
die
Geschichte
derselben
.
er
erkannte
die
Meister
so
wie
ihre
Schüler
,
bei
zweifelhaften
Bildern
wußte
er
die
Ursachen
seines
Zweifels
sehr
gut
anzugeben
,
und
seine
Unterhaltung
erfreute
mich
sehr
.
vielleicht
wäre
ich
hingerissen
worden
,
mich
gegen
ihn
lebhafter
zu
äußern
,
wenn
nicht
der
Vorsatz
,
meinen
Gast
auszuhorchen
,
mir
gleich
beim
Eintritt
eine
ruhigere
Stimmung
gegeben
hätte
.
viele
seiner
Urteile
trafen
mit
den
meinigen
zusammen
,
bei
manchen
mußte
ich
sein
scharfes
und
geübtes
Auge
bewundern
.
das
erste
,
was
mir
an
ihm
besonders
auffiel
,
war
ein
entschiedener
Haß
gegen
alle
Manieristen
.
es
tat
mir
für
einige
meiner
Lieblingsbilder
leid
,
und
ich
war
um
desto
mehr
aufgefordert
,
zu
untersuchen
,
aus
welcher
Quelle
eine
solche
Abneigung
wohl
fließen
möchte
.
mein
Gast
war
spät
gekommen
,
und
die
Dämmerung
verhinderte
uns
,
weiter
zu
sehen
,
ich
zog
ihn
zu
einer
kleinen
Kollation
,
zu
der
unser
Philosoph
eingeladen
war
,
denn
dieser
hat
sich
mir
seit
einiger
Zeit
genähert
;
wie
das
kommt
,
muß
ich
Ihnen
im
Vorbeigehen
sagen
.
glücklicherweise
hat
der
Himmel
,
der
die
Eigenheiten
der
Männer
voraussah
,
ein
Mittel
bereitet
,
das
sie
ebenso
oft
verbindet
als
entzweit
,
mein
Philosoph
ward
von
Juliens
Anmut
,
die
er
als
Kind
verlassen
hatte
,
getroffen
.
eine
richtige
Empfindung
legte
ihm
auf
,
den
Oheim
so
wie
die
Nichte
zu
unterhalten
,
und
unser
Gespräch
verweilt
nun
gewöhnlich
bei
den
Neigungen
,
bei
den
Leidenschaften
des
Menschen
.
ehe
wir
noch
alle
beisammen
waren
,
ergriff
ich
die
Gelegenheit
,
meine
Manieristen
gegen
den
Fremden
in
Schutz
zu
nehmen
.
ich
sprach
von
ihrem
schönen
Naturell
,
von
der
glücklichen
Übung
ihrer
Hand
und
ihrer
Anmut
,
doch
setzte
ich
,
um
mich
zu
verwahren
,
hinzu
:
"
dies
will
ich
alles
nur
sagen
,
um
eine
gewisse
Duldung
zu
entschuldigen
,
wenn
ich
gleich
zugebe
,
daß
die
hohe
Schönheit
,
das
höchste
Prinzip
und
der
höchste
Zweck
der
Kunst
freilich
noch
etwas
ganz
anders
sei
"
.
mit
einem
Lächeln
,
das
mir
nicht
ganz
gefiel
,
weil
es
eine
besondere
Gefälligkeit
gegen
sich
selbst
und
eine
Art
Mitleiden
gegen
mich
auszudrücken
schien
,
erwiderte
er
darauf
:
"
Sie
sind
denn
also
auch
den
hergebrachten
Grundsätzen
getreu
,
daß
Schönheit
das
letzte
Ziel
der
Kunst
sei
?
"
"
mir
ist
kein
höheres
bekannt
"
,
versetzte
ich
darauf
.
"
können
Sie
mir
sagen
,
was
Schönheit
sei
?
"
rief
er
aus
.
"
vielleicht
nicht
!
"
versetzte
ich
,
"
aber
ich
kann
es
Ihnen
zeigen
.
lassen
Sie
uns
,
auch
allenfalls
noch
bei
Licht
,
einen
sehr
schönen
Gipsabguß
des
Apolls
,
einen
sehr
schönen
Marmorkopf
des
Bacchus
,
den
ich
besitze
,
noch
geschwind
anblicken
,
und
wir
wollen
sehen
,
ob
wir
uns
nicht
vereinigen
können
,
daß
sie
schön
seien
"
.
"
ehe
wir
an
diese
Untersuchung
gehen
"
,
versetzte
er
,
"
möchte
es
wohl
nötig
sein
,
daß
wir
das
Wort
Schönheit
und
seinen
Ursprung
näher
betrachten
.
Schönheit
kommt
von
Schein
,
sie
ist
ein
Schein
und
kann
als
das
höchste
Ziel
der
Kunst
nicht
gelten
,
das
vollkommen
Charakteristische
nur
verdient
schön
genannt
zu
werden
,
ohne
Charakter
gibt
es
keine
Schönheit
"
.
betroffen
über
diese
Art
,
sich
auszudrücken
,
versetzte
ich
:
"
zugegeben
,
aber
nicht
eingestanden
,
daß
das
Schöne
charakteristisch
sein
müsse
,
so
folgt
doch
nur
daraus
,
daß
das
Charakteristische
dem
Schönen
allenfalls
zu
Grunde
liege
,
keineswegs
aber
,
daß
es
eins
mit
dem
Charakteristischen
sei
.
der
Charakter
verhält
sich
zum
Schönen
wie
das
Skelett
zum
lebendigen
Menschen
.
niemand
wird
leugnen
,
daß
der
Knochenbau
zum
Grunde
aller
hoch
organisierten
Gestalt
liege
,
er
begründet
,
er
bestimmt
die
Gestalt
,
er
ist
aber
nicht
die
Gestalt
selbst
,
und
noch
weniger
bewirkt
er
die
letzte
Erscheinung
,
die
wir
,
als
Inbegriff
und
Hülle
eines
organischen
Ganzen
,
Schönheit
nennen
"
.
"
auf
Gleichnisse
kann
ich
mich
nicht
einlassen
"
,
versetzte
der
Gast
,
"
und
aus
Ihren
Worten
selbst
erhellet
,
daß
die
Schönheit
etwas
Unbegreifliches
,
oder
die
Wirkung
von
etwas
Unbegreiflichem
sei
.
was
man
nicht
begreifen
kann
,
das
ist
nicht
,
was
man
mit
Worten
nicht
klar
machen
kann
,
das
ist
Unsinn
"
.
ich
.
können
Sie
denn
die
Wirkung
,
die
ein
farbiger
Körper
auf
Ihr
Auge
macht
,
mit
Worten
klar
ausdrücken
?
er
.
das
ist
wieder
eine
Instanz
,
auf
die
ich
mich
nicht
einlassen
kann
.
genug
,
was
Charakter
sei
,
läßt
sich
nachweisen
.
Sie
finden
die
Schönheit
nie
ohne
Charakter
,
denn
sonst
würde
sie
leer
und
unbedeutend
sein
.
alles
Schöne
der
Alten
ist
bloß
charakteristisch
,
und
bloß
aus
dieser
Eigentümlichkeit
entsteht
die
Schönheit
.
unser
Philosoph
war
gekommen
und
hatte
sich
mit
den
Nichten
unterhalten
;
als
er
uns
eifrig
sprechen
hörte
,
trat
er
hinzu
,
und
mein
Gast
,
durch
die
Gegenwart
eines
neuen
Zuhörers
gleichsam
angefeuert
,
fuhr
fort
.
"
das
ist
eben
das
Unglück
,
wenn
gute
Köpfe
,
wenn
Leute
von
Verdienst
solche
falsche
Grundsätze
,
die
nur
einen
Schein
von
Wahrheit
haben
,
immer
allgemeiner
machen
,
niemand
spricht
sie
lieber
nach
,
als
wer
den
Gegenstand
nicht
kennt
und
versteht
.
so
hat
uns
Lessing
den
Grundsatz
aufgebunden
,
daß
die
Alten
nur
das
Schöne
gebildet
,
so
hat
uns
Winckelmann
mit
der
stillen
Größe
,
der
Einfalt
und
Ruhe
eingeschläfert
,
anstatt
daß
die
Kunst
der
Alten
unter
allen
möglichen
Formen
erscheint
;
aber
die
Herren
verweilen
nur
bei
Jupiter
und
Juno
,
bei
den
Genien
und
Grazien
und
verhehlen
die
unedlen
Körper
und
Schädel
der
Barbaren
,
die
strippichten
Haare
,
den
schmutzigen
Bart
,
die
dürren
Knochen
,
die
runzlichte
Haut
des
entstellten
Alters
,
die
vorliegenden
Adern
und
die
schlappen
Brüste
"
.
"
um
Gottes
willen
!
"
rief
ich
aus
,
"
gibt
es
denn
aus
der
alten
Kunst
selbstständige
Kunstwerke
,
die
solche
abscheuliche
Gegenstände
vollendet
darstellen
?
oder
sind
es
nicht
vielmehr
untergeordnete
Werke
,
Werke
der
Gelegenheit
,
Werke
der
Kunst
,
die
sich
nach
äußern
Absichten
bequemen
muß
,
die
im
Sinken
ist
?
"
er
.
ich
gebe
Ihnen
ein
Verzeichnis
,
und
Sie
mögen
selbst
untersuchen
und
urteilen
.
aber
daß
Laokoon
,
daß
Niobe
,
daß
Dirce
mit
ihren
Stiefsöhnen
selbstständige
Kunstwerke
sind
,
werden
Sie
mir
nicht
leugnen
.
treten
Sie
vor
den
Laokoon
,
und
sehen
Sie
die
Natur
in
voller
Empörung
und
Verzweiflung
,
den
letzten
erstickenden
Schmerz
,
krampfartige
Spannung
,
wütende
Zuckung
,
die
Wirkung
eines
ätzenden
Gifts
,
heftige
Gärung
,
stockenden
Umlauf
,
erstickende
Pressung
und
paralytischen
Tod
.
der
Philosoph
schien
mich
mit
Verwunderung
anzusehen
,
und
ich
versetzte
:
"
man
schaudert
,
man
erstarrt
nur
vor
der
bloßen
Beschreibung
.
fürwahr
,
wenn
es
sich
mit
der
Gruppe
Laokoons
so
verhält
,
was
will
aus
der
Anmut
werden
,
die
man
sogar
darin
so
wie
in
jedem
echten
Kunstwerke
finden
will
!
doch
ich
will
mich
darein
nicht
mischen
,
machen
Sie
das
mit
den
Verfassern
der
Propyläen
aus
,
welche
ganz
der
entgegengesetzen
Meinung
sind
"
.
"
das
wird
sich
schon
geben
"
,
versetzte
mein
Gast
,
"
das
ganze
Altertum
spricht
mir
zu
;
denn
wo
wütet
Schrecken
und
Tod
entsetzlicher
als
bei
den
Darstellungen
der
Niobe
?
"
ich
erschrak
über
eine
solche
Assertion
,
denn
ich
hatte
noch
kurz
vorher
freilich
nur
die
Kupfer
im
Fabroni
gesehen
,
den
ich
sogleich
herbeiholte
und
aufschlug
.
"
ich
finde
keine
Spur
vom
wütenden
Schrecken
des
Todes
,
vielmehr
in
den
Statuen
die
höchste
Subordination
der
tragischen
Situation
unter
die
höchsten
Ideen
von
Würde
,
Hoheit
,
Schönheit
,
gemäßigtem
Betragen
.
ich
sehe
hier
überall
den
Kunstzweck
,
die
Glieder
zierlich
und
anmutig
erscheinen
zu
lassen
.
der
Charakter
erscheint
nur
noch
in
den
allgemeinsten
Linien
,
welche
durch
die
Werke
,
gleichsam
wie
ein
geistiger
Knochenbau
,
durchgezogen
sind
"
.
er
.
lassen
Sie
uns
zu
den
Basreliefen
übergehen
,
die
wir
am
Ende
des
Buches
finden
.
-
wir
schlugen
sie
auf
.
ich
.
von
allem
Entsetzlichen
,
aufrichtig
gesagt
,
sehe
ich
auch
hier
nicht
das
mindeste
.
wo
wüten
Schrecken
und
Tod
?
hier
sehe
ich
nur
Figuren
mit
solcher
Kunst
durcheinander
bewegt
,
so
glücklich
gegeneinander
gestellt
oder
gestreckt
,
daß
sie
,
indem
sie
mich
an
ein
trauriges
Schicksal
erinnern
,
mir
zugleich
die
angenehmste
Empfindung
geben
.
alles
Charakteristische
ist
gemäßigt
,
alles
natürlich
Gewaltsame
ist
aufgehoben
,
und
so
möchte
ich
sagen
:
das
Charakteristische
liegt
zum
Grunde
,
auf
ihm
ruhen
Einfalt
und
Würde
,
das
höchste
Ziel
der
Kunst
ist
Schönheit
und
ihre
letzte
Wirkung
Gefühl
der
Anmut
.
das
Anmutige
,
das
gewiß
nicht
unmittelbar
mit
dem
Charakteristischen
verbunden
werden
kann
,
fällt
besonders
bei
diesem
Sarkophagen
in
die
Augen
.
sind
die
toten
Töchter
und
Söhne
der
Niobe
nicht
hier
als
Zieraten
geordnet
?
es
ist
die
höchste
Schwelgerei
der
Kunst
!
sie
verziert
nicht
mehr
mit
Blumen
und
Früchten
,
sie
verziert
mit
menschlichen
Leichnamen
,
mit
dem
größten
Elend
,
das
einem
Vater
,
das
einer
Mutter
begegnen
kann
,
eine
blühende
Familie
auf
einmal
vor
sich
hingerafft
zu
sehen
.
ja
,
der
schöne
Genius
,
der
mit
gesenkter
Fackel
bei
dem
Grabe
steht
,
hat
hier
bei
dem
erfindenden
,
bei
dem
arbeitenden
Künstler
gestanden
und
ihm
zu
seiner
irdischen
Größe
eine
himmlische
Anmut
zugehaucht
.
mein
Gast
sah
mich
lächelnd
an
und
zuckte
die
Achseln
.
"
leider
"
,
sagte
er
,
als
ich
geendigt
hatte
,
"
leider
sehe
ich
wohl
,
daß
wir
nicht
einig
werden
können
.
wie
schade
,
daß
ein
Mann
von
Ihren
Kenntnissen
,
von
Ihrem
Geist
nicht
einsehen
will
,
daß
das
alles
nur
leere
Worte
sind
und
daß
Schönheit
und
Ideal
einem
Manne
von
Verstand
als
ein
Traum
erscheinen
muß
,
den
er
freilich
nicht
in
die
Wirklichkeit
versetzen
mag
,
sondern
vielmehr
widerstrebend
findet
"
.
mein
Philosoph
schien
während
des
letzten
Teiles
unsers
Gespräches
etwas
unruhig
zu
werden
,
so
gelassen
und
gleichgültig
er
den
Anfang
anzuhören
schien
,
er
rückte
den
Stuhl
,
bewegte
ein
paarmal
die
Lippen
und
fing
,
als
es
eine
Pause
gab
,
zu
reden
an
.
doch
was
er
vorbrachte
,
mag
er
Ihnen
selbst
überliefern
!
er
ist
diesen
Morgen
beizeiten
wieder
da
,
denn
seine
Teilnahme
an
dem
gestrigen
Gespräch
hat
auf
einmal
die
Schalen
unserer
wechselseitigen
Entfernung
abgestoßen
,
und
ein
paar
hübsche
Pflanzen
im
Garten
der
Freundschaft
zeigen
sich
.
diesen
Morgen
geht
noch
eine
Post
,
womit
ich
die
gegenwärtigen
Blätter
abschicke
,
über
denen
ich
schon
einige
Patienten
versäumt
habe
,
weshalb
ich
Verzeihung
vom
Apoll
,
insofern
er
sich
um
Ärzte
und
Künstler
zugleich
bekümmert
,
erwarten
darf
.
diesen
Nachmittag
haben
wir
noch
sonderbare
Szenen
zu
erwarten
.
unser
Charakteristiker
kommt
wieder
,
zugleich
haben
sich
noch
ein
halb
Dutzend
Fremde
anmelden
lassen
,
die
Jahrszeit
ist
reizend
und
alles
in
Bewegung
.
gegen
diese
Gesellschaft
haben
wir
einen
Bund
gemacht
,
Julie
,
der
Philosoph
und
ich
;
es
soll
uns
keine
von
ihren
Eigenheiten
entgehen
.
doch
hören
Sie
erst
den
Schluß
unserer
gestrigen
Disputation
und
empfangen
nur
noch
einen
lebhaften
Gruß
von
Ihrem
zwar
diesmal
eilfertigen
,
doch
immer
beständigen
,
treuen
Freund
und
Diener
.
sechster
Brief
.
unser
würdiger
Freund
läßt
mich
an
seinem
Schreibtisch
niedersitzen
,
und
ich
danke
ihm
sowohl
für
dieses
Vertrauen
als
für
den
Anlaß
,
den
er
mir
gibt
,
mich
mit
Ihnen
zu
unterhalten
.
er
nennt
mich
den
Philosophen
,
er
würde
mich
den
Schüler
nennen
,
wenn
er
wüßte
,
wie
sehr
ich
mich
zu
bilden
,
wie
sehr
ich
zu
lernen
wünsche
.
doch
leider
hat
man
schon
vor
den
Menschen
,
wenn
man
sich
nur
auf
gutem
Wege
glaubt
,
ein
anmaßliches
Ansehen
.
daß
ich
gestern
abend
mich
in
ein
Gespräch
über
bildende
Kunst
lebhaft
einmischte
,
da
mir
das
Anschauen
derselben
fehlt
und
ich
nur
einige
literarische
Kenntnisse
davon
besitze
,
werden
Sie
mir
verzeihen
,
wenn
Sie
meine
Relation
vernehmen
und
daraus
ersehen
,
daß
ich
bloß
im
Allgemeinen
geblieben
bin
,
daß
ich
mein
Befugnis
,
mitzureden
,
mehr
auf
einige
Kenntnis
der
alten
Poesie
gegründet
habe
.
ich
will
nicht
leugnen
,
daß
die
Art
,
wie
der
Gegner
mit
meinem
Freunde
verfuhr
,
mich
entrüstete
.
ich
bin
noch
jung
,
entrüste
mich
vielleicht
zur
Unzeit
und
verdiene
um
desto
weniger
den
Titel
eines
Philosophen
.
die
Worte
des
Gegners
griffen
mich
selbst
an
;
denn
wenn
der
Kenner
,
der
Liebhaber
der
Kunst
das
Schöne
nicht
aufgeben
darf
,
so
muß
der
Schüler
der
Philosophie
sich
das
Ideal
nicht
unter
die
Hirngespinste
verweisen
lassen
.
nun
,
soviel
ich
mich
erinnere
,
wenigstens
den
Faden
und
den
allgemeinen
Inhalt
des
Gesprächs
.
ich
.
erlauben
Sie
,
daß
ich
auch
ein
Wort
einrede
!
der
Gast
.
(
etwas
schnöde
)
von
Herzen
gern
,
und
wo
möglich
nichts
von
Luftbildern
.
ich
.
von
der
Poesie
der
Alten
kann
ich
einige
Rechenschaft
geben
,
von
der
bildenden
Kunst
habe
ich
wenige
Kenntnis
.
der
Gast
.
das
tut
mir
leid
!
so
werden
wir
wohl
schwerlich
näher
zusammenkommen
.
ich
.
und
doch
sind
die
schönen
Künste
nahe
verwandt
,
die
Freunde
der
verschiedensten
sollten
sich
nicht
mißverstehn
.
Oheim
.
lassen
Sie
hören
.
ich
.
die
alten
Tragödienschreiber
verfuhren
mit
dem
Stoff
,
den
sie
verarbeiteten
,
völlig
wie
die
bildenden
Künstler
,
wenn
anders
diese
Kupfer
,
welche
die
Familie
der
Niobe
vorstellen
,
nicht
ganz
vom
Original
abweichen
.
Gast
.
Sie
sind
leidlich
genug
,
sie
geben
nur
einen
unvollkommenen
,
nicht
einen
falschen
Begriff
.
ich
.
nun
!
dann
können
wir
sie
insofern
zum
Grunde
legen
.
Oheim
.
was
behaupten
Sie
von
dem
Verfahren
der
alten
Tragödienschreiber
?
ich
.
Sie
wählten
sehr
oft
,
besonders
in
der
ersten
Zeit
,
unerträgliche
Gegenstände
,
unleidliche
Begebenheiten
.
Gast
.
unerträglich
wären
sie
alten
Fabeln
?
ich
.
gewiß
!
ungefähr
wie
Ihre
Beschreibung
des
Laokoons
.
Gast
.
diese
finden
Sie
also
unerträglich
?
ich
.
verzeihen
Sie
!
nicht
Ihre
Beschreibung
,
sondern
das
Beschriebene
.
Gast
.
also
das
Kunstwerk
?
ich
.
keinesweges
!
aber
das
,
was
Sie
darin
gesehen
haben
.
die
Fabel
,
die
Erzählung
,
das
Skelett
,
das
,
was
Sie
charakteristisch
nennen
.
denn
wenn
Laokoon
wirklich
so
vor
unsern
Augen
stünde
,
wie
Sie
ihn
beschreiben
,
so
wäre
er
wert
,
daß
er
den
Augenblick
in
Stücken
geschlagen
würde
.
Gast
.
Sie
drücken
sich
stark
aus
.
ich
.
das
ist
wohl
einem
wie
dem
andern
erlaubt
.
Oheim
.
nun
also
zu
dem
Trauerspiele
der
Alten
.
Gast
.
zu
den
unerträglichen
Gegenständen
.
ich
.
ganz
recht
!
aber
auch
zu
der
alles
erträglich
,
leidlich
,
schön
,
anmutig
machenden
Behandlung
.
Gast
.
das
geschähe
denn
also
wohl
durch
Einfalt
und
stille
Größe
?
ich
.
wahrscheinlich
.
Gast
.
durch
das
mildernde
Schönheitsprinzip
?
ich
.
es
wird
wohl
nicht
anders
sein
.
Gast
.
die
alten
Tragödien
wären
also
nicht
schrecklich
?
ich
.
nicht
leicht
,
soviel
ich
weiß
,
wenn
man
den
Dichter
selbst
hört
.
freilich
,
wenn
man
in
der
Poesie
nur
den
Stoff
erblickt
,
der
dem
Gedichteten
zum
Grund
liegt
,
wenn
man
vom
Kunstwerke
spricht
,
als
hätte
man
an
seiner
Statt
die
Begebenheiten
in
der
Natur
erfahren
,
dann
lassen
sich
wohl
sogar
Sophokleische
Tragödien
als
ekelhaft
und
abscheulich
darstellen
.
Gast
.
ich
will
über
Poesie
nicht
entscheiden
.
ich
.
und
ich
ncht
über
bildende
Kunst
.
Gast
.
ja
,
es
ist
wohl
das
beste
,
daß
jeder
in
seinem
Fache
bleibt
.
ich
.
und
doch
gibt
es
einen
allgemeinen
Punkt
,
in
welchem
die
Wirkungen
aller
Kunst
,
redender
sowohl
als
bildender
,
sich
sammeln
,
aus
welchem
alle
ihre
Gesetze
ausfließen
.
Gast
.
und
dieser
wäre
?
ich
.
das
menschliche
Gemüt
.
Gast
.
ja
!
ja
!
es
ist
die
Art
der
neuen
Herren
Philosophen
,
alle
Dinge
auf
ihren
eignen
Grund
und
Boden
zu
spielen
,
und
bequemer
ist
es
freilich
,
die
Welt
nach
der
Idee
zu
modeln
,
als
seine
Vorstellungen
den
Dingen
zu
unterwerfen
.
ich
.
es
ist
hier
von
keinem
metaphysischen
Streite
die
Rede
.
Gast
.
den
ich
mir
auch
verbitten
wollte
.
ich
.
die
Natur
,
will
ich
einmal
zugeben
,
lasse
sich
unabhängig
von
dem
Menschen
denken
,
die
Kunst
bezieht
sich
notwendig
auf
denselben
:
denn
die
Kunst
ist
nur
durch
den
Menschen
und
für
ihn
.
Gast
.
wozu
soll
das
führen
?
ich
.
Sie
selbst
,
indem
Sie
der
Kunst
das
Charakteristische
zum
Ziel
setzen
,
bestellen
den
Verstand
,
der
das
Charakteristische
erkennt
,
zum
Richter
.
Gast
.
allerdings
tue
ich
das
.
was
ich
mit
dem
Verstand
nicht
begreife
,
existiert
mir
nicht
.
ich
.
aber
der
Mensch
ist
nicht
bloß
ein
denkendes
,
er
ist
zugleich
ein
empfindendes
Wesen
.
er
ist
ein
Ganzes
,
eine
Einheit
vielfacher
,
innig
verbundner
Kräfte
,
und
zu
diesem
Ganzen
des
Menschen
muß
das
Kunstwerk
reden
,
es
muß
dieser
reichen
Einheit
,
dieser
einigen
Mannigfaltigkeit
in
ihm
entsprechen
.
Gast
.
führen
Sie
mich
nicht
in
diese
Labyrinthe
,
denn
wer
vermöchte
uns
herauszuhelfen
.
ich
.
da
ist
es
denn
freilich
am
besten
,
wir
heben
das
Gespräch
auf
,
und
jeder
behauptet
seinen
Platz
.
Gast
.
auf
dem
meinigen
wenigstens
stehe
ich
feste
.
ich
.
vielleicht
fände
sich
noch
geschwind
ein
Mittel
,
daß
einer
den
andern
auf
seinem
Platze
,
wo
nicht
besuchen
,
doch
wenigstens
beobachten
könnte
.
Gast
.
geben
Sie
es
an
.
ich
.
wir
wollen
uns
die
Kunst
einen
Augenblick
im
Entstehen
denken
.
Gast
.
gut
.
ich
.
wir
wollen
das
Kunstwerk
auf
dem
Wege
zur
Vollkommenheit
begleiten
.
Gast
.
nur
auf
dem
Wege
der
Erfahrung
mag
ich
Ihnen
folgen
!
die
steilen
Pfade
der
Spekulation
verbitte
ich
mir
.
ich
.
Sie
erlauben
,
daß
ich
ganz
von
vorn
anfange
.
Gast
.
recht
gern
.
ich
.
der
Mensch
fühlt
eine
Neigung
zu
irgendeinem
Gegenstand
.
sei
es
ein
einzelnes
,
belebtes
Wesen
.
Gast
.
also
etwa
zu
diesem
artigen
Schoßhunde
.
Julie
.
komm
,
Bello
!
es
ist
keine
geringe
Ehre
,
als
Beispiel
zu
einer
solchen
Abhandlung
gebraucht
zu
werden
.
ich
.
fürwahr
,
der
Hund
ist
zierlich
genug
,
und
fühlte
der
Mann
,
den
wir
annehmen
,
einen
Nachahmungstrieb
,
so
würde
er
dieses
Geschöpf
auf
irgendeine
Weise
darzustellen
suchen
.
lassen
Sie
aber
auch
seine
Nachahmung
recht
gut
geraten
,
so
werden
wir
doch
nicht
sehr
gefördert
sein
;
denn
wir
haben
nun
allenfalls
nur
zwei
Bellos
für
einen
.
Gast
.
ich
will
nicht
einreden
,
sondern
erwarten
,
was
hieraus
entstehen
soll
.
ich
.
nehmen
Sie
an
,
daß
dieser
Mann
,
den
wir
wegen
seines
Talents
nun
schon
einen
Künstler
nennen
,
sich
hierbei
nicht
beruhigte
,
daß
ihm
seine
Neigung
zu
eng
,
zu
beschränkt
vorkäme
,
daß
er
sich
nach
mehr
Individuen
,
nach
Varietäten
,
nach
Arten
,
nach
Gattungen
umtäte
,
dergestalt
daß
zuletzt
nicht
mehr
das
Geschöpf
,
sondern
der
Begriff
des
Geschöpfs
vor
ihm
stünde
,
und
er
diesen
endlich
durch
seine
Kunst
darzustellen
vermöchte
.
Gast
.
bravo
!
das
würde
mein
Mann
sein
.
das
Kunstwerk
würde
gewiß
charakteristisch
ausfallen
.
ich
.
ohne
Zweifel
.
Gast
.
und
ich
würde
mich
dabei
beruhigen
und
nichts
weiter
fordern
.
ich
.
wir
andern
aber
steigen
weiter
.
Gast
.
ich
bleibe
zurück
.
Oheim
.
zum
Versuche
gehe
ich
mit
.
ich
.
durch
jene
Operation
möchte
allenfalls
ein
Kanon
entstanden
sein
,
musterhaft
,
wissenschaftlich
schätzbar
;
aber
nicht
befriedigend
fürs
Gemüt
.
Gast
.
wie
wollen
Sie
auch
den
wunderlichen
Forderungen
dieses
lieben
Gemüts
genugtun
?
ich
.
es
ist
nicht
wunderlich
,
es
läßt
sich
nur
seine
gerechten
Ansprüche
nicht
nehmen
.
eine
alte
Sage
berichtet
uns
,
daß
die
Elohim
einst
untereinander
gesprochen
:
lasset
uns
den
Menschen
machen
,
ein
Bild
,
das
uns
gleich
sei
,
und
der
Mensch
sagt
daher
mit
vollem
Recht
:
lasset
uns
Götter
machen
,
Bilder
,
die
uns
gleich
seien
.
Gast
.
wir
kommen
hier
schon
in
eine
sehr
dunkle
Region
.
ich
.
es
gibt
nur
ein
Licht
,
uns
hier
zu
leuchten
.
Gast
.
das
wäre
?
ich
.
die
Vernunft
.
Gast
.
inwiefern
sie
ein
Licht
oder
ein
Irrlicht
sei
,
ist
schwer
zu
bestimmen
.
ich
.
nennen
wir
sie
nicht
;
aber
fragen
wir
uns
die
Forderungen
ab
,
die
der
Geist
an
ein
Kunstwerk
macht
.
eine
beschränkte
Neigung
soll
nicht
nur
ausgefüllt
,
unsere
Wißbegierde
nicht
etwa
nur
befriedigt
,
unsere
Kenntnis
nur
geordnet
und
beruhigt
werden
;
das
Höhere
,
was
in
uns
liegt
,
will
erweckt
sein
,
wir
wollen
verehren
und
uns
selbst
als
verehrungswürdig
fühlen
.
Gast
.
ich
fange
an
,
nichts
mehr
zu
verstehen
.
Oheim
.
ich
aber
glaube
einigermaßen
folgen
zu
können
.
wie
weit
ich
mitgehe
,
will
ich
durch
ein
Beispiel
zeigen
.
nehmen
wir
an
,
daß
jener
Künstler
einen
Adler
in
Erz
gebildet
habe
,
der
den
Gattungsbegriff
vollkommen
ausdrückte
;
nun
wollte
er
ihn
aber
auf
den
Szepter
Jupiters
setzen
.
glauben
Sie
,
daß
er
dahin
vollkommen
passen
würde
?
Gast
.
es
käme
darauf
an
.
Oheim
.
ich
sage
nein
!
der
Künstler
müßte
ihm
vielmehr
noch
etwas
geben
.
Gast
.
was
denn
?
Oheim
.
das
ist
freilich
schwer
auszudrücken
.
Gast
.
ich
vermute
.
ich
.
und
doch
ließe
sich
vielleicht
durch
Annäherung
etwas
tun
.
Gast
.
nur
immer
zu
.
ich
.
er
müßte
dem
Adler
geben
,
was
er
dem
Jupiter
gab
,
um
diesen
zu
einem
Gott
zu
machen
.
Gast
.
und
das
wäre
?
ich
.
das
Göttliche
,
das
wir
freilich
nicht
kennen
würden
,
wenn
es
der
Mensch
nicht
fühle
und
selbst
hervorbrächte
.
Gast
.
ich
behaupte
immer
meinen
Platz
und
lasse
Sie
in
die
Wolken
steigen
.
ich
sehe
recht
wohl
,
Sie
wollen
den
hohen
Stil
der
griechischen
Kunst
bezeichnen
,
den
ich
aber
auch
nur
insofern
schätze
,
als
er
charakteristisch
ist
.
ich
.
für
uns
ist
er
noch
etwas
mehr
,
er
befriedigt
eine
hohe
Forderung
,
die
aber
doch
noch
nicht
die
höchste
ist
.
Gast
.
Sie
scheinen
sehr
ungenügsam
zu
sein
.
ich
.
dem
,
der
viel
erlangen
kann
,
geziemt
,
viel
zu
fordern
.
lassen
Sie
mich
kurz
sein
!
der
menschliche
Geist
befindet
sich
in
einer
herrlichen
Lage
,
wenn
er
verehrt
,
wenn
er
anbetet
,
wenn
er
einen
Gegenstand
erhebt
und
von
ihm
erhoben
wird
;
allein
er
mag
in
diesem
Zustand
nicht
lange
verharren
,
der
Gattungsbegriff
ließ
ihn
kalt
,
das
Ideale
erhob
ihn
über
sich
selbst
;
nun
aber
möchte
er
in
sich
selbst
wieder
zurückkehren
,
er
möchte
jene
frühere
Neigung
,
die
er
zum
Individuo
gehegt
,
wieder
genießen
,
ohne
in
jene
Beschränktheit
zurückzukehren
,
und
will
auch
das
Bedeutende
,
das
Geisterhebende
nicht
fahren
lassen
.
was
würde
aus
ihm
in
diesem
Zustande
werden
,
wenn
die
Schönheit
nicht
einträte
und
das
Rätsel
glücklich
löste
!
sie
gibt
dem
Wissenschaftlichen
erst
Leben
und
Wärme
,
und
indem
sie
das
Bedeutende
,
Hohe
mildert
und
himmlischen
Reiz
darüber
ausgießt
,
bringt
sie
es
uns
wieder
näher
.
ein
schönes
Kunstwerk
hat
den
ganzen
Kreis
durchlaufen
,
es
ist
nun
wieder
eine
Art
Individuum
,
das
wir
mit
Neigung
umfassen
,
das
wir
uns
zueignen
können
.
Gast
.
sind
Sie
fertig
?
ich
.
für
diesmal
!
der
kleine
Kreis
ist
geschlossen
,
wir
sind
wieder
da
,
wo
wir
ausgegangen
sind
,
das
Gemüt
hat
gefordert
,
das
Gemüt
ist
befriedigt
,
und
ich
habe
weiter
nichts
zu
sagen
.
(
der
gute
Oheim
ward
zu
einem
Kranken
dringend
abgerufen
)
Gast
.
es
ist
die
Art
der
Herren
Philosophen
,
daß
sie
sich
hinter
sonderbaren
Worten
,
wie
hinter
einer
Ägide
,
im
Streite
einherbewegen
.
ich
.
diesmal
kann
ich
wohl
versichern
,
daß
ich
nicht
als
Philosoph
gesprochen
habe
,
es
waren
lauter
Erfahrungssachen
.
Gast
.
das
nennen
Sie
Erfahrung
,
wovon
ein
anderer
nichts
begreifen
kann
!
ich
.
zu
jeder
Erfahrung
gehört
ein
Organ
.
Gast
.
wohl
ein
besonderes
?
ich
.
kein
besonderes
,
aber
eine
gewisse
Eigenschaft
muß
es
haben
.
Gast
.
und
die
wäre
?
ich
.
es
muß
produzieren
können
.
Gast
.
was
produzieren
?
ich
.
die
Erfahrung
!
es
gibt
keine
Erfahrung
,
die
nicht
produziert
,
hervorgebracht
,
erschaffen
wird
.
Gast
.
nun
,
das
ist
arg
genug
!
ich
.
besonders
gilt
es
von
dem
Künstler
.
Gast
.
fürwahr
,
was
wäre
nicht
ein
Porträtmaler
zu
beneiden
,
was
würde
er
nicht
für
Zulauf
haben
,
wenn
er
seine
sämtlichen
Kunden
produzieren
könnte
,
ohne
sie
mit
so
mancher
Sitzung
zu
inkommodieren
!
ich
.
vor
dieser
Instanz
fürchte
ich
mich
gar
nicht
,
ich
bin
vielmehr
überzeugt
:
kein
Porträt
kann
etwas
taugen
,
als
wenn
es
der
Maler
im
eigentlichsten
Sinne
erschafft
.
Gast
.
(
aufspringend
)
das
wird
zu
toll
!
ich
wollte
,
Sie
hätten
mich
zum
besten
,
und
das
alles
wäre
nur
Spaß
!
wie
würde
ich
mich
freuen
,
wenn
das
Rätsel
sich
dergestalt
auflöste
!
wie
gern
würde
ich
einem
wackern
Mann
,
wie
Sie
sind
,
die
Hand
reichen
!
ich
.
leider
ist
es
mein
völliger
Ernst
!
und
ich
kann
mich
weder
anders
finden
noch
fügen
.
Gast
.
nun
,
so
dächte
ich
,
wir
reichten
einander
zum
Abschied
wenigstens
die
Hände
;
besonders
da
unser
Herr
Wirt
sich
entfernt
hat
,
der
doch
noch
allenfalls
den
Präsidenten
bei
unserer
lebhaften
Disputation
machen
konnte
.
leben
Sie
wohl
,
Mademoiselle
!
leben
Sie
wohl
,
mein
Herr
!
ich
lasse
morgen
anfragen
,
ob
ich
wieer
aufwarten
darf
.
so
stürmte
er
zur
Türe
hinaus
,
und
Julie
hatte
kaum
Zeit
,
ihm
die
Magd
,
die
sich
mit
der
Laterne
parat
hielt
,
nachzuschicken
.
ich
blieb
mit
dem
liebenswürdigen
Kinde
allein
.
Caroline
hatte
sich
schon
früher
entfernt
.
ich
glaube
,
es
war
nicht
lange
hernach
,
als
mein
Gegner
die
reine
Schönheit
,
ohne
Charakter
,
für
fade
erklärt
hatte
.
"
Sie
haben
es
arg
gemacht
,
mein
Freund
"
,
sagte
Julie
nach
einer
kurzen
Pause
.
"
wenn
er
mir
nicht
ganz
recht
zu
haben
scheint
,
so
kann
ich
Ihnen
doch
auch
unmöglich
durchaus
Beifall
geben
;
denn
es
war
doch
wohl
bloß
,
um
ihn
zu
necken
,
als
Sie
zuletzt
behaupteten
:
der
Porträtmaler
müsse
das
Bildnis
ganz
eigentlich
erschaffen
"
.
"
schöne
Julie
"
,
versetzte
ich
darauf
,
"
wie
sehr
wünschte
ich
,
mich
Ihnen
hierüber
verständlich
zu
machen
!
vielleicht
gelingt
es
mir
mit
der
Zeit
!
aber
Ihnen
,
deren
lebhafter
Geist
sich
in
alle
Regionen
bewegt
,
die
den
Künstler
nicht
allein
schätzt
,
sondern
ihm
gewissermaßen
zuvoreilt
und
selbst
das
,
was
Sie
nicht
mit
Augen
gesehen
,
sich
,
als
stünde
es
vor
ihr
,
zu
vergegenwärtigen
weiß
,
Sie
sollten
am
wenigsten
stutzen
,
wenn
vom
Schaffen
,
vom
Hervorbringen
die
Rede
ist
"
.
Julie
.
ich
merke
,
Sie
wollen
mich
bestechen
.
es
wird
Ihnen
leicht
werden
,
denn
ich
höre
Ihnen
gern
zu
.
ich
.
lassen
Sie
uns
vom
Menschen
würdig
denken
,
und
bekümmern
wir
uns
nicht
,
ob
es
ein
wenig
bizarr
klingt
,
was
wir
von
ihm
sagen
.
gibt
doch
jedermann
zu
,
daß
der
Poet
geboren
werden
müsse
!
schreibt
nicht
jedermann
dem
Genie
eine
schaffende
Kraft
zu
?
und
niemand
glaubt
,
dadurch
eben
etwas
Paradoxes
zu
sagen
.
wir
leugnen
es
nicht
von
den
Werken
der
Phantasie
:
aber
wahrlich
,
der
untätige
,
untaugende
Mensch
wird
das
Gute
,
das
Edle
,
das
Schöne
weder
an
sich
noch
an
andern
gewahr
werden
!
wo
käme
es
denn
her
,
wenn
es
nicht
aus
uns
selbst
entspränge
?
fragen
Sie
Ihr
eigen
Herz
!
ist
nicht
die
Handelsweise
zugleich
mit
dem
Handeln
ihm
eingeboren
?
ist
es
nicht
die
Fähigkeit
zur
guten
Tat
,
die
sich
der
guten
Tat
erfreut
?
wer
fühlt
lebhaft
ohne
den
Wunsch
,
das
Gefühlte
darzustellen
?
und
was
stellen
wir
denn
eigentlich
dar
,
was
wir
nicht
erschaffen
?
und
zwar
nicht
etwa
nur
ein
für
allemal
,
damit
es
da
sei
,
sondern
damit
es
wirke
,
immer
wachse
und
wieder
werde
und
wieder
hervorbringe
.
das
ist
ja
eben
die
göttliche
Kraft
der
Liebe
,
von
der
man
nicht
aufhört
zu
singen
und
zu
sagen
,
daß
sie
in
jedem
Augenblick
die
herrlichen
Eigenschaften
des
geliebten
Gegenstandes
neu
hervorbringt
,
in
den
kleinsten
Teilen
ausbildet
,
im
Ganzen
umfaßt
,
bei
Tage
nicht
rastet
,
bei
Nacht
nicht
ruht
,
sich
an
ihrem
eignen
Werke
entzückt
,
über
ihre
eigne
rege
Tätigkeit
erstaunt
,
das
Bekannte
immer
neu
findet
,
weil
es
in
jedem
Augenblicke
,
in
dem
süßesten
aller
Geschäfte
wieder
neu
erzeugt
wird
.
ja
,
das
Bild
der
Geliebten
kann
nicht
alt
werden
,
denn
jeder
Moment
ist
seine
Geburtsstunde
.
ich
habe
heute
sehr
gesündigt
,
ich
handelte
gegen
meinen
Vorsatz
,
indem
ich
über
eine
Materie
sprach
,
die
ich
nicht
ergründet
habe
,
und
in
diesem
Augenblick
bin
ich
auf
dem
Wege
,
noch
strafwürdiger
zu
fehlen
.
Schweigen
gebührt
dem
Menschen
,
der
sich
nicht
vollendet
fühlt
.
Schweigen
geziemt
auch
dem
Liebenden
,
der
nicht
hoffen
darf
,
glücklich
zu
sein
.
lassen
Sie
mich
von
hinnen
gehen
,
damit
ich
nicht
doppelt
scheltenswert
sei
.
ich
ergriff
Juliens
Hand
,
ich
war
sehr
bewegt
,
sie
hielt
mich
freundlich
fest
.
ich
darf
es
sagen
.
gebe
der
Himmel
,
daß
ich
mich
nicht
geirrt
habe
,
daß
ich
mich
nicht
irre
!
doch
ich
fahre
in
meiner
Erzählung
fort
.
der
Oheim
kam
zurück
.
er
war
freundlich
genug
,
das
an
mir
zu
loben
,
was
ich
an
mir
tadelte
,
war
zufrieden
,
daß
meine
Ideen
über
bildende
Kunst
mit
den
seinigen
zusammenträfen
.
er
versprach
mir
,
in
kurzer
Zeit
,
die
Anschauung
zu
verschaffen
,
deren
ich
bedürfen
könnte
.
Julie
sagte
mir
scherzend
auch
ihren
Unterricht
zu
,
wenn
ich
gesprächiger
,
wenn
ich
mitteilender
werden
wollte
-
und
ich
fühle
schon
recht
gut
,
daß
sie
alles
aus
mir
machen
kann
,
was
sie
will
.
die
Magd
kam
zurück
,
die
dem
Fremden
geleuchtet
hatte
,
sie
war
sehr
vergnügt
über
seine
Freigebigkeit
,
denn
er
hatte
ihr
ein
ansehnliches
Trinkgeld
gegeben
;
noch
mehr
aber
lobte
sie
seine
Artigkeit
.
er
hatte
sie
mit
freundlichen
Worten
entlassen
und
sie
obendrein
schönes
Kind
genannt
.
ich
war
nun
eben
nicht
im
Humor
,
ihn
zu
schonen
,
und
rief
aus
:
"
o
ja
!
das
kann
einem
leicht
passieren
,
der
das
Ideal
verleugnet
,
daß
er
das
Gemeine
für
schön
erklärt
!
"
Julie
erinnerte
mich
scherzend
,
daß
Gerechtigkeit
und
Billigkeit
auch
ein
Ideal
sei
,
wornach
der
Mensch
zu
streben
habe
.
es
war
spät
geworden
,
der
Oheim
bat
mich
um
einen
Dienst
,
durch
den
ich
mir
zugleich
selbst
dienen
sollte
,
er
gab
mir
eine
Abschrift
jenes
Briefes
an
Sie
,
meine
Herren
,
worin
er
die
verschiedenen
Liebhabereien
zu
bezeichnen
suchte
;
er
gab
mir
Ihre
Antwort
,
verlangte
,
daß
ich
beides
geschwind
studieren
,
meine
Gedanken
darüber
zusammenfassen
und
alsdann
gegenwärtig
sein
möchte
,
wenn
die
angemeldeten
Fremden
sein
Kabinett
besuchten
,
um
zu
sehen
,
ob
wir
noch
mehr
Klassen
entdecken
und
aufzeichnen
könnten
.
ich
habe
den
Überrest
der
Nacht
damit
zugebracht
und
ein
Schema
aus
dem
Stegreif
verfertigt
,
das
,
wo
nicht
gründlich
,
doch
wenigstens
lustig
ist
und
das
für
mich
einen
großen
Wert
hat
,
weil
Julie
heute
früh
herzlich
darüber
lachen
konnte
.
leben
Sie
recht
wohl
!
ich
merke
,
daß
dieser
Brief
mit
dem
Briefe
des
guten
Oheims
,
der
noch
hier
auf
dem
Schreibtische
liegt
,
zugleich
fort
kann
.
nur
flüchtig
habe
ich
das
Geschriebene
wieder
überlesen
dürfen
.
wie
manches
wäre
anders
zu
sagen
,
wie
manches
besser
zu
bestimmen
gewesen
!
ja
,
wenn
ich
meinem
Gefühl
nachginge
,
so
sollten
diese
Blätter
eher
ins
Feuer
als
auf
die
Post
.
aber
wenn
nur
das
Vollendete
mitgeteilt
werden
sollte
,
wie
schlecht
würde
es
überhaupt
um
Unterhaltung
aussehen
!
indessen
soll
unser
Gast
gesegnet
sein
,
daß
er
mich
in
eine
Leidenschaft
versetzte
,
daß
er
mich
in
eine
Aufwallung
brachte
,
die
mir
diese
Unterhaltung
mit
Ihnen
verschaffte
und
zu
neuen
,
schönen
Verhältnissen
Anlaß
gab
.
Aus
:
achter
Brief
.
erste
Abteilung
.
Nachahmer
.
man
kann
dieses
Talent
als
die
Base
der
bildenden
Kunst
ansehen
.
ob
sie
davon
ausgegangen
,
mag
noch
eine
Frage
bleiben
.
fängt
ein
Künstler
damit
an
,
so
kann
er
sich
bis
zu
den
Höchsten
erheben
,
bleibt
er
dabei
kleben
,
so
darf
man
ihn
einen
Kopisten
nennen
und
mit
diesem
Wort
gewissermaßen
einen
ungünstigen
Begriff
verbinden
.
hat
aber
ein
solches
Naturell
das
Verlangen
,
immer
in
seinem
beschränkten
Fache
weiter
zu
gehen
,
so
muß
zuletzt
eine
Forderungen
an
Wirklichkeit
entstehen
,
die
der
Künstler
zu
leisten
,
der
Liebhaber
zu
erfahren
strebt
.
wird
der
Übergang
zur
echten
Kunst
verfehlt
,
so
findet
man
sich
auf
dem
schlimmsten
Abwege
;
man
gelangt
endlich
dahin
,
daß
man
Statuen
malt
und
sich
selbst
,
wie
es
unser
guter
Großvater
tat
,
im
damastnen
Schlafrock
der
Nachwelt
überliefert
.
die
Neigung
zu
Schattenrissen
hat
etwas
,
das
sich
dieser
Liebhaberei
nähert
.
eine
solche
Sammlung
ist
interessant
genug
,
wenn
man
sie
in
einem
Portefeuille
besitzt
.
nur
müssen
die
Wände
nicht
mit
diesen
traurigen
,
halben
Wirklichkeitserscheinungen
verziert
werden
.
der
Nachahmer
verdoppelt
nur
das
Nachgeahmte
,
ohne
etwas
hinzu
zu
tun
oder
uns
weiter
zu
bringen
.
er
zieht
uns
in
das
einzige
höchst
beschränkte
Dasein
hinein
,
wir
erstaunen
über
die
Möglichkeit
dieser
Operation
,
wir
empfinden
ein
gewisses
Ergötzen
;
aber
recht
behaglich
kann
uns
das
Werk
nicht
machen
,
denn
es
fehlt
ihm
die
Kunstwahrheit
als
schöner
Schein
.
sobald
auch
dieser
nur
einigermaßen
eintritt
,
so
hat
das
Bildnis
schon
einen
großen
Reiz
,
wie
wir
bei
manchen
deutschen
,
niederländischen
und
französischen
Porträten
und
Stilleben
empfinden
...
zweite
Abteilung
.
Imaginanten
.
mit
dieser
Gesellschaft
sind
unsere
Freunde
gar
zu
lustig
umgesprungen
.
es
schien
,
als
wenn
der
Gegenstand
sie
reizte
,
ein
ewig
aus
dem
Gleise
zu
treten
,
und
ob
ich
gleich
dabei
saß
,
mich
zu
dieser
Klasse
bekannte
und
zur
Gerechtigkeit
und
Artigkeit
aufforderte
,
so
konnte
ich
doch
nicht
verhindern
,
daß
ihr
eine
Menge
Namen
aufgebürdet
wurden
,
die
nicht
durchgängig
ein
Lob
anzudeuten
scheinen
.
man
nannte
sie
Poetisierer
,
weil
sie
,
anstatt
den
poetischen
Teil
der
bildenden
Kunst
zu
kennen
und
sich
darnach
zu
bestreben
,
vielmehr
mit
dem
Dichter
wetteifern
,
den
Vorzügen
desselben
machjagen
und
ihre
eignen
Vorteile
verkennen
und
versäumen
.
man
nannte
sie
Scheinmänner
,
weil
sie
so
gern
dem
Scheine
nachstreben
,
der
Einbildungskraft
etwas
vorzuspielen
suchen
,
ohne
sich
zu
bekümmern
,
inwiefern
dem
Anschauen
genug
geschieht
.
sie
wurden
Phantomisten
genannt
,
weil
ein
hohles
Gespensterwesen
sie
anzieht
,
Phantamisten
,
weil
traumartige
Verzerrungen
und
Inkohärenzen
nicht
ausbleiben
,
Nebulisten
,
weil
sie
der
Wolken
nicht
entbehren
können
,
um
ihren
Luftbildern
einen
würdigen
Boden
zu
verschaffen
.
ja
zuletzt
wollte
man
nach
deutscher
Reim-
und
Klangweise
sie
als
Schwebler
und
Nebler
abfertigen
.
man
behauptete
,
sie
seien
ohne
Realität
,
hätten
nie
und
nirgends
ein
Dasein
,
und
ihnen
fehle
Kunstwahrheit
als
schöne
Wirklichkeit
.
wenn
man
den
Nachahmen
eine
falsche
Natürlichkeit
zuschrieb
,
so
blieben
die
Imaginanten
von
dem
Vorwurf
einer
falschen
Natur
nicht
befreit
,
und
was
dergleichen
Anschuldigungen
mehr
waren
.
ich
merkte
zwar
,
daß
man
darauf
ausging
,
mich
zu
reizen
,
und
doch
tat
ich
den
Herren
den
Gefallen
,
wirklich
böse
zu
werden
.
ich
fragte
sie
:
ob
denn
nicht
das
Genie
sich
hauptsächlich
in
der
Erfindung
äußere
?
und
ob
man
den
Poetisierern
diesen
Vorzug
streitig
machen
könne
?
ob
es
nicht
auch
schon
dankenswert
sei
,
wenn
der
Geist
durch
ein
glückliches
Traumbild
ergötzt
werde
?
ob
nicht
in
dieser
Eigenschaft
,
die
man
mit
so
vielen
wunderlichen
Namen
anschwärze
,
der
Grund
und
die
Möglichkeit
der
höchsten
Kunst
begriffen
sei
?
ob
irgend
etwas
mächtiger
gegen
die
leidige
Prosa
wirke
als
eben
diese
Fähigkeit
,
neue
Welten
zu
schaffen
?
ob
es
nicht
ein
seltnes
Talent
,
ein
seltner
Fehler
sei
,
von
dem
man
ihn
auch
auf
Abwegen
antrifft
,
immer
noch
mit
Ehrfurcht
sprechen
müßte
?
die
Herren
ergaben
sich
bald
.
sie
erinnerten
mich
,
daß
hier
nur
von
Einseitigkeit
die
Rede
sei
;
daß
eben
diese
Eigenschaft
,
weil
sie
ins
Ganze
der
Kunst
so
trefflich
wirken
könne
,
dagegen
so
viel
schade
,
wenn
sie
sich
als
einzeln
,
selbstständig
und
unabhängig
erkläre
.
der
Nachahmer
schadet
der
Kunst
nie
,
denn
er
bringt
sie
mühsam
auf
eine
Stufe
,
wo
sie
ihm
der
echte
Künstler
abnehmen
kann
und
muß
,
der
Imaginant
hingegen
schadet
der
Kunst
unendlich
,
weil
er
sie
über
alle
ihre
Grenzen
hinausjagt
,
und
es
bedürfte
des
größten
Genies
,
sie
aus
ihrer
Unbestimmtheit
und
Unbedingtheit
gegen
ihren
wahren
Mittelpunkt
,
in
ihren
eigentlichen
,
angewiesenen
Umkreis
zurückzuführen
.
es
ward
noch
einiges
hin
und
wider
gestritten
,
zuletzt
sagten
sie
:
ob
ich
nicht
gestehen
müsse
,
daß
auf
diesem
Wege
die
satirische
Karikaturzeichnung
,
als
die
kunstgeschmack-
und
sittenverderblichste
Verirrung
,
entstanden
sei
und
entstehe
?
diese
konnte
ich
denn
freilich
nicht
in
Schutz
nehmen
:
ob
ich
gleich
nicht
leugnen
will
,
daß
mich
das
häßliche
Zeug
manchmal
unterhält
und
der
Schadenfreude
,
dieser
Erb-
und
Schoßsünde
aller
Adamskinder
,
als
eine
pikante
Speise
nicht
ganz
übel
schmeckt
.
fahren
wir
weiter
fort
!
dritte
Abteilung
.
Charakteristiker
.
mit
diesen
sind
Sie
schon
bekannt
genug
,
da
Sie
von
dem
Streit
mit
einem
merkwürdigen
Individuo
dieser
Art
hinreichend
unterrichtet
sind
.
wenn
dieser
Klasse
an
meinem
Beifall
etwas
gelegen
ist
,
so
kann
ich
ihr
denselben
versichern
;
denn
wenn
meine
lieben
Imaginanten
mit
Charakterzügen
spielen
sollen
,
so
muß
erst
etwas
Charakteristisches
da
sein
;
wenn
mir
das
Bedeutende
Spaß
machen
soll
,
so
kann
ich
wohl
leiden
,
daß
jemand
das
Bedeutende
ernsthaft
aufführt
.
wenn
uns
also
ein
solcher
Charaktermann
vorarbeiten
will
,
damit
meine
Poetisierer
keine
Phantasmisten
werden
oder
sich
gar
ins
Schwebeln
und
Nebeln
verlieren
,
so
soll
er
mir
gelobt
und
gepriesen
bleiben
.
der
Oheim
schien
auch
,
nach
der
letzten
Unterhaltung
,
mehr
für
seinen
Kunstfreund
eingenommen
,
so
daß
er
die
Partei
dieser
Klasse
nahm
.
er
glaubte
,
man
könne
sie
auch
in
einem
gewissen
Sinne
Rigoristen
nennen
.
ihre
Abstraktion
,
ihre
Reduktion
auf
Begriffe
begründe
immer
etwas
,
führe
zu
etwas
,
und
gegen
die
Leerheit
anderer
Künstler
und
Kunstfreunde
gehalten
,
sei
der
Charakteristiker
besonders
schätzbar
.
der
kleine
,
hartnäckige
Philosoph
aber
zeigte
auch
hier
wieder
seinen
Zahn
und
behauptete
,
daß
ihre
Einseitigkeit
eben
wegen
ihres
scheinbaren
Rechtes
durch
Beschränkung
der
Kunst
weit
mehr
schade
als
das
Hinausstreben
des
Imaginanten
,
wobei
er
versicherte
,
daß
er
die
Fehde
gegen
sie
nicht
aufgeben
werde
.
es
ist
eine
kuriose
Sache
um
einen
Philosophen
,
daß
er
in
gewissen
Dingen
so
nachgiebig
scheint
und
auf
andern
so
fest
besteht
.
wenn
ich
nur
erst
einmal
den
Schlüssel
dazu
habe
,
wo
es
hinaus
will
!
eben
finde
ich
,
da
ich
in
den
Papieren
nachsehe
,
daß
er
sie
mit
allerlei
Unnamen
verfolgt
.
er
nennt
sie
Skelettisten
,
Winkler
,
Steife
und
bemerkt
in
einer
Note
,
daß
ein
bloß
logisches
Dasein
,
bloße
Verstandsoperation
in
der
Kunst
nicht
ausreiche
noch
aushelfe
.
was
er
damit
sagen
will
,
darüber
mag
ich
mir
den
Kopf
nicht
zerbrechen
.
ferner
soll
den
Charaktermännern
die
schöne
Leichtigkeit
fehlen
,
ohne
welche
keine
Kunst
zu
denken
sei
.
das
will
ich
denn
auch
wohl
gelten
lassen
.
vierte
Abteilung
.
Undulisten
.
unter
diesem
Namen
wurden
diejenigen
bezeichnet
,
die
sich
mit
den
vorhergehenden
im
Gegensatz
befinden
,
die
das
Weichere
und
Gefällige
ohne
Charakter
und
Bedeutung
lieben
,
wodurch
denn
zuletzt
höchstens
eine
gleichgültige
Anmut
entsteht
.
sie
wurden
auch
Schlängler
genannt
,
und
man
erinnerte
sich
der
Zeit
,
da
man
die
Schlangenlinie
zum
Vorbild
und
Symbol
der
Schönheit
genommen
und
dabei
viel
gewonnen
zu
haben
glaubte
.
diese
Schlängelei
und
Weichheit
bezieht
sich
,
sowohl
beim
Künstler
als
Liebhaber
,
auf
eine
gewisse
Schwäche
,
Schläfrigkeit
und
,
wenn
man
will
,
auf
eine
gewisse
kränkliche
Reizbarkeit
.
solche
Kunstwerke
machen
bei
denen
ihr
Glück
,
die
im
Bilde
nur
etwas
mehr
als
nichts
sehen
wollen
,
denen
eine
Seifenblase
,
die
bunt
in
die
Luft
steigt
,
schon
allenfalls
ein
angenehmes
Gefühl
erregt
.
da
Kunstwerke
dieser
Art
kaum
einen
Körper
oder
andern
reellen
Gehalt
haben
können
,
so
bezieht
sich
ihr
Verdienst
meist
auf
die
Behandlung
und
auf
einen
gewissen
lieblichen
Schein
.
es
fehlt
ihnen
Bedeutung
und
Kraft
,
und
deswegen
sind
sie
im
allgemeinen
willkommen
,
so
wie
die
Nullität
in
der
Gesellschaft
.
denn
von
Rechts
wegen
soll
eine
gesellige
Unterhaltung
auch
nur
etwas
mehr
als
nichts
sein
.
sobald
der
Künstler
,
der
Liebhaber
einseitig
sich
dieser
Neigung
überläßt
,
so
verklingt
die
Kunst
wie
eine
ausschwirrende
Saite
,
sie
verliert
sich
wie
ein
Strom
im
Sand
.
die
Behandlung
wird
immer
flacher
und
schwächer
werden
.
aus
den
Gemälden
verschwinden
die
Farben
,
die
Striche
des
Kupferstichs
verwandeln
sich
in
Punkte
,
und
so
wird
alles
nach
und
nach
,
zum
Ergötzen
der
zarten
Liebhaber
,
in
Rauch
aufgehen
...
fünfte
Abteilung
.
Kleinkünstler
.
diese
Klasse
kam
noch
so
ganz
gut
weg
.
niemand
glaubte
Ursache
zu
haben
,
ihnen
aufsässig
zu
sein
,
manches
sprach
für
sie
,
wenig
wider
sie
.
wenn
man
nur
den
Effekt
betrachtet
,
so
sind
sie
gar
nicht
unbequem
.
mit
der
größten
Sorgfalt
punktieren
sie
einen
kleinen
Raum
aus
,
und
der
Liebhaber
kann
die
Arbeit
vieler
Jahre
in
einem
Kästchen
verwahren
.
insofern
ihre
Arbeit
lobenswürdig
ist
,
mag
man
sie
wohl
Miniaturisten
nennen
;
fehlt
es
ihnen
ganz
und
gar
an
Geiste
,
haben
sie
kein
Gefühl
fürs
Ganze
,
wissen
sie
keine
Einheit
ins
Werk
zu
bringen
,
so
mag
man
sie
Pünktler
und
Punktierer
schelten
.
sie
entfernen
sich
nicht
von
der
wahren
Kunst
,
sie
sind
nur
im
Fall
der
Nachahmer
,
sie
erinnern
den
wahren
Künstler
immer
daran
,
daß
er
diese
Eigenschaft
,
welche
sie
abgesondert
besitzen
,
auch
zu
seinen
übrigen
haben
müsse
,
um
völlig
vollendet
zu
sein
,
um
seinem
Werk
die
höchste
Ausführung
zu
geben
.
soeben
erinnert
mich
der
Brief
meines
Oheims
an
Sie
,
daß
auch
dort
schon
gut
und
leidlich
von
dieser
Klasse
gesprochen
worden
,
und
wir
wollen
daher
diese
friedlichen
Menschen
auch
nicht
weiter
beunruhigen
,
sondern
ihnen
durchaus
Kraft
,
Bedeutung
und
Einheit
wünschen
.
sechste
Abteilung
.
Skizzisten
.
der
Oheim
hat
sich
zu
dieser
Klasse
schon
bekannt
,
und
wir
waren
geneigt
,
nicht
ganz
übel
von
ihr
zu
sprechen
,
als
er
uns
selbst
aufmerksam
machte
,
daß
die
Entwerfer
eine
ebenso
gefährliche
Einseitigkeit
in
der
Kunst
befördern
könnten
als
die
Helden
der
übrigen
Rubriken
.
die
bildende
Kunst
soll
,
durch
den
äußern
Sinn
,
zum
Geiste
nicht
nur
sprechen
,
sie
soll
den
äußern
Sinn
selbst
befriedigen
;
der
Geist
mag
sich
alsdann
hinzugesellen
und
seinen
Beifall
nicht
versagen
.
der
Skizzist
spricht
aber
unmittelbar
zum
Geiste
,
besticht
und
entzückt
dadurch
jeden
Unerfahrnen
.
ein
glücklicher
Einfall
,
halbwege
deutlich
und
nur
gleichsam
symbolisch
dargestellt
,
eilt
durch
das
Auge
durch
,
regt
den
Geist
,
den
Witz
,
die
Einbildungskraft
auf
,
und
der
überraschte
Liebhaber
sieht
,
was
nicht
da
steht
.
hier
ist
nicht
mehr
von
Zeichnung
,
von
Proportion
,
von
Formen
,
Charakter
,
Ausdruck
,
Zusammenstellung
,
Übereinstimmung
,
Ausführung
die
Rede
,
sondern
ein
Schein
von
allem
tritt
an
die
Stelle
.
der
Geist
spricht
zum
Geiste
,
und
das
Mittel
,
wodurch
es
geschehen
sollte
,
wird
zunichte
.
verdienstvolle
Skizzen
großer
Meister
,
diese
bezaubernde
Hieroglyphen
,
veranlassen
meist
diese
Liebhaberei
und
führen
den
echten
Liebhaber
nach
und
nach
an
die
Schwelle
der
gesamten
Kunst
,
von
der
er
,
sobald
er
nur
einen
Blick
vorwärts
getan
,
nicht
wieder
zurückkehren
wird
.
der
angehende
Künstler
aber
hat
mehr
als
der
Liebhaber
zu
fürchten
,
wenn
er
sich
im
Kreise
des
Erfindens
und
Entwerfens
anhaltend
herumdreht
;
denn
wenn
er
durch
diese
Pforte
am
raschesten
in
den
Kunstkreis
hineintritt
,
so
kommt
er
dabei
gerade
am
ersten
in
Gefahr
,
an
der
Schwelle
haftenzubleiben
.
dies
sind
ungefähr
die
Worte
meines
Oheims
.
aber
ich
habe
die
Namen
der
Künstler
vergessen
,
die
bei
einem
schönen
Talent
,
das
sehr
viel
versprach
,
sich
auf
dieser
Seite
beschränkt
und
die
Hoffnungen
,
die
man
von
ihnen
gehegt
hatte
,
nicht
erfüllt
haben
.
mein
Onkel
besaß
in
seiner
Sammlung
ein
besonders
Portefeuille
von
Zeichnungen
solcher
Künstler
,
die
es
nie
weiter
als
bis
zum
Skizzisten
gebracht
,
und
behauptet
,
daß
dabei
sich
besonders
interessante
Bemerkungen
machen
lassen
,
wenn
man
diese
mit
den
Skizzen
großer
Meister
,
die
zugleich
vollenden
konnten
,
vergleicht
.
als
man
so
weit
gekommen
war
,
diese
sechs
Klassen
voneinander
abgesondert
eine
Weile
zu
betrachten
,
so
fing
man
an
,
sie
wieder
zusammen
zu
verbinden
,
wie
sie
oft
bei
einzelnen
Künstlern
vereinigt
erscheinen
,
und
wovon
ich
schon
im
Lauf
meiner
Relation
einiges
bemerkte
.
so
fand
sich
der
Nachahmer
manchmal
mit
dem
Kleinkünstler
zusammen
,
auch
manchmal
mit
dem
Charakteristiker
.
der
Skizziste
konnte
sich
auf
die
Seite
des
Imaginanten
,
Skelettisten
oder
Undulisten
werfen
,
und
dieser
konnte
sich
bequem
mit
dem
Phantomisten
verbinden
.
jede
Verbindung
brachte
schon
ein
Werk
höherer
Art
hervor
als
die
völlige
Einseitigkeit
,
welche
sogar
,
wenn
man
sie
in
der
Erfahrung
aufsuchte
,
nur
in
seltenen
Beispielen
aufgefunden
werden
konnte
.
auf
diesem
Weg
gelangte
man
zu
der
Betrachtung
,
von
welcher
man
ausgegangen
war
,
zurück
:
daß
nämlich
nur
durch
die
Verbindung
der
sechs
Eigenschaften
der
vollendete
Künstler
entstehe
,
so
wie
der
echte
Liebhaber
alle
sechs
Neigungen
in
sich
vereinigen
müsse
.
die
eine
Hälfte
des
halben
Dutzends
nimmt
es
zu
ernst
,
streng
und
ängstlich
,
die
andere
zu
spielend
,
leicht
und
lose
.
nur
aus
innig
verbundenem
Ernst
und
Spiel
kann
wahre
Kunst
entspringen
,
und
wenn
unsere
einseitigen
Künstler
und
Kunstliebhaber
je
zwei
und
zwei
einander
entgegenstehen
,
der
Nachahmer
dem
Imaginanten
,
der
Charakteristiker
dem
Undulisten
,
der
Kleinkünstler
dem
Skizzisten
,
so
entsteht
,
indem
man
diese
Gegensätze
verbindet
,
immer
eins
der
drei
Erfordernisse
des
vollkommenen
Kunstwerks
,
wie
zur
Übersicht
das
Ganze
folgendermaßen
kurz
dargestellt
werden
kann
.
Ernst
allein
.
Individuelle
Neigung
,
Manier
.
Nachahmer
.
Charakteristiker
.
Kleinkünstler
.
Ernst
und
Spiel
verbunden
.
Ausbildung
ins
Allgemeine
,
Stil
.
Kunstwahrheit
.
Schönheit
.
Vollendung
.
Spiel
allein
.
Individuelle
Neigung
,
Manier
.
Phantomisten
.
Undulisten
.
Skizzisten
.
hier
haben
Sie
nun
die
ganze
Übersicht
!
mein
Geschäft
ist
vollendet
,
und
ich
scheide
abermals
um
so
schneller
von
Ihnen
,
als
ich
überzeugt
bin
,
daß
ein
beistimmendes
oder
abstimmendes
Gespräch
eben
da
anfangen
muß
,
wo
ich
aufhöre
.
Winckelmann
.
Einleitung
.
das
Andenken
merkwürdiger
Menschen
,
so
wie
die
Gegenwart
bedeutender
Kunstwerke
,
regt
von
Zeit
zu
Zeit
den
Geist
der
Betrachtung
auf
.
beide
stehen
da
als
Vermächtnisse
für
jede
Generation
,
in
Taten
und
Nachruhm
jene
,
diese
wirklich
erhalten
als
unaussprechliche
Wesen
.
jeder
Einsichtige
weiß
recht
gut
,
daß
nur
das
Anschaun
ihres
besonderen
Ganzen
einen
wahren
Wert
hätte
;
und
doch
versucht
man
immer
aufs
neue
,
durch
Reflexion
und
Wort
ihnen
etwas
abzugewinnen
.
hiezu
werden
wir
besonders
aufgereizt
,
wenn
etwas
Neues
entdeckt
und
bekannt
wird
,
das
auf
solche
Gegenstände
Bezug
hat
;
und
so
wird
man
unsre
erneuerte
Betrachtung
über
Winckelmann
,
seinen
Charakter
und
sein
Geleistetes
in
dem
Augenblicke
schicklich
finden
,
da
die
eben
jetzt
herausgegebenen
Briefe
über
seine
Denkweise
und
Zustände
ein
lebhafteres
Licht
verbreiten
.
Eintritt
.
wenn
die
Natur
gewöhnlichen
Menschen
die
köstliche
Mitgift
nicht
versagt
,
ich
meine
jenen
lebhaften
Trieb
,
von
Kindheit
an
die
äußere
Welt
mit
Lust
zu
ergreifen
,
sie
kennen
zu
lernen
,
sich
mit
ihr
in
Verhältnis
zu
setzen
,
mit
ihr
verbunden
ein
Ganzes
zu
bilden
,
so
haben
vorzügliche
Geister
öfters
die
Eigenheit
,
eine
Art
von
Scheu
vor
dem
wirklichen
Leben
zu
empfinden
,
sich
in
sich
selbst
eine
eigene
Welt
zu
erschaffen
und
auf
diese
Weise
das
Vortrefflichste
nach
innen
bezüglich
zu
leisten
.
findet
sich
hingegen
in
besonders
begabten
Menschen
jenes
gemeinsame
Bedürfnis
,
eifrig
zu
allem
,
was
die
Natur
in
sie
gelegt
hat
,
auch
in
der
äußeren
Welt
die
antwortenden
Gegenbilder
zu
suchen
und
dadurch
das
Innere
völlig
zum
Ganzen
und
Gewissen
zu
steigern
,
so
kann
man
versichert
sein
,
daß
auch
so
ein
für
Welt
und
Nachwelt
höchst
erfreuliches
Dasein
sich
ausbilden
werde
.
unser
Winckelmann
war
von
dieser
Art.
in
ihn
hatte
die
Natur
gelegt
,
was
den
Mann
macht
und
ziert
.
dagegen
verwendete
er
sein
ganzes
Leben
,
ein
ihm
Gemäßes
,
Treffliches
und
Würdiges
im
Menschen
und
in
der
Kunst
,
die
sich
vorzüglich
mit
dem
Menschen
beschäftigt
,
aufzusuchen
.
eine
niedrige
Kindheit
,
unzulänglicher
Unterricht
in
der
Jugend
,
zerrissene
,
zerstreute
Studien
im
Jünglingsalter
,
der
Druck
eines
Schulamtes
,
und
was
in
einer
solchen
Laufbahn
Ängstliches
und
Beschwerliches
erfahren
wird
,
hatte
er
mit
vielen
andern
geduldet
.
er
war
dreißig
Jahr
alt
geworden
,
ohne
irgendeine
Gunst
des
Schicksals
genossen
zu
haben
;
aber
in
ihm
selbst
lagen
die
Keime
eines
wünschenswerten
und
möglichen
Glücks
.
wir
finden
schon
in
diesen
seinen
traurigen
Zeiten
die
Spur
jener
Forderung
,
sich
von
den
Zuständen
der
Welt
mit
eigenen
Augen
zu
überzeugen
,
zwar
dunkel
und
verworren
,
doch
entschieden
genug
ausgesprochen
.
einige
nicht
genugsam
überlegte
Versuche
,
fremde
Länder
zu
sehen
,
mißglückten
ihm
.
er
träumte
sich
eine
Reise
nach
Ägypten
;
er
begab
sich
auf
den
Weg
nach
Frankreich
:
unvorhergesehene
Hindernisse
wiesen
ihn
zurück
.
besser
geleitet
von
seinem
Genius
,
ergriff
er
endlich
die
Idee
,
sich
nach
Rom
durchzudrängen
.
er
fühlte
,
wie
sehr
ihm
ein
solcher
Aufenthalt
gemäß
sei
.
dies
war
kein
Einfall
,
kein
Gedanke
mehr
,
es
war
ein
entschiedener
Plan
,
dem
er
mit
Klugheit
und
Festigkeit
entgegenging
.
Antikes
.
der
Mensch
vermag
gar
manches
durch
zweckmäßigen
Gebrauch
einzelner
Kräfte
,
er
vermag
das
Außerordentliche
durch
Verbindung
mehrerer
Fähigkeiten
;
aber
das
Einzige
,
ganz
Unerwartete
leistet
er
nur
,
wenn
sich
die
sämtlichen
Eigenschaften
gleichmäßig
in
ihm
vereinigen
.
das
letzte
war
das
glückliche
Los
der
Alten
,
besonders
der
Griechen
in
ihrer
besten
Zeit
;
auf
die
beiden
ersten
sind
wir
Neuern
vom
Schicksal
angewiesen
.
wenn
die
gesunde
Natur
des
Menschen
als
ein
Ganzes
wirkt
,
wenn
er
sich
in
der
Welt
als
in
einem
großen
,
schönen
,
würdigen
und
werten
Ganzen
fühlt
,
wenn
das
harmonische
Behagen
ihm
ein
reines
,
freies
Entzücken
gewährt
-
dann
würde
das
Weltall
,
wenn
es
sich
selbst
empfinden
könnte
,
als
an
sein
Ziel
gelangt
aufjauchzen
und
den
Gipfel
des
eigenen
Werdens
und
Wesens
bewundern
.
denn
wozu
dient
alle
der
Aufwand
von
Sonnen
und
Planeten
und
Monden
,
von
Sternen
und
Milchstraßen
,
von
Kometen
und
Nebelflecken
,
von
gewordenen
und
werdenden
Welten
,
wenn
sich
nicht
zuletzt
ein
glücklicher
Mensch
unbewußt
seines
Daseins
erfreut
?
wirft
sich
der
Neuere
,
wie
es
uns
eben
jetzt
ergangen
,
fast
bei
jeder
Betrachtung
ins
Unendliche
,
um
zuletzt
,
wenn
es
ihm
glückt
,
auf
einen
beschränkten
Punkt
wieder
zurückzukehren
,
so
fühlten
die
Alten
ohne
weitern
Umweg
sogleich
ihre
einzige
Beharrlichkeit
innerhalb
der
lieblichen
Grenzen
der
schönen
Welt
.
hieher
waren
sie
gesetzt
,
hiezu
berufen
,
hier
fand
ihre
Tätigkeit
Raum
,
ihre
Leidenschaft
Gegenstand
und
Nahrung
.
warum
sind
ihre
Dichter
und
Geschichtschreiber
die
Bewunderung
des
Einsichtigen
,
die
Verzweiflung
des
Nacheifernden
,
als
weil
jene
handelnden
Personen
,
die
aufgeführt
werden
,
an
ihrem
eigenen
Selbst
,
an
dem
engen
Kreise
ihres
Vaterlandes
,
an
der
bezeichneten
Bahn
des
eigenen
sowohl
als
des
mitbürgerlichen
Lebens
einen
so
tiefen
Anteil
nahmen
,
mit
allem
Sinn
,
aller
Neigung
,
aller
Kraft
auf
die
Gegenwart
wirkten
;
daher
es
einem
gleichgesinnten
Darsteller
nicht
schwer
fallen
konnte
,
eine
solche
Gegenwart
zu
verewigen
.
das
,
was
geschah
,
hatte
für
sie
den
einzigen
Wert
,
so
wie
für
uns
nur
dasjenige
,
was
gedacht
oder
empfunden
worden
,
einigen
Wert
zu
gewinnen
scheint
.
nach
einerlei
Weise
lebte
der
Dichter
in
seiner
Einbildungskraft
,
der
Geschichtschreiber
in
der
politischen
,
der
Forscher
in
der
natürlichen
Welt
.
alle
hielten
sich
am
Nächsten
,
Wahren
,
Wirklichen
fest
,
und
selbst
ihre
Phantasiebilder
haben
Knochen
und
Mark
.
der
Mensch
und
das
Menschliche
wurden
am
wertesten
geachtet
,
und
alle
seine
innern
,
seine
äußern
Verhältnisse
zur
Welt
mit
so
großem
Sinne
dargestellt
als
angeschaut
.
noch
fand
sich
das
Gefühl
,
die
Betrachtung
nicht
zerstückelt
,
noch
war
jene
kaum
heilbare
Trennung
in
der
gesunden
Menschenkraft
nicht
vorgegangen
.
aber
nicht
allein
das
Glück
zu
genießen
,
sondern
auch
das
Unglück
zu
ertragen
,
waren
jene
Naturen
höchlich
geschickt
:
denn
wie
die
gesunde
Faser
dem
Übel
widerstrebt
und
bei
jedem
krankhaften
Anfall
sich
eilig
wiederherstellt
,
so
vermag
der
jenen
eigene
gesunde
Sinn
sich
gegen
innern
und
äußern
Unfall
geschwind
und
leicht
wiederherzustellen
.
eine
solche
antike
Natur
war
,
insofern
man
es
nur
von
einem
unsrer
Zeitgenossen
behaupten
kann
,
in
Winckelmann
wieder
erschienen
,
die
gleich
anfangs
ihr
ungeheures
Probestück
ablegte
,
daß
sie
durch
dreißig
Jahre
Niedrigkeit
,
Unbehagen
und
Kummer
nicht
gebändigt
,
nicht
aus
dem
Wege
gerückt
,
nicht
abgestumpft
werden
konnte
.
sobald
er
nur
zu
einer
ihm
gemäßen
Freiheit
gelangte
,
erscheint
er
ganz
und
abgeschlossen
,
völlig
im
antiken
Sinne
.
angewiesen
auf
Tätigkeit
,
Genuß
und
Entbehrung
,
Freude
und
Leid
,
Besitz
und
Verlust
,
Erhebung
und
Erniedrigung
,
und
in
solchem
seltsamen
Wechsel
immer
mit
dem
schönen
Boden
zufrieden
,
auf
dem
uns
ein
so
veränderliches
Schicksal
heimsucht
.
hatte
er
nun
im
Leben
einen
wirklich
altertümlichen
Geist
,
so
blieb
ihm
derselbe
auch
in
seinen
Studien
getreu
.
doch
wenn
bei
Behandlung
der
Wissenschaften
im
Großen
und
Breiten
die
Alten
sich
schon
in
einer
gewissen
peinlichen
Lage
befanden
,
indem
zur
Erfassung
der
mannigfaltigen
und
außermenschlichen
Gegenstände
eine
Zerteilung
der
Kräfte
und
Fähigkeiten
,
eine
Zerstückelung
der
Einheit
fast
unerläßlich
ist
,
so
hat
ein
Neuerer
im
ähnlichen
Falle
ein
noch
gewagteres
Spiel
,
indem
er
bei
der
einzelnen
Ausarbeitung
des
mannigfaltigen
Wißbaren
sich
zu
zerstreuen
,
in
zusammenhängenden
Kenntnissen
sich
zu
verlieren
in
Gefahr
kömmt
,
ohne
,
wie
es
den
Alten
glückte
,
das
Unzulängliche
durch
das
Vollständige
seiner
Persönlichkeit
zu
vergüten
.
so
vielfach
Winckelmann
auch
in
dem
Wißbaren
und
Wissenswerten
herumschweifte
,
teils
durch
Lust
und
Liebe
,
teils
durch
Notwendigkeit
geleitet
,
so
kam
er
doch
früher
oder
später
immer
zum
Altertum
,
besonders
zum
griechischen
,
zurück
,
mit
dem
er
sich
so
nahe
verwandt
fühlte
und
mit
dem
er
sich
in
seinen
besten
Tagen
so
glücklich
vereinigen
sollte
.
Heidnisches
.
jene
Schilderung
des
altertümlichen
,
auf
diese
Welt
und
ihre
Güter
angewiesenen
Sinnes
führt
uns
unmittelbar
zur
Betrachtung
,
daß
dergleichen
Vorzüge
nur
mit
einem
heidnischen
Sinne
vereinbar
seien
.
jenes
Vertrauen
auf
sich
selbst
,
jenes
Wirken
in
der
Gegenwart
,
die
reine
Verehrung
der
Götter
als
Ahnherren
,
die
Bewunderung
derselben
gleichsam
nur
als
Kunstwerke
,
die
Ergebenheit
in
ein
übermächtiges
Schicksal
,
die
in
dem
hohen
Werte
des
Nachruhms
selbst
wieder
auf
diese
Welt
angewiesene
Zukunft
gehören
so
notwendig
zusammen
,
machen
solch
ein
unzertrennliches
Ganze
,
bilden
sich
zu
einem
von
der
Natur
selbst
beabsichtigten
Zustand
des
menschlichen
Wesens
,
daß
wir
in
dem
höchsten
Augenblicke
des
Genusses
wie
in
dem
tiefsten
der
Aufopferung
,
ja
des
Untergangs
eine
unverwüstliche
Gesundheit
gewahr
werden
.
dieser
heidnische
Sinn
leuchtet
aus
Winckelmanns
Handlungen
und
Schriften
hervor
und
spricht
sich
besonders
in
seinen
frühern
Briefen
aus
,
wo
er
sich
noch
im
Konflikt
mit
neuern
Religionsgesinnungen
abarbeitet
.
diese
seine
Denkweise
,
diese
Entfernung
von
aller
christlichen
Sinnesart
,
ja
seinen
Widerwillen
dagegen
muß
man
in
Auge
haben
,
wenn
man
seine
sogenannte
Religionsveränderung
beurteilen
will
.
diejenigen
Parteien
,
in
welche
sich
die
christliche
Religion
teilt
,
waren
ihm
völlig
gleichgültig
,
indem
er
,
seiner
Natur
nach
,
niemals
zu
einer
der
Kirchen
gehörte
,
welche
sich
ihr
subordinieren
.
Freundschaft
.
waren
jedoch
die
Alten
,
so
wie
wir
von
ihnen
rühmen
,
wahrhaft
ganze
Menschen
,
so
mußten
sie
,
indem
sie
sich
selbst
und
die
Welt
behaglich
empfanden
,
die
Verbindungen
menschlicher
Wesen
in
ihrem
ganzen
Umfange
kennen
lernen
;
sie
durften
jenes
Entzückens
nicht
ermangeln
,
das
aus
der
Verbindung
ähnlicher
Naturen
hervorspringt
.
auch
hier
zeigt
sich
ein
merkwürdiger
Unterschied
alter
und
neuer
Zeit
.
das
Verhältnis
zu
den
Frauen
,
das
bei
uns
so
zart
und
geistig
geworden
,
erhob
sich
kaum
über
die
Grenze
des
gemeinsten
Bedürfnisses
.
das
Verhältnis
der
Eltern
zu
den
Kindern
scheint
einigermaßen
zarter
gewesen
zu
sein
.
statt
aller
Empfindungen
aber
galt
ihnen
die
Freundschaft
unter
Personen
männlichen
Geschlechts
,
obgleich
auch
Chloris
und
Thyia
noch
im
Hades
als
Freundinnen
unzertrennlich
sind
.
die
leidenschaftliche
Erfüllung
liebevoller
Pflichten
,
die
Wonne
der
Unzertrennlichkeit
,
die
Hingebung
eines
für
den
andern
,
die
ausgesprochene
Bestimmung
für
das
ganze
Leben
,
die
notwendige
Begleitung
in
den
Tod
setzen
uns
bei
Verbindung
zweier
Jünglinge
in
Erstaunen
,
ja
man
fühlt
sich
beschämt
,
wenn
uns
Dichter
,
Geschichtschreiber
,
Philosophen
,
Redner
mit
Fabeln
,
Ereignissen
,
Gefühlen
,
Gesinnungen
solchen
Inhaltes
und
Gehaltes
überhäufen
.
zu
einer
Freundschaft
dieser
Art
fühlte
Winckelmann
sich
geboren
,
derselben
nicht
allein
sich
fähig
,
sondern
auch
im
höchsten
Grade
bedürftig
;
er
empfand
sein
eigenes
Selbst
nur
unter
der
Form
der
Freundschaft
,
er
erkannte
sich
nur
unter
dem
Bilde
des
durch
einen
Dritten
zu
vollendenden
Ganzen
.
frühe
schon
legte
er
dieser
Idee
einen
vielleicht
unwürdigen
Gegenstand
unter
,
er
widmete
sich
ihm
,
für
ihn
zu
leben
und
zu
leiden
;
für
denselben
fand
er
selbst
in
seiner
Armut
Mittel
reich
zu
sein
,
zu
geben
,
aufzuopfern
,
ja
er
zweifelt
nicht
,
sein
Dasein
,
sein
Leben
zu
verpfänden
.
hier
ist
es
,
wo
sich
Winckelmann
selbst
mitten
in
Druck
und
Not
groß
,
reich
,
freigebig
und
glücklich
fühlt
,
weil
er
dem
etwas
leisten
kann
,
den
er
über
alles
liebt
,
ja
dem
er
sogar
,
als
höchste
Aufopferung
,
Undankbarkeit
zu
verzeihen
hat
.
wie
auch
die
Zeiten
und
Zustände
wechseln
,
so
bildet
Winckelmann
alles
Würdige
,
was
ihm
naht
,
nach
dieser
Urform
zu
seinem
Freund
um
,
und
wenn
ihm
gleich
manches
von
diesen
Gebilden
leicht
und
bald
vorüberschwindet
,
so
erwirbt
ihm
doch
diese
schöne
Gesinnung
das
Herz
manches
Trefflichen
,
und
er
hat
das
Glück
,
mit
den
Besten
seines
Zeitalters
und
Kreises
in
dem
schönsten
Verhältnisse
zu
stehen
.
Schönheit
.
wenn
aber
jenes
tiefe
Freundschaftsbedürfnis
sich
eigentlich
seinen
Gegenstand
erschafft
und
ausbildet
,
so
würde
dem
altertümlich
Gesinnten
dadurch
nur
ein
einseitiges
,
ein
sittliches
Wohl
zuwachsen
,
die
äußere
Welt
würde
ihm
wenig
leisten
,
wenn
nicht
ein
verwandtes
,
gleiches
Bedürfnis
und
ein
befriedigender
Gegenstand
desselben
glücklich
hervorträte
;
wir
meinen
die
Forderung
des
sinnlich
Schönen
und
das
sinnlich
Schöne
selbst
:
denn
das
letzte
Produkt
der
sich
immer
steigernden
Natur
ist
der
schöne
Mensch
.
zwar
kann
sie
ihn
nur
selten
hervorbringen
,
weil
ihren
Ideen
gar
viele
Bedingungen
widerstreben
,
und
selbst
ihrer
Allmacht
ist
es
unmöglich
,
lange
im
Vollkommnen
zu
verweilen
und
dem
hervorgebrachten
Schönen
eine
Dauer
zu
geben
.
denn
genau
genommen
kann
man
sagen
,
es
sei
nur
ein
Augenblick
,
in
welchem
der
schöne
Mensch
schön
sei
.
dagegen
tritt
nun
die
Kunst
ein
:
denn
indem
der
Mensch
auf
den
Gipfel
der
Natur
gestellt
ist
,
so
sieht
er
sich
wieder
als
eine
ganze
Natur
an
,
die
in
sich
abermals
einen
Gipfel
hervorzubringen
hat
.
dazu
steigert
er
sich
,
indem
er
sich
mit
allen
Vollkommenheiten
und
Tugenden
durchdringt
,
Wahl
,
Ordnung
,
Harmonie
und
Bedeutung
aufruft
und
sich
endlich
bis
zur
Produktion
des
Kunstwerkes
erhebt
,
das
neben
seinen
übrigen
Taten
und
Werken
einen
glänzenden
Platz
einnimmt
.
ist
es
einmal
hervorgebracht
,
steht
es
in
seiner
idealen
Wirklichkeit
vor
der
Welt
,
so
bringt
es
eine
dauernde
Wirkung
,
es
bringt
die
höchste
hervor
:
denn
indem
es
aus
den
gesamten
Kräften
sich
geistig
entwickelt
,
so
nimmt
es
alles
Herrliche
,
Verehrungs-
und
Liebenswürdige
in
sich
auf
und
erhebt
,
indem
es
die
menschliche
Gestalt
beseelt
,
den
Menschen
über
sich
selbst
,
schließt
seinen
Lebens-
und
Tatenkreis
ab
und
vergöttert
ihn
für
die
Gegenwart
,
in
der
das
Vergangene
und
Künftige
begriffen
ist
.
von
solchen
Gefühlen
wurden
die
ergriffen
,
die
den
olympischen
Jupiter
erblickten
,
wie
wir
aus
den
Beschreibungen
,
Nachrichten
und
Zeugnissen
der
Alten
uns
entwickeln
können
.
der
Gott
war
zum
Menschen
geworden
,
um
den
Menschen
zum
Gott
zu
erheben
.
man
erblickte
die
höchste
Würde
und
ward
für
die
höchste
Schönheit
begeistert
.
in
diesem
Sinne
kann
man
wohl
jenen
Alten
recht
geben
,
welche
mit
völliger
Überzeugung
aussprachen
:
es
sei
ein
Unglück
,
zu
sterben
,
ohne
dieses
Werk
gesehen
zu
haben
.
für
diese
Schönheit
war
Winckelmann
,
seiner
Natur
nach
,
fähig
,
er
ward
sie
in
den
Schriften
der
Alten
zuerst
gewahr
;
aber
sie
kam
ihm
aus
den
Werken
der
bildenden
Kunst
persönlich
entgegen
,
aus
denen
wir
sie
erst
kennen
lernen
,
um
sie
an
den
Gebilden
der
lebendigen
Natur
gewahr
zu
werden
und
zu
schätzen
.
finden
nun
beide
Bedürfnisse
der
Freundschaft
und
der
Schönheit
zugleich
an
einem
Gegenstande
Nahrung
,
so
scheint
das
Glück
und
die
Dankbarkeit
des
Menschen
über
alle
Grenzen
hinauszusteigen
,
und
alles
,
was
er
besitzt
,
mag
er
so
gern
als
schwache
Zeugnisse
seiner
Anhänglichkeit
und
seiner
Verehrung
hingeben
.
so
finden
wir
Winckelmann
oft
in
Verhältnis
mit
schönen
Jünglingen
,
und
niemals
erscheint
er
belebter
und
liebenswürdiger
als
in
solchen
oft
nur
flüchtigen
Augenblicken
.
Katholizismus
.
mit
solchen
Gesinnungen
,
mit
solchen
Bedürfnissen
und
Wünschen
frönte
Winckelmann
lange
Zeit
fremden
Zwecken
.
nirgend
um
sich
her
sah
er
die
mindeste
Hoffnung
zu
Hülfe
und
Beistand
.
der
Graf
Bünau
,
der
als
Particulier
nur
ein
bedeutendes
Buch
weniger
hätte
kaufen
dürfen
,
um
Winckelmann
einen
Weg
nach
Rom
zu
eröffnen
,
der
als
Minister
Einfluß
genug
hatte
,
dem
trefflichen
Mann
aus
aller
Verlegenheit
zu
helfen
,
mochte
ihn
wahrscheinlich
als
tätigen
Diener
nicht
gern
entbehren
oder
hatte
keinen
Sinn
für
das
große
Verdienst
,
der
Welt
einen
tüchtigen
Mann
zugefördert
zu
haben
.
der
Dresdner
Hof
,
woher
allenfalls
eine
hinlängliche
Unterstützung
zu
hoffen
war
,
bekannte
sich
zur
römischen
Kirche
,
und
kaum
war
ein
anderer
Weg
,
zu
Gunst
und
Gnade
zu
gelangen
,
als
durch
Beichtväter
und
andre
geistliche
Personen
.
der
Beispiel
des
Fürsten
wirkt
mächtig
um
sich
her
und
fordert
mit
heimlicher
Gewalt
jeden
Staatsbürger
zu
ähnlichen
Handlungen
auf
,
die
in
dem
Kreise
des
Privatmanns
irgend
zu
leisten
sind
,
vorzüglich
also
zu
sittlichen
.
die
Religion
des
Fürsten
bleibt
,
in
gewissem
Sinne
,
immer
die
herrschende
,
und
die
römische
Religion
reißt
,
gleich
einem
immer
bewegten
Strudel
,
die
ruhig
vorbeiziehende
Welle
an
sich
und
in
ihren
Kreis
.
dabei
mußte
Winckelmann
fühlen
,
daß
man
,
um
in
Rom
ein
Römer
zu
sein
,
um
sich
innig
mit
dem
dortigen
Dasein
zu
verweben
,
eines
zutraulichen
Umgangs
zu
genießen
,
notwendig
zu
jener
Gemeine
sich
bekennen
,
ihren
Glauben
zugeben
,
sich
nach
ihren
Gebräuchen
bequemen
müsse
.
und
so
zeigte
der
Erfolg
,
daß
er
ohne
diesen
früheren
Entschluß
seinen
Zweck
nicht
vollständig
erreicht
hätte
;
und
dieser
Entschluß
ward
ihm
dadurch
gar
sehr
erleichtert
,
daß
ihn
,
als
einen
gründlich
gebornen
Heiden
,
die
protestantische
Taufe
zum
Christen
einzuweihen
nicht
vermögend
gewesen
.
doch
gelang
ihm
die
Veränderung
seines
Zustandes
nicht
ohne
heftigen
Kampf
.
wir
können
nach
unserer
Überzeugung
,
nach
genugsam
abgewogenen
Gründen
endlich
einen
Entschluß
fassen
,
der
mit
unserm
Wollen
,
Wünschen
und
Bedürfnissen
völlig
harmonisch
ist
,
ja
zu
Erhaltung
und
Förderung
unserer
Existenz
unausweichlich
scheint
,
so
daß
wir
mit
uns
völlig
zur
Einigkeit
gelangen
.
ein
solcher
Entschluß
aber
kann
mit
der
allgemeinen
Denkweise
,
mit
der
Überzeugung
vieler
Menschen
im
Widerspruch
stehen
;
dann
beginnt
ein
neuer
Streit
,
der
zwar
bei
uns
keine
Ungewißheit
,
aber
eine
Unbehaglichkeit
erregt
,
einen
ungeduldigen
Verdruß
,
daß
wir
nach
außen
hie
und
da
Brüche
finden
,
wo
wir
nach
innen
eine
ganze
Zahl
zu
sehen
glauben
.
und
so
erscheint
auch
Winckelmann
bei
seinem
vorgehabten
Schritt
besorgt
,
ängstlich
,
kummervoll
und
in
leidenschaftlicher
Bewegung
,
wenn
er
sich
die
Wirkung
dieses
Unternehmens
,
besonders
auf
seinen
ersten
Gönner
,
den
Grafen
,
bedenkt
.
wie
schön
,
tief
und
rechtlich
sind
seine
vertraulichen
Äußerungen
über
diesen
Punkt
!
denn
es
bleibt
freilich
ein
jeder
,
der
die
Religion
verändert
,
mit
einer
Art
von
Makel
bespritzt
,
von
der
es
unmöglich
scheint
ihn
zu
reinigen
.
wir
sehen
daraus
,
daß
die
Menschen
den
beharrenden
Willen
über
alles
zu
schätzen
wissen
und
um
so
mehr
schätzen
,
als
sie
,
sämtlich
in
Parteien
geteilt
,
ihre
eigene
Sicherheit
und
Dauer
beständig
im
Auge
haben
.
hier
ist
weder
von
Gefühl
noch
von
Überzeugung
die
Rede
.
ausdauern
soll
man
da
,
wo
uns
mehr
das
Geschick
als
die
Wahl
hingestellt
.
bei
einem
Volke
,
einer
Stadt
,
einem
Fürsten
,
einem
Freunde
,
einem
Weibe
festhalten
,
darauf
alles
beziehen
,
deshalb
alles
wirken
,
alles
entbehren
und
dulden
,
das
wird
geschätzt
;
Abfall
dagegen
bleibt
verhaßt
,
Wankelmut
wird
lächerlich
.
war
dieses
nun
die
eine
schroffe
,
sehr
ernste
Seite
,
so
läßt
sich
die
Sache
auch
von
einer
andern
ansehn
,
von
der
man
sie
heiterer
und
leichter
nehmen
kann
.
gewisse
Zustände
des
Menschen
,
die
wir
keinesweges
billigen
,
gewisse
sittliche
Flecken
an
dritten
Personen
haben
für
unsre
Phantasie
einen
besondern
Reiz
.
will
man
uns
ein
Gleichnis
erlauben
,
so
möchten
wir
sagen
:
es
ist
damit
wie
mit
dem
Wildbret
,
das
dem
feinen
Gaumen
mit
einer
kleinen
Andeutung
von
Fäulnis
weit
besser
als
frisch
gebraten
schmeckt
.
eine
geschiedene
Frau
,
ein
Renegat
machen
auf
uns
einen
besonders
reizenden
Eindruck
.
Personen
,
die
uns
sonst
vielleicht
nur
merkwürdig
und
liebenswürdig
vorkämen
,
erscheinen
nun
als
wundersam
,
und
es
ist
nicht
zu
leugnen
,
daß
die
Religionsveränderung
Winckelmanns
das
Romantische
seines
Lebens
und
Wesens
vor
unserer
Einbildungskraft
merklich
erhöht
.
aber
für
Winckelmann
selbst
hatte
die
katholische
Religion
nichts
Anzügliches
.
er
sah
in
ihr
bloß
das
Maskenkleid
,
das
er
umnahm
,
und
drückt
sich
darüber
hart
genug
aus
.
auch
später
scheint
er
an
ihren
Gebräuchen
nicht
genugsam
festgehalten
,
ja
vielleicht
gar
durch
lose
Reden
sich
bei
eifrigen
Bekennern
verdächtig
gemacht
zu
haben
;
wenigstens
ist
hie
und
da
eine
kleine
Furcht
vor
der
Inquisition
sichtbar
.
Gewahrwerden
griechischer
Kunst
.
von
allem
Literarischen
,
ja
selbst
von
dem
Höchsten
,
was
sich
mit
Wort
und
Sprache
beschäftigt
,
von
Poesie
und
Rhetorik
,
zu
den
bildenden
Künsten
überzugehen
,
ist
schwer
,
ja
fast
unmöglich
:
denn
es
liegt
eine
ungeheure
Kluft
dazwischen
,
über
welche
uns
nur
ein
besonders
geeignetes
Naturell
hinüberhebt
.
um
zu
beurteilen
,
inwiefern
dieses
Winckelmann
gelungen
,
liegen
der
Dokumente
nunmehr
genugsam
vor
uns
.
durch
die
Freude
des
Genusses
ward
er
zuerst
zu
den
Kunstschätzen
hingezogen
;
allein
zu
Benutzung
,
zu
Beurteilung
derselben
bedurfte
er
noch
der
Künstler
als
Mittelspersonen
,
deren
mehr
oder
weniger
gültige
Meinungen
er
aufzufassen
,
zu
redigieren
und
aufzustellen
wußte
,
woraus
denn
seine
noch
in
Dresden
herausgegebene
Schrift
über
die
Nachahmung
der
griechischen
Werke
in
der
Malerei
und
Bildhauerkunst
,
nebst
zwei
Anhängen
,
entstanden
ist
.
so
sehr
Winckelmann
schon
hier
auf
dem
rechten
Wege
erscheint
,
so
köstliche
Grundstellen
diese
Schriften
auch
enthalten
,
so
richtig
das
letzte
Ziel
der
Kunst
darin
schon
aufgesteckt
ist
,
so
sind
sie
doch
,
sowohl
dem
Stoff
als
der
Form
nach
,
dergestalt
barock
und
wunderlich
,
daß
man
ihnen
wohl
vergebens
durchaus
einen
Sinn
abzugewinnen
suchen
möchte
,
wenn
man
nicht
von
der
Persönlichkeit
der
damals
in
Sachsen
versammelten
Kenner
und
Kunstrichter
,
von
ihren
Fähigkeiten
,
Meinungen
,
Neigungen
und
Grillen
näher
unterrichtet
ist
;
weshalb
diese
Schriften
für
die
Nachkommenden
ein
verschlossenes
Buch
bleiben
werden
,
wenn
sich
nicht
unterrichtete
Liebhaber
der
Kunst
,
die
jenen
Zeiten
näher
gelebt
haben
,
bald
entschließen
sollten
,
eine
Schilderung
der
damaligen
Zustände
,
insofern
es
noch
möglich
ist
,
zu
geben
oder
zu
veranlassen
.
Lippert
,
Hagedorn
,
Oeser
,
Dietrich
,
Heinecke
,
Österreich
liebten
,
trieben
,
beförderten
die
Kunst
,
jeder
auf
seine
Weise
.
Zwecke
waren
beschränkt
,
ihre
Maximen
einseitig
,
ja
öfters
wunderlich
.
Geschichten
und
Anekdoten
kursierten
,
deren
mannigfaltige
Anwendung
nicht
allein
die
Gesellschaft
unterhalten
,
sondern
auch
belehren
sollte
.
aus
solchen
Elementen
entstanden
jene
Schriften
Winckelmanns
,
der
diese
Arbeiten
gar
bald
selbst
unzulänglich
fand
,
wie
er
es
denn
auch
seinen
Freunden
nicht
verhehlte
.
doch
trat
er
endlich
,
wo
nicht
genugsam
vorbereitet
,
doch
einigermaßen
vorgeübt
,
seinen
Weg
an
und
gelangte
nach
jenem
Lande
,
wo
für
jeden
Empfänglichen
die
eigenste
Bildungsepoche
beginnt
,
welche
sich
über
dessen
ganzes
Wesen
verbreitet
und
solche
Wirkungen
äußert
,
die
ebenso
als
ein
festes
Band
zwischen
höchst
verschiedenen
Menschen
kräftig
erweisen
.
Rom
.
Winckelmann
war
nun
in
Rom
,
und
wer
konnte
würdiger
sein
,
die
Wirkung
zu
fühlen
,
die
jener
große
Zustand
auf
eine
wahrhaft
empfängliche
Natur
hervorzubringen
imstande
ist
.
er
sieht
seine
Wünsche
erfüllt
,
sein
Glück
begründet
,
seine
Hoffnungen
überbefriedigt
.
verkörpert
stehn
seine
Ideen
um
ihn
her
,
mit
Staunen
wandert
er
durch
die
Reste
eines
Riesenzeitalters
;
das
Herrlichste
,
was
die
Kunst
hervorgebracht
hat
,
steht
unter
freiem
Himmel
;
unentgeltlich
wie
zu
den
Sternen
des
Firmaments
wendet
er
seine
Augen
zu
solchen
Wunderwerken
empor
,
und
jeder
verschlossene
Schatz
öffnet
sich
für
eine
kleine
Gabe
.
der
Ankömmling
schleicht
wie
ein
Pilgrim
unbemerkt
umher
,
dem
Herrlichsten
und
Heiligsten
naht
er
sich
in
unscheinbarem
Gewand
;
noch
läßt
er
nichts
Einzelnes
auf
sich
eindringen
,
das
Ganze
wirkt
auf
ihn
unendlich
mannigfaltig
,
und
schon
fühlt
er
die
Harmonie
voraus
,
die
aus
diesen
vielen
oft
feindselig
scheinenden
Elementen
zuletzt
für
ihn
entstehen
muß
.
er
beschaut
,
er
betrachtet
alles
und
wird
,
auf
daß
ja
sein
Behagen
vollkommener
werde
,
für
einen
Künstler
gehalten
,
für
den
man
denn
doch
am
Ende
so
gerne
gelten
mag
.
wie
uns
ein
Freund
die
mächtige
Wirkung
,
welche
jener
Zustand
ausübt
,
geistvoll
entwickelte
,
teilen
wir
unsern
Lesern
statt
aller
weitern
Betrachtungen
mit
.
"
Rom
ist
der
Ort
,
in
dem
sich
für
unsere
Ansicht
das
ganze
Altertum
in
Eins
zusammenzieht
,
und
was
wir
also
bei
den
alten
Dichtern
,
bei
den
alten
Staatsverfassungen
empfinden
,
glauben
wir
in
Rom
mehr
noch
als
zu
empfinden
,
selbst
anzuschauen
.
wie
Homer
sich
nicht
mit
andern
Dichtern
,
so
läßt
sich
Rom
mit
keiner
andern
Stadt
,
römische
Gegend
mit
keiner
andern
vergleichen
.
es
gehört
allerdings
das
meiste
von
diesem
Eindruck
uns
und
nicht
dem
Gegenstande
;
aber
es
ist
nicht
bloß
der
empfindelnde
Gedanke
,
zu
stehen
,
wo
dieser
oder
jener
große
Mann
stand
,
es
ist
ein
gewaltsames
Hinreißen
in
eine
von
uns
nun
einmal
,
sei
es
auch
durch
eine
notwendige
Täuschung
,
als
edler
und
erhabener
angesehene
Vergangenheit
;
eine
Gewalt
,
der
selbst
,
wer
wollte
,
nicht
widerstehen
kann
,
weil
die
Öde
,
in
der
die
jetzigen
Bewohner
das
Land
lassen
,
und
die
unglaubliche
Masse
von
Trümmern
selbst
das
Auge
dahin
führen
.
und
da
nun
diese
Vergangenheit
dem
innern
Sinne
in
einer
Größe
erscheint
,
die
allen
Neid
ausschließt
,
an
der
man
sich
überglücklich
fühlt
nur
mit
der
Phantasie
tzunehmen
,
ja
an
der
keine
andre
Teilnahme
nur
denkbar
ist
,
und
dann
den
äußern
Sinn
zugleich
die
Lieblichkeit
der
Formen
,
die
Größe
und
Einfachheit
der
Gestalten
,
der
Reichtum
der
Vegetation
,
die
doch
wieder
nicht
üppig
ist
wie
in
noch
südlichen
Gegenden
,
die
Bestimmtheit
der
Umrisse
in
dem
klaren
Medium
und
die
Schönheit
der
Farben
in
durchgängige
Klarheit
versetzt
-
so
ist
hier
der
Naturgenuß
reiner
,
von
aller
Bedürftigkeit
entfernter
Kunstgenuß
.
überall
sonst
reihen
sich
Ideen
des
Kontrastes
daran
,
und
er
wird
elegisch
oder
satirisch
.
freilich
indes
ist
es
auch
nur
für
uns
so
.
Horaz
empfand
Tibur
moderner
als
wir
Itvoli
.
das
beweist
sein
Beatus
ille
,
qui
procul
negotiis
.
aber
es
ist
auch
nur
eine
Täuschung
,
wenn
wir
selbst
Bewohner
Athens
und
Roms
zu
sein
wünschten
.
nur
aus
der
Ferne
,
nur
von
allem
Gemeinen
getrennt
,
nur
als
vergangen
muß
das
Altertum
uns
erscheinen
.
es
geht
damit
wie
wenigstens
mir
und
einem
Freunde
mit
den
Ruinen
:
wir
haben
immer
einen
Ärger
,
wenn
man
eine
halb
versunkene
ausgräbt
;
es
kann
höchstens
ein
Gewinn
für
die
Gelehrsamkeit
auf
Kosten
der
Phantasie
sein
.
ich
kenne
für
mich
nur
noch
zwei
gleich
schreckliche
Dinge
:
wenn
man
die
Campagna
di
Roma
anbauen
und
Rom
zu
einer
polizierten
Stadt
machen
wollte
,
in
der
kein
Mensch
mehr
Messer
trüge
.
kommt
je
ein
so
ordentlicher
Papst
,
was
denn
die
72
Kardinäle
verhüten
mögen
,
so
ziehe
ich
aus
.
nur
wenn
in
Rom
eine
so
göttliche
Anarchie
und
um
Rom
eine
so
himmlische
Wüstenei
ist
,
bleibt
für
die
Schatten
Platz
,
deren
einer
mehr
wert
ist
als
dies
ganze
Geschlecht
"
.
Mengs
.
aber
Winckelmann
hätte
lange
Zeit
in
den
weiten
Kreisen
altertümlicher
Überbleibsel
nach
den
wertesten
,
seiner
Betrachtung
würdigsten
Gegenständen
umhergetastet
,
hätte
das
Glück
ihn
nicht
sogleich
mit
Mengs
zusammengebracht
.
dieser
,
dessen
eigenes
großes
Talent
auf
die
alten
und
besonders
die
schönen
Kunstwerke
gerichtet
war
,
machte
seinen
Freund
sogleich
mit
dem
Vorzüglichsten
bekannt
,
was
unserer
Aufmerksamkeit
wert
ist
.
hier
lernte
dieser
die
Schönheit
der
Formen
und
ihrer
Behandlung
kennen
und
sah
sich
sogleich
aufgeregt
,
eine
Schrift
vom
Geschmack
der
griechischen
Künstler
zu
unternehmen
.
wie
man
aber
nicht
lange
mit
Kunstwerken
aufmerksam
umgehen
kann
,
ohne
zu
finden
,
daß
sie
nicht
allein
von
verschiedenen
Künstlern
,
sondern
auch
aus
verschiedenen
Zeiten
herrühren
und
daß
sämtliche
Betrachtungen
des
Ortes
,
des
Zeitalters
,
des
individuellen
Verdienstes
zugleich
angestellt
werden
müssen
,
also
fand
auch
Winckelmann
mit
seinem
Geradsinne
,
daß
hier
die
Achse
der
ganzen
Kunstkenntnis
befestigt
sei
.
er
hielt
sich
zuerst
an
das
Höchste
,
das
er
in
einer
Abhandlung
von
dem
Stile
der
Bildhauerei
in
den
Zeiten
des
Phidias
darzustellen
gedachte
.
doch
bald
erhob
er
sich
über
die
Einzelheiten
zu
der
Idee
einer
Geschichte
der
Kunst
und
entdeckte
,
als
ein
neuer
Kolumbus
,
ein
lange
geahndetes
,
gedeutetes
und
besprochenes
,
ja
man
kann
sagen
ein
früher
schon
gekanntes
und
wieder
verlornes
Land
.
traurig
ist
immer
die
Betrachtung
,
wie
erst
durch
die
Römer
,
nachher
durch
das
Eindrängen
nordischer
Völker
und
durch
die
daraus
entstandene
Verwirrung
das
Menschengeschlecht
in
eine
solche
Lage
gekommen
,
daß
alle
wahre
,
reine
Bildung
in
ihren
Fortschritten
für
lange
Zeit
gehindert
,
ja
beinahe
für
alle
Zukunft
unmöglich
gemacht
worden
.
man
mag
in
eine
Kunst
oder
Wissenschaft
hineinblicken
,
in
welche
man
will
,
so
hatte
der
gerade
,
richtige
Sinn
dem
alten
Beobachter
schon
manches
entdeckt
,
was
durch
die
folgende
Barbarei
und
durch
die
barbarische
Art
,
sich
aus
der
Barbarei
zu
retten
,
ein
Geheimnis
ward
,
blieb
und
für
die
Menge
noch
lange
ein
Geheimnis
bleiben
wird
,
da
die
höhere
Kultur
der
neuern
Zeit
nur
langsam
ins
Allgemeine
wirken
kann
.
vom
Technischen
ist
hier
die
Rede
nicht
,
dessen
sich
glücklicherweise
das
Menschengeschlecht
bedient
,
ohne
zu
fragen
,
woher
es
komme
und
wohin
es
führe
.
zu
diesen
Betrachtungen
werden
wir
durch
einige
Stellen
alter
Autoren
veranlaßt
,
wo
sich
schon
Ahndungen
,
ja
sogar
Andeutungen
einer
möglichen
und
notwendigen
Kunstgeschichte
finden
.
Vellejus
Paterculus
bemerkt
mit
großem
Anteil
das
ähnliche
Steigen
und
Fallen
aller
Künste
.
ihn
als
Weltmann
beschäftigte
besonders
die
Betrachtung
,
daß
sie
sich
nur
kurze
Zeit
auf
dem
höchsten
Punkte
,
den
sie
erreichen
können
,
zu
erhalten
wissen
.
auf
seinem
Standorte
war
es
ihm
nicht
gegeben
,
die
ganze
Kunst
als
ein
Lebendiges
anzusehen
,
das
einen
unmerklichen
Ursprung
,
einen
langsamen
Wachstum
,
einen
glänzenden
Augenblick
seiner
Vollendung
,
eine
stufenfällige
Abnahme
,
wie
jedes
andre
organische
Wesen
,
nur
in
mehreren
Individuen
,
notwendig
darstellen
muß
.
er
gibt
daher
nur
sittliche
Ursachen
an
,
die
freilich
als
mitwirkend
nicht
ausgeschlossen
werden
können
,
seinem
großen
Scharfsinn
aber
nicht
genugtun
,
weil
er
wohl
fühlt
,
daß
eine
Notwendigkeit
hier
im
Spiel
ist
,
die
sich
aus
freien
Elementen
nicht
zusammensetzen
läßt
.
"
daß
wir
den
Rednern
es
auch
den
Grammatikern
,
Malern
und
Bildhauern
gegangen
,
wird
jeder
finden
,
der
die
Zeugnisse
der
Zeiten
verfolgt
;
durchaus
wird
die
Vortrefflichkeit
der
Kunst
von
dem
engsten
Zeitraume
umschlossen
.
warum
nun
mehrere
ähnliche
,
fähige
Menschen
sich
in
einem
gewissen
Jahreskreis
zziehen
und
sich
zu
gleicher
Kunst
und
deren
Beförderung
versammeln
,
bedenke
ich
immer
,
ohne
die
Ursachen
zu
entdecken
,
die
ich
als
wahr
angeben
möchte
.
unter
den
wahrscheinlichen
sind
mir
folgende
die
wichtigsten
.
Nacheiferung
nährt
die
Talente
;
bald
reizt
der
Neid
,
bald
die
Bewunderung
zur
Nachahmung
,
und
schnell
erhebt
sich
das
mit
so
großem
Fleiß
Geförderte
auf
die
höchste
Stelle
.
schwer
verweilt
sich's
im
Vollkommenen
,
und
was
nicht
vorwärts
gehen
kann
,
schreitet
zurück
.
und
so
sind
wir
anfangs
unsern
Vordermännern
nachzukommen
bemüht
;
dann
aber
,
wenn
wir
sie
zu
übertreffen
oder
zu
erreichen
verzweifeln
,
veraltet
der
Fleiß
mit
der
Hoffnung
,
und
was
man
nicht
erlangen
kann
,
verfolgt
man
nicht
mehr
,
man
strebt
nicht
mehr
nach
dem
Besitz
,
den
andre
schon
ergriffen
,
man
späht
nach
etwas
Neuem
,
und
so
lassen
wir
das
,
worin
wir
nicht
glänzen
können
,
fahren
und
suchen
für
unser
Streben
ein
ander
Ziel
.
aus
dieser
Unbeständigkeit
,
wie
mich
dünkt
,
entsteht
das
größte
Hindernis
,
vollkommene
Werke
hervorzubringen
"
.
auch
eine
Stelle
Quintilians
,
die
einen
bündigen
Entwurf
der
alten
Kunstgeschichte
enthält
,
verdient
als
ein
wichtiges
Denkmal
in
diesem
Fache
ausgezeichnet
zu
werden
.
Quintilian
mag
gleichfalls
,
bei
Unterhaltung
mit
römischen
Kunstliebhabern
,
eine
auffallende
Ähnlichkeit
zwischen
dem
Charakter
der
griechischen
bildenden
Künstler
mit
dem
der
römischen
Redner
gefunden
und
sich
bei
Kennern
und
Kunstfreunden
deshalb
näher
unterrichtet
haben
,
so
daß
er
bei
seiner
gleichnisweisen
Aufstellung
,
da
jedesmal
der
Kunstcharakter
mit
dem
Zeitcharakter
zusammenfällt
,
ohne
es
zu
wissen
oder
zu
wollen
,
eine
Kunstgeschichte
selbst
darzustellen
genötigt
ist
.
"
man
sagt
,
die
ersten
berühmten
Maler
,
deren
Werke
man
nicht
bloß
des
Altertums
wegen
besucht
,
seien
Polygnot
und
Aglaophon
.
ihr
einfaches
Kolorit
findet
noch
eifrige
Liebhaber
,
welche
dergleichen
rohe
Arbeiten
und
Anfänge
einer
sich
entwickelnden
Kunst
den
größten
Meistern
der
folgenden
Zeit
vorziehen
,
wie
mich
dünkt
,
nach
einer
eigenen
Sinnesweise
.
nachher
haben
Zeuxis
und
Parrhasius
,
die
nicht
weit
auseinander
lebten
,
beide
ungefähr
um
die
Zeit
des
Peloponnesischen
Kriegs
,
die
Kunst
sehr
befördert
.
der
erste
soll
die
Gesetze
des
Lichtes
und
Schattens
erfunden
,
der
andre
aber
sich
auf
genaue
Untersuchung
der
Linien
eingelassen
haben
.
ferner
gab
Zeuxis
den
Gliedern
mehr
Inhalt
und
machte
sie
völliger
und
ansehnlicher
.
er
folgte
hierin
,
wie
man
glaubt
,
dem
Homer
,
welchem
die
gewaltige
Form
auch
an
den
Weibern
gefällt
.
Parrhasius
aber
bestimmte
alles
dergestalt
,
daß
sie
ihn
den
Gesetzgeber
nennen
,
weil
die
Vorbilder
von
Göttern
und
Helden
,
wie
er
sie
überliefert
hat
,
von
andern
als
nötigend
befolgt
und
beibehalten
werden
.
so
blühte
die
Malerei
um
die
Zeit
des
Philippus
bis
zu
den
Nachfolgern
Alexanders
,
aber
in
verschiedenen
Talenten
.
denn
an
Sorgfalt
ist
Protogenes
,
an
Überlegung
Pamphilus
und
Melanthius
,
an
Leichtigkeit
Antiphilus
,
an
Erfindung
seltsamer
Erscheinungen
,
die
man
Phantasien
nennt
,
Theon
der
Samier
,
an
Geist
und
Anmut
Apelles
von
niemanden
übertroffen
worden
.
Euphranorn
bewundert
man
,
daß
er
in
Rücksicht
der
Kunsterfordernisse
überhaupt
unter
die
Besten
gerechnet
werden
muß
und
zugleich
in
der
Maler-
und
Bildhauerkunst
vortrefflich
war
.
denselben
Unterschied
findet
man
auch
bei
der
Plastik
.
denn
Kalon
und
Hegesias
haben
härter
und
den
Toskanern
ähnlich
gearbeitet
,
Kalamis
weniger
streng
,
noch
weicher
Myron
.
Fleiß
und
Zierlichkeit
besitzt
Polyklet
vor
allen
.
ihm
wird
von
vielen
der
Preis
zuerkannt
;
doch
damit
ihm
etwas
abgehe
,
meint
man
,
ihm
fehle
das
Gewicht
.
denn
wie
er
die
menschliche
Form
zierlicher
gemacht
,
als
die
Natur
sie
zeigt
,
so
scheint
er
die
Würde
der
Götter
nicht
völlig
auszufüllen
,
ja
er
soll
sogar
das
ernstere
Alter
vermieden
und
sich
über
glatte
Wangen
nicht
hinausgewagt
haben
.
was
aber
dem
Polyklet
abgeht
,
wird
dem
Phidias
und
Alkamenes
zugestanden
.
Phidias
soll
Götter
und
Menschen
am
vollkommensten
gebildet
,
besonders
in
Elfenbein
seinen
Nebenbuhler
weit
übertroffen
haben
.
also
würde
man
urteilen
,
wenn
er
auch
nichts
als
die
Minerva
zu
Athen
oder
den
olympischen
Jupiter
in
Elis
gemacht
hätte
,
dessen
Schönheit
der
angenommenen
Religion
,
wie
man
sagt
,
zustatten
kam
;
so
sehr
hat
die
Majestät
des
Werkes
dem
Gotte
sich
gleichgestellt
.
Lysippus
und
Praxiteles
sollen
nach
der
allgemeinen
Meinung
sich
der
Wahrheit
am
besten
genähert
haben
;
Demetrius
aber
wird
getadelt
,
daß
er
hierin
zuviel
getan
:
er
hat
die
Ähnlichkeit
der
Schönheit
vorgezogen
"
.
literarisches
Metier
.
nicht
leicht
ist
ein
Mensch
glücklich
genug
,
für
seine
höhere
Ausbildung
von
ganz
uneigennützigen
Gönnern
die
Hülfsmittel
zu
erlangen
.
selbst
wer
das
Beste
zu
wollen
glaubt
,
kann
nur
das
befördern
,
was
er
liebt
und
kennt
,
oder
noch
eher
,
was
ihm
nutzt
.
und
so
war
auch
die
literarisch-bibliographische
Bildung
dasjenige
Verdienst
,
das
Winckelmann
früher
dem
Grafen
Bünau
und
später
dem
Kardinal
Passionei
empfahl
.
ein
Bücherkenner
ist
überall
willkommen
,
und
er
war
es
in
jener
Zeit
noch
mehr
,
als
die
Lust
,
merkwürdige
und
rate
Bücher
zu
sammeln
,
lebendiger
,
das
bibliothekarische
Geschäft
noch
mehr
in
sich
selbst
beschränkt
war
.
eine
große
deutsche
Bibliothek
sah
einer
großen
römischen
ähnlich
.
sie
konnten
miteinander
im
Besitz
der
Bücher
wetteifern
.
der
Bibliothekar
eines
deutschen
Grafen
war
für
einen
Kardinal
ein
erwünschter
Hausgenosse
und
konnte
sich
auch
da
gleich
wieder
als
zu
Hause
finden
.
die
Bibliotheken
waren
wirkliche
Schatzkammern
,
anstatt
daß
man
sie
jetzt
,
bei
dem
schnellen
Fortschreiten
der
Wissenschaften
,
bei
dem
zweckmäßigen
und
zwecklosen
Anhäufen
der
Druckschriften
,
mehr
als
nützliche
Vorratskammern
und
zugleich
als
unnütze
Gerümpelkammern
anzusehen
hat
,
so
daß
ein
Bibliothekar
weit
mehr
als
sonst
sich
von
dem
Gange
der
Wissenschaft
,
von
dem
Wert
und
Unwert
der
Schriften
zu
unterrichten
Ursache
hat
und
ein
deutscher
Bibliothekar
Kenntnisse
besitzen
muß
,
die
fürs
Ausland
verloren
wären
.
aber
nur
kurze
Zeit
und
nur
so
lange
,
als
es
nötig
war
,
um
sich
einen
mäßigen
Lebensunterhalt
zu
verschaffen
,
blieb
Winckelmann
seiner
eigentlichen
literarischen
Beschäftigung
getreu
,
so
wie
er
auch
bald
das
Interesse
an
dem
,
was
sich
auf
kritische
Untersuchungen
bezog
,
verlor
,
weder
Handschriften
vergleichen
noch
deutschen
Gelehrten
,
die
ihn
über
manches
befragten
,
zur
Rede
stehen
wollte
.
doch
hatten
ihm
seine
Kenntnisse
schon
früher
zu
einer
vorteilhaften
Einleitung
gedient
.
das
Privatleben
der
Italiener
überhaupt
,
besonders
aber
der
Römer
,
hat
aus
mancherlei
Ursachen
etwas
Geheimnisvolles
.
dieses
Geheimnis
,
diese
Absonderung
,
wenn
man
will
,
erstreckte
sich
auch
über
die
Literatur
.
gar
mancher
Gelehrter
widmete
sein
Leben
im
stillen
einem
bedeutenden
Werke
,
ohne
jemals
damit
erscheinen
zu
wollen
oder
zu
können
.
auch
fanden
sich
häufiger
als
in
irgendeinem
Lande
Männer
,
welche
,
bei
mannigfaltigen
Kenntnissen
und
Einsichten
,
sich
schriftlich
oder
gar
gedruckt
mitzuteilen
nicht
zu
bewegen
waren
.
zu
solchen
fand
Winckelmann
den
Eintritt
gar
bald
eröffnet
.
er
nennt
unter
ihnen
vorzüglich
Giacomelli
und
Baldani
und
erwähnt
seiner
zunehmenden
Bekanntschaften
,
seines
wachsenden
Einflusses
mit
Vergnügen
.
Kardinal
Albani
.
über
alles
förderte
ihn
das
Glück
,
ein
Hausgenosse
des
Kardinal
Albani
geworden
zu
sein
.
dieser
,
der
bei
einem
großen
Vermögen
und
bedeutendem
Einfluß
von
Jugend
auf
eine
entschiedene
Kunstliebhaberei
,
die
beste
Gelegenheit
,
sie
zu
befriedigen
,
und
ein
bis
ans
Wunderbare
grenzendes
Sammlerglück
gehabt
hatte
,
fand
in
späteren
Jahren
in
dem
Geschäft
,
diese
Sammlung
würdig
aufzustellen
und
so
mit
jenen
römischen
Familien
zu
wetteifern
,
die
früher
auf
den
Wert
solcher
Schätze
aufmerksam
gewesen
,
sein
höchstes
Vergnügen
,
ja
den
dazu
bestimmten
Raum
nach
Art
der
Alten
zu
überfüllen
,
war
sein
Geschmack
und
seine
Lust
.
Gebäude
drängten
sich
an
Gebäude
,
Saal
an
Saal
,
Halle
zu
Halle
;
Brunnen
und
Obelisken
,
Karyatiden
und
Basreliefe
,
Statuen
und
Gefäße
fehlten
weder
im
Hof-
noch
Gartenraum
,
indes
große
und
kleinere
Zimmer
,
Galerien
und
Kabinette
die
merkwürdigsten
Monumente
aller
Zeiten
enthielten
.
im
Vorbeigehen
gedachten
wir
,
daß
die
Alten
ihre
Anlagen
durchaus
gleicher
Weise
gefüllt
.
so
überhäuften
die
Römer
ihr
Kapitol
,
daß
es
unmöglich
scheint
,
alles
habe
darauf
Platz
gehabt
.
so
war
die
Via
sacra
,
das
Forum
,
der
Palatin
überdrängt
mit
Gebäuden
und
Denkmälern
,
so
daß
die
Einbildungskraft
kaum
noch
eine
Menschenmasse
in
diesen
Räumen
unterbringen
könnte
,
wenn
ihr
nicht
die
Wirklichkeit
ausgegrabener
Städte
zu
Hülfe
käme
,
wenn
man
nicht
mit
Augen
sehen
könnte
,
wie
eng
,
wie
klein
,
wie
gleichsam
nur
als
Modell
zu
Gebäuden
ihre
Gebäude
angelegt
sind
.
diese
Bemerkung
gilt
sogar
von
der
Villa
des
Hadrian
,
bei
deren
Anlage
Raum
und
Vermögen
genug
zum
Großen
vorhanden
war
.
in
einem
solchen
überfüllten
Zustande
verließ
Winckelmann
die
Villa
seines
Herrn
und
Freundes
,
den
Ort
seiner
höhern
und
erfreulichsten
Bildung
.
so
stand
sie
auch
lange
noch
nach
dem
Tode
des
Kardinals
zur
Freude
und
Bewunderung
der
Welt
,
bis
sie
in
der
alles
bewegenden
und
zerstreuenden
Zeit
ihres
sämtlichen
Schmuckes
beraubt
wurde
.
die
Statuen
waren
aus
ihren
Nischen
und
von
ihren
Stellen
gehoben
,
die
Basreliefe
aus
den
Mauern
herausgerissen
und
der
ungeheure
Vorrat
zum
Transport
eingepackt
.
durch
den
sonderbarsten
Wechsel
der
Dinge
führte
man
diese
Schätze
nur
bis
an
die
Tiber
.
in
kurzer
Zeit
gab
man
sie
dem
Besitzer
zurück
,
und
der
größte
Teil
,
bis
auf
wenige
Juwelen
,
befindet
sich
wieder
an
der
alten
Stelle
.
jenes
erste
traurige
Schicksal
dieses
Kunstelysiums
und
dessen
Wiederherstellung
durch
eine
abenteuerliche
Wendung
der
Dinge
hätte
Winckelmann
erleben
können
.
doch
wohl
ihm
,
daß
er
denn
irdischen
Leid
,
so
wie
der
zum
Ersatz
nicht
immer
hinreichenden
Freude
,
schon
entwachsen
war
.
Glücksfälle
aber
auch
manches
äußere
Glück
begegnete
ihm
auf
seinem
Wege
,
nicht
allein
,
daß
in
Rom
das
Aufgraben
der
Altertümer
lebhaft
und
glücklich
vonstatten
ging
,
sondern
es
waren
auch
die
Herkulanischen
und
Pompejischen
Entdeckungen
teils
neu
,
teils
durch
Neid
,
Verheimlichung
und
Langsamkeit
unbekannt
geblieben
;
und
so
kam
er
in
eine
Ernte
,
die
seinem
Geiste
und
seiner
Tätigkeit
genugsam
zu
schaffen
gab
.
traurig
ist
es
,
wenn
man
das
Vorhandne
als
fertig
und
abgeschlossen
ansehen
muß
.
Rüstkammern
,
Gelerien
und
Museen
,
zu
denen
nichts
hinzugefügt
wird
,
haben
etwas
Grab-
und
Gespensterartiges
;
man
beschränkt
seinen
Sinn
in
einem
so
beschränkten
Kunstkreis
,
man
gewöhnt
sich
,
solche
Sammlungen
als
ein
Ganzes
anzusehen
,
anstatt
daß
man
durch
immer
neuen
Zuwachs
erinnert
werden
sollte
,
daß
in
der
Kunst
,
wie
im
Leben
,
kein
Abgeschlossenes
beharre
,
sondern
ein
Unendliches
in
Bewegung
sei
.
in
einer
so
glücklichen
Lage
befand
sich
Winckelmann
.
die
Erde
gab
ihre
Schätze
her
,
und
durch
den
immerfort
regen
Kunsthandel
bewegten
sich
manche
alte
Besitzungen
ans
Tageslicht
,
gingen
vor
seinen
Augen
vorbei
,
ermunterten
seine
Neigung
,
erregten
sein
Urteil
und
vermehrten
seine
Kenntnisse
.
kein
geringer
Vorteil
für
ihn
war
sein
Verhältnis
zu
dem
Erben
der
großen
Stoschischen
Besitzungen
.
erst
nach
dem
Tode
des
Sammlers
lernte
er
diese
kleine
Kunstwelt
kennen
und
herrschte
darin
nach
seiner
Einsicht
und
Überzeugung
.
freilich
ging
man
nicht
mit
allen
Teilen
dieser
äußerst
schätzbaren
Sammlung
gleich
vorsichtig
um
,
wiewohl
das
Ganze
einen
Katalogen
,
zur
Freude
und
zum
Nutzen
nachfolgender
Liebhaber
und
Sammler
,
verdient
hätte
.
manches
ward
verschleudert
;
doch
um
die
treffliche
Gemmensammlung
bekannter
und
verkäuflicher
zu
machen
,
unternahm
Winckelmann
mit
dem
Erben
Stosch
die
Fertigung
eines
Katalogs
,
von
welchem
Geschäft
und
dessen
übereilter
und
doch
immer
geistreicher
Behandlung
uns
die
überbliebene
Korrespondenz
ein
merkwürdiges
Zeugnis
ablegt
.
bei
diesem
auseinanderfallenden
Kunstkörper
,
wie
bei
der
sich
immer
vergrößernden
und
mehr
vereinigenden
Albanischen
Sammlung
,
zeigte
sich
unser
Freund
geschäftig
,
und
alles
,
was
zum
Sammeln
oder
Zerstreuen
durch
seine
Hände
ging
,
vermehrte
den
Schatz
,
den
er
in
seinem
Geiste
angefangen
hatte
aufzustellen
.
unternommene
Schriften
.
schon
als
Winckelmann
zuerst
in
Dresden
der
Kunst
und
den
Künstlern
sich
näherte
und
in
diesem
Fach
als
Anfänger
erschien
,
war
er
als
Literator
ein
gemachter
Mann
.
er
übersah
die
Vorzeit
so
wie
die
Wissenschaften
in
manchem
Sinne
.
er
fühlte
und
kannte
das
Altertum
,
so
wie
das
Würdige
der
Gegenwart
,
des
Lebens
und
des
Charakters
,
selbst
in
seinem
tiefgedrückten
Zustande
.
er
hatte
sich
einen
Stil
gebildet
.
in
der
neuen
Schule
,
die
er
betrat
,
horchte
er
nicht
nur
als
ein
gelehriger
,
sondern
als
ein
gelehrter
Jünger
seinen
Meistern
zu
,
er
horchte
ihnen
ihre
bestimmten
Kenntnisse
leicht
ab
und
fing
sogleich
an
,
alles
zu
nutzen
und
zu
verbrauchen
.
auf
einem
höhern
Schauplatze
als
zu
Dresden
,
in
einem
höhern
Sinne
,
der
sich
ihm
geöffnet
hatte
,
blieb
er
derselbige
.
was
er
von
Mengs
vernahm
,
was
die
Umgebung
ihm
zurief
,
bewahrte
er
nicht
etwa
lange
bei
sich
,
ließ
den
frischen
Most
nicht
etwa
gären
und
klar
werden
,
sondern
wie
man
sagt
,
daß
man
durch
Lehren
lerne
,
so
lernte
er
im
Entwerfen
und
Schreiben
.
wie
manchen
Titel
hat
er
uns
hinterlassen
,
wie
manche
Gegenstände
benannt
,
über
die
ein
Werk
erfolgen
sollte
,
und
diesem
Anfang
glich
seine
ganze
antiquarische
Laufbahn
.
wir
finden
ihn
immer
in
Tätigkeit
,
mit
dem
Augenblick
beschäftigt
,
ihn
dergestalt
ergreifend
und
festhaltend
,
als
wenn
der
Augenblick
vollständig
und
befriedigend
sein
könnte
;
und
ebenso
ließ
er
sich
wieder
vom
nächsten
Augenblicke
belehren
.
diese
Ansicht
dient
zu
Würdigung
seiner
Werke
.
daß
sie
so
,
wie
sie
da
liegen
,
erst
als
Manuskript
auf
das
Papier
gekommen
und
sodann
später
im
Druck
für
die
Folgezeit
fixiert
worden
,
hing
von
unendlich
mannigfaltigen
kleinen
Umständen
ab
.
nur
einen
Monat
später
,
so
hätten
wir
ein
anderes
Werk
,
richtiger
an
Gehalt
,
bestimmter
in
der
Form
,
vielleicht
etwas
ganz
anderes
.
und
eben
darum
bedauern
wir
höchlich
seinen
frühzeitigen
Tod
,
weil
er
sich
immer
wieder
umgeschrieben
und
immer
sein
ferneres
und
neustes
Leben
in
seine
Schriften
eingearbeitet
hätte
.
und
so
ist
alles
,
was
er
uns
hinterlassen
,
als
ein
Lebendiges
für
die
Lbendigen
,
nicht
für
die
im
Buchstaben
Toten
geschrieben
.
seine
Werke
,
verbunden
mit
seinen
Briefen
,
sind
eine
Lebensdarstellung
,
sind
ein
Leben
selbst
.
sie
sehen
,
wie
das
Leben
der
meisten
Menschen
,
nur
einer
Vorbereitung
,
nicht
einem
Werke
gleich
.
sie
veranlassen
zu
Hoffnungen
,
zu
Wünschen
,
zu
Ahndungen
;
wie
man
daran
bessern
will
,
so
sieht
man
,
daß
man
sich
selbst
zu
bessern
hätte
;
wie
man
sie
tadeln
will
,
so
sieht
man
,
daß
man
demselbigen
Tadel
,
vielleicht
auf
einer
höhern
Stufe
der
Erkenntnis
,
selbst
ausgesetzt
sein
möchte
:
denn
Beschränkung
ist
überall
unser
Los.
Philosophie
.
da
bei
dem
Fortrücken
der
Kultur
nicht
alle
Teile
des
menschlichen
Wirkens
und
Umtreibens
,
an
denen
sich
die
Bildung
offenbaret
,
in
gleichem
Wachstum
gedeihen
,
vielmehr
nach
günstiger
Beschaffenheit
der
Personen
und
Umstände
einer
dem
andern
voreilen
und
ein
allgemeineres
Interesse
erregen
muß
,
so
entsteht
daraus
ein
gewisses
eifersüchtiges
Mißvergnügen
bei
den
Gliedern
der
so
mannigfaltig
verzweigten
großen
Familie
,
die
sich
oft
um
desto
weniger
vertragen
,
je
näher
sie
verwandt
sind
.
zwar
ist
es
meistens
eine
leere
Klage
,
wenn
sich
bald
diese
oder
jene
Kunst-
und
Wissenschaftsbeflissene
beschweren
,
daß
gerade
ihr
Fach
von
den
Mitlebenden
vernachlässigt
werde
:
denn
es
darf
nur
ein
tüchtiger
Meister
sich
zeigen
,
so
wird
er
die
Aufmerksamkeit
auf
sich
ziehen
.
Raffael
möchte
nur
immer
heute
wieder
hervortreten
,
und
wir
wollten
ihm
ein
Übermaß
von
Ehre
und
Reichtum
zusichern
.
ein
tüchtiger
Meister
weckt
brave
Schüler
,
und
ihre
Tätigkeit
ästet
wieder
ins
Unendliche
.
doch
haben
freilich
von
jeher
die
Philosophen
besonders
den
Haß
nicht
allein
ihrer
Wissenschaftsverwandten
,
sondern
auch
der
Welt-
und
Lebensmenschen
auf
sich
gezogen
,
und
vielleicht
mehr
durch
ihre
Lage
als
durch
eigene
Schuld
.
denn
da
die
Philosophie
,
ihrer
Natur
nach
,
an
das
Allgemeinste
,
an
das
Höchste
Anforderung
macht
,
so
muß
sie
die
weltlichen
Dinge
als
in
ihr
begriffen
,
als
ihr
untergeordnet
ansehen
und
behandeln
.
auch
verleugnet
man
ihr
diese
anmaßlichen
Forderungen
nicht
ausdrücklich
,
vielmehr
glaubt
jeder
ein
Recht
zu
haben
,
an
ihren
Entdeckungen
teilzunehmen
,
ihre
Maximen
zu
nutzen
und
,
was
sie
sonst
reichen
mag
,
zu
verbrauchen
.
da
sie
aber
,
um
allgemein
zu
werden
,
sich
eigener
Worte
,
fremdartiger
Kombinationen
und
seltsamer
Einleitungen
bedienen
muß
,
die
mit
den
besondern
Zuständen
der
Weltbürger
und
mit
ihren
augenblicklichen
Bedürfnissen
nicht
eben
zusammenfallen
,
so
wird
sie
von
denen
geschmäht
,
die
nicht
gerade
die
Handhabe
finden
können
,
wobei
sie
allenfalls
noch
anzufassen
wäre
.
wollte
man
aber
dagegen
die
Philosophen
beschuldigen
,
daß
sie
selbst
den
Übergang
zum
Leben
nicht
sicher
zu
finden
wissen
,
daß
sie
gerade
da
,
wo
sie
ihre
Überzeugung
in
Tat
und
Wirkung
verwandeln
wollen
,
die
meisten
Fehlgriffe
tun
und
dadurch
ihren
Kredit
vor
der
Welt
selbst
schmälern
,
so
würde
es
hiezu
an
mancherlei
Beispielen
nicht
fehlen
.
Winckelmann
beklagt
sich
bitter
über
die
Philosophen
seiner
Zeit
und
über
ihren
ausgebreiteten
Einfluß
;
aber
mich
dünkt
,
man
kann
einem
jeden
Einfluß
aus
dem
Wege
gehen
,
indem
man
sich
in
sein
eigenes
Fach
zurückzieht
.
sonderbar
ist
es
,
daß
Winckelmann
die
Leipziger
Akademie
nicht
bezog
,
wo
er
unter
Christs
Anleitung
,
und
ohne
sich
um
einen
Philosophen
in
der
Welt
zu
bekümmern
,
sich
in
seinem
Hauptstudium
bequemer
hätte
ausbilden
können
.
doch
steht
,
indem
uns
die
Ereignisse
der
neuern
Zeit
vorschweben
,
eine
Bemerkung
hier
wohl
am
rechten
Platze
,
die
wir
auf
unserm
Lebenswege
machen
können
,
daß
kein
Gelehrter
ungestraft
jene
große
philosophische
Bewegung
,
die
durch
Kant
begonnen
,
von
sich
abgewiesen
,
sich
ihr
widersetzt
,
sie
verachtet
habe
,
außer
etwa
die
echten
Altertumsforscher
,
welche
durch
die
Eigenheit
ihres
Studiums
vor
allen
andern
Menschen
vorzüglich
begünstigt
zu
sein
scheinen
.
denn
indem
sie
sich
nur
mit
dem
Besten
,
was
die
Welt
hervorgebracht
hat
,
beschäftigen
und
das
Geringe
,
ja
das
Schlechtere
nur
im
Bezug
auf
jenes
Vortreffliche
betrachten
,
so
erlangen
ihre
Kenntnisse
eine
solche
Fülle
,
ihre
Urteile
eine
solche
Sicherheit
,
ihr
Geschmack
eine
solche
Konsistenz
,
daß
sie
innerhalb
ihres
eigenen
Kreises
bis
zur
Verwunderung
,
ja
bis
zum
Erstaunen
ausgebildet
erscheinen
.
auch
Winckelmann
gelang
dieses
Glück
,
wobei
ihm
freilich
die
bildende
Kunst
und
das
Leben
kräftig
einwirkend
zu
Hülfe
kamen
.
Poesie
.
so
sehr
Winckelmann
bei
Lesung
der
alten
Schriftsteller
auch
auf
die
Dichter
Rücksicht
genommen
,
so
finden
wir
doch
,
bei
genauer
Betrachtung
seiner
Studien
und
seines
Lebensganges
,
keine
eigentliche
Neigung
zur
Poesie
,
ja
man
könnte
eher
sagen
,
daß
hie
und
da
eine
Abneigung
hervorblicke
;
wie
denn
seine
Vorliebe
für
alte
gewohnte
Luthersche
Kirchenlieder
und
sein
Verlangen
,
ein
solches
unverfälschtes
Gesangbuch
selbst
in
Rom
zu
besitzen
,
wohl
von
einem
tüchtigen
,
wackern
Deutschen
,
aber
nicht
eben
von
einem
Freunde
der
Dichtkunst
zeuget
.
die
Poeten
der
Vorzeit
scheinen
ihn
früher
als
Dokumente
der
alten
Sprachen
und
Literaturen
,
später
als
Zeugnisse
für
bildende
Kunst
interessiert
zu
haben
.
desto
wunderbarer
und
erfreulicher
ist
es
,
wenn
er
selbst
als
Poet
auftritt
,
und
zwar
als
ein
tüchtiger
,
unverkennbarer
,
in
seinen
Beschreibungen
der
Statuen
,
ja
beinahe
durchaus
in
seinen
Sinn
unaussprechliche
Werke
,
und
doch
fühlt
er
den
unwiderstehlichen
Drang
,
mit
Worten
und
Buchstaben
ihnen
beizukommen
.
das
vollendete
Herrliche
,
die
Idee
,
woraus
diese
Gestalt
entsprang
,
das
Gefühl
,
das
in
ihm
beim
Schauen
erregt
ward
,
soll
dem
Hörer
,
dem
Leser
mitgeteilt
werden
,
und
indem
er
nun
die
ganze
Rüstkammer
seiner
Fähigkeiten
mustert
,
sieht
er
sich
genötigt
,
nach
dem
Kräftigsten
und
Würdigsten
zu
greifen
,
was
ihm
zu
Gebote
steht
.
er
muß
Poet
sein
,
er
mag
daran
denken
,
er
mag
wollen
oder
nicht
.
erlangte
Einsicht
.
so
sehr
Winckelmann
überhaupt
auf
ein
gewisses
Ansehn
vor
der
Welt
achtete
,
so
sehr
er
sich
einen
literarischen
Ruhm
wünschte
,
so
gut
er
seine
Werke
auszustatten
und
sie
durch
einen
gewissen
feierlichen
Stil
zu
erheben
suchte
,
so
war
er
doch
keinesweges
blind
gegen
ihre
Mängel
,
die
er
vielmehr
auf
das
schnellste
bemerkte
,
wie
sich's
bei
seiner
fortschreitenden
,
immer
neue
Gegenstände
fassenden
und
bearbeitenden
Natur
notwendig
ereignen
mußte
.
je
mehr
er
nun
in
irgendeinem
Aufsatze
dogmatisch
und
didaktisch
zu
Werke
gegangen
war
,
diese
oder
jene
Erklärung
eines
Monuments
,
diese
oder
jene
Auslegung
und
Anwendung
einer
Stelle
behauptet
und
festgesetzt
hatte
,
desto
auffallender
war
ihm
der
Irrtum
,
sobald
er
durch
neue
Data
sich
davon
überzeugt
hielt
,
desto
schneller
war
er
geneigt
,
ihn
auf
irgendeine
Weise
zu
verbessern
.
hatte
er
das
Manuskript
noch
in
der
Hand
,
so
ward
es
umgeschrieben
;
war
es
zum
Druck
abgesendet
,
so
wurden
Verbesserungen
und
Nachträge
hinterdrein
geschickt
,
und
von
allen
diesen
Reuschritten
machte
er
seinen
Freunden
kein
Geheimnis
:
denn
auf
Wahrheit
,
Geradheit
,
Derbheit
und
Redlichkeit
stand
sein
ganzes
Wesen
gegründet
.
spätere
Werke
.
ein
glücklicher
Gedanke
ward
ihm
,
zwar
auch
nicht
auf
einmal
,
sondern
nur
durch
die
Tat
selbst
,
klar
,
das
Unternehmen
seiner
Monumenti
inediti
.
man
sieht
wohl
,
daß
jene
Lust
,
neue
Gegenstände
bekannt
zu
machen
,
sie
auf
eine
glückliche
Weise
zu
erklären
,
die
Altertumskunde
in
so
großem
Maße
zu
erweitern
,
ihn
zuerst
angelockt
habe
;
dann
tritt
das
Interesse
hinzu
,
die
von
ihm
in
der
Kunstgeschichte
einmal
aufgestellte
Methode
auch
hier
an
Gegenständen
,
die
er
dem
Leser
vor
Augen
legt
,
zu
prüfen
,
da
denn
zuletzt
der
glückliche
Vorsatz
sich
entwickelte
,
in
der
vorausgeschickten
Abhandlung
das
Werk
über
die
Kunstgeschichte
,
das
ihm
schon
im
Rücken
lag
,
stillschweigend
zu
verbessern
,
zu
reinigen
,
zusammenzudrängen
und
vielleicht
sogar
teilweise
aufzuheben
.
im
Bewußtsein
früherer
Mißgriffe
,
über
die
ihn
der
Nichtrömer
kaum
zurechtweisen
durfte
,
schrieb
er
ein
Werk
in
italienischer
Sprache
,
das
auch
in
Rom
gelten
sollte
.
nicht
allein
befleißigt
er
sich
dabei
der
größten
Aufmerksamkeit
,
sondern
wählt
sich
auch
freundschaftliche
Kenner
,
mit
denen
er
die
Arbeit
genau
durchgeht
,
sich
ihrer
Einsicht
,
ihres
Urteils
auf
das
klügste
bedient
und
so
ein
Werk
zustande
bringt
,
das
als
Vermächtnis
auf
alle
Zeiten
übergehen
wird
.
und
er
schreibt
es
nicht
allein
,
er
besorgt
es
,
unternimmt
es
und
leistet
als
ein
armer
Privatmann
das
,
was
einem
wohlgegründeten
Verleger
,
was
akademischen
Kräften
Ehre
machen
würde
.
Papst
.
sollte
man
so
viel
von
Rom
sprechen
,
ohne
des
Papstes
zu
gedenken
,
der
doch
Winckelmannen
wenigstens
mittelbar
manches
Gute
zufließen
lassen
!
Winckelmanns
Aufenthalt
in
Rom
fiel
zum
größten
Teil
unter
die
Regierung
Benedikt
des
XVI
.
Lambertini
,
der
als
ein
heiterer
,
behaglicher
Mann
lieber
regieren
ließ
als
regierte
;
und
so
mögen
auch
die
verschiedenen
Stellen
,
welche
Winckelmann
bekleidete
,
ihm
durch
die
Gunst
seiner
hohen
Freunde
mehr
als
durch
die
Einsicht
des
Papstes
in
seine
Verdienste
geworden
sein
.
doch
finden
wir
ihn
einmal
auf
eine
bedeutende
Weise
in
der
Gegenwart
des
Hauptes
der
Kirche
;
ihm
wird
die
besondre
Auszeichnung
,
dem
Papste
aus
den
Monumenti
inediti
einige
Stellen
vorlesen
zu
dürfen
,
und
er
gelangt
auch
von
dieser
Seite
zur
höchsten
Ehre
,
die
einem
Schriftsteller
werden
kann
.
Charakter
.
wenn
bei
sehr
vielen
Menschen
,
besonders
aber
bei
Gelehrten
,
dasjenige
,
was
sie
leisten
,
als
die
Hauptsache
erscheint
und
der
Charakter
sich
dabei
wenig
äußert
,
so
tritt
im
Gegenteil
bei
Winckelmann
der
Fall
ein
,
daß
alles
dasjenige
,
was
er
hervorbringt
,
hauptsächlich
deswegen
merkwürdig
und
schätzenswert
ist
,
weil
sein
Charakter
sich
immer
dabei
offenbart
.
haben
wir
schon
unter
der
Aufschrift
vom
Antiken
und
Heidnischen
,
vom
Schönheits-
und
Freundschaftssinne
einiges
Allgemeine
zum
Anfang
ausgesprochen
,
so
wird
das
mehr
Besondere
hier
gegen
das
Ende
wohl
seinen
Platz
verdienen
.
Winckelmann
war
durchaus
eine
Natur
,
die
es
redlich
mit
sich
selbst
und
mit
andern
meinte
;
seine
angeborne
Wahrheitsliebe
entfaltete
sich
immer
mehr
und
mehr
,
je
selbstständiger
und
unabhängiger
er
sich
fühlte
,
so
daß
er
sich
zuletzt
die
höfliche
Nachsicht
gegen
Irrtümer
,
die
im
Leben
und
in
der
Literatur
so
sehr
hergebracht
ist
,
zum
Verbrechen
machte
.
eine
solche
Natur
konnte
wohl
mit
Behaglichkeit
in
sich
selbst
zurückkehren
,
doch
finden
wir
auch
hier
jene
altertümliche
Eigenheit
,
daß
er
sich
immer
mit
sich
selbst
beschäftigte
,
ohne
sich
eigentlich
zu
beobachten
.
er
denkt
nur
an
sich
,
nicht
über
sich
,
ihm
liegt
im
Sinne
,
was
er
vorhat
,
er
interessiert
sich
für
sein
ganzes
Wesen
,
für
den
ganzen
Umfang
seines
Wesens
und
hat
das
Zutrauen
,
daß
seine
Freunde
sich
auch
dafür
interessieren
werden
.
wir
finden
daher
in
seinen
Briefen
,
vom
höchsten
moralischen
bis
zum
gemeinsten
physischen
Bedürfnis
,
alles
erwähnt
,
ja
er
spricht
es
aus
,
daß
er
sich
von
persönlichen
Kleinigkeiten
lieber
als
von
wichtigen
Dingen
unterhalte
.
dabei
bleibt
er
sich
durchaus
ein
Rätsel
und
erstaunt
manchmal
über
seine
eigene
Erscheinung
,
besonders
in
Betrachtung
dessen
,
was
er
war
und
was
er
geworden
ist
.
doch
so
kann
man
überhaupt
jeden
Menschen
als
eine
vielsilbige
Scharade
ansehen
,
wovon
er
selbst
nur
wenige
Silben
zusammenbuchstabiert
,
indessen
andre
leicht
das
ganze
Wort
entziffern
.
auch
finden
wir
bei
ihm
keine
ausgesprochenen
Grundsätze
;
sein
richtiges
Gefühl
,
sein
gebildeter
Geist
dienen
ihm
im
Sittlichen
,
wie
im
Ästhetischen
,
zum
Leitfaden
.
ihm
schwebt
eine
Art
natürlicher
Religion
vor
,
wobei
jedoch
Gott
als
Urquell
des
Schönen
und
kaum
als
ein
auf
den
Menschen
sonst
bezügliches
Wesen
erscheint
.
sehr
schön
beträgt
sich
Winckelmann
innerhalb
der
Grenzen
der
Pflicht
und
Dankbarkeit
.
seine
Vorsorge
für
sich
selbst
ist
mäßig
,
ja
nicht
durch
alle
Zeiten
gleich
.
indessen
arbeitet
er
aufs
fleißigste
,
sich
eine
Existenz
aufs
Alter
zu
sichern
.
seine
Mittel
sind
edel
;
er
zeigt
sich
selbst
auf
dem
Wege
zu
jedem
Zweck
redlich
,
gerade
,
sogar
trotzig
und
dabei
klug
und
beharrlich
.
er
arbeitet
nie
planmäßig
,
immer
aus
Instinkt
und
mit
Leidenschaft
.
seine
Freude
an
jedem
Gefundenen
ist
heftig
,
daher
Irrtümer
unvermeidlich
,
die
er
jedoch
bei
lebhaftem
Vorschreiten
ebenso
geschwind
zurücknimmt
als
einsieht
.
auch
hier
bewährt
sich
durchaus
jene
antike
Anlage
,
die
Sicherheit
des
Punktes
,
von
dem
man
ausgeht
,
die
Unsicherheit
des
Zieles
,
wohin
man
gelangen
will
,
sowie
die
Unvollständigkeit
und
Unvollkommenheit
der
Behandlung
,
sobald
sie
eine
ansehnliche
Breite
gewinnt
.
Gesellschaft
wenn
er
sich
,
durch
seine
frühere
Lebensart
wenig
vorbereitet
,
in
der
Gesellschaft
anfangs
nicht
ganz
bequem
befand
,
so
trat
ein
Gefühl
von
Würde
bald
an
die
Stelle
der
Erziehung
und
Gewohnheit
,
und
er
lernte
sehr
schnell
sich
den
Umständen
gemäß
betragen
.
die
Lust
am
Umgang
mit
vornehmen
,
reichen
und
berühmten
Leuten
,
die
Freude
,
von
ihnen
geschätzt
zu
werden
,
dringt
überall
durch
,
und
in
Absicht
auf
die
Leichtigkeit
des
Umgangs
hätte
er
sich
in
keinem
bessern
Elemente
als
in
dem
römischen
befinden
können
.
er
bemerkt
selbst
,
daß
die
dortigen
besonders
geistlichen
Großen
,
so
zeremoniös
sie
nach
außen
erscheinen
,
doch
nach
innen
gegen
ihre
Hausgenossen
bequem
und
vertraulich
leben
;
allein
er
bemerkte
nicht
,
daß
hinter
dieser
Vertraulichkeit
sich
doch
das
orientalische
Verhältnis
des
Herrn
zum
Knechte
verbirgt
.
alle
südlichen
Nationen
würden
eine
unendliche
lange
Weile
finden
,
wenn
sie
gegen
die
Ihrigen
sich
in
der
fortdauernden
wechselseitigen
Spannung
erhalten
sollten
,
wie
es
die
Nordländer
gewohnt
sind
.
Reisende
haben
bemerkt
,
daß
die
Sklaven
sich
gegen
ihre
türkischen
Herren
mit
weit
mehr
Aisance
betragen
als
nordische
Hofleute
gegen
ihre
Vorgesetzten
;
allein
wenn
man
es
genau
betrachtet
,
so
sind
diese
Achtungsbezeigungen
eigentlich
zugunsten
der
Untergebenen
eingeführt
,
die
dadurch
ihren
Obern
immer
erinnern
,
was
er
ihnen
schuldig
ist
.
der
Südländer
aber
will
Zeiten
haben
,
wo
er
sich
gehn
läßt
,
und
diese
kommen
seiner
Umgebung
zugut
.
dergleichen
Szenen
schildert
Winckelmann
mit
großem
Behagen
;
sie
erleichtern
ihm
seine
übrige
Abhängigkeit
und
nähren
seinen
Freiheitssinn
,
der
mit
Scheu
auf
jede
Fessel
hinsieht
,
die
ihn
allenfalls
bedrohen
könnte
.
Fremde
.
wenn
Winckelmann
durch
den
Umgang
mit
Einheimischen
sehr
glücklich
ward
,
so
erlebte
er
desto
mehr
Pein
und
Not
von
Fremden
.
es
ist
wahr
,
nichts
kann
schrecklicher
sein
als
der
gewöhnliche
Fremde
in
Rom
.
an
jedem
andern
Orte
kann
sich
der
Reisende
eher
selbst
suchen
und
auch
etwas
ihm
Gemäßes
finden
;
wer
sich
aber
nicht
nach
Rom
bequemt
,
ist
den
wahrhaft
römisch
Gesinnten
ein
Greuel
.
man
wirft
den
Engländern
vor
,
daß
sie
ihren
Teekessel
überall
mitführen
und
sogar
bis
auf
den
Ätna
hinaufschleppen
;
aber
hat
nicht
jede
Nation
ihren
Teekessel
,
worin
sie
,
selbst
auf
Reisen
,
ihre
von
Hause
mitgebrachten
getrockneten
Kräuterbündel
aufbraut
?
solche
nach
ihrem
engen
Maßstab
urteilende
,
nicht
um
sich
her
sehende
,
vorübereilende
,
anmaßliche
Fremde
verwünscht
Winckelmann
mehr
als
einmal
,
verschwört
,
sie
nicht
mehr
herumzuführen
,
und
läßt
sich
zuletzt
doch
wieder
bewegen
.
er
scherzt
über
seine
Neigung
zum
Schulmeistern
,
zu
unterrichten
,
zu
überzeugen
,
da
ihm
denn
auch
wieder
in
der
Gegenwart
durch
Stand
und
Verdienste
bedeutender
Personen
gar
manches
Gute
zuwächst
.
wir
nennen
hier
nur
den
Fürsten
von
Dessau
,
die
Erbprinzen
von
Mecklenburg-Strelitz
und
Braunschweig
,
sowie
den
Baron
von
Riedesel
,
einen
Mann
,
der
sich
in
der
Sinnesart
gegen
Kunst
und
Altertum
ganz
unseres
Freundes
würdig
erzeigte
.
Welt
.
wir
finden
bei
Winckelmann
das
unnachlassende
Streben
nach
Ästimation
und
Konsideration
;
aber
er
wünscht
sie
durch
etwas
Reelles
zu
erlangen
.
durchaus
dringt
er
auf
das
Reale
der
Gegenstände
,
der
Mittel
und
der
Behandlung
;
daher
hat
er
eine
so
große
Feindschaft
gegen
den
französischen
Schein
.
so
wie
er
in
Rom
Gelegenheit
gefunden
hatte
,
mit
Fremden
aller
Nationen
umzugehen
,
so
erhielt
er
auch
solche
Konnexionen
auf
eine
geschickte
und
tätige
Weise
.
die
Ehrenbezeigungen
von
Akademien
und
gelehrten
Gesellschaften
waren
ihm
angenehm
,
ja
er
bemühte
sich
darum
.
am
meisten
aber
förderte
ihn
das
im
stillen
mit
großem
Fleiß
ausgearbeitete
Dokument
seines
Verdienstes
;
ich
meine
die
Geschichte
der
Kunst
.
sie
ward
sogleich
ins
Französische
übersetzt
,
und
er
dadurch
weit
und
breit
bekannt
.
das
,
was
ein
solches
Werk
leistet
,
wird
vielleicht
am
besten
in
den
ersten
Augenblicken
anerkannt
:
das
Wirksame
desselben
wird
empfunden
,
das
Neue
lebhaft
aufgenommen
,
die
Menschen
erstaunen
,
wie
sie
auf
einmal
gefördert
weden
;
dahingegen
eine
kältere
Nachkommenschaft
mit
eklem
Zahn
an
den
Werken
ihrer
Meister
und
Lehrer
herumkostet
und
Forderungen
aufstellt
,
die
ihr
gar
nicht
eingefallen
wären
,
hätten
jene
nicht
so
viel
geleistet
,
von
denen
man
nun
noch
mehr
fordert
.
und
so
war
Winckelmann
den
gebildeten
Nationen
Europens
bekannt
geworden
,
in
einem
Augenblicke
,
da
man
ihm
in
Rom
genugsam
vertraute
,
um
ihn
mit
der
nicht
unbedeutenden
Stelle
eines
Präsidenten
der
Altertümer
zu
beehren
.
Unruhe
.
ungeachtet
jener
anerkannten
und
von
ihm
selbst
öfters
gerühmten
Glückseligkeit
war
es
doch
immer
von
einer
Unruhe
gepeinigt
,
die
,
indem
sie
tief
in
seinem
Charakter
lag
,
gar
mancherlei
Gestalten
annahm
.
er
hatte
sich
früher
kümmerlich
beholfen
,
später
von
der
Gnade
des
Hofs
,
von
der
Gunst
manches
Wohlwollenden
gelebt
,
wobei
er
sich
immer
auf
das
geringste
Bedürfnis
einschränkte
,
um
nicht
abhängig
,
oder
abhängiger
zu
werden
.
indessen
war
er
auch
auf
das
tüchtigste
bemüht
,
sich
für
die
Gegenwart
,
für
die
Zukunft
aus
eigenen
Kräften
einen
Unterhalt
zu
verschaffen
,
wozu
ihm
endlich
die
gelungene
Ausgabe
seines
Kupferwerks
die
schönste
Hoffnung
gab
.
allein
jener
ungewisse
Zustand
hatte
ihn
gewöhnt
,
wegen
seiner
Subsistenz
bald
hierhin
bald
dorthin
zu
sehen
,
bald
sich
mit
geringen
Vorteilen
im
Hause
eines
Kardinals
,
in
der
Vaticana
und
sonst
unterzutun
,
bald
aber
,
wenn
er
wieder
eine
andre
Aussicht
vor
sich
sah
,
großmütig
seinen
Platz
aufzugeben
,
indessen
sich
doch
wieder
nach
andern
Stellen
umzusehen
und
manchen
Anträgen
ein
Gehör
zu
leihen
.
sodann
ist
einer
,
der
in
Rom
wohnt
,
der
Reiselust
nach
allen
Weltgegenden
ausgesetzt
.
er
sieht
sich
im
Mittelpunkt
der
alten
Welt
und
die
für
den
Altertumsforscher
interessantesten
Länder
nah
um
sich
her
,
Großgriechenland
und
Sizilien
,
Dalmatien
,
der
Peloponnes
,
Ionien
und
Ägypten
,
alles
wird
den
Bewohnern
Roms
gleichsam
angeboten
und
erregt
in
einem
,
der
wie
Winckelmann
mit
Begierde
des
Schauens
geboren
ist
,
von
Zeit
zu
Zeit
ein
unsägliches
Verlangen
,
welches
durch
so
viele
Fremde
noch
vermehrt
wird
,
die
auf
ihren
Durchzügen
bald
vernünftig
,
bald
zwecklos
jene
Länder
zu
bereisen
Anstalt
machen
,
bald
,
indem
sie
zurückkehren
,
von
den
Wundern
der
Ferne
zu
erzählen
und
aufzuzeigen
nicht
müde
werden
.
so
will
denn
unser
Winckelmann
auch
überall
hin
,
teils
aus
eigenen
Kräften
,
teils
in
Gesellschaft
solcher
wohlhabender
Reisenden
,
die
den
Wert
eines
unterrichteten
,
talentvollen
Gefährten
mehr
oder
weniger
zu
schätzen
wissen
.
noch
eine
Ursache
dieser
innern
Unruhe
und
Unbehaglichkeit
macht
seinem
Herzen
Ehre
:
es
ist
das
unwiderstehliche
Verlangen
nach
abwesenden
Freunden
.
hier
scheint
sich
die
Sehnsucht
des
Mannes
,
der
sonst
so
sehr
von
der
Gegenwart
lebte
,
ganz
eigentlich
konzentriert
zu
haben
.
er
sieht
sie
vor
sich
,
er
unterhält
sich
mit
ihnen
durch
Briefe
,
er
sehnt
sich
nach
ihrer
Umarmung
und
wünscht
die
früher
zusammen
verlebten
Tage
zu
wiederholen
.
diese
besonders
nach
Norden
gerichteten
Wünsche
hatte
der
Friede
aufs
neue
belebt
.
sich
dem
großen
König
darzustellen
,
der
ihn
schon
früher
eines
Antrags
seiner
Dienste
gewürdigt
,
war
sein
Stolz
;
den
Fürsten
von
Dessau
wiederzusehen
,
dessen
hohe
ruhige
Natur
er
als
von
Gott
auf
die
Erde
gesandt
betrachtete
,
den
Herzog
von
Braunschweig
,
dessen
große
Eigenschaften
er
zu
würdigen
wußte
,
zu
verehren
,
den
Minister
von
Münchhausen
,
der
so
viel
für
die
Wissenschaften
tat
,
persönlich
zu
preisen
,
dessen
unsterbliche
Schöpfung
in
Göttingen
zu
bewundern
,
sich
mit
seinen
Schweizer
Freunden
wieder
einmal
lebhaft
und
vertraulich
zu
freuen
,
solche
Lockungen
tönten
in
seinem
Herzen
,
in
seiner
Einbildungskraft
wider
,
mit
solchen
Bildern
hatte
er
sich
lange
beschäftigt
,
lange
gespielt
,
bis
er
zuletzt
unglücklicherweise
diesem
Trieb
gelegentlich
folgt
und
so
in
seinen
Tod
geht
.
schon
war
er
mit
Leib
und
Seele
dem
italienischen
Zustand
gewidmet
,
jeder
andere
schien
ihm
unerträglich
,
und
wenn
ihn
der
frühere
Hineinweg
durch
das
bergichte
und
felsichte
Tirol
interessiert
,
ja
entzückt
hatte
,
so
fühlte
er
sich
auf
dem
Rückwege
in
sein
Vaterland
wie
durch
eine
cimmerische
Pforte
hindurch
geschleppt
,
beängstet
und
mit
der
Unmöglichkeit
,
seinen
Weg
fortzusetzen
,
behaftet
.
Hingang
.
so
war
er
denn
auf
der
höchsten
Stufe
des
Glücks
,
das
er
sich
nur
hätte
wünschen
dürfen
,
der
Welt
verschwunden
.
ihn
erwartete
sein
Vaterland
,
ihm
streckten
seine
Freunde
die
Arme
entgegen
,
alle
Äußerungen
der
Liebe
,
deren
er
so
sehr
bedurfte
,
alle
Zeugnisse
der
öffentlichen
Achtung
,
auf
die
er
so
viel
Wert
legte
,
warteten
seiner
Erscheinung
,
um
ihn
zu
überhäufen
.
und
in
diesem
Sinne
dürfen
wir
ihn
wohl
glücklich
preisen
,
daß
er
von
dem
Gipfel
des
menschlichen
Daseins
zu
den
Seligen
emporgestiegen
,
daß
ein
kurzer
Schrecken
,
ein
schneller
Schmerz
ihn
von
den
Lebendigen
hinweggenommen
.
die
Gebrechen
des
Alters
,
die
Abnahme
der
Geisteskräfte
hat
er
nicht
empfunden
,
die
Zerstreuung
der
Kunstschätze
,
die
er
,
obgleich
in
einem
andern
Sinne
,
vorausgesagt
,
ist
nicht
vor
seinen
Augen
geschehen
,
er
hat
als
Mann
gelebt
und
ist
als
ein
vollständiger
Mann
von
hinnen
gegangen
.
nun
genießt
er
im
Andenken
der
Nachwelt
den
Vorteil
,
als
ein
ewig
Tüchtiger
und
Kräftiger
zu
erscheinen
:
denn
in
der
Gestalt
,
wie
der
Mensch
die
Erde
verläßt
,
wandelt
er
unter
den
Schatten
,
und
so
bleibt
uns
Achill
als
ewig
strebender
Jüngling
gegenwärtig
.
daß
Winckelmann
früh
hinwegschied
,
kommt
auch
uns
zugute
.
von
seinem
Grabe
her
stärkt
uns
der
Anhauch
seiner
Kraft
und
erregt
in
uns
den
lebhaftesten
Drang
,
das
,
was
er
begonnen
,
mit
Eifer
und
Liebe
fort-
und
immer
fortzusetzen
.
letzte
Kunstausstellung
.
1805
wenn
die
bisherigen
Ausstellungen
,
sowohl
den
Künstlern
als
uns
,
gar
manchen
Vorteil
brachten
,
so
schieden
wir
nur
ungern
davon
,
und
zwar
auch
aus
dem
Grunde
:
weil
eine
durch
Frömmelei
ihr
unverantwortliches
Rückstreben
beschönigende
Kunst
desto
leichter
überhandnahm
,
als
süßliche
Reden
und
schmeichelhafte
Phrasen
sich
viel
besser
anhören
und
wiederholen
als
ernste
Forderungen
,
auf
die
höchstmögliche
Kunsttätigkeit
menschlicher
Natur
gerichtet
.
das
Entgegengesetzte
von
unsern
Wünschen
und
Bestrebungen
tut
sich
hervor
,
bedeutende
Männer
wirken
auf
eine
der
Menge
behagliche
Weise
;
ihre
Lehre
und
Beispiel
schmeichelt
den
meisten
;
die
Weimarischen
Kunstfreunde
,
da
sie
Schiller
verlassen
hat
,
sehen
einer
großen
Einsamkeit
entgegen
.
Gemüt
wird
über
Geist
gesetzt
,
Naturell
über
Kunst
,
und
so
ist
der
Fähige
wie
der
Unfähige
gewonnen
.
Gemüt
hat
jedermann
,
Naturell
mehrere
;
der
Geist
ist
selten
,
die
Kunst
ist
schwer
.
das
Gemüt
hat
einen
Zug
gegen
die
Religion
,
ein
religiöses
Gemüt
mit
Naturell
zur
Kunst
,
sich
selbst
überlassen
,
wird
nur
unvollkommene
Werke
hervorbringen
;
ein
solcher
Künstler
verläßt
sich
auf
das
Sittlich-Hohe
,
welches
die
Kunstmängel
ausgleichen
soll
.
eine
Ahnung
des
Sittlich-Höchsten
will
sich
durch
Kunst
ausdrücken
,
und
man
bedenkt
nicht
,
daß
nur
das
Sinnlich-Höchste
das
Element
ist
,
worin
sich
jenes
verkörpern
kann
.
Myrons
Kuh
.
Myron
,
ein
griechischer
Bildner
,
verfertigte
ungefähr
vierhundert
Jahre
vor
unserer
Zeitrechnung
eine
Kuh
von
Erz
,
welche
Cicero
zu
Athen
,
Procopius
im
siebenten
Jahrhundert
zu
Rom
sah
,
also
daß
über
tausend
Jahre
dieses
Kunstwerk
die
Aufmerksamkeit
der
Menschen
auf
sich
gezogen
.
es
sind
uns
von
demselben
mancherlei
Nachrichten
übriggeblieben
;
allein
wir
können
uns
doch
daraus
keine
deutliche
Vorstellung
des
eigentlichen
Gebildes
machen
;
ja
was
noch
sonderbarer
scheinen
muß
,
Epigramme
,
sechsunddreißig
an
der
Zahl
,
haben
uns
bisher
ebenso
wenig
genutzt
,
sie
sind
nur
merkwürdig
geworden
als
Verirrungen
poetisierender
Kunstbeschauer
.
man
findet
sie
eintönig
,
sie
stellen
nicht
dar
,
sie
belehren
uns
nicht
.
sie
verwirren
viel
mehr
den
Begriff
,
den
man
sich
von
der
verlorenen
Gestalt
machen
möchte
,
als
daß
sie
ihn
bestimmten
.
genannte
und
ungenannte
Dichter
scheinen
in
diesen
rhythmischen
Scherzen
mehr
untereinander
zu
wetteifern
als
mit
dem
Kunstwerke
;
sie
wissen
nichts
davon
zu
sagen
,
als
daß
sie
sämtlich
die
große
Natürlichkeit
desselben
anzupreisen
beflissen
sind
.
ein
solches
Dilettantenlob
ist
aber
höchst
verdächtig
.
denn
bis
zur
Verwechselung
mit
der
Natur
Natürlichkeit
darzustellen
,
war
gewiß
nicht
Myrons
Bestreben
,
der
,
als
unmittelbarer
Nachfolger
von
Phidias
und
Polyklet
,
in
einem
höheren
Sinne
verfuhr
,
beschäftigt
war
,
Athleten
,
ja
sogar
den
Herkules
zu
bilden
,
und
gewiß
seinen
Werken
Stil
zu
geben
,
sie
von
der
Natur
abzusondern
wußte
.
man
kann
als
ausgemacht
annehmen
,
daß
im
Altertum
kein
Werk
berühmt
worden
,
das
nicht
von
vorzüglicher
Erfindung
gewesen
wäre
:
denn
diese
ist's
doch
,
die
am
Ende
den
Kenner
wie
die
Menge
entzückt
.
wie
mag
denn
aber
Myron
eine
Kuh
wichtig
,
bedeutend
und
für
die
Aufmerksamkeit
der
Menge
durch
Jahrhunderte
durch
anziehend
gemacht
haben
?
die
sämtlichen
Epigramme
preisen
durchaus
an
ihr
Wahrheit
und
Natürlichkeit
und
wissen
die
mögliche
Verwechselung
mit
dem
Wirklichen
nicht
genug
hervorzuheben
.
ein
Löwe
will
die
Kuh
zerreißen
,
ein
Stier
sie
bespringen
,
ein
Kalb
an
ihr
saugen
,
die
übrige
Herde
schließt
sich
an
sie
an
;
der
Hirte
wirft
einen
Stein
nach
ihr
,
um
sie
von
der
Stelle
zu
bewegen
,
er
schlägt
nach
ihr
,
er
peitscht
sie
,
er
dutet
sie
an
;
der
Ackersmann
bringt
Kummet
und
Pflug
,
sie
einzuspannen
,
ein
Dieb
will
sie
stehlen
,
eine
Bremse
setzt
sich
auf
ihr
Fell
,
ja
Myron
selbst
verwechselt
sie
mit
den
übrigen
Kühen
seiner
Herde
.
offenbar
strebt
hier
ein
Dichter
,
den
andern
mit
leeren
rednerischen
Floskeln
zu
überbieten
,
und
die
eigentliche
Gestalt
,
die
Handlung
der
Kuh
bleibt
immer
im
Dunkeln
.
nun
soll
sie
zuletzt
gar
noch
brüllen
;
dieses
fehlte
freilich
noch
zum
Natürlichen
.
aber
eine
brüllende
Kuh
,
insofern
sie
plastisch
vorzutellen
wäre
,
ist
ein
so
gemeines
und
noch
dazu
unbestimmtes
Motiv
,
daß
es
der
hochsinnige
Grieche
unmöglich
brauchen
konnte
.
wie
gemein
es
sei
,
fällt
jedermann
in
die
Augen
,
aber
unbestimmt
und
unbedeutend
ist
es
dazu
.
sie
kann
brüllen
nach
der
Weide
,
nach
der
Herde
,
dem
Stier
,
dem
Kalbe
,
nach
dem
Stalle
,
der
Melkerin
,
und
wer
weiß
nach
was
allem
.
auch
sagen
die
Epigramme
keineswegs
,
daß
sie
gebrüllt
habe
,
nur
daß
sie
brüllen
würde
,
wenn
sie
Eingeweide
hätte
,
so
wie
sie
sich
fortbewegen
würde
,
wenn
sie
nicht
an
das
Piedestal
angegossen
wäre
.
sollten
wir
aber
nicht
trotz
aller
dieser
Hindernisse
doch
zum
Zwecke
gelangen
und
uns
das
Kunstwerk
vergegenwärtigen
,
wenn
wir
alle
die
falschen
Umstände
,
welche
in
den
Epigrammen
enthalten
sind
,
ablösen
und
den
wahren
Umstand
übrigzubehalten
suchen
?
niemand
wird
in
der
Nähe
dieser
Kuh
oder
als
Gegen-
und
Mitbild
einen
Löwen
,
den
Stier
,
den
Hirten
,
die
übrige
Herde
,
den
Ackersmann
,
den
Dieb
oder
die
Bremse
denken
.
aber
ein
Lebendiges
konnte
der
Künstler
ihr
zugesellen
,
und
zwar
das
einzige
Mögliche
und
Schickliche
,
das
Kalb
.
es
war
eine
säugende
Kuh
:
denn
nur
insofern
sie
säugt
,
ist
es
erst
eine
Kuh
,
die
uns
als
Herdenbesitzern
bloß
durch
Fortpflanzung
und
Nahrung
,
durch
Milch
und
Kalb
bedeutend
wird
.
wirft
man
nun
alle
jene
fremden
Blumen
hinweg
,
womit
die
Dichter
,
und
vielleicht
manche
derselben
ohne
eigne
Anschauung
,
das
Kunstwerk
zu
schmücken
glaubten
,
so
sagen
mehrere
Epigramme
ausdrücklich
,
daß
es
eine
Kuh
mit
dem
Kalbe
,
daß
es
eine
säugende
Kuh
gewesen
.
Myron
formte
,
Wandrer
,
die
Kuh
;
das
Kalb
,
sie
erblickend
,
nahet
lechzend
sich
ihr
,
glaubt
die
Mutter
zu
sehn
.
armes
Kalb
,
was
nahst
du
dich
mir
mit
bittendem
Blöken
?
Milch
ins
Euter
hat
mir
nicht
geschaffen
die
Kunst
.
wollte
man
jedoch
gegen
die
Entschiedenheit
dieser
beiden
Gedichte
einigen
Zweifel
erregen
und
behaupten
,
es
sei
hier
das
Kalb
wie
die
übrigen
hinzugedichteten
Wesen
auch
nur
eine
poetische
Figur
,
so
erhalten
sie
doch
durch
nachstehendes
eine
unwidersprechliche
Bekräftigung
.
vorbei
,
Hirt
,
bei
der
Kuh
,
und
deine
Flöte
schweige
,
daß
ungestört
ihr
Kalb
sie
säuge
!
Flöte
heißt
hier
offenbar
das
Horn
,
worein
der
Hirte
stößt
,
um
die
Herde
in
Bewegung
zu
setzen
.
er
soll
in
ihrer
Nähe
nicht
duten
,
damit
sie
sich
nicht
rühre
;
das
Kalb
ist
hier
nicht
supponiert
,
sondern
wirklich
bei
ihr
und
wird
für
so
lebendig
angesprochen
als
sie
selbst
.
bleibt
nun
hierüber
kein
Zweifel
übrig
,
finden
wir
uns
nunmehr
auf
der
rechten
Spur
,
haben
wir
das
wahre
Attribut
von
den
eingebildeten
,
das
plastische
Beiwerk
von
den
poetischen
abzusondern
gewußt
,
so
haben
wir
uns
noch
mehr
zu
freuen
,
daß
zu
Vollendung
unserer
Absicht
,
zum
Lohne
unseres
Bemühens
uns
eine
Abbildung
aus
dem
Altertume
überliefert
worden
;
sie
ist
auf
den
Münzen
von
Dyrrhachium
oft
genug
wiederholt
,
in
der
Hauptsache
sich
immer
gleich
.
wir
fügen
einen
Umriß
davon
hier
bei
und
sähen
gern
durch
geschichte
Künstler
die
flach
erhabene
Arbeit
wieder
zur
Statue
verwandelt
.
da
nun
dies
herrliche
Werk
,
wenn
auch
nur
in
entfernter
Nachbildung
,
abermals
vor
den
Augen
der
Kenner
steht
,
so
darf
ich
die
Vortrefflichkeit
der
Komposition
wohl
nicht
umständlich
herausheben
.
die
Mutter
,
stramm
auf
ihren
Füßen
wie
auf
Säulen
,
bereitet
durch
ihren
prächtigen
Körper
dem
jungen
Säugling
ein
Obdach
;
wie
in
einer
Nische
,
einer
Zelle
,
einem
Heiligtum
ist
das
kleine
nahrungsbedürftige
Geschöpf
eingefaßt
und
füllt
den
organisch
umgebenen
Raum
mit
der
größten
Zierlichkeit
aus
.
die
halbknieende
Stellung
,
gleich
einem
Bittenden
,
das
aufgerichtete
Haupt
,
gleich
einem
Flehenden
und
Empfangenden
,
die
gelinde
Anstrengung
,
die
zarte
Heftigkeit
,
alles
ist
in
den
besten
dieser
Kopien
angedeutet
,
was
dort
im
Original
über
allen
Begriff
muß
vollendet
gewesen
sein
.
und
nun
wendet
die
Mutter
das
Haupt
nach
innen
,
und
die
Gruppe
schließt
sich
auf
die
vollkommenste
Weise
selbst
ab
.
sie
konzentriert
den
Blick
,
die
Betrachtung
,
die
Teilnahme
des
Beschauenden
,
und
er
mag
,
er
kann
sich
nichts
draußen
,
nichts
daneben
,
nichts
anders
denken
;
wie
eigentlich
ein
vortreffliches
Kunstwerk
alles
übrige
ausschließen
und
für
den
Augenblick
vernichten
soll
.
die
technische
Weisheit
dieser
Gruppe
,
das
Gleichgewicht
im
Ungleichen
,
den
Gegensatz
des
Ähnlichen
,
die
Harmonie
des
Unähnlichen
und
alles
,
was
mit
Worten
kaum
ausgesprochen
werden
kann
,
verehre
der
bildende
Künstler
.
wir
aber
äußern
hier
ohne
Bedenken
die
Behauptung
,
daß
die
Naivetät
der
Konzeption
und
nicht
die
Natürlichkeit
der
Ausführung
das
ganze
Altertum
entzückt
hat
.
das
Säugen
ist
eine
tierische
Funktion
und
bei
vierfüßigen
Tieren
von
großer
Anmut
.
das
starre
bewußtlose
Staunen
des
säugenden
Geschöpfes
,
die
bewegliche
Tätigkeit
des
Gesäugten
stehen
in
dem
herrlichsten
Kontrast
.
das
Fohlen
,
schon
zu
ziemlicher
Größe
erwachsen
,
kniet
nieder
,
um
sich
dem
Euter
zu
bequemen
,
aus
dem
es
stoßweise
die
erwünschte
Nahrung
zieht
.
die
Mutter
,
halb
verletzt
,
halb
erleichtert
,
schaut
sich
um
,
und
durch
diesen
Akt
entspringt
das
vertraulichste
Bild.
wir
andern
Städtebewohner
erblicken
seltner
die
Kuh
mit
dem
Kalbe
,
die
Statue
mit
dem
Fohlen
;
aber
bei
jedem
Frühlingsspaziergang
können
wir
diesen
Akt
an
Schafen
und
Lämmern
mit
Ergetzen
gewahr
werden
,
und
ich
fordere
jeden
Freund
der
Natur
und
Kunst
auf
,
solchen
über
Wies
'
und
Feld
zerstreuten
Gruppen
mehr
Aufmerksamkeit
als
bisher
zu
schenken
.
wenden
wir
uns
nun
wieder
zu
dem
Kunstwerk
,
so
werden
wir
zu
der
allgemeinen
Bemerkung
veranlaßt
,
daß
tierische
Gestalten
,
einzeln
oder
gesellt
,
sich
hauptsächlich
zu
Darstellungen
qualifizieren
,
die
nur
von
einer
Seite
gesehen
werden
,
weil
alles
Interesse
auf
der
Seite
liegt
,
wohin
der
Kopf
gewendet
ist
;
deshalb
eignen
sie
sich
zu
Nischen-
und
Wandbildern
so
wie
zum
Basrelief
,
und
gerade
dadurch
konnte
uns
Myrons
Kuh
,
auch
flach
erhoben
,
so
vollkommen
überliefert
werden
.
von
den
,
wie
billig
,
so
sehr
gepriesenen
Tierbildungen
wenden
wir
uns
zu
der
noch
preiswürdigeren
Götterbildung
.
unmöglich
wäre
es
einem
griechischen
plastischen
Künstler
gewesen
,
eine
Göttin
säugend
vorzustellen
.
Juno
,
die
dem
Herkules
die
Brust
reicht
,
wird
dem
Poeten
verziehen
,
wegen
der
ungeheueren
Wirkung
,
die
er
hervorbringt
,
indem
er
die
Milchstraße
durch
den
verspritzten
göttlichen
Nahrungssaft
entstehn
läßt
.
der
bildende
Künstler
verwirft
dergleichen
ganz
und
gar.
einer
Juno
,
einer
Pallas
in
Marmor
,
Erz
oder
Elfenbein
einen
Sohn
zuzugesellen
,
wäre
für
diese
Majestäten
höchst
erniedrigend
gewesen
.
Venus
,
durch
ihren
Gürtel
eine
ewige
Jungfrau
,
hat
im
höheren
Altertum
keinen
Sohn
;
Eros
,
Amor
,
Cupido
selbst
erscheinen
als
Ausgeburten
der
Urzeit
,
Aphroditen
wohl
zugesellt
,
aber
nicht
so
nahe
verwandt
.
untergeordnete
Wesen
,
Heroinen
,
Nymphen
,
Faunen
,
welchen
die
Dienste
der
Ammen
,
der
Erzieher
zugeteilt
sind
,
mögen
allenfalls
für
einen
Knaben
Sorge
tragend
erscheinen
,
da
Jupiter
selbst
von
einer
Nymphe
,
wo
nicht
gar
von
einer
Ziege
genährt
worden
,
andere
Götter
und
Heroen
gleichfalls
eine
wilde
Erziehung
im
verborgenen
genossen
.
wer
gedenkt
hier
nicht
der
Amalthea
,
des
Chirons
und
so
mancher
andern
?
bildende
Künstler
jedoch
haben
ihren
großen
Sinn
und
Geschmack
am
höchsten
dadurch
betätigt
,
daß
sie
sich
der
tierischen
Handlung
des
Säugens
an
Halbmenschen
erfreut
.
davon
zeigt
uns
ein
leuchtendes
Beispiel
jene
Centaurenfamilie
des
Zeuxis
.
die
Centaurin
,
auf
das
Gras
hingestreckt
,
gibt
der
jüngsten
Ausgeburt
ihres
Doppelwesens
die
Milch
der
Mutterbrust
,
indessen
ein
anderes
Tierkind
sich
an
den
Zitzen
der
Stute
erlabt
und
der
Vater
einen
erbeuteten
jungen
Löwen
hinten
herein
zeigt
.
so
ist
uns
auch
ein
schönes
Familienbild
von
Wassergöttern
auf
einem
geschnittenen
Stein
übriggeblieben
,
wahrscheinlich
Nachbildung
einer
der
berühmten
Gruppen
des
Skopas
.
ein
Tritonen-Ehepaar
zieht
geruhig
durch
die
Fluten
;
ein
kleiner
Fischknabe
schwimmt
munter
voraus
,
ein
anderer
,
dem
das
salzige
Element
auf
die
Milch
der
Mutter
noch
nicht
schmecken
mag
,
strebt
an
ihr
hinauf
;
sie
hilft
ihm
nach
,
indessen
sie
ein
Jüngstes
an
die
Brust
geschlossen
trägt
.
anmutiger
ist
nicht
leicht
etwas
gedacht
und
ausgeführt
.
wie
manches
Ähnliche
übergehen
wir
,
wodurch
uns
die
großen
Alten
belehrt
,
wie
höchst
schätzbar
die
Natur
auf
allen
ihren
Stufen
sei
,
da
,
wo
sie
mit
dem
Haupte
den
göttlichen
Himmel
,
und
da
,
wo
sie
mit
den
Füßen
die
tierische
Erde
berührt
.
noch
einer
Darstellung
jedoch
können
wir
nicht
geschweigen
:
es
ist
die
römische
Wölfin
.
man
sehe
sie
,
wo
man
will
,
auch
in
der
geringsten
Nachbildung
,
so
erregt
sie
immer
ein
hohes
Vergnügen
.
wenn
an
dem
zitzenreichen
Leibe
dieser
wilden
Bestie
sich
zwei
Heldenkinder
einer
würdigen
Nahrung
erfreuen
und
sich
das
fürchterliche
Scheusal
des
Waldes
auch
mütterlich
nach
diesen
fremden
Gastsäuglingen
umsieht
,
der
Mensch
mit
dem
wilden
Tiere
auf
das
zärtlichste
in
Kontakt
kommt
,
das
zerreißende
Monstrum
sich
als
Mutter
,
als
Pflegerin
darstellt
,
so
kann
man
wohl
von
einem
solchen
Wunder
auch
eine
wundervolle
Wirkung
für
die
Welt
erwarten
.
sollte
die
Sage
nicht
durch
den
bildenden
Künstler
zuerst
entsprungen
sein
,
der
einen
solchen
Gedanken
plastisch
am
besten
zu
schätzen
wußte
?
wie
schwach
erscheint
aber
,
mit
so
großen
Konzeptionen
verglichen
,
eine
Augusta
Puerpera
,
---
.
der
Sinn
und
das
Bestreben
der
Griechen
ist
,
den
Menschen
zu
vergöttern
,
nicht
die
Gottheit
zu
vermenschen
.
hier
ist
ein
Theomorphism
,
kein
Anthropomorphism
!
ferner
soll
nicht
das
Tierische
am
Menschen
geadelt
werden
,
sondern
das
Menschliche
des
Tiers
werde
hervorgehoben
,
damit
wir
uns
in
höherem
Kunstsinne
daran
ergetzen
,
wie
wir
es
ja
schon
,
nach
einem
unwiderstehlichen
Naturtrieb
,
an
lebenden
Tiergeschöpfen
tun
,
die
wir
uns
so
gern
zu
Gesellen
und
Dienern
erwählen
.
schauen
wir
nun
nochmals
auf
Myrons
Kuh
zurück
,
so
bringen
wir
noch
einige
Vermutungen
nach
,
die
nämlich
,
daß
er
eine
junge
Kuh
vorgestellt
,
welche
zum
ersten
Male
gekalbt
;
ferner
,
daß
sie
vielleicht
unter
Lebensgröße
gewesen
.
wir
wiederholen
sodann
das
oben
zuerst
Gesagte
,
daß
ein
Künstler
wie
Myron
nicht
das
sogenannte
Natürliche
zu
gemeiner
Täuschung
gesucht
haben
könne
,
sondern
daß
er
den
Sinn
der
Natur
aufzufassen
und
auszudrücken
gewußt
.
der
Menge
,
dem
Dilettanten
,
dem
Redner
,
dem
Dichter
ist
zu
verzeihen
,
wenn
er
das
,
was
im
Bilde
die
höchste
absichtliche
Kunst
ist
,
nämlich
den
harmonischen
Effekt
,
welcher
Seele
und
Geist
des
Beschauers
auf
einen
Punkt
konzentriert
,
als
rein
natürlich
empfindet
,
weil
es
sich
als
höchste
Natur
mitteilt
;
aber
unverzeihlich
wäre
es
,
nur
einen
Augenblick
zu
behaupten
,
daß
dem
hohen
Myron
,
dem
Nachfolger
des
Phidias
,
dem
Vorfahren
des
Praxiteles
,
bei
der
Vollendung
seines
Werks
das
Seelenvolle
,
die
Anmut
des
Ausdrucks
gemangelt
habe
.
zum
Schlusse
sei
uns
erlaubt
,
ein
paar
moderne
Epigramme
beizubringen
,
und
zwar
das
erste
von
Menage
,
welcher
Juno
auf
diese
Kuh
eifersüchtig
sein
läßt
,
weil
sie
ihr
eine
zweite
Io
vorzubilden
scheint
.
diesem
braven
Neueren
ist
also
zuerst
beigegangen
,
daß
es
im
Altertum
so
viele
ideelle
Tiergestalten
gibt
,
ja
daß
sie
,
bei
so
vielen
Liebeshändeln
und
Metamorphosen
,
sehr
geeignet
sind
,
das
Zusammentreffen
von
Göttern
und
Menschen
zu
vermitteln
.
ein
hoher
Kunstbegriff
,
auf
den
man
bei
Beurteilung
alter
Arbeiten
wohl
zu
merken
hat
.
als
sie
das
Kühlein
ersah
,
dein
ehernes
,
eiferte
Juno
,
Myron
!
sie
glaubte
fürwahr
,
Inachus
'
Tochter
zu
sehn
.
zuletzt
aber
mögen
einige
rhythmische
Zeilen
stehen
,
die
unsere
Ansicht
gedrängt
darzustellen
geeignet
sind
.
daß
du
die
Herrlichste
bist
,
Admetos
'
Herden
ein
Schmuck
wärst
,
selber
des
Sonnengotts
Rindern
Entsprungene
scheinst
:
alles
reißet
zum
Staunen
mich
hin
!
zum
Preise
des
Künstlers
-
doch
daß
du
mütterlich
auch
fühlest
,
es
ziehet
mich
an
.
Jena
,
den
20sten
November
1812
.
anschließlich
mag
ich
hier
gern
bemerken
,
daß
meine
alte
Vorliebe
für
die
Abbildung
des
Säuglings
mit
der
Mutter
,
von
Myrons
Kuh
ausgehend
(
Kunst
und
Altertum
II
,
I
,
9
)
,
durch
Herrn
Zahns
Gefälligkeit
abermals
belohnt
worden
,
indem
er
mir
eine
Durchzeichnung
des
Kindes
Telephus
,
der
in
Gegenwart
seines
Heldenvaters
und
aller
schützenden
Wald-
und
Berggötter
an
der
Hinde
säugt
,
zum
Abschied
verehrte
.
von
dieser
Gruppe
,
die
vielleicht
alles
übertrifft
,
was
in
der
Art
je
geleistet
worden
,
kann
man
sich
Band
I
,
Seite
31
der
Herkulanischen
Altertümer
einen
allgemeinen
,
obgleich
nicht
genügenden
Begriff
machen
,
welcher
nunmehr
durch
den
gedachten
Umriß
in
der
Größe
des
Originals
vollkommen
überliefert
wird
.
die
Verschränkung
der
Glieder
eines
zarten
säugenden
Knaben
mit
dem
leichtfüßigen
Tiergebilde
einer
zierlichen
Hinde
ist
eine
kunstreiche
Komposition
,
die
man
nicht
genug
bewundern
kann
.
undankbar
aber
wäre
es
,
wenn
ich
hier
,
wo
es
Gelegenheit
gibt
,
nicht
eines
Ölbildes
erwähnte
,
welches
ich
täglich
gern
vor
Augen
sehe
.
in
einem
still-engen
,
doch
heiter-mannigfaltigen
Tal
,
unter
einem
alten
Eichbaume
,
säugt
ein
weißes
Reh
einen
gleichfalls
blendend
weißen
Abkömmling
unter
liebkosender
Teilnahme
.
auf
diese
Weise
bildet
sich
denn
um
mich
,
angeregt
durch
jene
früheren
Bemerkungen
,
ein
heiterer
Zyklus
dieses
anmutigen
Zeugnisses
ursprünglichster
Verwandtschaft
und
notwendigster
Neigung
.
vielleicht
kommen
wir
auf
diesem
Wege
am
ersten
zu
dem
hohen
philosophischen
Ziel
,
das
göttlich
Belebende
in
Menschen
mit
dem
tierisch
Belebten
auf
das
unschuldigste
verbunden
gewahr
zu
werden
.
Ruysdael
als
Dichter
.
Jakob
Ruysdael
,
geboren
zu
Harlem
1635
,
fleißig
arbeitend
bis
1681
,
ist
als
einer
der
vortrefflichsten
Landschaftsmaler
anerkannt
.
seine
Werke
befriedigen
vorerst
alle
Forderungen
,
die
der
äußere
Sinn
an
Kunstwerke
machen
kann
.
Hand
und
Pinsel
wirken
mit
größter
Freiheit
zu
der
genauesten
Vollendung
.
Licht
,
Schatten
,
Haltung
und
Wirkung
des
Ganzen
läßt
nichts
zu
wünschen
übrig
.
hievon
überzeugt
der
Anblick
sogleich
jeden
Liebhaber
und
Kenner
.
gegenwärtig
aber
wollen
wir
ihn
als
denkenden
Künstler
,
ja
als
Dichter
betrachten
,
und
auch
hier
werden
wir
gestehen
,
daß
ein
hoher
Preis
ihm
gebühre
.
zum
gehaltreichen
Texte
kommen
uns
hiezu
drei
Gemälde
der
Königlich
Sächsischen
Sammlung
zustatten
,
wo
verschiedene
Zustände
der
bewohnten
Erdoberfläche
mit
großem
Sinn
dargestellt
sind
,
jeder
einzeln
,
abgeschlossen
,
konzentriert
.
der
Künstler
hat
bewunderungswürdig
geistreich
den
Punkt
gefaßt
,
wo
die
Produktionskraft
mit
dem
reinen
Verstande
zusammentrifft
,
und
dem
Beschauer
ein
Kunstwerk
überliefert
,
welches
,
dem
Auge
an
und
für
sich
erfreulich
,
den
innern
Sinn
aufruft
,
das
Andenken
anregt
und
zuletzt
einen
Begriff
ausspricht
,
ohne
sich
darin
aufzulösen
oder
zu
verkühlen
.
wir
haben
wohlgeratene
Kopien
dieser
drei
Bilder
vor
uns
und
können
also
darüber
ausführlich
und
gewissenhaft
sprechen
.
I.
das
erste
Bild
stellt
die
sukzessiv
bewohnte
Welt
zusammen
dar
.
auf
einem
Felsen
,
der
ein
begrenztes
Tal
überschaut
,
steht
ein
alter
Turm
,
nebenan
wohle3rhaltene
neuere
Baulichkeiten
.
an
dem
Fuße
des
Felsen
eine
ansehnliche
Wohnung
behaglicher
Gutsbesitzer
.
die
uralten
hohen
Fichten
um
dieselbe
zeigen
uns
an
,
welch
ein
langer
friedlich-vererbter
Besitz
einer
Reihe
von
Abkömmlingen
an
dieser
Stelle
gegönnt
gewesen
.
im
Grunde
am
Abhange
eines
Berges
ein
weithingestrecktes
Dorf
,
gleichfalls
auf
Fruchtbarkeit
und
Wohnlichkeit
dieses
Tals
hindeutend
.
ein
stark
strömendes
Wasser
stürzt
im
Vordergrunde
über
Felsen
und
abgerissene
schlanke
Baumstämme
,
und
so
fehlt
es
denn
nicht
an
dem
allbelebenden
Elemente
,
und
man
denkt
sich
sogleich
,
daß
es
ober-
und
unterhalb
durch
Mühlen
und
Hammerwerke
werde
benutzt
sein
.
die
Bewegung
,
Klarheit
,
Haltung
dieser
Massen
beleben
köstlich
das
übrige
Ruhende
.
daher
wird
auch
dieses
Gemälde
der
Wasserfall
genannt
.
es
befriedigt
jeden
,
der
auch
nicht
gerade
in
den
Sinn
des
Bildes
einzudringen
Zeit
und
Veranlassung
hat
.
II
.
das
zweite
Bild
,
unter
dem
Namen
des
Klosters
berühmt
,
hat
bei
einer
reichern
,
mehr
anziehenden
Komposition
die
ähnliche
Absicht
:
im
Gegenwärtigen
das
Vergangene
darzustellen
,
und
dies
ist
auf
das
bewundernswürdigste
erreicht
,
das
Abgestorbene
mit
dem
Lebendigen
in
die
anschaulichste
Verbindung
gebracht
.
zu
seiner
linken
Hand
erblickt
der
Beschauer
ein
verfallenes
,
ja
verwüstetes
Kloster
,
an
welchem
man
jedoch
hinterwärts
wohlerhaltene
Gebäude
sieht
,
wahrscheinlich
den
Aufenthalt
eines
Amtmanns
oder
Schössers
,
welcher
die
ehemals
hieher
fließenden
Zinsen
und
Gefälle
noch
fernerhin
einnimmt
,
ohne
daß
sie
von
hier
aus
,
wie
sonst
,
ein
allgemeines
Leben
verbreiten
.
im
Angesicht
dieser
Gebäude
steht
ein
vor
alten
Zeiten
gepflanztes
,
noch
immer
fortwachsendes
Lindenrund
,
um
anzudeuten
,
daß
die
Werke
der
Natur
ein
längeres
Leben
,
eine
größere
Dauer
haben
als
die
Werke
der
Menschen
;
denn
unter
diesen
Bäumen
haben
sich
schon
vor
mehrern
Jahrhunderten
bei
Kirchweihfesten
und
Jahrmärkten
zahlreiche
Pilgrime
versammelt
,
um
sich
nach
frommen
Wanderungen
zu
erquicken
.
daß
übrigens
hier
ein
großer
Zusammenfluß
von
Menschen
,
eine
fortdauernde
Lebensbewegung
gewesen
,
darauf
deuten
die
an
und
in
dem
Wasser
übriggebliebenen
Fundamente
von
Brückenpfeilern
,
die
gegenwärtig
malerischem
Zwecke
dienen
,
indem
sie
den
Lauf
des
Flüßchens
hemmen
und
kleine
rauschende
Kaskaden
hervorbringen
.
aber
daß
diese
Brücke
zerstört
ist
,
kann
den
lebendigen
Verkehr
nicht
hindern
,
der
sich
durch
alles
durch
seine
Straße
sucht
.
Menschen
und
Vieh
,
Hirten
und
Wanderer
ziehen
nunmehr
durch
das
seichte
Wasser
und
geben
dem
sanften
Zuge
desselben
einen
neuen
Reiz
.
auch
reich
an
Fischen
sind
noch
bis
auf
den
heutigen
Tag
diese
Fluten
,
so
wie
zu
jener
Zeit
,
als
man
bei
Fastentafeln
notwendig
ihrer
bedurfte
;
denn
Fischer
waten
diesen
unschuldigen
Grundbewohnern
noch
immer
entgegen
und
suchen
sich
ihrer
zu
bemächtigen
.
wenn
nun
die
Berge
des
Hintergrundes
mit
jungen
Büschen
umlaubt
scheinen
,
so
mag
man
daraus
schließen
,
daß
starke
Wälder
hier
abgetrieben
und
diese
sanften
Höhen
dem
Stockausschlag
und
dem
kleinern
Gesträuch
überlassen
werden
.
aber
diesseits
des
Wassers
hat
sich
zunächst
an
einer
verwitterten
,
zerbröckelten
Felspartie
eine
merkwürdige
Baumgruppe
angesiedelt
.
schon
steht
veraltet
eine
herrliche
Buche
da
,
entblättert
,
entästet
,
mit
geborstener
Rinde
.
damit
sie
uns
aber
durch
ihren
herrlich
dargestellten
Schaft
nicht
betrübe
,
sondern
erfreue
,
so
sind
ihr
andere
,
noch
vollebendige
Bäume
zugesellt
,
die
dem
kahlen
Stamme
durch
den
Reichtum
ihrer
Äste
und
Zweige
zu
Hülfe
kommen
.
diesen
üppigen
Wuchs
begünstigt
die
nahe
Feuchtigkeit
,
welche
durch
Moos
und
Rohr
und
Sumpfkräuter
genugsam
angedeutet
wird
.
indem
nun
ein
sanftes
Licht
von
dem
Kloster
zu
den
Linden
und
weiter
hin
sich
zieht
,
an
dem
weißen
Stamm
der
Buche
wie
im
Widerscheine
glänzt
,
sodann
über
den
sanften
Fluß
und
die
rauschenden
Fälle
,
über
Herden
und
Fischer
zurückgleitet
und
das
ganze
Bild
belebt
,
sitzt
nah
am
Wasser
im
Vordergrund
,
uns
den
Rücken
kehrend
,
der
zeichnende
Künstler
selbst
,
und
diese
so
oft
mißbrauchte
Staffage
erblicken
wir
mit
Rührung
hier
am
Platze
,
so
bedeutend
als
wirksam
.
er
sitzt
hier
als
Betrachter
,
als
Repräsentant
von
allen
,
welche
das
Bild
künftig
beschauen
werden
,
welche
sich
mit
ihm
in
die
Betrachtung
der
Vergangenheit
und
Gegenwart
,
die
sich
so
lieblich
durcheinander
webt
,
gern
vertiefen
mögen
.
glücklich
aus
der
Natur
gegriffen
ist
dies
Bild
,
glücklich
durch
den
Gedanken
erhöht
,
und
da
man
es
noch
überdies
nach
allen
Erfordernissen
der
Kunst
angelegt
und
ausgeführt
findet
,
so
wird
es
uns
immer
anziehen
,
es
wird
seinen
wohlverdienten
Ruf
durch
alle
Zeiten
erhalten
und
auch
in
einer
Kopie
,
wenn
sie
einigermaßen
gelang
,
das
größere
Verdienst
des
Originals
zur
Ahnung
bringen
.
III
.
das
dritte
Bild
dagegen
ist
allein
der
Vergangenheit
gewidmet
,
ohne
dem
gegenwärtigen
Leben
irgendein
Recht
zu
gönnen
.
man
kennt
es
unter
dem
Namen
des
Kirchhofs
.
es
ist
auch
einer
.
die
Grabmale
sogar
deuten
in
ihrem
zerstörten
Zustande
auf
ein
Mehr-als-Vergangenes
;
sie
sind
Grabmäler
von
sich
selbst
.
in
dem
Hintergrunde
sieht
man
,
von
einem
vorüberziehenden
Regenschauer
umhüllt
,
magere
Ruinen
eines
ehemals
ungeheuern
,
in
den
Himmel
strebenden
Doms
.
eine
freistehende
spindelförmige
Giebelmauer
wird
nicht
mehr
lange
halten
.
die
ganze
sonst
gewiß
fruchtbare
Klosterumgebung
ist
verwildert
,
mit
Stauden
und
Sträuchen
,
ja
mit
schon
veralteten
und
verdorrten
Bäumen
zum
Teil
bedeckt
.
auch
auf
dem
Kirchhofe
dringt
diese
Wildnis
ein
,
von
dessen
ehemaliger
frommen
Befriedigung
keine
Spur
mehr
zu
sehen
ist
.
bedeutende
,
wundersame
Gräber
aller
Art
,
durch
ihre
Formen
teils
an
Särge
erinnernd
,
teils
durch
große
aufgerichtete
Steinplatten
bezeichnet
,
geben
Beweis
von
der
Wichtigkeit
des
Kirchsprengels
,
und
was
für
edle
und
wohlhabende
Geschlechter
an
diesem
Orte
ruhen
mögen
.
der
Verfall
der
Gräber
selbst
ist
mit
großem
Geschmack
und
schöner
Künstlermäßigung
ausgeführt
;
sehr
gern
verweilt
der
Blick
an
ihnen
.
aber
zuletzt
wird
der
Betrachter
überrascht
,
wenn
er
weit
hinten
neue
bescheidene
Monumente
mehr
ahnet
als
erblickt
,
um
welche
sich
Trauernde
beschäftigen
-
als
wenn
uns
das
Vergangene
nichts
außer
der
Sterblichkeit
zurücklassen
könnte
.
der
bedeutendste
Gedanke
dieses
Bildes
jedoch
macht
zugleich
den
größten
malerischen
Eindruck
.
durch
das
Zusammenstürzen
ungeheurer
Gebäude
mag
ein
freundlicher
,
sonst
wohlgeleiteter
Bach
verschüttet
,
gestemmt
und
aus
seinem
Wege
gedrängt
worden
sein
.
dieser
sucht
sich
nun
einen
Weg
ins
Wüste
,
bis
durch
die
Gräber
.
ein
Lichtblick
,
den
Regenschauer
überwindend
,
beleuchtet
ein
paar
aufgerichtete
,
schon
beschädigte
Grabestafeln
,
einen
ergrauten
Baumstamm
und
Stock
,
vor
allem
aber
die
heranflutende
Wassermasse
,
ihre
stürzenden
Strahlen
und
den
sich
entwickelnden
Schaum
.
diese
sämtlichen
Gemälde
,
so
oft
kopiert
,
werden
vielen
Liebhabern
vor
Augen
sein
.
wer
das
Glück
hat
,
die
Originale
zu
sehen
,
durchdringe
sich
von
der
Einsicht
,
wie
weit
die
Kunst
gehen
kann
und
soll
.
wir
werden
in
der
Folge
noch
mehr
Beispiele
aufsuchen
,
wo
der
reinfühlende
,
klardenkende
Künstler
,
sich
als
Dichter
erweisend
,
eine
vollkommene
Symbolik
erreicht
und
durch
die
Gesundheit
seines
äußern
und
innern
Sinnes
uns
zugleich
ergötzt
,
belehrt
,
erquickt
und
belebt
.
Kunst
und
Altertum
am
Rhein
und
Main
.
Mit
einem
Nachbilde
der
Vera
Icon
,
byzantinisch-niederrheinisch
.
Heidelberg
.
diese
Stadt
,
von
so
mancher
Seite
merkwürdig
,
beschäftigt
und
unterhält
den
Besuchenden
auf
mehr
als
eine
Weise
.
der
Weg
jedoch
,
welchen
wir
zu
unsern
Zwecken
eingeschlagen
haben
,
führt
uns
zuerst
in
die
Sammlung
alter
Gemälde
,
welche
,
vom
Niederrhein
heraufgebracht
,
seit
einigen
Jahren
als
besondere
Zierde
des
Ortes
,
ja
der
Gegend
angesehen
werden
kann
.
indem
ich
nun
die
Boissereesche
Sammlung
nach
einer
jährigen
Pause
zum
zweitenmal
betrachte
,
in
ihren
Sinn
und
Absicht
tiefer
eindringe
,
auch
nicht
abgeneigt
bin
,
darüber
ein
Wort
öffentlich
auszusprechen
,
so
begegnen
mir
alle
vorgefühlte
Schwierigkeiten
:
denn
weil
aller
Vorzug
der
bildenden
Kunst
darin
besteht
,
daß
man
ihre
Darstellungen
mit
Worten
zwar
andeuten
,
aber
nicht
ausdrücken
kann
,
so
weiß
der
Einsichtige
,
daß
er
in
solchem
Falle
ein
Unmögliches
übernähme
,
wenn
er
sich
nicht
zu
seiner
Bahn
selbst
Maß
und
Ziel
setzen
wollte
.
da
erkennt
er
denn
,
daß
auf
historischem
Wege
hier
das
Reinste
und
Nützlichste
zu
wirken
ist
;
er
wird
den
Vorsatz
fassen
,
eine
so
wohlversehene
und
wohlgeordnete
Sammlung
dadurch
zu
ehren
,
daß
er
nicht
sowohl
von
den
Bildern
selbst
als
von
ihrem
Bezug
untereinander
Rechenschaft
zu
geben
trachtet
;
er
wird
sich
vor
Vergleichungen
nach
außen
im
Einzelnen
hüten
,
ob
er
gleich
die
Kunstepoche
,
von
welcher
hier
die
Rede
ist
,
aus
entfernten
,
durch
Zeit
und
Ort
geschiedenen
Kunsttätigkeiten
ableiten
muß
.
und
so
wird
er
den
kostbaren
Werken
,
mit
denen
wir
uns
gegenwärtig
beschäftigen
,
an
ihrem
Platz
vollkommnes
Recht
widerfahren
lassen
und
sie
dergestalt
behandeln
,
daß
ihnen
der
gründliche
Geschichtskenner
gern
ihre
Stelle
in
dem
großen
Kreise
der
allgemeinen
Kunstwelt
anweisen
mag
.
als
Einleitung
hiezu
,
und
damit
das
Besondere
dieser
Sammlung
deutlicher
hervortrete
,
ist
vor
allen
Dingen
ihre
Entstehung
zu
bedenken
.
die
Gebrüder
Boisseree
,
welche
solche
in
Gesellschaft
mit
Bertram
gegenwärtig
besitzen
,
und
den
Genuß
derselben
mit
Kunstfreunden
auf
das
offenste
teilen
,
waren
früher
dem
Kaufmannstande
geweiht
,
und
hatten
auf
diesen
Zweck
ihre
Studien
sowohl
zu
Hause
als
auswärts
in
großen
Handelsstädten
gerichtet
.
indessen
suchten
sie
zugleich
einen
Trieb
nach
höherer
Bildung
zu
befriedigen
,
wozu
sie
schöne
Gelegenheit
fanden
,
als
auf
die
Kölner
neuerrichtete
Schule
vorzügliche
deutsche
Männer
zu
Lehrern
berufen
wurden
.
dadurch
gewannen
sie
eine
jenen
Gegenden
seltenere
Ausbildung
.
und
obgleich
ihnen
,
die
sich
von
Jugend
auf
von
alten
und
neuen
Kunstwerken
umgeben
gesehen
,
Freude
daran
und
Liebe
derselben
angeboren
und
anerzogen
sein
mußte
,
so
war
es
doch
eigentlich
ein
Zufall
,
der
die
Neigung
dergleichen
zu
besitzen
erweckte
,
und
zu
dem
lobenswürdigsten
Unternehmen
den
Anlaß
gab
.
man
erinnere
sich
jenes
Jünglings
,
der
am
Strande
des
Meeres
einen
Ruderpflock
fand
und
,
durch
das
Wohlgefallen
an
diesem
einfachen
Werkzeug
bewogen
,
sich
ein
Ruder
,
darauf
einen
Kahn
,
hiezu
Mast
und
Segel
anschaffte
und
,
sich
erst
an
Uferfahrten
vorübend
,
zuletzt
mutig
in
die
See
stach
und
mit
immer
vergrößertem
Fahrzeug
endlich
zu
einem
reichen
und
glücklichen
Kauffahrer
gedieh
.
diesem
gleich
erhandelten
unsere
Jünglinge
zufällig
eines
der
auf
den
Trödel
gesprengten
Kirchenbilder
um
den
geringsten
Preis
,
bald
mehrere
;
und
indem
sie
durch
Besitz
und
Wiederherstellung
immer
tiefer
in
den
Wert
solcher
Arbeiten
eindrangen
,
verwandelte
sich
die
Neigung
in
Leidenschaft
,
welche
sich
mit
wachsender
Kenntnis
im
Besitz
guter
und
vortrefflicher
Dinge
immer
vermehrte
,
so
daß
es
ihnen
keine
Aufopferung
schien
,
wenn
sie
durch
kostspielige
Reisen
,
neue
Anschaffungen
und
sonstiges
Unternehmen
einen
Teil
ihres
Vermögens
so
wie
ihre
ganze
Zeit
auf
die
Ausführung
des
einmal
gefaßten
Vorsatzes
verwendeten
.
jener
Trieb
,
die
alten
deutschen
Baudenkmale
aus
der
Vergessenheit
zu
ziehn
,
die
besseren
in
ihrer
Reinheit
darzustellen
,
und
dadurch
ein
Urteil
über
die
Verschlimmerung
dieser
Bauart
festzusetzen
,
wurde
gleichermaßen
belebt
.
ein
Bemühen
schritt
neben
den
andern
fort
,
und
sie
sind
nun
imstande
,
ein
in
Deutschland
ungewöhnliches
Prachtwerk
herauszugeben
,
und
eine
aus
zweihundert
Bildern
bestehende
Sammlung
vorzuweisen
,
die
an
Seltenheit
,
Reinheit
,
glücklicher
Erhaltung
und
Wiederherstellung
,
besonders
aber
an
reiner
geschichtlicher
Folge
,
ihresgleichen
schwerlich
haben
möchte
.
um
nun
aber
so
viel
,
als
es
mit
Worten
geschehen
kann
,
hierüber
verständlich
zu
werden
,
müssen
wir
in
ältere
Zeiten
zurückgehen
,
gleichwie
derjenige
,
der
einen
Stammbaum
ausarbeiten
soll
,
so
weit
als
möglich
von
den
Zweigen
zur
Wurzel
dringen
muß
;
wobei
wir
jedoch
immer
voraussetzen
,
daß
dem
Leser
diese
Sammlung
entweder
wirklich
oder
in
Gedanken
gegenwärtig
sei
,
nicht
weniger
,
daß
er
sonstige
Kunstwerke
,
deren
wir
erwähnen
,
gleichfalls
kenne
,
und
mit
nüchternem
Sinn
sich
ernstlich
mit
uns
unterrichten
wolle
.
durch
militärisches
und
politisches
Unheil
war
das
Römische
Reich
auf
einen
Grad
von
Verwirrung
und
Erniedrigung
gesunken
,
daß
gute
Anstalten
jeder
Art
und
also
auch
die
Kunstfertigkeit
von
der
Erde
verschwanden
.
die
noch
vor
wenigen
Jahrhunderten
so
hochstehende
Kunst
hatte
sich
in
dem
wilden
Kriegs-
und
Heereswesen
völlig
verloren
,
wie
uns
die
Münzen
dieser
so
sehr
erniedrigten
Zeiten
den
deutlichsten
Beweis
geben
,
wo
eine
Unzahl
Kaiser
und
Kaiserlinge
sich
nicht
entehrt
fanden
,
in
der
fratzenhaftesten
Gestalt
auf
den
schlechtesten
Kupferpfennigen
zu
erscheinen
,
und
ihren
Soldaten
,
statt
ehrenvollen
Soldes
,
ein
bettelhaftes
Almosen
kümmerlich
zu
spenden
.
der
christlichen
Kirche
dagegen
sind
wir
die
Erhaltung
der
Kunst
,
und
wär
'
es
auch
nur
als
Funken
unter
der
Asche
,
schuldig
.
denn
obgleich
die
neue
,
innerliche
,
sittlich-sanftmütige
Lehre
jene
äußere
,
kräftig-sinnliche
Kunst
ablehnen
und
ihre
Werke
wo
nicht
zerstören
doch
entfernen
mußte
,
so
lag
doch
in
dem
Geschichtlichen
der
Religion
ein
so
vielfacher
,
ja
unendlicher
Same
als
in
keiner
andern
,
und
daß
dieser
,
selbst
ohne
Wollen
und
Zutun
der
neuen
Bekenner
,
aufgehen
würde
,
lag
in
der
Natur
.
die
neue
Religion
bekannte
einen
obersten
Gott
,
nicht
so
königlich
gedacht
wie
Zeus
,
aber
menschlicher
;
denn
er
ist
Vater
eines
geheimnisvollen
Sohnes
,
der
die
sittlichen
Eigenschaften
der
Gottheit
auf
Erden
darstellen
sollte
.
zu
beiden
gesellte
sich
eine
flattrnde
unschuldige
Taube
als
eine
gestaltete
und
gekühlte
Flamme
und
bildete
ein
wundersames
Kleeblatt
,
wo
umher
ein
seliges
Geisterchor
in
unzähligen
Abstufungen
sich
versammelte
.
die
Mutter
jenes
Sohnes
konnte
als
die
reinste
der
Frauen
verehrt
werden
;
denn
schon
im
heidnischen
Altertum
war
Jungfräulichkeit
und
Mutterschaft
verbunden
denkbar
.
zu
ihr
tritt
ein
Greis
,
und
von
oben
her
wird
eine
Mißheirat
gebilligt
,
damit
es
dem
neugebornen
Gotte
nicht
an
einem
irdischen
Vater
zu
Schein
und
Pflege
fehlen
möge
.
was
nun
beim
Erwachsen
und
bei
endlicher
Tätigkeit
dieses
göttlich-menschliche
Wesen
für
Anziehungskraft
ausübt
,
zeigt
uns
die
Masse
und
Mannigfaltigkeit
seiner
Jünger
und
Anhänger
männlichen
und
weiblichen
Geschlechts
,
die
sich
,
an
Alter
und
Charakteren
verschieden
,
um
den
einen
versammeln
:
die
aus
der
Menge
hervortretenden
Apostel
,
die
vier
Annalenschreiber
,
so
manche
Bekenner
aller
Art
und
Stände
,
und
,
von
Stephanus
an
,
eine
Reihe
Märtyrer
.
gründet
sich
nun
ferner
dieser
neue
Bund
auf
einen
ältern
,
dessen
Überlieferungen
bis
zu
Erschaffung
der
Welt
reichen
und
auch
mehr
historisch
als
dogmatisch
sind
;
bringen
wir
die
ersten
Eltern
,
die
Erzväter
und
Richter
,
Propheten
,
Könige
,
Wiederhersteller
in
Anschlag
,
deren
jeder
sich
besonders
auszeichnet
oder
auszuzeichnen
ist
:
so
sehen
wir
,
wie
natürlich
es
war
,
daß
Kunst
und
Kirche
ineinander
verschmolzen
und
eins
ohne
das
andere
nicht
zu
bestehen
schien
.
wenn
daher
die
hellenische
Kunst
vom
Allgemeinen
begann
und
sich
ganz
spät
ins
Besondere
verlor
,
so
hatte
die
christliche
den
Vorteil
,
von
einer
Unzahl
Individualitäten
ausgehen
zu
können
,
um
sich
nach
und
nach
ins
Allgemeine
zu
erheben
.
man
tue
nur
noch
einen
Blick
auf
die
hererzählte
Menge
historischer
und
mythischer
Gestalten
;
man
erinnere
sich
,
daß
von
jeder
bedeutend
charakteristische
Handlungen
gerühmt
werden
;
daß
ferner
der
neue
Bund
zu
seiner
Berechtigung
sich
im
alten
symbolisch
wiederzufinden
bemüht
war
,
und
sowohl
historisch-irdische
als
himmlisch-geistige
Bezüge
auf
tausendfache
Weise
anspielten
:
so
sollten
freilich
auch
in
der
bildenden
Kunst
der
ersten
christlich-kirchlichen
Jahrhunderte
schöne
Denkmäler
übriggeblieben
sein
.
allein
die
Welt
war
im
ganzen
zu
sehr
verworren
und
gedrückt
,
die
immer
wachsende
Unordnung
vertrieb
die
Bildung
aus
dem
Westen
;
nur
Byzanz
blieb
noch
ein
fester
Sitz
für
die
Kirche
und
die
mit
ihr
verbundne
Kunst
.
jedoch
hatte
leider
in
dieser
Epoche
der
Orient
schon
ein
trauriges
Ansehn
,
und
was
die
Kunst
betrifft
,
blühten
jene
obgenannten
Individualitäten
nicht
sogleich
auf
,
aber
sie
verhinderten
doch
,
daß
ein
alter
,
starrer
,
mumienhafter
Stil
nicht
alle
Bedeutsamkeit
verlor
.
man
unterschied
immerfort
die
Gestalten
;
aber
diesen
Unterschied
fühlbar
zu
machen
,
schrieb
man
Name
für
Name
auf
das
Bild
,
oder
unter
dasselbe
,
damit
man
ja
unter
den
immer
häufiger
und
häufiger
werdenden
Heiligen
und
Märtyrern
nicht
einen
statt
des
andern
verehrte
,
sondern
einem
jeden
sein
Recht
wie
billig
bewahrte
.
und
so
ward
es
denn
eine
kirchliche
Angelegenheit
,
die
Bilder
zu
fertigen
.
dies
geschah
nach
genauer
Vorschrift
,
unter
Aufsicht
der
Geistlichkeit
,
wie
man
sie
denn
auch
durch
Weihe
und
Wunder
dem
einmal
bestehenden
Gottesdienste
völlig
aneignete
.
und
so
werden
bis
auf
den
heutigen
Tag
die
unter
den
Gläubigen
der
griechischen
Kirche
zu
Hause
und
auf
Reisen
verehrten
Andachtsbilder
in
Susdal
,
einer
Stadt
des
einundzwanzigsten
Gouvernements
von
Rußland
,
und
deren
Umgebung
unter
Aufsicht
der
Geistlichkeit
gefertigt
;
daher
denn
eine
große
Übereinstimmung
erwachsen
und
bleiben
muß
.
kehren
wir
nun
nach
Byzanz
und
in
jene
besprochne
Zeit
zurück
,
so
läßt
sich
bemerken
,
daß
die
Religion
selbst
durchaus
einen
diplomatisch-pedantischen
Charakter
,
die
Feste
hingegen
die
Gestalt
von
Hof-
und
Staatsfesten
annehmen
.
dieser
Begrenzung
und
Hartnäckigkeit
ist
es
auch
zuzuschreiben
,
daß
selbst
das
Bilderstürmen
der
Kunst
keinen
Vorteil
gebracht
hat
,
indem
die
bei
dem
Siege
der
Hauptpartei
wiederhergestellten
Bilder
den
alten
völlig
gleich
sein
mußten
,
um
in
ihre
Rechte
einzutreten
.
wie
sich
aber
die
tristeste
aller
Erscheinungen
eingeschlichen
,
daß
man
,
wahrscheinlich
aus
ägyptischen
,
äthiopischen
,
abyssinischen
Anlässen
,
die
Mutter
Gottes
braun
gebildet
und
dem
auf
dem
Tuche
Veronicas
abgedruckten
Heilandsgesicht
gleichfalls
eine
Mohrenfarbe
gegeben
,
mag
sich
bei
besonderer
Bearbeitung
der
Kunstgeschichte
jenes
Teils
genauer
nachweisen
lassen
;
alles
aber
deutet
auf
einen
nach
und
nach
immer
mehr
verkümmerten
Zustand
,
dessen
völlige
Auflösung
immer
noch
später
erfolgte
,
als
man
hätte
vermuten
sollen
.
hier
müssen
wir
nun
deutlich
zu
machen
suchen
,
was
die
byzantinische
Schule
,
von
der
wir
wenig
Löbliches
zu
sagen
wußten
,
in
ihrem
Innern
noch
für
große
Verdienste
mit
sich
trug
,
die
aus
der
hohen
Erbschaft
älterer
griechischer
und
römischer
Vorfahren
kunstmäßig
auf
sie
übergegangen
,
gildenmäßig
aber
in
ihr
erhalten
worden
.
denn
wenn
wir
sie
früher
nicht
mit
Unrecht
mumisiert
genannt
haben
,
so
wollen
wir
bedenken
,
daß
bei
ausgehöhlten
Körpern
,
bei
vertrockneten
und
verharzten
Muskeln
dennoch
die
Gestalt
des
Gebeins
ihr
Recht
behaupte
.
und
so
ist
es
auch
hier
,
wie
eine
weitere
Ausführung
zeigen
wird
.
die
höchste
Aufgabe
der
bildenden
Kunst
ist
,
einen
bestimmten
Raum
zu
verzieren
oder
eine
Zierde
in
einen
unbestimmten
Raum
zu
setzen
;
aus
dieser
Forderung
entspringt
alles
,
was
wir
kunstgerechte
Komposition
heißen
.
hierin
waren
die
Griechen
und
nach
ihnen
die
Römer
große
Meister
.
alles
was
uns
daher
als
Zierde
ansprechen
soll
,
muß
gegliedert
sein
,
und
zwar
im
höhern
Sinne
,
daß
es
aus
Teilen
bestehe
,
die
sich
wechselsweise
aufeinander
beziehen
.
hiezu
wird
erfordert
,
daß
es
eine
Mitte
habe
,
ein
Oben
und
Unten
,
ein
Hüben
und
Drüben
,
woraus
zuerst
Symmetrie
entsteht
,
welche
,
wenn
sie
dem
Verstande
völlig
faßlich
bleibt
,
die
Zierde
auf
der
geringsten
Stufe
genannt
werden
kann
.
je
mannigfaltiger
dann
aber
die
Glieder
werden
,
und
je
mehr
jene
anfängliche
Symmetrie
,
verflochten
,
versteckt
,
in
Gegensätzen
abgewechselt
,
als
ein
offenbares
Geheimnis
vor
unsern
Augen
steht
,
desto
angenehmer
wird
die
Zierde
sein
,
und
ganz
vollkommen
,
wenn
wir
an
jene
ersten
Grundlagen
dabei
nicht
mehr
denken
,
sondern
als
von
einem
Willkürlichen
und
Zufälligen
überrascht
werden
.
an
jene
strenge
trockne
Symmetrie
hat
sich
die
byzantinische
Schule
immerfort
gehalten
,
und
obgleich
dadurch
ihre
Bilder
steif
und
unangenehm
werden
,
so
kommen
doch
Fälle
vor
,
wo
durch
Abwechslung
der
Gliederstellung
bei
Figuren
,
die
einander
entgegenstehen
,
eine
gewisse
Anmut
hervorgebracht
wird
.
diesen
Vorzug
also
,
ingleichen
jene
oben
gerühmte
Mannigfaltigkeit
der
Gegenstände
alt-
und
neutestamentlicher
Überlieferungen
,
verbreiteten
diese
östlichen
Kunst-
und
Handwerksgenossen
über
die
damals
ganze
bekehrte
Welt
.
was
hierauf
in
Italien
sich
ereignet
,
ist
allgemein
bekannt
.
das
praktische
Talent
war
ganz
und
gar
verschwunden
,
und
alles
,
was
gebildet
werden
sollte
,
hing
von
den
Griechen
ab
.
die
Türen
des
Tempels
St.
Paul
außerhalb
der
mauern
wurden
im
eilften
Jahrhundert
zu
Konstantinopel
gegossen
und
die
Felder
derselben
mit
eingegrabenen
Figuren
abscheulich
verziert
.
zu
eben
dieser
Zeit
verbreiteten
sich
griechische
Malerschulen
durch
Italien
,
Konstantinopel
sendete
Baumeister
und
Musivarbeiter
,
und
diese
bedeckten
mit
einer
traurigen
Kunst
den
zerstörten
Westen
.
als
aber
im
dreizehnten
Jahrhundert
das
Gefühl
an
Wahrheit
und
Lieblichkeit
der
Natur
wieder
aufwachte
,
so
ergriffen
die
Italiener
sogleich
die
an
den
Byzantinern
gerühmten
Verdienste
,
die
symmetrischer
Komposition
und
den
Unterschied
der
Charaktere
.
dieses
gelang
ihnen
um
so
eher
,
als
sich
der
Sinn
für
Form
schnell
hervortrat
.
er
konnte
bei
ihnen
nicht
ganz
untergehen
.
prächtige
Gebäude
des
Altertums
standen
Jahrhunderte
vor
ihren
Augen
,
und
die
erhaltenen
Teile
der
eingegangenen
oder
zerstörten
wurden
sogleich
wieder
zu
kirchlichen
und
öffentlichen
Zwecken
benutzt
.
die
herrlichsten
Statuen
entgingen
dem
Verderben
,
wie
denn
die
beiden
Kolossen
niemals
verschüttet
worden
.
und
so
war
denn
auch
noch
jede
Trümmer
gestaltet
.
der
Römer
besonders
konnte
den
Fuß
nicht
niedersetzen
,
ohne
etwas
Geformtes
zu
berühren
,
nicht
seinen
Garten
,
sein
Feld
bauen
,
ohne
das
Köstlichste
an
den
Tag
zu
fördern
.
wie
es
in
Siena
,
Florenz
und
sonst
ergangen
,
darf
uns
hier
nicht
aufhalten
,
um
so
weniger
als
jeder
Kunstfreund
sich
sowohl
hierüber
als
über
die
sämtlichen
schon
besprochenen
Gegenstände
aus
dem
höchst
schätzbaren
Werk
des
Herrn
d'
Agincourt
auf
das
genauste
unterrichten
kann
.
die
Betrachtung
jedoch
,
daß
die
Venezianer
als
Bewohner
von
Küsten
und
Niederungen
den
Sinn
der
Farbe
bei
sich
so
bald
aufgeschlossen
gefühlt
,
ist
uns
hier
wichtig
,
da
wir
sie
als
Übergang
zu
den
Niederländern
benutzen
,
bei
denen
wir
dieselbe
Eigenschaft
antreffen
.
und
so
nähern
wir
uns
denn
unserm
eigentlichen
Ziele
,
dem
Niederrhein
,
welchem
zuliebe
wir
jenen
großen
Umweg
zu
machen
nicht
angestanden
.
nur
mit
wenigem
erinnern
wir
uns
,
wie
die
Ufer
dieses
herrlichen
Flusses
von
römischen
Heeren
durchzogen
,
kriegerisch
befestigt
,
bewohnt
und
kräftig
gebildet
worden
.
führt
nun
sogar
die
dortige
vorzüglichste
Kolonie
den
Namen
von
Germanicus
'
Gemahlin
,
so
bleibt
uns
wohl
kein
Zweifel
,
daß
in
jenen
Zeiten
große
Kunstbemühungen
daselbst
stattgefunden
:
denn
es
mußten
ja
bei
solchen
Anlagen
Künstler
aller
Art
,
Baumeister
,
Bildhauer
,
Töpfer
und
Münzmeister
mitwirken
,
wie
uns
die
vielen
Reste
bezeugen
können
,
die
man
ausgrub
und
ausgräbt
.
inwiefern
in
späterer
Zeit
die
Mutter
Konstantin
des
Großen
,
die
Gemahlin
Ottos
,
hier
gewirkt
,
bleibt
den
Geschichtsforschern
zu
untersuchen
.
unsere
Absicht
fördert
es
mehr
,
der
Legende
näher
zu
treten
und
in
ihr
oder
hinter
ihr
einen
welthistorischen
Sinn
auszuspähen
.
man
läßt
eine
britannische
Prinzessin
Ursula
über
Rom
,
einen
afrikanischen
Prinzen
Gereon
gleichfalls
über
Rom
nach
Köln
gelangen
;
jene
mit
einer
Schar
von
edlen
Jungfrauen
,
diesen
mit
einem
Heldenchor
umgeben
.
scharfsinnige
Männer
,
welche
durch
den
Duft
der
Überlieferung
hindurchschauen
,
teilten
bei
diesen
Überlieferungen
folgendes
mit
.
wenn
zwei
Parteien
in
einem
Reiche
entstehen
und
sich
unwiderruflich
voneinander
trennen
,
wird
sich
die
schwächere
von
dem
Mittelpunkte
entfernen
und
der
Grenze
zu
nähern
suchen
.
da
ist
ein
Spielraum
für
Faktionen
,
dahin
reicht
nicht
sogleich
der
tyrannische
Wille
.
dort
macht
allenfalls
ein
Präfekt
,
ein
Statthalter
sich
selbst
durch
Mißvergnügte
stark
,
indem
er
ihre
Gesinnungen
,
ihre
Meinungen
duldet
,
begünstigt
und
wohl
gar
teilen
mag
.
diese
Ansicht
hat
für
mich
viel
Reiz
,
denn
wir
haben
das
ähnliche
,
ja
gleiche
Schauspiel
in
unsern
Tagen
erlebt
,
welches
in
grauer
Vorzeit
auch
mehr
als
einmal
stattfand
.
eine
Schar
der
edelsten
und
bravsten
christlichen
Ausgewanderten
,
eine
nach
der
andern
begibt
sich
nach
der
berühmten
,
schön
gelegenen
Agrippinischen
Kolonie
,
wo
sie
wohl
aufgenommen
und
geschützt
eines
heitern
und
frommen
Lebens
in
der
herrlichsten
Gegend
genießen
,
bis
sie
den
gewaltsamen
Maßregeln
einer
Gegenpartei
schmählich
unterliegen
.
betrachten
wir
die
Art
des
Martyrtums
,
wie
Ursula
und
ihre
Gesellschaft
dasselbe
erlitten
,
so
finden
wir
nicht
etwa
jene
absurden
Geschichten
wiederholt
,
wie
in
dem
bestialischen
Rom
zarte
,
unschuldige
,
höher
gebildete
Menschen
von
Henkern
und
Tieren
gemartert
und
gemordet
werden
,
zur
Schaulust
eines
wahnsinnigen
unteren
und
oberen
Pöbels
;
nein
,
wir
sehen
in
Köln
ein
Blutbald
,
das
eine
Partei
an
der
andern
ausübt
,
um
sie
schneller
aus
dem
Wege
zu
räumen
.
der
über
die
edeln
Jungfrauen
verhängte
Mord
gleicht
einer
Bartholomäusnacht
,
einem
Septembertage
;
ebenso
scheint
Gereon
mit
den
Seinen
gefallen
zu
sein
.
wurde
nun
zu
gleicher
Zeit
am
Oberrhein
die
Thebaische
Legion
niedergemetzelt
,
so
finden
wir
uns
in
einer
Epoche
,
wo
nicht
etwa
die
herrschende
Partei
eine
heranwachsende
zu
unterdrücken
,
sondern
eine
ihr
zu
Kopf
gewachsene
zu
vertilgen
strebt
.
alles
bisher
Gesagte
,
obgleich
in
möglichster
Kürze
,
doch
umständlich
ausgeführt
,
war
höchst
nötig
,
um
einen
Begriff
der
niederländischen
Kunstschule
zu
gründen
.
die
byzantinische
Malerschule
hatte
in
allen
ihren
Verzweigungen
mehrere
Jahre
wie
über
den
ganzen
Westen
auch
am
Rhein
geherrscht
,
und
einheimische
Gesellen
und
Schüler
zu
allgemeinen
Kirchenarbeiten
gebildet
;
daher
sich
denn
auch
manches
Trockne
,
jener
düstern
Schule
völlig
Ähnliche
in
Köln
und
in
der
Nachbarschaft
findet
.
allein
der
Nationalcharakter
,
die
klimatische
Einwirkung
tut
sich
in
der
Kunstgeschichte
vielleicht
nirgend
so
schön
hervor
als
in
den
Rheingegenden
,
deshalb
wir
auch
der
Entwicklung
dieses
Punktes
alle
Sorgfalt
gönnen
und
unserem
Vortrag
freundliche
Aufmerksamkeit
erbitten
.
wir
übergehen
die
wichtige
Epoche
,
in
welcher
Karl
der
Große
die
linke
Rheinseite
von
Mainz
bis
Aachen
mit
einer
Reihe
von
Residenzen
bepflanzte
,
weil
die
daraus
entsprungene
Bildung
auf
die
Malerkunst
,
von
der
wir
eigentlich
reden
,
keinen
Einfluß
hatte
.
denn
jene
orientalische
düstere
Trockenheit
erheiterte
sich
auch
in
diesen
Gegenden
nicht
vor
dem
dreizehnten
Jahrhundert
.
nun
aber
bricht
ein
frohes
Naturgefühl
auf
einmal
durch
,
und
zwar
nicht
etwa
als
Nachahmung
des
einzelnen
Wirklichen
,
sondern
es
ist
eine
behagliche
Augenlust
,
die
sich
im
allgemeinen
über
die
sinnliche
Welt
auftut
.
Apfelrunde
Knaben-
und
Mädchengesichter
,
eiförmiges
Männer-
und
Frauenantlitz
,
wohlhäbige
Greise
mit
fließenden
oder
gekrausten
Bärten
,
das
ganze
Geschlecht
gut
,
fromm
und
heiter
,
und
sämtlich
,
obgleich
noch
immer
charakteristisch
genug
,
durch
einen
zarten
,
ja
weichlichen
Pinsel
dargestellt
.
ebenso
verhält
es
sich
mit
den
Farben
.
auch
diese
sind
heiter
,
klar
,
ja
kräftig
,
ohne
eigentliche
Harmonie
,
aber
auch
ohne
Buntheit
,
durchaus
dem
Auge
angenehm
und
gefällig
.
die
materiellen
und
technischen
Kennzeichen
der
Gemälde
,
die
wir
hier
charakterisieren
,
sind
der
Goldgrund
mit
eingedruckten
Heiligenscheinen
ums
Haupt
,
worin
der
Name
zu
lesen
.
auch
ist
die
glänzende
Metallfläche
oft
mit
wunderlichen
Blumen
tapetenartig
gestempelt
oder
durch
braune
Umrisse
und
Schattierungen
zu
verfoldetem
Schnitzwerk
scheinbar
umgewandelt
.
daß
man
diese
Bilder
dem
dreizehnten
Jahrhundert
zuschreiben
könne
,
bezeugen
diejenigen
Kirchen
und
Kapellen
,
wo
man
sie
ihrer
ersten
Bestimmung
gemäß
noch
aufgestellt
gefunden
.
den
stärksten
Beweis
gibt
aber
,
daß
die
Kreuzgänge
und
andere
Räume
mehrerer
Kirchen
und
Klöster
mit
ähnlichen
Bildern
,
an
welchen
dieselbigen
Merkmale
anzutreffen
,
ihrer
Erbauung
gleichzeitig
gemalt
gewesen
.
unter
den
in
der
Boissereeschen
Sammlung
befindlichen
Bildern
steht
eine
heilige
Veronica
billig
obenan
,
weil
sie
zum
Beleg
des
bisher
Gesagten
von
mehreren
Seiten
dienen
kann
.
man
wird
vielleicht
in
der
Folge
entdecken
,
daß
dieses
Bild
,
was
Komposition
und
Zeichnung
betrifft
,
eine
herkömmliche
Byzantinische
heilige
Vorstellung
gewesen
.
das
schwarzbraune
,
wahrscheinlich
nachgedunkelte
,
dorngekrönte
Antlitz
ist
von
einem
wundersamen
,
edel
schmerzlichen
Ausdrucke
.
die
Zipfel
des
Tuchs
werden
von
der
Heiligen
gehalten
,
welche
kaum
ein
Drittel
Lebensgröße
dahinter
steht
und
bis
an
die
Brust
davon
bedeckt
wird
.
höchst
anmutig
sind
Mienen
und
Gebärden
;
das
Tuch
stößt
unten
auf
einen
angedeuteten
Fußboden
,
auf
welchem
in
den
Ecken
des
Bildes
an
jeder
Seite
drei
ganz
kleine
,
wenn
sie
stünden
höchstens
fußhohe
,
singende
Engelchen
sitzen
,
die
in
zwei
Gruppen
so
schön
und
künstlich
zusammengerückt
sind
,
daß
die
höchste
Forderung
an
Komposition
dadurch
vollkommen
befriedigt
wird
.
die
ganze
Denkweise
des
Bildes
deutet
auf
eine
herkömmliche
,
überlegte
,
durchgearbeitete
Kunst
;
denn
welche
Abstraktion
gehört
nicht
dazu
,
die
aufgeführten
Gestalten
in
drei
Dimensionen
hinzustellen
und
das
Ganze
durchgängig
zu
symbolisieren
.
die
Körperchen
der
Engel
,
besonders
aber
Köpfchen
und
Händchen
bewegen
und
stellen
sich
so
schön
gegeneinander
,
daß
dabei
nichts
zu
erinnern
übrigbleibt
.
begründen
wir
nun
hiemit
das
Recht
,
dem
Bilde
einen
byzantinischen
Ursprung
zu
geben
,
so
nötigt
uns
die
Anmut
und
Weichheit
,
womit
die
Heilige
gemalt
ist
,
womit
die
Kinder
dargestellt
sind
,
die
Ausführung
des
Bildes
in
jene
niederrheinische
Epoche
zu
setzen
,
die
wir
schon
weitläufig
charakterisiert
haben
.
es
übt
daher
,
weil
es
das
doppelte
Element
eines
strengen
Gedankens
und
einer
gefälligen
Ausführung
in
sich
vereinigt
,
eine
unglaubliche
Gewalt
auf
die
Beschauenden
aus
,
wozu
denn
der
Kontrast
des
furchtbaren
medusenhaften
Angesichtes
zu
der
zierlichen
Jungfrau
und
den
anmutigen
Kindern
nicht
wenig
beiträgt
.
einige
größere
Tafeln
,
worauf
mit
ebenso
weichem
angenehmen
Pinsel
,
heiteren
und
erfreulichen
Farben
Apostel
und
Kirchenväter
,
halb
Lebensgröße
zwischen
goldenen
Zinnen
und
andern
architektonisch-gemalten
Zieraten
,
gleichsam
als
farbige
Schnitzbilder
inne
stehen
,
geben
uns
zu
ähnlichen
Betrachtungen
Anlaß
,
deuten
aber
zugleich
auf
neue
Bedingungen
.
es
ist
nämlich
gegen
das
Ende
des
sogenannten
Mittelalters
die
Plastik
auch
in
Deutschland
der
Malerei
vorgeeilt
,
weil
sie
der
Baukunst
unentbehrlicher
,
der
Sinnlichkeit
gemäßer
und
dem
Talente
näher
zur
Hand
war
.
der
Maler
,
wenn
er
aus
dem
mehr
oder
weniger
Manierierten
sich
durch
eigene
Anschauung
der
Wirklichkeit
retten
will
,
hat
den
doppelten
Weg
,
die
Nachahmung
der
Natur
oder
die
Nachbildung
schon
vorhandener
Kunstwerke
.
wir
verkürzen
daher
in
dieser
malerischen
Epoche
dem
niederländischen
Künstler
keineswegs
sein
Verdienst
,
wenn
wir
die
Frage
aufwerfen
,
ob
nicht
diese
hier
mit
lieblicher
Weichheit
und
Zartheit
in
Gemälden
aufgeführten
,
reich
,
aber
frei
bemäntelten
heiligen
Männer
Nachbildungen
von
geschnitzten
Bildnissen
seien
,
die
entweder
ungefärbt
oder
gefärbt
zwischen
ähnlichen
vergoldeten
,
architektonischen
,
wirklichen
Schnitzwerken
gestanden
.
wir
glauben
uns
zu
dieser
Vermutung
besonders
berechtigt
durch
die
zu
den
Füßen
dieser
Heiligen
in
verzierten
Fächern
gemalt
liegenden
Schädel
,
woraus
wir
denn
folgern
,
daß
diese
Bilder
ein
irgendwo
aufgestelltes
Reliquiarium
mit
dessen
Zieraten
und
Figuren
nachahmen
.
ein
solches
Bild
nun
wird
um
desto
angenehmer
,
als
ein
gewisser
Ernst
,
den
die
Plastik
vor
der
Malerei
immer
voraus
hat
,
durch
eine
freundliche
Behandlung
würdig
hindurchsieht
.
alles
was
wir
hier
behaupten
,
mag
sich
in
der
Folge
noch
mehr
bestätigen
,
wenn
man
auf
die
freilich
zerstreuten
altkirchlichen
Überreste
eine
vorurteilsfreie
Aufmerksamkeit
wenden
wird
.
wenn
nun
schon
zu
Anfang
des
dreizehnten
Jahrhunderts
Wolfram
von
Eschilbach
in
seinem
Parcival
die
Maler
von
Köln
und
Maestricht
gleichsam
sprüchwörtlich
als
die
besten
von
Deutschland
aufführt
,
so
wird
es
niemanden
wundern
,
daß
wir
von
alten
Bildern
dieser
Gegenden
so
viel
Gutes
gesagt
haben
.
nun
aber
fordert
eine
neue
,
zu
Anfang
des
fünfzehnten
Jahrhunderts
eintretende
Epoche
unsere
ganze
Aufmerksamkeit
,
wenn
wir
derselben
gleichfalls
ihren
entschiedenen
Charakter
abzugewinnen
gedenken
.
ehe
wir
aber
weiter
gehen
und
von
der
Behandlungsweise
sprechen
,
welche
sich
nunmehr
hervortut
,
erwähnen
wir
nochmals
der
Gegenstände
,
welche
den
niederrheinischen
Malern
vorzüglich
gegeben
waren
.
wir
bemerkten
schon
oben
,
daß
die
Hauptheiligen
jener
Gegend
edle
Jungfrauen
und
Jünglinge
gewesen
,
daß
ihr
Tod
nichts
von
den
widerlichen
Zufälligkeiten
gehabt
,
welche
bei
Darstellung
anderer
Märtyrer
der
Kunst
so
äußerst
unbequem
fallen
.
doch
zum
höchsten
Glück
mögen
es
sich
die
Maler
des
Niederrheines
zählen
,
daß
die
Gebeine
der
drei
morgendländischen
frommen
Könige
von
Mailand
nach
Köln
gebracht
wurden
.
vergebens
durchsucht
man
Geschichte
,
Fabel
,
Überliefrung
und
Legende
,
um
einen
gleich
günstigen
,
reichen
,
gemütlichen
und
anmutigen
Gegenstand
auszufinden
als
den
,
der
sich
hier
darbietet
.
zwischen
verfallenem
Gemäuer
,
unter
kümmerlichem
Obdach
ein
neugeborner
und
doch
schon
sich
selbst
bewußter
Knabe
,
auf
der
Mutter
Schoß
gepflegt
,
von
einem
Greise
besorgt
.
vor
ihm
nun
beugen
sich
die
Würdigen
und
Großen
der
Welt
,
unterwerfen
der
Unmündigkeit
Verehrung
,
der
Armut
Schätze
,
der
Niedrigkeit
Kronen
.
ein
zahlreiches
Gefolge
steht
verwundert
über
das
seltsame
Ziel
einer
langen
und
beschwerlichen
Reise
.
diesem
allerliebsten
Gegenstande
sind
die
niederländischen
Maler
ihr
Glück
schuldig
,
und
es
ist
nicht
zu
verwundern
,
daß
sie
denselben
kunstreich
zu
wiederholen
Jahrhunderte
durch
nicht
ermüdeten
.
nun
aber
kommen
wir
an
den
wichtigen
Schritt
,
welchen
die
rheinische
Kunst
auf
der
Grenze
des
vierzehnten
und
funfzehnten
Jahrhunderts
tut
.
schon
längst
waren
die
Künstler
wegen
der
vielen
darzustellenden
Charaktere
an
die
Mannigfaltigkeit
der
Natur
gewiesen
,
aber
sie
begnügten
sich
an
einem
allgemeinen
Ausdruck
derselben
,
ob
man
gleich
hie
und
da
etwas
Porträtartiges
wahrnimmt
.
nun
aber
wird
der
Meister
Wilhelm
von
Köln
ausdrücklich
genannt
,
welchem
in
Nachbildung
menschlicher
Gesichter
niemand
gleichgekommen
sei
.
diese
Eigenschaft
tritt
nun
in
dem
Dombild
zu
Köln
auf
das
bewundernswürdigste
hervor
,
wie
es
denn
überhaupt
als
die
Achse
der
niederrheinischen
Kunstgeschichte
angesehen
werden
kann
.
nur
ist
zu
wünschen
,
daß
sein
wahres
Verdienst
historisch-kritisch
anerkannt
bleibe
.
denn
freilich
wird
es
jetzt
dergestalt
mit
Hymnen
umräuchert
,
daß
zu
befürchten
ist
,
es
werde
bald
wieder
so
verdüstert
vor
den
Augen
des
Geistes
dastehen
,
wie
es
ehemals
von
Lampen-
und
Kerzenruß
verdunkelt
den
leiblichen
Augen
entzogen
gewesen
.
es
besteht
aus
einem
Mittelbilde
und
zwei
Seitentafeln
.
auf
allen
dreien
ist
der
Goldgrund
nach
Maßgabe
der
bisher
beschriebenen
Bilder
beibehalten
.
ferner
ist
der
Teppich
hinter
Maria
mit
Stempeln
gepreßt
und
bunt
aufgefärbt
.
im
übrigen
ist
dieses
sonst
so
häufig
gebrauchte
Mittel
durchaus
verschmäht
,
der
Maler
wird
gewahr
,
daß
er
Brokat
und
Damast
,
und
was
sonst
farbenwechselnd
,
glänzend
und
scheinend
ist
,
durch
seinen
Pinsel
hervorbringen
könne
und
mechanischer
Hülfsmittel
nicht
weiter
bedürfe
.
die
Figuren
des
Hauptbildes
sowie
der
Seitenbilder
beziehen
sich
auf
die
Mitte
,
symmetrisch
,
aber
mit
viel
Mannigfaltigkeit
bedeutender
Kontraste
an
Gestalt
und
Bewegung
.
die
herkömmlich
byzantinische
Maxime
herrscht
noch
vollkommen
,
doch
mit
Lieblichkeit
und
Freiheit
beobachtet
.
einen
verwandten
Nationalcharakter
hat
die
sämtliche
Menge
,
welche
weiblich
die
heilige
Ursula
,
ritterlich
den
Gereon
,
ins
Orientalische
maskiert
die
Hauptgruppe
umgibt
.
vollkommen
Porträt
aber
sind
die
beiden
knieenden
Könige
,
und
ein
Gleiches
möchten
wir
von
der
Mutter
behaupten
.
weitläufiger
über
diese
reiche
Zusammensetzung
und
die
Verdienste
derselben
wollen
wir
uns
hier
nicht
aussprechen
,
indem
das
Taschenbuch
für
Freunde
altdeutscher
Zeit
und
Kunst
uns
eine
sehr
willkommene
Abbildung
dieses
vorzüglichen
Werkes
vor
Augen
legt
,
nicht
weniger
eine
ausreichende
Beschreibung
hinzufügt
,
welche
wir
mit
reinerem
Dank
erkennen
würden
,
wenn
nicht
darin
eine
enthusiastische
Mystik
waltete
,
unter
deren
Einfluß
weder
Kunst
noch
Wissen
gedeihen
kann
.
da
dieses
Bild
eine
große
Übung
des
Meisters
voraussetzt
,
so
mag
sich
bei
genauerer
Untersuchung
noch
ein
und
das
andre
der
Art
künftig
vorfinden
,
wenn
auch
die
Zeit
manches
zerstört
und
eine
nachfolgende
Kunst
manches
verdrängt
hat
.
für
uns
ist
es
ein
wichtiges
Dokument
eines
entschiedenen
Schrittes
,
der
sich
von
der
gestempelten
Wirklichkeit
losmacht
und
von
einer
allgemeinen
Nationalgesichtsbildung
auf
die
vollkommene
Wirklichkeit
des
Porträts
losarbeitet
.
nach
dieser
Ableitung
also
halten
wir
uns
überzeugt
,
daß
dieser
Künstler
,
er
heiße
auch
wie
er
wolle
,
echt
deutschen
Sinnes
und
Ursprungs
gewesen
,
so
daß
wir
nicht
nötig
haben
,
italienische
Einflüsse
zur
Erklärung
seiner
Verdienste
herbeizurufen
.
da
dieses
Bild
1410
gemalt
ist
,
so
stellt
es
sich
in
die
Epoche
,
wo
Johann
von
Eyck
schon
als
entschiedener
Künstler
blühte
,
und
so
dient
es
uns
,
das
Unbegreifliche
der
Eyckischen
Vortrefflichkeit
einigermaßen
zu
erklären
,
indem
es
bezeugt
,
was
für
Zeitgenossen
der
genannte
vorzügliche
Mann
gehabt
habe
.
wir
nannten
das
Dombild
die
Achse
,
worauf
sich
die
ältere
niederländische
Kunst
in
die
neue
dreht
,
und
nun
betrachten
wir
die
Eyckischen
Werke
als
zur
Epoche
der
völligen
Umwälzung
jener
Kunst
gehörig
.
schon
in
den
ältern
byzantinisch-niederrheinischen
Bildern
finden
wir
die
eingedruckten
Teppiche
manchmal
perspektivisch
,
obgleich
ungeschickt
behandelt
.
im
Dombild
erscheint
keine
Perspektive
,
weil
der
reine
Goldgrund
alles
abschließt
.
nun
wirft
Eyck
alles
Gestempelte
so
wie
den
Goldgrund
völlig
weg
,
ein
freies
Lokal
tut
sich
auf
,
worin
nicht
allein
die
Hauptpersonen
,
sondern
auch
alle
Nebenfiguren
vollkommen
Porträt
sind
,
von
Angesicht
,
Statur
und
Kleidung
,
so
auch
völlig
Porträt
jede
Nebensache
.
so
schwer
es
immer
bleibt
,
Rechenschaft
von
einem
solchen
Manne
zu
geben
,
so
wagen
wir
doch
einen
Versuch
,
in
Hoffnung
,
daß
die
Anschauung
seiner
Werke
dem
Leser
nicht
entgehen
werde
,
und
hier
zweifeln
wir
keinen
Augenblick
,
unsern
Eyck
in
die
erste
Klasse
derjenigen
zu
setzen
,
welche
die
Natur
mit
malerischen
Fähigkeiten
begabt
hat
.
zugleich
ward
ihm
das
Glück
,
in
der
Zeit
einer
technisch
hochgebildeten
,
allgemein
verbreiteten
und
bis
an
eine
gewisse
Grenze
gelangten
Kunst
zu
leben
.
hiezu
kam
noch
,
daß
er
eines
höheren
,
ja
des
höchsten
technischen
Vorteils
in
der
Malerei
gewahrte
;
denn
es
mag
mit
der
Erfindung
der
Ölmalerei
beschaffen
sein
wie
es
will
,
so
möchten
wir
nicht
in
Zweifel
ziehen
,
daß
Eyck
der
erste
gewesen
,
der
ölige
Substanzen
,
die
man
sonst
über
die
fertigen
Bilder
zog
,
unter
die
Farben
selbst
gemischt
,
aus
den
Ölen
die
am
leichtesten
trocknenden
,
aus
den
Farben
die
klärsten
,
die
am
wenigsten
deckenden
ausgesucht
habe
,
um
beim
Auftragen
derselben
das
Licht
des
weißen
Grundes
und
Farbe
durch
Farbe
nach
Belieben
durchscheinen
zu
lassen
.
weil
nun
die
ganze
Kraft
der
Farbe
,
welche
an
sich
ein
Dunkeles
ist
,
nicht
dadurch
erregt
wird
,
daß
Licht
davon
zurückscheint
,
sondern
daß
es
durch
sie
durchscheint
,
so
ward
durch
diese
Entdeckung
und
Behandlung
zugleich
die
höchste
physische
und
artistische
Forderung
befriedigt
.
das
Gefühl
aber
für
Farbe
hatte
ihm
als
einem
Niederländer
die
Natur
verliehen
.
die
Macht
der
Farbe
war
ihm
wie
seinen
Zeitgenossen
bekannt
,
und
so
brachte
er
es
dahin
,
daß
er
,
um
nur
von
Gewändern
und
Teppichen
zu
reden
,
den
Schein
der
Tafel
weit
über
alle
Erscheinung
der
Wirklichkeit
erhob
.
ein
solches
muß
denn
freilich
die
echte
Kunst
leisten
,
denn
das
wirkliche
Sehen
ist
,
sowohl
in
dem
Auge
als
an
den
Gegenständen
,
durch
unendliche
Zufälligkeiten
bedingt
;
dahingegen
der
Maler
nach
Gesetzen
malt
,
wie
die
Gegenstände
,
durch
Licht
,
Schatten
und
Farbe
voneinander
abgesondert
,
in
ihrer
vollkommensten
Sehbarkeit
von
einem
gesunden
frischen
Auge
geschaut
werden
sollen
.
ferner
hatte
sich
Eyck
in
Besitz
der
perspektivischen
Kunst
gesetzt
und
sich
die
Mannigfaltigkeit
der
Landschaft
,
besonders
unendlicher
Baulichkeiten
eigen
gemacht
,
die
nun
an
der
Stelle
des
kümmerlichen
Goldgrundes
oder
Teppiches
hervortreten
.
jetzt
aber
möchte
es
sonderbar
scheinen
,
wenn
wir
aussprechen
,
daß
er
,
materielle
und
mechanische
Unvollkommenheiten
der
bisherigen
Kunst
wegwerfend
,
sich
zugleich
einer
bisher
im
stillen
bewahrten
technischen
Vollkommenheit
entäußerte
,
des
Begriffs
nämlich
der
symmetrischen
Komposition
.
allein
auch
dieses
liegt
in
der
Natur
eines
außerordentlichen
Geistes
,
der
,
wenn
er
eine
materielle
Schale
durchbricht
,
nie
bedenkt
,
daß
über
derselben
noch
eine
ideelle
geistige
Grenze
gezogen
sei
,
gegen
die
er
umsonst
ankämpft
,
in
die
er
sich
ergeben
,
oder
sie
nach
seinem
Sinne
erschaffen
muß
.
die
Kompositionen
Eycks
sind
daher
von
der
größten
Wahrheit
und
Lieblichkeit
,
ob
sie
gleich
die
strengen
Kunstforderungen
nicht
befriedigen
,
ja
es
scheint
,
als
ob
er
von
allen
dem
,
was
seine
Vorgänger
hierin
besessen
und
geübt
,
vorsätzlich
keinen
Gebrauch
machen
wollen
.
in
seinen
uns
bekannt
gewordenen
Bildern
ist
keine
Gruppe
,
die
sich
jenen
Engelchen
neben
der
heiligen
Veronica
vergleichen
könnte
.
weil
aber
ohne
Symmetrie
irgendein
Gesehenes
keinen
Reiz
ausübt
,
so
hat
er
sie
als
ein
Mann
von
Geschmack
und
Zartgefühl
auf
seine
eigene
Weise
hervorgebracht
,
woraus
etwas
entstanden
ist
,
welches
anmutiger
und
eindringlicher
wirkt
als
das
Kunstgerechte
,
sobald
dieses
die
Naivetät
entbehrt
,
indem
es
alsdann
nur
den
Verstand
anspricht
und
den
Kalkül
hervorruft
.
hat
man
uns
bisher
geduldig
zugehört
,
und
stimmen
Kenner
mit
uns
überein
,
daß
jeder
Vorschrift
aus
einem
erstarrten
,
veralteten
,
künstlichen
Zustand
in
die
freie
lebendige
Naturwahrheit
sogleich
einen
Verlust
nach
sich
ziehe
,
der
erst
nach
und
nach
und
oft
in
späteren
Zeiten
sich
wiederherstellt
,
so
können
wir
unsern
Eyck
nunmehr
in
seiner
Eigentümlichkeit
betrachten
,
da
wir
denn
in
den
Fall
kommen
,
sein
individuelles
Wesen
unbedingt
zu
verehren
.
schon
die
früheren
niederländischen
Künstler
stellten
alles
Zarte
,
was
sich
in
dem
neuen
Testament
darbot
,
gern
in
einer
gewissen
Folge
dar
,
und
so
finden
wir
in
dem
großen
Eyckischen
Werke
,
welches
diese
Sammlung
schmückt
,
das
aus
einem
Mittelbilde
und
zwei
Flügelbildern
besteht
,
den
denkenden
Künstler
,
der
mit
Gefühl
und
Sinn
eine
fortschreitende
Trilogie
darzustellen
unternimmt
.
zu
unserer
Linken
wird
der
mädchenhaftesten
Jungfrau
durch
einen
himmlischen
Jüngling
ein
seltsames
Ereignis
angekündigt
.
in
der
Mitte
sehen
wir
sie
als
glückliche
,
verwunderte
,
in
ihrem
Sohn
verehrte
Mutter
,
und
zur
Rechten
erscheint
sie
,
das
Kind
im
Tempel
zur
Weihe
bringend
,
schon
beinahe
als
Matrone
,
die
in
hohem
Ernste
vorfüllt
,
was
dem
vom
Hohenpriester
mit
Entzücken
aufgenommenen
Knaben
bevorstehe
.
der
Ausdruck
aller
drei
Gesichter
so
wie
die
jedesmalige
Gestalt
und
Stellung
,
das
erstemal
knieend
,
dann
sitzend
,
zuletzt
stehend
,
ist
einnehmend
und
würdig
.
der
Bezug
der
Personen
untereinander
auf
allen
drei
Bildern
zeugt
von
dem
zartesten
Gefühl
.
in
der
Darstellung
im
Tempel
findet
sich
auch
eine
Art
von
Parallelism
,
der
ohne
Mitte
durch
eine
Gegenüberstellung
der
Charaktere
bewirkt
wird
.
eine
geistige
Symmetrie
,
so
gefühlt
und
sinnig
,
daß
man
angezogen
und
eingenommen
wird
,
ob
man
ihr
gleich
den
Maßstab
der
vollendeten
Kunst
nicht
anlegen
kann
.
so
wie
nun
Johann
von
Eyck
als
ein
trefflich
denkender
und
empfindender
Künstler
gesteigerte
Mannigfaltigkeit
seiner
Hauptfigur
zu
bewirken
gewußt
,
hat
er
auch
mit
gleichem
Glück
die
Lokalitäten
behandelt
.
die
Verkündigung
geschieht
in
einem
verschlossenen
,
schmalen
,
aber
hohen
,
durch
einen
obern
Fensterflügel
erleuchteten
Zimmer
.
alles
ist
darin
so
reinlich
und
nett
,
wie
es
sich
geziemt
für
die
Unschuld
,
die
nur
sich
selbst
und
ihre
nächste
Umgebung
besorgt
.
Wandbänke
,
ein
Betstuhl
,
Bettstätte
,
alles
zierlich
und
glatt
.
das
Bett
rot
bedeckt
und
umhängt
,
alles
so
wie
die
brokatne
hintere
Bettwand
auf
das
bewundernswürdigste
dargestellt
.
das
mittlere
Bild
dagegen
zeigt
uns
die
freiste
Aussicht
,
denn
die
edle
,
aber
zerrüttete
Kapelle
der
Mitte
dient
mehr
zum
Rahmen
mannigfaltiger
Gegenstände
,
als
daß
sie
solche
verdeckte
.
links
des
Zuschauers
eine
mäßig
entfernte
straßen-
und
häuserreiche
Stadt
,
voll
Gewerbes
und
Bewegung
,
welche
gegen
den
Grund
hin
sich
in
das
Bild
hereinzieht
und
einem
weiten
Felde
Raum
läßt
.
dieses
,
mit
mancherlei
ländlichen
Gegenständen
geziert
,
verläuft
sich
zuletzt
in
eine
wasserreiche
Weite
.
rechts
des
Zuschauers
tritt
ein
Teil
eines
runden
Tempelgebäudes
von
mehrern
Stockwerken
in
das
Bild
;
das
Innere
dieser
Rotonde
aber
zeigt
sich
auf
dem
daran
stoßenden
Türflügel
und
kontrastiert
durch
seine
Höhe
.
Weite
und
Klarheit
auf
das
herrlichste
mit
jenem
ersten
Zimmerchen
der
Jungfrau
.
sagen
und
wiederholen
wir
nun
,
daß
alle
Gegenstände
der
drei
Bilder
auf
das
vollkommenste
mit
meisterhafter
Genauigkeit
ausgeführt
sind
,
so
kann
man
sich
im
allgemeinen
einen
Begriff
von
der
Vortrefflichkeit
dieser
wohlerhaltenen
Bilder
machen
.
von
den
Flechtbreiten
auf
dem
verwitterten
zerbröckelten
Ruingestein
,
von
den
Grashalmen
,
die
auf
dem
vermoderten
Strohdache
wachsen
,
bis
zu
den
goldenen
juwelenreichen
Bechergeschenken
,
vom
Gewand
zum
Antlitz
,
von
der
Nähe
bis
zur
Ferne
,
alles
ist
mit
gleicher
Sorgfalt
behandelt
und
keine
Stelle
dieser
Tafeln
,
die
nicht
durchs
Vergrößrungsglas
gewönne
.
ein
Gleiches
gilt
von
einer
einzelnen
Tafel
,
worauf
Lukas
das
Bild
der
heiligen
säugenden
Mutter
entwirft
.
und
hier
kommt
der
wichtigste
Umstand
zur
Sprache
,
daß
der
Künstler
die
von
uns
so
dringend
verlangte
Symmetrie
in
die
Umgebung
gelegt
und
dadurch
an
die
Stelle
des
gleichgültigen
Goldgrundes
ein
künstlerisches
und
augenfälliges
Mittel
gestellt
hat
.
mögen
nun
auch
seine
Figuren
nicht
ganz
kunstgerecht
sich
darin
bewegen
und
gegeneinander
verhalten
,
so
ist
es
doch
eine
gesetzliche
Lokalität
,
die
ihnen
eine
bestimmte
Grenze
vorschreibt
,
wodurch
ihre
natürlichen
und
gleichsam
zufälligen
Bewegungen
auf
das
angenehmste
geregelt
erscheinen
.
doch
alles
dieses
,
so
genau
und
bestimmt
wir
auch
zu
sprechen
gesucht
,
bleiben
doch
nur
leere
Worte
ohne
die
Anschauung
der
Bilder
selbst
.
höchst
wünschenswert
wäre
es
deshalb
,
daß
uns
die
Herrn
Besitzer
vorerst
von
den
erwähnten
Bildern
in
mäßiger
Größe
genaue
Umrisse
mitteilten
,
wodurch
auch
ein
jeder
,
der
das
Glück
nicht
hat
,
die
Gemälde
selbst
zu
sehen
,
dasjenige
,
was
wir
bisher
gesagt
,
würde
prüfen
und
beurteilen
können
.
indem
wir
nun
diesen
Wunsch
äußern
,
so
haben
wir
um
desto
mehr
zu
bedauern
,
daß
ein
junger
talentvoller
Mann
,
der
sich
an
dieser
Sammlung
gebildet
,
zu
früh
mit
Tode
abgegangen
.
sein
Name
,
Epp
,
ist
noch
allen
denjenigen
wert
,
die
ihn
gekannt
,
besonders
aber
den
Liebhabern
,
welche
Kopien
alter
Werke
von
ihm
besitzen
,
die
er
mit
Treue
und
Fleiß
aufs
redlichste
verfertigt
hat
.
doch
dürfen
wir
auch
deshalb
nicht
verzweifeln
,
indem
ein
sehr
geschickter
Künstler
,
Herr
Köster
,
sich
an
die
Besitzer
angeschlossen
und
der
Erhaltung
einer
so
bedeutenden
Sammlung
sich
gewidmet
hat
.
dieser
würde
sein
schönes
und
gewissenhaftes
Talent
am
sichersten
betätigen
,
wenn
er
sich
zur
Ausführung
jener
gewünschten
Umrisse
und
deren
Herausgabe
bemühte
.
wir
würden
alsdann
,
voraussetzend
,
daß
sie
in
den
Händen
aller
Liebhaber
wären
,
noch
gar
manches
hinzufügen
,
welches
jetzt
,
wie
es
bei
Wortbeschreibung
von
Gemälden
gewöhnlich
geschieht
,
die
Einbildungskraft
nur
verwirren
müßte
.
ungern
bequeme
ich
mich
hier
zu
einer
Pause
,
denn
gerade
das
,
was
in
der
Reihe
nun
zu
melden
wäre
,
hat
gar
manches
Anmutige
und
Erfreuliche
.
von
Johann
von
Eyck
selbst
dürfen
wir
kaum
mehr
sagen
,
denn
auf
ihn
kehren
wir
immer
wieder
zurück
,
wenn
von
den
folgenden
Künstlern
gesprochen
wird
.
die
nächsten
aber
sind
solche
,
bei
denen
wir
ebensowenig
als
bei
ihm
genötigt
sind
,
fremdländischen
Einfluß
vorauszusetzen
.
überhaupt
ist
es
nur
ein
schwacher
Behelf
,
wenn
man
bei
Würdigung
außerordentlicher
Talente
voreilig
auszumitteln
denkt
,
woher
sie
allenfalls
ihre
Vorzüge
genommen
.
der
aus
der
Kindheit
aufblickende
Mensch
findet
die
Natur
nicht
etwa
rein
und
nackt
um
sich
her
:
denn
die
göttliche
Kraft
seiner
Vorfahren
hat
eine
zweite
Welt
in
die
Welt
erschaffen
.
aufgenötigte
Angewöhnungen
,
herkömmliche
Gebräuche
,
beliebte
Sitten
,
ehrwürdige
Überlieferungen
,
schätzbare
Denkmale
,
ersprießliche
Gesetze
und
so
mannigfache
herrliche
Kunsterzeugnisse
umzingeln
den
Menschen
dergestalt
,
daß
er
nie
zu
unterscheiden
weiß
,
was
ursprünglich
und
was
abgeleitet
ist
.
er
bedient
sich
der
Welt
,
wie
er
sie
findet
,
und
hat
dazu
ein
vollkommnes
Recht
.
den
originalen
Künstler
kann
man
also
denjenigen
nennen
,
welcher
die
Gegenstände
um
sich
her
nach
individueller
,
nationeller
und
zunächst
überlieferter
Weise
behandelt
und
zu
einem
gefugten
Ganzen
zusammenbildet
.
wenn
wir
also
von
einem
solchen
sprechen
,
so
ist
es
unsere
Pflicht
,
zuallererst
seine
Kraft
und
die
Ausbildung
derselben
zu
betrachten
,
sodann
seine
nächste
Umgebung
,
insofern
sie
ihm
Gegenstände
,
Fertigkeiten
und
Gesinnungen
überliefert
,
und
zuletzt
dürfen
wir
erst
unsern
Blick
nach
außen
richten
und
untersuchen
,
nicht
sowohl
was
er
Fremdes
gekannt
,
als
wie
er
es
benutzt
habe
.
denn
der
Hauch
von
vielem
Guten
,
Vergnüglichen
,
Nützlichen
wehet
über
die
Welt
,
oft
Jahrhunderte
hindurch
,
ehe
man
seinen
Einfluß
spürt
.
man
wundert
sich
oft
in
der
Geschichte
über
den
langsamen
Fortschritt
nur
mechanischer
Fertigkeiten
.
den
Byzantinern
standen
die
unschätzbaren
Werke
hellenischer
Kunst
vor
Augen
,
ohne
daß
sie
aus
dem
Kummer
ihrer
ausgetrockneten
Pinselei
sich
hervorheben
konnten
.
und
sieht
man
es
denn
Albrecht
Dürern
sonderlich
an
,
daß
er
in
Venedig
gewesen
?
dieser
Treffliche
läßt
sich
durchgängig
aus
sich
selbst
erklären
.
und
so
wünsch
'
ich
den
Patriotismus
zu
finden
,
zu
dem
jedes
Reich
,
Land
,
Provinz
,
ja
Stadt
berechtigt
ist
:
denn
wie
wir
den
Charakter
des
Einzelnen
erheben
,
welcher
darin
besteht
,
daß
er
sich
nicht
von
den
Umgebungen
meistern
läßt
,
sondern
dieselben
meistert
und
bezwingt
,
so
erzeigen
wir
jedem
Volk
,
jeder
Volksabteilung
die
Gebühr
und
Ehre
,
daß
wir
ihnen
auch
einen
Charakter
zuschreiben
,
der
sich
in
einem
Künstler
oder
sonst
vorzüglichen
Manne
veroffenbart
.
und
so
werden
wir
zunächst
handeln
,
wenn
von
schätzenswerten
Künstlern
,
von
Hemmling
,
Israel
von
Mecheln
,
Lucas
von
Leyden
,
Quinten
Messis
u.
a.
die
Rede
sein
wird
.
diese
halten
sich
sämtlich
in
ihrem
heimischen
Kreise
,
und
unsere
Pflicht
ist
,
so
viel
als
möglich
,
fremden
Einfluß
auf
ihre
Vorzüge
abzulehnen
.
nun
aber
tritt
Schoreel
auf
,
später
Hemskerk
und
mehrere
,
die
ihre
Talente
in
Italien
ausgebildet
haben
,
demungeachtet
aber
den
Niederländer
nicht
verleugnen
können
.
hier
mag
nun
das
Beispiel
von
Leonard
da
Vinci
,
Correggio
,
Tizian
,
Michel
Angelo
hervorscheinen
,
der
Niederländer
bleibt
Niederländer
,
ja
die
Nationaleigentümlichkeit
beherrscht
sie
dergestalt
,
daß
sie
sich
zuletzt
wieder
in
ihren
Zauberkreis
einschließen
und
jede
fremde
Bildung
abweisen
.
so
hat
Rembrandt
das
höchste
Künstlertalent
betätigt
,
wozu
ihm
Stoff
und
Anlaß
in
der
unmittelbarsten
Umgebung
genügte
,
ohne
daß
er
je
die
mindeste
Kenntnis
genommen
hätte
,
ob
jemals
Griechen
und
Römer
in
der
Welt
gewesen
.
wäre
uns
nun
eine
solche
beabsichtigte
Darstellung
gelungen
,
so
müssen
wir
uns
an
den
Oberrhein
begeben
und
uns
an
Ort
und
Stelle
sowie
in
Schwaben
,
Franken
und
Bayern
von
den
Vorzügen
und
Eigentümlichkeiten
der
oberdeutschen
Schule
zu
durchdringen
suchen
.
auch
hier
würde
es
unsere
vornehmste
Pflicht
sein
,
den
Unterschied
,
ja
den
Gegensatz
zwischen
beiden
herauszuheben
,
um
zu
bewirken
,
daß
eine
Schule
die
andere
schätze
,
die
außerordentlichen
Männer
beiderseitig
anerkenne
,
die
Fortschritte
einander
nicht
ableugne
und
was
alles
für
Gutes
und
Edles
aus
gemeinsamen
Gesinnungen
hervortritt
.
auf
diesem
Wege
werden
wir
die
deutsche
Kunst
des
funfzehnten
und
sechszehnten
Jahrhunderts
freudig
verehren
,
und
der
Schaum
der
Überschätzung
,
der
jetzt
schon
dem
Kenner
und
Liebhaber
widerlich
ist
,
wird
sich
nach
und
nach
verlieren
.
mit
Sicherheit
können
wir
alsdann
immer
weiter
ost-
und
südwärts
blicken
und
uns
mit
Wohlwollen
an
Genossen
und
Nachbarn
anreihen
.
Joseph
Bossi
.
über
Leonard
da
Vincis
Abendmahl
zu
Mailand
.
das
Abendmahl
.
wir
wenden
uns
nunmehr
gegen
das
eigentliche
Ziel
unserer
Bemühung
,
zu
dem
Abendmahl
,
welches
im
Kloster
alle
Grazie
zu
Mailand
auf
die
Wand
gemalt
war
;
möchten
unsere
Leser
Morghens
Kupferstich
vor
sich
nehmen
,
welcher
hinreicht
,
uns
sowohl
über
das
Ganze
als
wie
das
Einzelne
zu
verständigen
.
die
Stelle
,
wo
das
Bild
gemalt
ist
,
wird
allervörderst
in
Betrachtung
gezogen
:
denn
hier
tut
sich
die
Weisheit
des
Künstlers
in
ihrem
Brennpunkte
vollkommen
hervor
.
konnte
für
ein
Refektorium
etwas
schicklicher
und
edler
ausgedacht
werden
als
ein
Scheidemahl
,
das
der
ganzen
Welt
für
alle
Zeiten
als
heilig
gelten
sollte
?
als
Reisende
haben
wir
dieses
Speisezimmer
vor
manchen
Jahren
noch
unzerstört
gesehen
.
dem
Eingang
an
der
schmalen
Seite
gegenüber
,
im
Grunde
des
Saals
,
stand
die
Tafel
des
Priors
,
zu
beiden
Seiten
die
Mönchstische
,
sämtlich
auf
einer
Stufe
vom
Boden
erhöht
;
und
nun
,
wenn
der
Hereintretende
sich
umkehrte
,
sah
er
an
der
vierten
Wand
über
den
nicht
allzuhohen
Türen
den
vierten
Tisch
gemalt
,
an
demselben
Christus
und
seine
Jünger
,
eben
als
wenn
sie
zur
Gesellschaft
gehörten
.
es
muß
zur
Speisestunde
ein
bedeutender
Anblick
gewesen
sein
,
wenn
die
Tische
des
Priors
und
Christi
,
als
zwei
Gegenbilder
,
auf
einander
blickten
und
die
mönche
an
ihren
Tafeln
sich
dazwischen
eingeschlossen
fanden
.
und
eben
deshalb
mußte
die
Weisheit
des
Malers
die
vorhandenen
Mönchstische
zum
Vorbild
nehmen
.
auch
ist
gewiß
das
Tischtuch
mit
seinen
gequetschten
Falten
,
gemusterten
Streifen
und
aufgeknüpften
Zipfeln
aus
der
Waschkammer
des
Klosters
genommen
.
Schüsseln
,
Teller
,
Becher
und
sonstiges
Geräte
gleichfalls
denjenigen
nachgeahmt
,
der
sich
die
Mönche
bedienten
.
hier
war
also
keineswegs
die
Rede
von
Annäherung
an
ein
unschres
,
veraltetes
Kostüm
.
höchst
ungeschickt
wäre
es
gewesen
,
an
diesem
Orte
die
heilige
Gesellschaft
auf
Polster
auszustrecken
.
nein
!
sie
sollte
der
Gegenwart
angenähert
werden
,
Christus
sollte
sein
Abendmahl
bei
den
Dominikanern
zu
Mailand
einnehmen
.
auch
in
manchem
andern
Betracht
mußte
das
Bild
große
Wirkung
tun
.
ungefähr
zehn
Fuß
über
der
Erde
nehmen
die
dreizehn
Figuren
,
sämtlich
etwa
anderthalbmal
die
Lebensgröße
gebildet
,
den
Raum
von
achtundzwanzig
Pariser
Fuß
der
Länge
nach
ein
.
nur
zwei
derselben
sieht
man
ganz
an
den
entgegengesetzten
Enden
der
Tafel
,
die
übrigen
sind
Halbfiguren
,
und
auch
hier
fand
der
Künstler
in
der
Notwendigkeit
seinen
Vorteil
.
jeder
sittliche
Ausdruck
gehört
nur
dem
oberen
Teil
des
Körpers
an
,
und
die
Füße
sind
in
solchen
Fällen
überall
im
Wege
;
der
Künstler
schuf
sich
hier
elf
Halbfiguren
,
deren
Schoß
und
Knie
von
Tisch
und
Tischtuch
bedeckt
wird
,
unten
aber
die
Füße
im
bescheidenen
Dämmerlicht
kaum
bemerklich
sein
sollten
.
nun
versetze
man
sich
an
Ort
und
Stelle
,
denke
sich
die
sittliche
äußere
Ruhe
,
die
in
einem
solchen
mönchischen
Speisesaale
obwaltet
,
und
bewundere
den
Künstler
,
der
seinem
Bilde
kräftige
Erschütterung
,
leidenschaftliche
Bewegung
einhaucht
und
,
indem
er
sein
Kunstwerk
möglichst
an
die
Natur
herangebracht
hat
,
es
alsobald
mit
der
nächsten
Wirklichkeit
in
Kontrast
setzt
.
das
Aufregungsmittel
,
wodurch
der
Künstler
die
ruhig
heilige
Abendtafel
erschüttert
,
sind
die
Worte
des
Meisters
:
einer
ist
unter
euch
,
der
mich
verrät
!
ausgesprochen
sind
sie
,
die
ganze
Gesellschaft
kommt
darüber
in
Unruhe
;
er
aber
neigt
sein
Haupt
,
gesenkten
Blickes
;
die
ganze
Stellung
,
die
Bewegung
der
Arme
,
der
Hände
,
alles
wiederholt
mit
himmoischer
Ergebenheit
die
unglücklichen
Worte
,
das
Schweigen
selbst
bekräftigt
:
ja
es
ist
nicht
anders
!
einer
ist
unter
euch
,
der
mich
verrät
.
ehe
wir
aber
weiter
gehen
,
müssen
wir
ein
großes
Mittel
entwickeln
,
wodurch
Leonard
dieses
Bild
hauptsächlich
belebte
:
es
ist
die
Bewegung
der
Hände
;
dies
konnte
aber
auch
nur
ein
Italiener
finden
.
bei
seiner
Nation
ist
der
ganze
Körper
geistreich
,
alle
Glieder
nehmen
teil
an
jedem
Ausdruck
des
Gefühls
,
der
Leidenschaft
,
ja
des
Gedankens
.
durch
verschiedene
Gestaltung
und
Bewegung
der
Hände
drückt
er
aus
:
"
was
kümmert's
mich
!
-
komm
her
!
-
dies
ist
ein
Schelm
-
nimm
dich
in
acht
vor
ihm
!
-
er
soll
nicht
lange
leben
!
-
dies
ist
ein
Hauptpunkt
.
dies
merket
besonders
wohl
,
meine
Zuhörer
!
"
einer
solchen
Nationaleigenschaft
mußte
der
alles
Charakteristische
höchst
aufmerksam
betrachtende
Leonard
sein
forschendes
Auge
besonders
zuwenden
;
hieran
ist
das
gegenwärtige
Bild
einzig
,
und
man
kann
ihm
nicht
genug
Betrachtung
widmen
.
vollkommen
übereinstimmend
ist
Gesichtsbildung
und
jede
Bewegung
,
auch
dabei
eine
dem
Auge
gleich
faßliche
Zusammen-
und
Gegeneinanderstellung
aller
Glieder
auf
das
lobenswürdigste
geleistet
.
die
Gestalten
überhaupt
zu
beiden
Seiten
des
Herrn
lassen
sich
drei
und
drei
zusammen
betrachten
,
wie
sie
denn
auch
so
jedesmal
in
eins
gedacht
,
in
Verhältnis
gestellt
und
doch
in
Bezug
auf
ihre
Nachbarn
gehalten
sind
.
zunächst
an
Christi
rechter
Seite
Johannes
,
Judas
und
Petrus
.
Petrus
,
der
Entfernteste
,
fährt
nach
seinem
heftigen
Charakter
,
als
er
des
Herrn
Wort
vernommen
,
eilig
hinter
Judas
her
,
der
sich
,
erschrocken
aufwärts
sehend
,
vorwärts
über
den
Tisch
beugt
,
mit
der
rechten
festgeschlossenen
Hand
den
Beutel
hält
,
mit
der
linken
aber
eine
unwillkürliche
krampfhafte
Bewegung
macht
,
als
wollte
er
sagen
:
was
soll
das
heißen
?
-
was
soll
das
werden
?
Petrus
hat
indessen
mit
seiner
linken
Hand
des
gegen
ihn
geneigten
Johannes
rechte
Schulter
gefaßt
,
hindeutend
auf
Christum
und
zugleich
den
geliebten
Jünger
anregend
,
er
solle
fragen
,
wer
denn
der
Verräter
sei
?
einen
Messergriff
in
der
Rechten
setzt
er
dem
Judas
unwillkürlich
zufällig
in
die
Rippen
,
wodurch
dessen
erschrockene
Vorwärtsbewegung
,
die
sogar
ein
Salzfaß
umschüttet
,
glücklich
bewirkt
wird
.
diese
Gruppe
kann
als
die
zuerst
gedachte
des
Bildes
angesehen
werden
,
sie
ist
die
vollkommenste
.
wenn
nun
auf
der
rechten
Seite
des
Herrn
mit
mäßiger
Bewegung
unmittelbare
Rache
angedroht
wird
,
entspringt
auf
seiner
linken
lebhaftestes
Entsetzen
und
Abscheu
vor
dem
Verrat
.
Jakobus
der
Ältere
beugt
sich
vor
Schrecken
zurück
,
breitet
die
Arme
aus
,
starrt
,
das
Haupt
niedergebeugt
,
vor
sich
hin
,
wie
einer
,
der
das
Ungeheure
,
das
er
durchs
Ohr
vernimmt
,
schon
mit
Augen
zu
sehen
glaubt
.
Thomas
erscheint
hinter
seiner
Schulter
hervor
,
und
sich
dem
Heiland
nähernd
,
hebt
er
den
Zeigefinger
der
rechten
Hand
gegen
die
Stirne
.
Philippus
,
der
dritte
zu
dieser
Gruppe
Gehörige
,
rundet
sie
aufs
lieblichste
;
er
ist
aufgestanden
,
beugt
sich
gegen
den
Meister
,
legt
die
Hände
auf
die
Brust
,
mit
größter
Klarheit
aussprechend
:
Herr
,
ich
bin's
nicht
!
du
weißt
es
!
du
kennst
mein
reines
Herz
.
ich
bin's
nicht
!
und
nunmehr
geben
uns
die
benachbarten
drei
Letzteren
dieser
Seite
neuen
Stoff
zur
Betrachtung
.
sie
unterhalten
sich
untereinander
über
das
schrecklich
Vernommene
.
Matthäus
wendet
mit
eifriger
Bewegung
das
Gesicht
links
zu
seinen
beiden
Genossen
,
die
Hände
hingegen
streckt
er
mit
Schnelligkeit
gegen
den
Meister
und
verbindet
so
durch
das
unschätzbarste
Kunstmittel
,
seine
Gruppe
mit
der
vorhergehenden
.
Thaddäus
zeigt
die
heftigste
Überraschung
,
Zweifel
und
Argwohn
;
er
hat
die
linke
Hand
offen
auf
den
Tisch
gelegt
und
die
rechte
dergestalt
erhoben
,
als
stehe
er
im
Begriff
,
mit
dem
Rücken
derselben
in
die
linke
einzuschlagen
;
eine
Bewegung
,
die
man
wohl
noch
von
Naturmenschen
sieht
,
wenn
sie
bei
unerwartetem
Vorfall
ausdrücken
wollen
:
hab
'
ich's
nicht
gesagt
!
habe
ich's
nicht
immer
vermutet
!
-
Simon
sitzt
höchst
würdig
am
Ende
des
Tisches
,
wir
sehen
daher
dessen
ganze
Figur
;
er
,
der
Älteste
von
allen
,
ist
reich
mit
Falten
bekleidet
,
Gesicht
und
Bewegung
zeigen
,
er
sei
betroffen
und
nachdenkend
,
nicht
erschüttert
,
kaum
bewegt
.
wenden
wir
nun
die
Augen
sogleich
auf
das
entgegengesetzte
Tischende
,
so
sehen
wir
Bartholomäus
,
der
auf
dem
rechten
Fuß
,
den
linken
übergeschlagen
,
steht
,
mit
beiden
ruhig
auf
den
Tisch
gestemmten
Händen
seinen
übergebogenen
Körper
unterstützend
.
er
horcht
,
wahrscheinlich
zu
vernehmen
,
was
Hohannes
vom
Herrn
ausfragen
wird
:
denn
überhaupt
scheint
die
Anregung
des
Lieblingsjüngers
von
dieser
ganzen
Seite
auszugehen
.
Jakobus
der
Jüngere
,
neben
und
hinter
Bertholomäus
,
legt
die
linke
Hand
auf
Petrus
'
Schulter
,
so
wie
Petrus
auf
die
Schulter
Johannis
,
aber
Jakobus
mild
,
nur
Aufklärung
verlangend
,
wo
Petrus
schon
Rache
droht
.
und
also
wie
Petrus
hinter
Judas
,
so
greift
Jakob
der
Jüngere
hinter
Andreas
her
,
welcher
als
eine
der
bedeutendsten
Figuren
mit
halbaufgehobenen
Armen
die
flachen
Hände
vorwärts
zeigt
,
als
entschiedenen
Ausdruck
des
Entsetzens
,
der
in
diesem
Bilde
nur
einmal
vorkommt
,
da
er
in
andern
,
weniger
geistreich
und
gründlich
gedachten
Werken
sich
leider
nur
zu
oft
wiederholt
.
Relief
von
Phigalia
.
-
"
das
Lebendige
,
die
Großheit
,
des
Stils
,
Anordnung
,
Behandlung
des
Reliefs
,
alles
ist
herrlich
.
hingegen
kann
man
bei
so
viel
Schönem
die
außerordentliche
Gedrungenheit
der
Figuren
,
die
oft
kaum
sechs
Kopflängen
haben
,
überhaupt
die
vernachlässigten
Proportionen
der
einzelnen
Teile
,
wo
oft
Fuß
oder
Hand
die
Länge
des
ganzen
Beins
oder
Arms
haben
,
u.
s.
w.
kaum
begreifen
.
und
da
soll
man
sagen
,
daß
man
an
den
Koloß
beinahe
in
allen
Vorstellungen
erinnert
wird
!
"
-
was
werden
Sie
aber
,
teuere
Freundin
,
zu
dem
entschiedenen
Verehrer
der
griechischen
Kunst
sagen
,
wenn
er
bekennt
,
daß
er
das
alles
zugibt
,
es
aber
keineswegs
entschuldigt
oder
auf
sich
beruhen
läßt
,
sondern
behauptet
,
daß
alle
diese
Mängel
mit
Bewußtsein
,
vorsätzlich
,
geflissentlich
,
aus
Grundsatz
verübt
worden
.
zuerst
also
ist
die
Plastik
Dienerin
der
Architektur
;
ein
Fries
an
einem
Tempel
dorischer
Ordnung
fordert
Gestalten
,
die
sich
zur
Proportion
seines
ganzen
Profiles
nähern
:
schon
in
diesem
Sinn
mußte
das
Gedrängte
,
Derbe
schon
hier
vorzuziehen
sein
.
aber
warum
gar
innerhalb
dieser
Verhältnisse
,
und
wenn
wir
sie
zugegeben
haben
,
noch
Disproportionen
,
inwiefern
sollte
denn
dies
zu
entschuldigen
sein
?
nicht
zu
entschuldigen
,
sondern
zu
rühmen
,
denn
wenn
der
Künstler
mit
Vorsatz
abweicht
,
so
steht
er
höher
als
wir
,
und
wir
müssen
ihn
nicht
zur
Rede
ziehn
,
sondern
ihn
verehren
.
bei
solchen
Darstellungen
kommt
es
darauf
an
,
die
Kraft
der
Gestalten
gegeneinander
vortreten
zu
lassen
;
wie
wollte
hier
die
weibliche
Brust
der
Amazonenkönigin
gegen
eine
herkulische
Mannesbrust
und
einen
kräftigen
Pferdehals
in
ihrer
Mitte
sich
halten
,
wenn
die
Brüste
nicht
auseinandergezogen
und
der
Rumpf
dadurch
viereckt
und
breit
wäre
.
das
linke
,
fliehende
Bein
kommt
gar
nicht
in
Betracht
;
es
dient
nur
als
Nebenwesen
zu
Eurhythmie
des
Ganzen
.
was
die
Endglieder
,
Füße
und
Hände
,
betrifft
,
so
ist
nur
die
Frage
,
ob
sie
im
Bilde
ihren
rechten
Platz
einnehmen
,
und
dann
ist
es
einerlei
,
ob
der
Arm
,
der
sie
bringt
,
das
Bein
,
das
ihnen
die
rechte
Stelle
anweist
,
zu
lang
oder
zu
kurz
ist
.
von
diesem
großen
Begriff
sind
wir
ganz
zurückgekommen
;
denn
kein
einzelner
Meister
darf
sich
anmaßen
,
mit
Vorsatz
zu
fehlen
,
aber
wohl
eine
ganze
Schule
.
und
doch
können
wir
jenen
Fall
auch
anführen
.
Leonard
da
Vinci
,
der
für
sich
selbst
eine
ganze
Kunstwelt
war
,
mit
dem
wir
uns
viel
und
lange
nicht
genug
beschäftigten
,
erfrecht
sich
eben
der
Kühnheit
wie
die
Künstler
von
Phigalia
.
wir
haben
das
Abendmahl
mit
Leidenschaft
durchgedacht
und
durchdenkend
verehrt
;
nun
sei
uns
aber
ein
Scherz
darüber
erlaubt
.
dreizehn
Personen
sitzen
an
einem
sehr
langen
schmalen
Tische
;
es
gibt
eine
Erschütterung
unter
ihnen
.
wenige
blieben
sitzen
,
andere
sind
halb
,
andere
ganz
aufgestanden
.
sie
entzücken
uns
durch
ihr
sittlich
leidenschaftliches
Betragen
,
aber
mögen
sich
die
guten
Leute
wohl
in
acht
nehmen
,
ja
nicht
etwa
den
Versuch
machen
,
sich
wieder
niederzusetzen
;
zwei
kommen
wenigstens
einander
auf
den
Schoß
,
wenn
auch
Christus
und
Johannes
noch
so
nahe
zusammenrücken
.
aber
eben
daran
erkennt
man
den
Meister
,
daß
er
zu
höhern
Zwecken
mit
Vorsatz
einen
Fehler
begeht
.
Wahrscheinlichkeit
ist
die
Bedingung
der
Kunst
,
aber
innerhalb
des
Reiches
der
Wahrscheinlichkeit
muß
das
Höchste
geliefert
werden
,
was
sonst
nicht
zur
Erscheinung
kömmt
.
das
Richtige
ist
nicht
sechs
Pfennige
wert
,
wenn
es
weiter
nichts
zu
bringen
hat
.
die
Frage
ist
also
nicht
,
ob
in
diesem
Sinne
irgendein
bedeutend
Glied
in
dieser
Zusammensetzung
zu
groß
oder
zu
klein
sei
.
nach
allen
drei
Kopien
des
Abendmahls
,
die
wir
vor
uns
haben
,
können
die
Köpfe
des
Judas
und
Thaddäus
nicht
zusammen
an
einem
Tische
sitzen
,
und
doch
,
besonders
wenn
wir
das
Original
vor
uns
hätten
,
würden
wir
darüber
nicht
querulieren
;
der
unendliche
Geschmack
(
daß
wir
dieses
unbestimmte
Wort
hier
in
entschiedenem
Sinne
brauchen
)
,
den
Leonard
besaß
,
wüßte
hier
dem
Zuschauer
schon
durchzuhelfen
.
und
beruht
denn
nicht
die
ganze
theatralische
Kunst
gerade
auf
solchen
Maximen
!
nur
ist
sie
vorübergehend
,
poetisch-rhetorisch
,
verleitend
,
und
man
kann
sie
nicht
so
vor
Gericht
ziehen
,
als
wenn
sie
gemalt
,
in
Marmor
gehauen
oder
in
Erz
gegossen
wäre
.
Analogie
oder
auch
nur
Gleichnis
haben
wir
in
der
Musik
:
das
was
dort
gleichschwebende
Temperatur
ist
,
wozu
die
Töne
,
die
sich
nicht
genau
untereinander
verhalten
wollen
,
so
lange
gebogen
und
gezogen
werden
,
daß
kaum
einer
seine
vollkommene
Natur
behält
,
aber
sich
alle
doch
zu
des
Tonkünstlers
Willen
schicken
.
dieser
bedient
sich
ihrer
,
als
wenn
alles
ganz
richtig
wäre
;
der
hat
gewonnen
Spiel
,
das
Ohr
will
nicht
richten
,
sondern
genießen
und
Genuß
mitteilen
.
das
Auge
hat
einen
anmaßlichen
Verstand
hinter
sich
,
der
wunder
meint
,
wie
hoch
er
stehe
,
wenn
er
beweist
,
ein
Sichtbares
sei
zu
lang
oder
zu
kurz
.
wenden
wir
uns
nun
zu
der
Frage
,
warum
wir
den
Kolossen
von
Monte
Cavallo
immer
wiederholt
sehen
,
so
antwort
'
ich
:
weil
er
dort
schon
zweimal
steht
.
das
Vortrefflichste
gilt
nun
einmal
;
wohl
dem
,
der
es
wiederholen
kann
:
diesen
Sinn
nährten
die
Alten
im
höchsten
Grad.
die
Stellung
des
Kolossen
,
die
mannigfaltige
zarte
Abänderung
zuläßt
,
ist
die
einzige
,
die
einem
tätigen
Helden
ziemt
;
darüber
hinaus
kann
man
nicht
,
und
zu
seinem
Zwecke
variierend
es
immer
wiederbringen
ist
der
höchste
Verstand
,
die
höchste
Originalität
.
aber
nicht
allein
diese
Wiederholung
findet
sich
auf
den
mir
gegönnten
Basreliefs
,
sondern
Herkules
und
die
Amazonenkönigin
stehen
in
derselbigen
Bewegung
gegeneinander
wie
Neptun
und
Pallas
im
Fronton
des
Parthenons
.
und
so
muß
es
immer
bleiben
,
weil
man
nicht
weiter
kann
.
lassen
wir
die
Pallas
in
der
Mitte
des
Giebelfeldes
von
Ägina
gelten
,
auch
Niobe
und
ihre
jüngste
Tochter
irgendwo
,
so
sind
das
immer
nur
Vorahndungen
der
Kunst
;
die
Mitte
darf
nicht
streng
bezeichnet
sein
,
und
bei
einer
vollkommenen
guten
Komposition
,
sie
sei
plastisch
,
malerisch
oder
architektonisch
,
muß
die
Mitte
leer
sein
oder
unbedeutend
,
damit
man
sich
mit
den
Seiten
beschäftige
,
ohne
zu
denken
,
daß
ihre
Wirksamkeit
irgendwoher
entspringe
.
da
wir
aber
,
was
man
nicht
tun
sollte
,
damit
angefangen
,
Einwürfe
zu
beseitigen
,
so
wollen
wir
nunmehr
zu
den
Vorzügen
des
vor
mir
stehenden
Basreliefs
ohne
irgendeine
andere
Rücksicht
uns
wenden
.
antik
und
modern
.
da
ich
in
vorstehendem
genötigt
war
,
zugunsten
des
Altertums
,
besonders
aber
der
damaligen
bildenden
Künstler
,
so
viel
Gutes
zu
sagen
,
so
wünschte
ich
doch
nicht
mißverstanden
zu
werden
,
wie
es
leider
gar
oft
geschieht
,
indem
der
Leser
sich
eher
auf
den
Gegensatz
wirft
,
als
daß
er
zu
einer
billigen
Ausgleichung
sich
geneigt
fände
.
ich
ergreife
daher
eine
dargebotene
Gelegenheit
,
um
beispielweise
zu
erklären
,
wie
es
eigentlich
gemeint
sei
,
und
auf
das
ewig
fortdauernde
Leben
des
menschlichen
Tuns
und
Handelns
,
unter
dem
Symbol
der
bildenden
Kunst
,
hinzudeuten
.
ein
junger
Freund
,
Karl
Ernst
Schubarth
,
in
seinem
Hefte
"
zur
Beurteilung
Goethes
"
,
welches
ich
in
jedem
Sinne
zu
schätzen
und
dankbar
anzuerkennen
habe
,
sagt
:
"
ich
bin
nicht
der
Meinung
wie
die
meisten
Verehrer
der
Alten
,
unter
die
Goethe
selbst
gehört
,
daß
in
der
Welt
für
eine
hohe
,
vollendete
Bildung
der
Menschheit
nichts
ähnlich
Günstiges
sich
hervorgetan
habe
wie
bei
den
Griechen
"
.
glücklicherweise
können
wir
diese
Differenz
mit
Schubarths
eigenen
Worten
ins
gleiche
bringen
,
indem
er
spricht
:
"
von
unserem
Goethe
aber
sei
es
gesagt
,
daß
ich
Shekespeare
ihm
darum
vorziehe
,
weil
ich
in
Shakespeare
einen
solchen
tüchtigen
,
sich
selbst
unbewußten
Menschen
gefunden
zu
haben
glaube
,
der
mit
höchster
Sicherheit
,
ohne
alles
Räsonieren
,
Reflektieren
,
Substilisieren
,
Klassifizieren
und
Potenzieren
den
wahren
und
falschen
Punkt
der
Menschheit
überall
so
genau
,
mit
so
nie
irrendem
Griff
und
so
natürlich
hervorhebt
,
daß
ich
zwar
am
Schluß
bei
Goethe
immer
das
nämliche
Ziel
erkenne
,
von
vornherein
aber
stets
mit
dem
Entgegengesetzten
zuerst
zu
kämpfen
,
es
zu
überwinden
und
mich
sorgfältig
in
acht
zu
nehmen
habe
,
daß
ich
nicht
für
blanke
Wahrheit
hinnehme
,
was
doch
nur
als
entschiedener
Irrtum
abgelehnt
werden
soll
"
.
hier
trifft
unser
Freund
den
Nagel
auf
den
Kopf
;
denn
gerade
da
,
wo
er
mich
gegen
Shakespeare
im
Nachteil
findet
,
stehen
wir
im
Nachteil
gegen
die
Alten
.
und
was
reden
wir
von
den
Alten
?
ein
jedes
Talent
,
dessen
Entwickelung
von
Zeit
und
Umständen
nicht
begünstigt
wird
,
so
daß
es
sich
vielmehr
erst
durch
vielfache
Hindernisse
durcharbeiten
,
von
manchen
Irrtümern
sich
losarbeiten
muß
,
steht
unendlich
in
Nachteil
gegen
ein
gleichzeitiges
,
welches
Gelegenheit
findet
,
sich
mit
Leichtigkeit
auszubilden
und
,
was
es
vermag
,
ohne
Widerstand
auszuüben
.
bejahrten
Personen
fällt
aus
der
Fülle
der
Erfahrung
oft
bei
Gelegenheit
ein
,
was
eine
Behauptung
erläutern
und
bestärken
könnte
;
deshalb
sei
folgende
Anekdote
zu
erzählen
vergönnt
.
ein
geübter
Diplomat
,
der
meine
Bekanntschaft
wünschte
,
sagte
,
nachdem
er
mich
bei
dem
ersten
Zusammentreffen
nur
überhin
angesehen
und
gesprochen
,
zu
seinen
Freunden
:
Voila
un
homme
qui
a
eu
de
grands
chagrins
!
diese
Worte
gaben
mir
zu
denken
:
der
gewandte
Gesichtsforscher
hatte
recht
gesehen
,
aber
das
Phänomen
bloß
durch
den
Begriff
von
Duldung
ausgedrückt
,
was
er
auch
der
Gegenwirkung
hätte
zuschreiben
sollen
.
ein
aufmerksamer
,
gerader
Deutscher
hätte
vielleicht
gesagt
:
das
ist
auch
einer
,
der
sich's
hat
sauer
werden
lassen
!
wenn
sich
nun
in
unseren
Gesichtszügen
die
Spur
überstandenen
Leidens
,
durchgeführter
Tätigkeit
nicht
auslöschen
läßt
,
so
ist
es
kein
Wunder
,
wenn
alles
,
was
von
uns
und
unserem
Bestreben
übrigbleibt
,
dieselbe
Spur
trägt
und
dem
aufmerksamen
Beobachter
auf
ein
Dasein
hindeutet
,
das
in
einer
glücklichsten
Entfaltung
so
wie
in
der
notgedrungensten
Beschränkung
sich
gleich
zu
bleiben
und
,
wo
nicht
immer
die
Würde
,
doch
wenigstens
die
Hartnäckigkeit
des
menschlichen
Wesens
durchzuführen
trachtete
.
lassen
wir
also
Altes
und
Neues
,
Vergangenes
und
Gegenwärtiges
fahren
,
und
sagen
im
allgemeinen
:
jedes
künstlerisch
Hervorgebrachte
versetzt
uns
in
die
Stimmung
,
in
welcher
sich
der
Verfasser
befand
.
war
sie
heiter
und
leicht
,
so
werden
wir
uns
frei
fühlen
;
war
sie
beschränkt
,
sorglich
und
bedenklich
,
so
zieht
sie
uns
gleichmäßig
in
die
Enge
.
nun
bemerken
wir
bei
einigem
Nachdenken
,
daß
hier
eigentlich
nur
von
der
Behandlung
die
Rede
sei
;
Stoff
und
Gehalt
kommt
nicht
in
Betracht
.
schauen
wir
sodann
diesem
gemäß
in
der
Kunstwelt
frei
umher
,
so
gestehen
wir
,
daß
ein
jedes
Erzeugnis
uns
Freude
macht
,
was
dem
Künstler
mit
Bequemlichkeit
und
Leichtigkeit
gelungen
.
welcher
Liebhaber
besitzt
nicht
mit
Vergnügen
eine
wohlgeratne
Zeichnung
oder
Radierung
unseres
Chodowiecki
?
hier
sehen
wir
eine
solche
Unmittelbarkeit
an
der
uns
bekannten
Natur
,
daß
nichts
zu
wünschen
übrigbleibt
.
nur
darf
er
nicht
aus
seinem
Kreise
,
nicht
aus
seinem
Format
herausgehen
,
wenn
nicht
alle
seiner
Individualität
gegönnten
Vorteile
sollen
verloren
sein
.
wir
wagen
uns
weiter
und
bekennen
,
daß
Manieristen
sogar
,
wenn
sie
es
nur
nicht
allzuweit
treiben
,
uns
viel
Vergnügen
machen
und
daß
wir
ihre
eigenhändigen
Arbeiten
sehr
gern
besitzen
.
Künstler
,
die
man
mit
diesem
Namen
benennt
,
sind
mit
entschiedenem
Talente
geboren
;
allein
sie
fühlen
bald
,
daß
nach
Verhältnis
der
Tage
so
wie
der
Schule
,
worein
sie
gekommen
,
nicht
zu
Federlesen
Raum
bleibt
,
sondern
daß
man
sich
entschließen
und
fertig
werden
müsse
.
sie
bilden
sich
daher
eine
Sprache
,
mit
welcher
sie
,
ohne
weiteres
Bedenken
,
die
sichtbaren
Zustände
leicht
und
kühn
behandeln
und
uns
,
mit
mehr
oder
minderm
Glück
,
allerlei
Weltbilder
vorspiegeln
,
wodurch
denn
manchmal
ganze
Nationen
mehrere
Dezennien
hindurch
angenehm
unterhalten
und
getäuscht
werden
,
bis
zuletzt
einer
oder
andere
wieder
zur
Natur
und
höheren
Sinnesart
zurückkehrt
.
daß
es
bei
den
Alten
auch
zuletzt
auf
eine
solche
Art
von
Manier
hinauslief
,
sehen
wir
an
den
Herkulanischen
Altertümern
;
allein
die
Vorbilder
waren
zu
groß
,
zu
frisch
,
wohlerhalten
und
gegenwärtig
,
als
daß
ihrezendmaler
sich
hätten
ganz
ins
Nichtige
verlieren
können
.
treten
wir
nun
auf
einen
höhern
und
angenehmern
Standpunkt
und
betrachten
das
einzige
Talent
Raffaels
.
dieser
,
mit
dem
glücklichsten
Naturell
geboren
,
erwuchs
in
einer
Zeit
,
wo
man
redlichste
Bemühung
,
Aufmerksamkeit
,
Fleiß
und
Treue
der
Kunst
widmete
.
vorausgehende
Meister
führten
den
Jüngling
bis
an
die
Schwelle
,
und
er
brauchte
nur
den
Fuß
aufzuheben
,
um
in
den
Tempel
zu
treten
.
durch
Peter
Perugin
zur
sorgfältigsten
Ausführung
angehalten
,
entwickelt
sich
sein
Genie
an
Leonard
da
Vinci
und
Michel
Angelo
.
beide
gelangten
während
eines
langen
Lebens
,
ungeachtet
der
höchsten
Steigerung
ihrer
Talente
,
kaum
zu
dem
eigentlichen
Behagen
des
Kunstwirkens
.
jener
hatte
sich
,
genau
besehen
,
wirklich
müde
gedacht
und
sich
allzusehr
am
Technischen
abgearbeitet
,
dieser
,
anstatt
uns
zu
dem
,
was
wir
ihm
schon
verdanken
,
noch
Überschwengliches
im
Plastischen
zu
hinterlassen
,
quält
sich
die
schönsten
Jahre
durch
in
Steinbrüchen
nach
Marmorblöcken
und
Bänken
,
so
daß
zuletzt
von
allen
beabsichtigten
Heroen
des
Alten
und
Neuen
Testamentes
der
einzige
Moses
fertig
wird
,
als
ein
Musterbild
dessen
,
was
hätte
geschehen
können
und
sollen
.
Raffael
hingegen
wirkt
seine
ganze
Lebenszeit
hindurch
mit
immer
gleicher
und
größerer
Leichtigkeit
.
Gemüts-
und
Tatkraft
stehen
bei
ihm
in
so
entschiedenem
Gleichgewicht
,
daß
man
wohl
behaupten
darf
,
kein
neuerer
Künstler
habe
so
rein
und
vollkommen
gedacht
als
er
und
sich
so
klar
ausgesprochen
.
hier
haben
wir
also
wieder
ein
Talent
,
das
uns
aus
der
ersten
Quelle
das
frischeste
Wasser
entgegensendet
.
er
gräzisiert
nirgends
,
fühlt
,
denkt
,
handelt
aber
durchaus
wie
ein
Grieche
.
wir
sehen
hier
das
schönste
Talent
zu
ebenso
glücklicher
Stunde
entwickelt
,
als
es
unter
ähnlichen
Bedingungen
und
Umständen
zu
Perikles
'
Zeit
geschah
.
und
so
muß
man
immer
wiederholen
:
das
geborne
Talent
wird
zur
Produktion
gefordert
,
es
fordert
dagegen
aber
auch
eine
natur-
und
kunstgemäße
Entwicklung
für
sich
;
es
kann
sich
seiner
Vorzüge
nicht
begeben
und
kann
sie
ohne
äußere
Zeitbegünstigung
nicht
gemäß
vollenden
.
man
betrachte
die
Schule
der
Carracci
.
hier
lag
Talent
,
Ernst
,
Fleiß
und
Konsequenz
zum
Grunde
,
hier
war
ein
Element
,
in
welchem
sich
schöne
Talente
natur-
und
kunstgemäß
entwickeln
konnten
.
wir
sehen
ein
ganzes
Dutzend
vorzüglicher
Künstler
von
dort
ausgehen
,
jeden
in
gleichem
allgemeinen
Sinn
sein
besonderes
Talent
üben
und
bilden
,
so
daß
kaum
nach
der
Zeit
ähnliche
wieder
erscheinen
konnten
.
sehen
wir
ferner
die
ungeheuren
Schritte
,
welche
der
talentreiche
Rubens
in
die
Kunstwelt
hineintut
!
auch
er
ist
kein
Erdgeborner
;
man
schaue
die
große
Erbschaft
,
in
die
er
eintritt
,
von
den
Urvätern
des
14ten
und
15ten
Jahrhunderts
durch
alle
die
trefflichen
des
16ten
hindurch
,
gegen
dessen
Ende
er
geboren
wird
.
betrachtet
man
neben
und
nach
ihm
die
Fülle
niederländischer
Meister
des
17ten
,
deren
große
Fähigkeiten
sich
bald
zu
Hause
,
bald
südlich
,
bald
nördlich
ausbilden
,
so
wird
man
nicht
leugnen
können
,
daß
die
unglaubliche
Sagazität
,
womit
ihr
Auge
die
Natur
durchdrungen
,
und
die
Leichtigkeit
,
womit
sie
ihr
eignes
gesetzliches
Behagen
ausgedrückt
,
uns
durchaus
zu
entzücken
geeignet
sei
.
ja
,
insofern
wir
dergleichen
besitzen
,
beschränken
wir
uns
gern
ganze
Zeiten
hindurch
auf
Betrachtung
und
Liebe
solcher
Erzeugnisse
und
verargen
es
Kunstfreunden
keineswegs
,
die
sich
ganz
allein
im
Besitz
und
Verehrung
dieses
Faches
begnügen
.
und
so
könnten
wir
noch
hundert
Beispiele
bringen
,
das
,
was
wir
aussprechen
,
zu
bewahrheiten
.
die
Klarheit
der
Ansicht
,
die
Heiterkeit
der
Aufnahme
,
die
Leichtigkeit
der
Mitteilung
,
das
ist
es
,
was
uns
entzückt
;
und
wenn
wir
nun
behaupten
,
dieses
alles
finden
wir
in
den
echt
griechischen
Werken
,
und
zwar
geleistet
am
edelsten
Stoff
,
am
würdigsten
Gehalt
,
mit
sicherer
und
vollendeter
Ausführung
,
so
wird
man
uns
verstehen
,
wenn
wir
immer
von
dort
ausgehen
und
immer
dort
hinweisen
.
jeder
sei
auf
seine
Art
ein
Grieche
!
aber
er
sei's
.
ebenso
ist
es
mit
dem
schriftstellerischen
Verdienste
.
das
Faßliche
wird
uns
immer
zuerst
ergreifen
und
vollkommen
befriedigen
;
ja
wenn
wir
die
Werke
eines
und
desselben
Dichters
vornehmen
,
so
finden
wir
manche
,
die
auf
eine
gewisse
peinliche
Arbeit
hindeuten
,
andere
dagegen
,
weil
das
Talent
dem
Gehalt
und
der
Form
vollkommen
gewachsen
war
,
wie
freie
Naturerzeugnisse
hervortreten
.
und
so
ist
unser
wiederholtes
,
aufrichtiges
Bekenntnis
,
daß
keiner
Zeit
versagt
sei
,
das
schönste
Talent
hervorzubringen
,
daß
aber
nicht
einer
jeden
gegeben
ist
,
es
vollkommen
würdig
zu
entwickeln
.
von
deutscher
Baukunst
.
(
1823
)
einen
großen
Reiz
muß
die
Bauart
haben
,
welche
die
Italiener
und
Spanier
schon
von
alten
Zeiten
her
,
wir
aber
erst
in
der
neuesten
die
deutsche
(
tedesca
,
germanica
)
genannt
haben
.
mehrere
Jahrhunderte
ward
sie
zu
kleinern
und
zu
ungeheuren
Gebäuden
angewendet
,
der
größte
Teil
von
Europa
nahm
sie
auf
;
tausende
von
Künstlern
,
Abertausende
von
Handwerkern
übten
sie
;
den
christlichen
Kultus
förderte
sie
höchlich
und
wirkte
mächtig
auf
Geist
und
Sinn
:
sie
muß
also
etwas
Großes
,
gründlich
Gefühltes
,
Gedachtes
,
Durchgearbeitetes
enthalten
,
Verhältnisse
verbergen
und
an
den
Tag
legen
,
deren
Wirkung
unwiderstehlich
ist
.
merkwürdig
war
uns
daher
das
Zeugnis
eines
Franzosen
,
eines
Mannes
,
dessen
eigene
Bauweise
der
gerühmten
sich
entgegensetzte
,
dessen
Zeit
von
derselben
äußerst
ungünstig
urteilte
;
und
dennoch
spricht
er
folgendermaßen
:
"
alle
Zufriedenheit
,
die
wir
an
irgendeinem
Kunstschönen
empfinden
,
hängt
davon
ab
,
daß
Regel
und
Maß
beobachtet
sei
;
unser
Behagen
wird
nur
durch
Proportion
bewirkt
.
ist
hieran
Mangel
,
so
mag
man
noch
so
viel
äußere
Zierat
anwenden
,
Schönheit
und
Gefälligkeit
,
die
ihnen
innerlich
fehlen
,
wird
nicht
ersetzt
;
ja
man
kann
sagen
,
daß
ihre
Häßlichkeit
nur
verhaßter
und
unerträglicher
wird
,
wenn
man
die
äußeren
Zieraten
durch
Reichtum
der
Arbeit
oder
der
Materie
steigert
.
um
diese
Behauptung
noch
weiter
zu
treiben
,
sag
'
ich
,
daß
die
Schönheit
,
welche
aus
Maß
und
Proportion
entspringt
,
keineswegs
kostbarer
Materien
und
zierlicher
Arbeit
bedarf
,
um
Bewunderung
zu
erlangen
;
sie
glänzt
vielmehr
und
macht
sich
fühlbar
,
hervorblickend
aus
dem
Wuste
und
der
Verworrenheit
des
Stoffes
und
der
Behandlung
.
so
beschauen
wir
mit
Vergnügen
einige
Massen
jener
gotischen
Gebäude
,
deren
Schönheit
aus
Symmetrie
und
Proportion
des
Ganzen
zu
den
Teilen
und
der
Teile
untereinander
entsprungen
erscheint
und
bemerklich
ist
,
ungeachtet
der
häßlichen
Zieraten
,
womit
sie
verdeckt
sind
,
und
zum
Trutz
derselben
.
was
uns
aber
am
meisten
überzeugen
muß
,
ist
,
daß
,
wenn
man
diese
Massen
mit
Genauigkeit
untersucht
,
man
im
ganzen
dieselben
Proportionen
findet
wie
an
Gebäuden
,
welche
,
nach
Regeln
der
guten
Baukunst
erbaut
,
uns
beim
Anblick
so
viel
Vergnügen
gewähren
"
.
Francois
Blondel
,
Cours
d'
Architecture
.
Cinquieme
partie
.
Liv
.
V.
Chap
.
XVI
.
XVII
.
erinnern
dürfen
wir
uns
hierbei
gar
wohl
jüngerer
Jahre
,
wo
der
Straßburger
Münster
so
große
Wirkung
auf
uns
ausübte
,
daß
wir
unberufen
unser
Entzücken
auszusprechen
nicht
unterlassen
konnten
.
eben
das
,
was
der
französische
Baumeister
nach
gepflogener
Messung
und
Untersuchung
gesteht
und
behauptet
,
ist
uns
unbewußt
begegnet
,
und
es
wird
ja
auch
nicht
von
jedem
gefordert
,
daß
er
von
Eindrücken
,
die
ihn
überraschen
,
Rechenschaft
geben
solle
.
standen
aber
diese
Gebäude
Jahrhunderte
lang
nur
wie
eine
alte
Überlieferung
da
,
ohne
sonderlichen
Eindruck
auf
die
größere
Menschenmasse
,
so
ließen
sich
die
Ursachen
davon
gar
wohl
angeben
.
wie
mächtig
hingegen
erschien
ihre
Wirksamkeit
in
den
letzten
Zeiten
,
welche
den
Sinn
dafür
wieder
erweckten
!
Jüngere
und
Ältere
beiderlei
Geschlechts
waren
von
solchen
Eindrücken
übermannt
und
hingerissen
,
daß
sie
sich
nicht
allein
durch
wiederholte
Beschauung
,
Messung
,
Nachzeichnung
daran
erquickten
und
erbauten
,
sondern
auch
diesen
Stil
bei
noch
erst
zu
errichtenden
,
lebendigem
Gebrauch
gewidmeten
Gebäuden
wirklich
anwendeten
und
eine
Zufriedenheit
fanden
,
sich
gleichsam
urväterlich
in
solchen
Umgebungen
zu
empfinden
.
da
nun
aber
einmal
der
Anteil
an
solchen
Produktionen
der
Vergangenheit
erregt
worden
,
so
verdienen
diejenigen
großen
Dank
,
die
uns
in
den
Stand
setzen
,
Wert
und
Würde
im
rechten
Sinne
,
das
heißt
historisch
zu
fühlen
und
zu
erkennen
,
wovon
ich
nunmehr
einiges
zur
Sprache
bringe
,
indem
ich
mich
durch
mein
näheres
Verhältnis
zu
so
bedeutenden
Gegenständen
aufgefordert
fühle
.
seit
meiner
Entfernung
von
Straßburg
sah
ich
kein
wichtiges
imposantes
Werk
dieser
Art
;
der
Eindruck
erlosch
,
und
ich
erinnerte
mich
kaum
jenes
Zustandes
,
wo
mich
ein
solcher
Anblick
zum
lebhaftesten
Enthusiasmus
angeregt
hatte
.
der
Aufenthalt
in
Italien
konnte
solche
Gesinnungen
nicht
wieder
beleben
,
um
so
weniger
,
als
die
modernen
Veränderungen
am
Dome
zu
Mailand
den
alten
Charakter
nicht
mehr
erkennen
ließen
;
und
so
lebte
ich
viele
Jahre
solchem
Kunstzweige
entfernt
,
wo
nicht
gar
entfremdet
.
im
Jahre
1810
jedoch
trat
ich
,
durch
Vermittelung
eines
edlen
Freundes
,
mit
den
Gebrüdern
Boisseree
in
ein
näheres
Verhältnis
.
sie
teilten
mir
glänzende
Beweise
ihrer
Bemühungen
mit
;
sorgfältig
ausgeführte
Zeichnungen
des
Doms
zu
Köln
,
teils
im
Grundriß
,
teils
von
mehreren
Seiten
,
machten
mich
mit
einem
Gebäude
bekannt
,
das
nach
scharfer
Prüfung
gar
wohl
die
erste
Stelle
in
dieser
Bauart
verdient
;
ich
nahm
ältere
Studien
wieder
vor
und
belehrte
mich
durch
wechselseitige
freundschaftliche
Besuche
und
emsige
Betrachtung
gar
mancher
aus
dieser
Zeit
sich
herschreibenden
Gebäude
,
in
Kupfern
,
Zeichnungen
,
Gemälden
,
so
daß
ich
mich
endlich
wieder
in
jenen
Zuständen
ganz
einheimisch
fand
.
allein
der
Natur
der
Sache
nach
,
besonders
aber
in
meinem
Alter
und
meiner
Stellung
,
mußte
mir
das
Geschichtliche
dieser
ganzen
Angelegenheit
das
Wichtigste
werden
,
wozu
mir
denn
die
bedeutenden
Sammlungen
meiner
Freunde
die
besten
Fördernisse
darreichten
.
nun
fand
sich
glücklicherweise
,
daß
Herr
Moller
,
ein
höchst
gebildeter
,
einsichtiger
Künstler
,
auch
für
diese
Gegenstände
entzündet
ward
und
auf
das
glücklichste
mitwirkte
.
ein
entdeckter
Originalriß
des
Kölner
Doms
gab
der
Sache
ein
neues
Ansehen
;
die
lithographische
Kopie
desselben
,
ja
die
Kontradrücke
,
wodurch
sich
das
ganze
zweitürmige
Bild
durch
Zusammenfügen
und
Austuschen
den
Augen
darstellen
ließ
,
wirkte
bedeutsam
;
und
was
dem
Geschichtsfreunde
zu
gleicher
Zeit
höchst
willkommen
sein
mußte
,
war
des
vorzüglichen
Mannes
Unternehmen
,
eine
Reihe
von
Abbildungen
älterer
und
neuerer
Zeit
uns
vorzulegen
,
da
man
denn
zuerst
das
Herankommen
der
von
uns
diesmal
betrachteten
Bauart
,
sodann
ihre
höchste
Höhe
und
endlich
ihr
Abnehmen
vor
Augen
sehen
und
bequem
erkennen
sollte
.
dieses
findet
nun
um
desto
eher
statt
,
da
das
erste
Werk
vollendet
vor
uns
liegt
und
das
zweite
,
das
von
einzelnen
Gebäuden
dieser
Art
handeln
wird
,
auch
schon
in
seinen
ersten
Heften
zu
uns
gekommen
ist
.
mögen
die
Unternehmungen
dieses
ebenso
einsichtigen
als
tätigen
Mannes
möglichst
vom
Publikum
begünstigt
werden
;
denn
mit
solchen
Dingen
sich
zu
beschäftigen
ist
an
der
Zeit
,
die
wir
zu
benutzen
haben
,
wenn
für
uns
und
unsere
Nachkommen
ein
vollständiger
Begriff
hervorgehen
soll
.
und
so
müssen
wir
denn
gleiche
Aufmerksamkeit
und
Teilnahme
dem
wichtigen
Werke
der
Gebrüder
Boisseree
wünschen
,
dessen
erste
Lieferung
wir
früher
schon
im
allgemeinen
angezeigt
.
mit
aufrichtiger
Teilnahme
sehe
ich
nun
das
Publikum
die
Vorteile
genießen
,
die
mir
seit
dreizehn
Jahren
gegönnt
sind
:
denn
so
lange
bin
ich
Zeuge
der
ebenso
schwierigen
als
anhaltenden
Arbeit
der
Boissereeschen
Verbündeten
.
mir
fehlte
es
nicht
diese
Zeit
her
an
Mitteilung
frisch
gezeichneter
Risse
,
alter
Zeichnungen
und
Kupfer
,
die
sich
auf
solche
Gegenstände
bezogen
;
besonders
aber
wichtig
waren
die
Probedrücke
der
bedeutenden
Platten
,
die
sich
durch
die
vorzüglichsten
Kupferstecher
ihrer
Vollendung
näherten
.
so
schön
mich
aber
auch
dieser
frische
Anteil
in
die
Neigungen
meiner
früheren
Jahre
wieder
zurückversetzte
,
fand
ich
doch
den
größten
Vorteil
bei
einem
kurzen
Besuche
in
Köln
,
den
ich
an
der
Seite
des
Herrn
Staatsministers
von
Stein
abzulegen
das
Glück
hatte
.
ich
will
nicht
leugnen
,
daß
der
Anblick
des
Kölner
Doms
von
außen
eine
gewisse
Apprehension
in
mir
erregte
,
der
ich
keinen
Namen
zu
geben
wüßte
.
hat
eine
bedeutende
Ruine
etwas
Ehrwürdiges
,
ahnen
,
sehen
wir
in
ihr
den
Konflikt
eines
würdigen
Menschenwerks
mit
der
stillmächtigen
,
aber
auch
alles
nicht
achtenden
Zeit
,
so
tritt
uns
hier
ein
Unvollendetes
,
Ungeheures
entgegen
,
wo
eben
dieses
Unfertige
uns
an
die
Unzulänglichkeit
des
Menschen
erinnert
,
sobald
er
sich
unterfängt
,
etwas
Übergroßes
leisten
zu
wollen
.
selbst
der
Dom
inwendig
macht
uns
,
wenn
wir
aufrichtig
sein
wollen
,
zwar
einen
bedeutenden
,
aber
doch
unharmonischen
Effekt
;
nur
wenn
wir
ins
Chor
treten
,
wo
das
Vollendete
uns
mit
überraschender
Harmonie
anspricht
,
da
erstaunen
wir
fröhlich
,
da
erschrecken
wir
freudig
und
fühlen
unsere
Sehnsucht
mehr
als
erfüllt
.
ich
aber
hatte
mich
längst
schon
besonders
mit
dem
Grundriß
beschäftigt
,
viel
darüber
mit
den
Freunden
verhandelt
,
und
so
konnte
ich
,
da
beinahe
zu
allem
der
Grund
gelegt
ist
,
die
Spuren
der
ersten
Intention
an
Ort
und
Stelle
genau
verfolgen
.
ebenso
halfen
mir
die
Probedrücke
der
Seitenansicht
und
die
Zeichnung
des
vorderen
Aufrisses
einigermaßen
das
Bild
in
meiner
Seele
auferbauen
;
doch
blieb
das
,
was
fehlte
,
immer
noch
so
übergroß
,
daß
man
sich
zu
dessen
Höhe
nicht
aufschwingen
konnte
.
jetzt
aber
,
da
die
Boissereesche
Arbeit
sich
ihrem
Ende
naht
,
Abbildung
und
Erklärung
in
die
Hände
aller
Liebhaber
gelangen
werden
,
jetzt
hat
der
wahre
Kunstfreund
auch
in
der
Ferne
Gelegenheit
,
sich
von
dem
höchsten
Gipfel
,
wozu
sich
diese
Bauweise
erhoben
,
völlig
zu
überzeugen
;
da
er
denn
,
wenn
er
gelegentlich
sich
als
Reisender
jener
wundersamen
Stätte
nähert
,
nicht
mehr
der
persönlichen
Empfindung
,
dem
trüben
Vorurteil
oder
,
im
Gegensatz
,
einer
übereilten
Abneigung
sich
hingeben
,
sondern
als
ein
Wissender
und
in
die
Hüttengeheimnisse
Eingeweihter
das
Vorhandene
betrachten
und
das
Vermißte
in
Gedanken
ersetzen
wird
.
ich
wenigstens
wünsche
mir
Glück
,
zu
dieser
Klarheit
nach
funfzigjährigem
Streben
durch
die
Bemühungen
patriotisch
gesinnter
,
geistreicher
,
emsiger
,
unermüdeter
junger
Männer
gelangt
zu
sein
.
daß
ich
bei
diesen
erneuten
Studien
deutscher
Baukunst
des
zwölften
Jahrhunderts
öfter
meiner
frühern
Anhänglichkeit
an
den
Straßburger
Münster
gedachte
und
des
damals
,
1773
,
im
ersten
Enthusiasmus
verfaßten
Druckbogens
mich
erfreute
,
da
ich
mich
desselben
beim
späteren
Lesen
nicht
zu
schämen
brauchte
,
ist
wohl
natürlich
:
denn
ich
hatte
doch
die
innern
Proportionen
des
Ganzen
gefühlt
,
ich
hatte
die
Entwickelung
der
einzelnen
Zieraten
eben
aus
diesem
Ganzen
eingesehen
und
nach
langem
und
wiederholtem
Anschauen
gefunden
,
daß
der
eine
hoch
genug
auferbaute
Turm
doch
seiner
eigentlichen
Vollendung
ermangle
.
das
alles
traf
mit
den
neueren
Überzeugungen
der
Freunde
und
meiner
eigenen
ganz
wohl
überein
,
und
wenn
jener
Aufsatz
etwas
Amphigurisches
in
seinem
Stil
bemerken
läßt
,
so
möchte
es
wohl
zu
verzeihen
sein
,
da
wo
etwas
Unaussprechliches
auszusprechen
ist
.
wir
werden
noch
oft
auf
diesen
Gegenstand
zurückkommen
und
schließen
hier
dankbar
gegen
diejenigen
,
denen
wir
die
gründlichsten
Vorarbeiten
schuldig
sind
,
Herrn
Moller
und
Büsching
,
jenem
in
seiner
Auslegung
der
gegebenen
Kupfertafeln
,
diesem
in
dem
Versuch
einer
Einleitung
in
die
Geschichte
der
altdeutschen
Baukunst
;
wozu
mir
denn
gegenwärtig
als
erwünschtestes
Hülfsmittel
die
Darstellung
zuhanden
liegt
,
welche
Herr
Sulpitz
Boisseree
als
Einleitung
und
Erklärung
der
Kupfertafeln
mit
gründlicher
Kenntnis
aufgesetzt
hat
.
indessen
möge
ein
Abdruck
jenes
oft
genannten
früheren
Aufsatzes
nächstens
folgen
,
um
auch
den
Unterschied
zwischen
dem
ersten
Keimen
und
der
letzten
Frucht
recht
anschaulich
und
eindringlich
zu
machen
.
Julius
Cäsars
Triumphzug
,
gemalt
von
Mantegna
.
des
Meisters
Kunst
im
allgemeinsten
.
an
den
Werken
dieses
außerordentlichen
Künstlers
,
vorzüglich
auch
an
dem
Triumphzug
Cäsars
,
einer
Hauptarbeit
,
wovon
wir
näher
zu
handeln
gedenken
,
glauben
wir
einen
Widerstreit
zu
fühlen
,
welcher
beim
ersten
Anblick
nicht
aufzulösen
scheint
.
zuvörderst
also
werden
wir
gewahr
,
daß
er
nach
dem
strebt
,
was
man
Stil
nennt
,
nach
einer
allgemeinen
Norm
der
Gestalten
;
denn
sind
auch
mitunter
seine
Proportionen
zu
lang
,
die
Formen
zu
hager
,
so
ist
doch
ein
allgemein
Kräftiges
,
Tüchtiges
,
Übereinstimmendes
durchaus
wahrzunehmen
an
Menschen
und
Tieren
,
nicht
weniger
in
allen
Nebensachen
von
Kleidern
,
Waffen
und
erdenklichem
Gerät
.
hier
überzeugt
man
sich
von
seinem
Studium
der
Antike
;
hier
muß
man
anerkennen
,
er
sei
in
das
Altertum
eingeweiht
,
er
habe
sich
darein
versenkt
.
nun
gelingt
ihm
aber
auch
die
unmittelbarste
und
individuellste
Natürlichkeit
bei
Darstellung
der
mannigfaltisten
Gestalten
und
Charaktere
.
die
Menschen
,
wie
sie
leiben
und
leben
,
mit
persönlichen
Vorzügen
und
Mängeln
,
wie
sie
auf
dem
Markte
schlendern
,
in
Prozessionen
einhergehen
,
sich
in
Haufen
zusammendrängen
,
weiß
er
zu
schildern
;
jedes
Alter
,
jedes
Temperament
wird
in
seiner
Eigentümlichkeit
vorgeführt
,
so
daß
,
wenn
wir
erst
das
allgemeinste
ideellste
Streben
gewahr
wurden
,
wir
sodann
,
nicht
etwa
nebenan
,
sondern
mit
dem
Höhern
verkörpert
,
auch
das
Besonderste
,
Natürlichste
,
Gemeinste
aufgefaßt
und
überliefert
sehen
.
Lebensereignisse
.
diese
beinahe
unmöglich
scheinende
Leistung
erklärt
sich
nur
durch
Ereignisse
seines
Lebens
.
ein
vorzüglicher
Maler
jener
Zeit
,
Francesco
Squarcione
,
gewinnt
unter
vielen
Schülern
den
jungen
,
früh
sich
auszeichnenden
Mantegna
lieb
,
daß
er
ihm
nicht
allein
den
treusten
und
entschiedensten
Unterricht
gönnt
,
sondern
ihn
sogar
an
Kindesstatt
annimmt
und
also
mit
ihm
,
für
und
durch
ihn
fortwirken
zu
wollen
erklärt
.
als
aber
endlich
dieser
herangebildete
glückliche
Zögling
mit
der
Familie
Bellin
bekannt
wird
und
sie
an
ihm
gleichfalls
den
Künstler
wie
den
Menschen
anzuerkennen
und
zu
schätzen
weiß
,
in
solchem
Grade
,
daß
ihm
eine
Tochter
Jakobs
,
die
Schwester
von
Johann
und
Gentile
,
angetraut
wird
,
da
verwandelt
sich
die
eifersüchtige
Neigung
des
ersten
väterlichen
Meisters
in
einen
grenzenlosen
Haß
,
sein
Beistand
in
Verfolgung
,
sein
Lob
in
Schmähungen
.
nun
gehörte
aber
Squarcione
zu
den
Künstlern
,
denen
im
funfzehnten
Jahrhunderte
der
hohe
Wert
antiker
Kunst
aufgegangen
war
;
er
selbst
arbeitete
in
diesem
Sinne
nach
Vermögen
und
säumte
nicht
,
seine
Schüler
unverrückt
dahin
zu
weisen
.
-
es
sei
sehr
töricht
,
was
sein
Behaupten
,
das
Schöne
,
Hohe
,
Herrliche
mit
eigenen
Augen
in
der
Natur
suchen
,
es
mit
eigenen
Kräften
ihr
abgewinnen
zu
wollen
,
da
unsere
großen
griechischen
Vorfahren
sich
schon
längst
des
Edelsten
und
des
Darstellenswertesten
bemächtigt
und
wir
also
aus
ihren
Schmelzöfen
schon
das
geläuterte
Gold
erhalten
könnten
,
das
wir
aus
Schutt
und
Grus
der
Natur
nur
mühselig
ausklaubend
als
kümmerlichen
Gewinn
eines
vergeudeten
Lebens
bedauern
müssen
.
in
diesem
Sinne
hatte
sich
denn
der
hohe
Geist
des
talentvollsten
Jünglings
unablässig
gehalten
,
zu
Freude
seines
Meisters
und
eigenen
großen
Ehren
.
als
nun
aber
Lehrer
und
Schüler
feindselig
zerfallen
,
vergißt
jener
seines
Leitens
und
Strebens
,
seines
Lehrens
und
Unterweisens
;
widersinnig
tadelt
er
nunmehr
,
was
der
Jüngling
auf
seinen
Rat
,
auf
sein
Geheiß
vollbracht
hat
und
vollbringt
;
er
verbindet
sich
mit
der
Menge
,
welche
einen
Künstler
zu
sich
herabziehen
will
,
um
ihn
beurteilen
zu
können
.
sie
fordert
Natürlichkeit
und
Wirklichkeit
,
damit
sie
einen
Vergleichspunkt
habe
,
nicht
den
höheren
,
der
im
Geiste
ruht
,
sondern
den
gemeineren
äußeren
,
wo
sich
denn
Ähnlichkeit
und
Unähnlichkeit
des
Originals
und
der
Kopie
allenfalls
in
Anspruch
nehmen
läßt
.
nun
soll
Mantegna
nicht
mehr
gelten
:
er
vermag
,
so
heißt
es
,
nichts
Lebendiges
hervorzubringen
,
seine
herrlichsten
Arbeiten
werden
als
steinern
und
hölzern
,
als
starr
und
steif
gescholten
.
der
edle
Künstler
,
noch
in
seiner
kräftigsten
Zeit
,
ergrimmt
und
fühlt
recht
gut
,
daß
ihm
eben
von
Standpunkt
der
Antike
die
Natur
nur
desto
natürlicher
,
seinem
Kunstblick
verständlicher
geworden
;
er
fühlt
sich
ihr
gewachsen
und
wagte
auch
auf
dieser
Woge
zu
schwimmen
.
von
dem
Augenblick
an
ziert
er
seine
Gemälde
mit
den
Ebenbildnissen
vieler
Mitbürger
,
und
indem
er
das
gereifte
Alter
im
individuellen
Freund
,
die
köstliche
Jugend
in
seinen
Geliebten
verewigt
und
so
den
edelsten
,
würdigsten
Menschen
das
erfreulichste
Denkmal
setzt
,
so
verschmäht
er
nicht
,
auch
seltsam
ausgezeichnete
,
allgemein
bekannte
,
wunderlich
gebildete
,
ja
den
letzten
Gegensatz
,
mißgebildete
,
darzustellen
.
jene
beiden
Elemente
nun
fühlt
man
in
seinen
Werken
,
nicht
etwa
getrennt
,
sondern
verflochten
;
das
Ideelle
,
Höhere
zeigt
sich
in
der
Anlage
,
in
Wert
und
Würde
des
Ganzen
;
hier
offenbart
sich
der
große
Sinn
,
Absicht
,
Grund
und
Halt.
dagegen
dringt
aber
auch
die
Natur
mit
ursprünglicher
Gewaltsamkeit
herein
,
und
wie
der
Bergstrom
durch
alle
Zacken
des
Felsens
Wege
zu
finden
weiß
und
mit
gleicher
Macht
,
wie
er
angekommen
,
wieder
ganz
vom
ganzen
herunterstürzt
,
so
ist
es
auch
hier
.
das
Studium
der
Antike
gibt
die
Gestalt
,
sodann
aber
die
Natur
Gewandtheit
und
letztes
Leben
.
da
nun
aber
selbst
das
größte
Talent
,
welches
in
seiner
Bildung
einen
Zwiespalt
erfuhr
,
indem
es
sich
zweimal
,
und
zwar
nach
entgegengesetzten
Seiten
,
auszubilden
Anlaß
und
Antrieb
fand
,
kaum
vermögend
ist
,
diesen
Widerspruch
ganz
auszugleichen
,
das
Entgegengesetzte
völlig
zu
vereinigen
,
so
wird
jenes
Gefühl
,
von
dem
wir
zuerst
gesprochen
,
das
uns
vor
Mantegnas
Werken
ergreift
,
vielleicht
durch
einen
nicht
völlig
aufgelösten
Widerstreit
erregt
.
indessen
möcht
'
es
der
höchste
Konflikt
sein
,
in
welchem
sich
jemals
ein
Künstler
befunden
,
da
er
ein
solches
Abenteuer
zu
bestehen
zu
einer
Zeit
berufen
war
,
wo
eine
sich
entwickelnde
höchste
Kunst
über
ihr
Wollen
und
Vermögen
sich
noch
nicht
deutliche
Rechenschaft
ablegen
konnte
.
dieses
Doppelleben
also
,
welches
Mantegnas
Werke
eigentümlich
auszeichnet
und
wovon
noch
viel
zu
sagen
wäre
,
manifestiert
sich
besonders
in
seinem
Triumphzuge
Cäsars
,
wo
er
alles
,
was
ein
großes
Talent
vermochte
,
in
höchster
Fülle
vorüberführt
.
hievon
gibt
uns
nun
einen
genugsam
allgemeinen
Begriff
die
Arbeit
,
welche
Andreas
Andreani
gegen
das
Ende
des
16ten
Jahrhunderts
unternommen
,
indem
er
die
neun
Bilder
Mantegnas
auf
ebensoviel
Blättern
,
mit
Holzstöcken
,
in
bedeutender
Größe
nachgebildet
und
also
die
Ansicht
und
den
Genuß
derselben
allgemeiner
verbreitet
hat
.
wir
legen
sie
vor
uns
und
beschreiben
sie
der
Reihe
nach
.
1.
Posaunen
und
Hörner
,
kriegerische
Ankündigung
,
pausbäckige
Musikanten
voraus
.
hierauf
andringende
Soldaten
,
Feld-
,
Kriegs-
und
Glückszeichen
auf
Stangen
hoch
emportragend
.
Romas
Büste
voran
,
Juno
,
die
Verleiherin
,
der
Pfau
besonders
,
Abundantien
mit
Fruchthorn
und
Blumenkorb
,
sie
schwanken
über
fliegenden
Wimpeln
und
schwebenden
Tafeln
.
dazwischen
in
den
Lüften
flammende
,
dampfende
Fackelpfannen
,
den
Elementen
zur
Ehre
,
zu
Anregung
aller
Sinne
.
andere
Krieger
,
vorwärts
zu
schreiten
gehindert
,
stehen
still
,
den
unmittelbar
nachfolgenden
gewaltsamen
Drang
abzuwehren
;
je
zwei
und
zwei
halten
senkrecht
hohe
,
voneinander
entfernte
Stangen
,
an
denen
man
hüben
und
drüben
angeheftet
Gemälde
,
lang
und
schmal
ausgespannt
,
erblickt
.
diese
Schildereien
,
in
Felder
abgeteilt
,
dienen
zur
Exposition
:
hier
wird
dem
Auge
bildlich
dargebracht
,
was
geschehen
mußte
,
damit
dieser
überschwengliche
Triumphzug
stattfände
.
feste
Städte
,
von
Kriegsheeren
umringt
,
bestürmt
durch
Maschinen
,
eingenommen
,
verbrannt
,
zerstört
;
weggeführte
Gefangene
zwischen
Niederlage
und
Tod
.
völlig
die
ankündigende
Symphonie
,
die
Introduktion
einer
großen
Oper
.
2.
hier
nun
die
nächste
und
höchste
Folge
des
unbedingten
Sieges
.
weggeführte
Götter
,
welche
die
nicht
mehr
zu
schützenden
Tempel
verlassen
.
lebensgroßen
Statuen
von
Jupiter
und
Juno
auf
zweispännigem
,
Kolossalbüste
der
Cybele
auf
einspännigem
Wagen
,
sodann
eine
kleinere
tragbare
Gottheit
,
in
den
Armen
eines
Knechtes
.
der
Hintergrund
überhaupt
von
hochaufgetürmten
Wagengerüsten
,
Tempelmodellen
,
baulichen
Herrlichkeiten
angefüllt
,
zugleich
Belagerungsmaschinen
,
Widder
und
Ballisten
.
aber
ganz
grenzenlos
mannigfaltig
aufgeschichtet
gleich
hinterdrein
Waffen
aller
Heeresarten
,
mit
großem
ernsten
Geschmack
zusammen
und
übereinander
gestellt
und
gehängt
.
3.
erst
in
der
folgenden
Abteilung
wird
jedoch
die
größte
Masse
aufgehäuft
vorübergeschafft
.
sodann
sieht
man
,
von
tüchtigen
Jünglingen
getragen
,
jede
Art
von
Schätzen
:
dickbäuchige
Urnen
,
angefüllt
mit
aufgehäuften
Münzen
,
und
auf
denselben
Traggestellen
Vasen
und
Krüge
;
auf
den
Schultern
lasten
diese
schon
schwer
genug
,
aber
nebenbei
trägt
jeder
noch
ein
Gefäß
oder
sonst
etwas
Bedeutendes
.
dergleichen
Gruppen
ziehen
sich
auch
noch
ins
folgende
Blatt
fort
.
4.
die
Gefäße
sind
von
der
mannigfaltigsten
Art
,
aber
die
Hauptbestimmung
ist
,
gemünztes
Silber
heranzubringen
.
nun
schieben
sich
,
über
dieses
Gedränge
,
überlange
Posaunen
in
die
Luft
vor
;
an
ihnen
spielen
herabhängende
Bänder
,
mit
inschriftlicher
Widmung
:
dem
triumphierenden
Halbgott
Julius
Cäsar
;
geschmückte
Opfertiere
;
zierliche
Kamillen
und
fleischermäßige
Popen
.
5.
vier
Elefanten
,
der
vordere
völlig
sichtbar
,
die
drei
andern
perspektivisch
weichend
;
Blumen
und
Fruchtkörbe
auf
den
Häuptern
,
kranzartig
.
auf
ihrem
Rücken
hohe
flammende
Kandelaber
;
schöne
Jünglinge
leicht
bewegt
aufreichend
,
wohlriechendes
Holz
in
die
Flammen
zu
legen
,
andere
die
Elefanten
leitend
,
andere
anders
beschäftigt
.
6.
auf
die
beschwerliche
Masse
der
ungeheuern
Tiere
folgt
mannigfaltige
Bewegung
;
das
Kostbarste
,
das
höchste
Gewonnene
wird
nun
herangebracht
.
die
Träger
schlagen
einen
andern
Weg
ein
,
hinter
den
Elefanten
ins
Bild
schreitend
.
was
aber
tragen
sie
?
wahrscheinlich
lauteres
Gold
,
Goldmünzen
in
kleinerem
Geschirr
,
kleinere
Vasen
und
Gefäße
.
hinter
ihnen
folgt
noch
eine
Beute
von
größerem
Wert
und
Wichtigkeit
,
die
Beute
der
Beuten
,
die
alle
vorhergehende
in
sich
begreift
.
es
sind
die
Rüstungen
der
überwundenen
Könige
und
Helden
,
jede
Persönlichkeit
als
eigene
Trophäe
.
die
Derbheit
und
Tüchtigkeit
der
überwundenen
Fürsten
wird
dadurch
angezeigt
,
daß
die
Träger
ihre
Stangenlast
kaum
heben
können
,
sie
nah
am
Boden
herschleppen
oder
gar
niedersetzen
,
um
,
einen
Augenblick
ausruhend
,
sie
wieder
frischer
fortzutragen
.
7.
doch
sie
werden
nicht
sehr
gedrängt
;
hinter
ihnen
schreiten
Gefangene
einher
;
kein
Abzeichen
unterscheidet
sie
,
wohl
aber
persönliche
Würde
.
edle
Matronen
gehen
voran
mit
erwachsenen
Töchtern
.
zunächst
gegen
den
Zuschauer
geht
ein
Fräulchen
von
acht
bis
zehen
Jahren
an
der
Mutter
Seite
,
so
schmuck
und
zierlich
als
bei
dem
anständigsten
Feste
.
treffliche
,
tüchtige
Männer
folgen
hierauf
,
in
langen
Gewändern
,
ernst
,
nicht
erniedrigt
;
es
ist
ein
höheres
Geschick
,
das
sie
hinzieht
.
auffallend
ist
daher
im
folgenden
Glied
ein
großer
,
wohlgebildeter
,
gleichfalls
ehrenvoll
gekleideter
Mann
,
welcher
mit
grimmigem
,
beinahe
fratzenhaftem
Gesicht
rückwärts
blickt
,
ohne
daß
wir
ihn
begreifen
.
wir
lassen
ihn
vorüber
,
denn
ihm
folgt
eine
Gruppe
von
anziehenden
Frauen
.
eine
junge
Braut
in
ganzer
Jugendfülle
,
im
Vollgesicht
dargestellt
-
wir
sagen
Braut
,
weil
sie
auch
ohne
Kranz
in
den
Haaren
so
bezeichnet
zu
werden
verdiente
-
,
steht
hinterwärts
,
vor
dem
Zuschauer
zum
Teil
verdeckt
von
einer
älteren
kinderbelästigten
Frau
;
diese
hat
ein
Wickelkind
auf
dem
rechten
Arme
,
und
ihre
linke
Hand
nimmt
ein
stillstehender
Knabe
in
Anspruch
,
der
den
Fuß
aufgereckt
;
weinend
will
er
auch
getragen
sein
.
eine
ältere
,
sich
über
ihn
hinneigende
Person
,
vielleicht
die
Großmutter
,
sucht
ihn
vergebens
zu
begütigen
.
höchlich
rühmen
müssen
wir
indes
den
Künstler
,
daß
kein
Kriegsheld
,
kein
Heerführer
als
Gefangener
vorgeführt
wird
.
sie
sind
nicht
mehr
,
ihre
Rüstungen
trug
man
hohl
vorbei
;
aber
die
eigentlichen
Staaten
,
die
uralten
edlen
Familien
,
die
tüchtigen
Ratsherrn
,
die
behäbigen
,
fruchtbar
sich
fortpflanzenden
Bürger
führt
man
im
Triumph
auf
;
und
so
ist
denn
alles
gesagt
:
die
einen
sind
totgeschlagen
,
und
die
andern
leiden
.
zwischen
diesem
und
dem
folgenden
Bilde
werden
wir
nun
gewahr
,
warum
der
stattliche
Gefangene
so
grimmig
zurückblickt
.
mißgestaltete
Narren
und
Possenreißer
schleichen
sich
heran
und
verhöhnen
die
edlen
Unglücklichen
:
diesem
Würdigen
ist
das
noch
zu
neu
,
er
kann
nicht
ruhig
vorübergehen
;
wenn
er
dagegen
nicht
schimpfen
mag
,
so
grinst
er
dagegen
.
8.
aber
der
Ehrenmann
scheint
noch
auf
eine
schmählichere
Weise
verletzt
,
es
folgt
ein
Chor
Musikanten
in
kontrastierenden
Figuren
.
ein
wohlbehaglicher
,
hübscher
Jüngling
,
in
langer
,
fast
weiblicher
Kleidung
,
singt
zur
Leier
und
scheint
dabei
zu
springen
und
zu
gestikulieren
.
ein
solcher
durfte
beim
Triumphzug
nicht
fehlen
:
sein
Geschäft
war
,
sich
seltsam
zu
gebärden
,
neckische
Lieder
zu
singen
,
die
überwundenen
Gefangenen
frevelhaft
zu
verspotten
.
die
Schalksnarren
deuten
auf
ihn
und
scheinen
mit
albernen
Gebärden
seine
Worte
zu
kommentieren
,
welches
jenem
Ehrenmann
allzu
ärgerlich
auffallen
mag
.
daß
übrigens
von
keiner
ernsthaft
edlen
Musik
die
Rede
sei
,
ergibt
sich
sogleich
aus
der
folgenden
Figur
:
denn
ein
himmellanger
,
scharfbepelzter
,
hochgemützter
Dudelsackpfeifer
tritt
unmittelbar
hinterdrein
;
Knaben
mit
Schellentrommeln
scheinen
den
Mißlaut
zu
vermehren
.
einige
rückwärts
blickende
Soldaten
aber
und
andere
Andeutungen
machen
uns
aufmerksam
,
daß
nun
bald
das
Höchste
erfolgen
werde
.
9.
und
nun
erscheint
auch
,
auf
einem
übermäßig
,
obgleich
mit
großem
Sinn
und
Geschmack
verzierten
Wagen
,
Julius
Cäsar
selbst
,
dem
ein
tüchtig
gestalteter
Jüngling
auf
einer
Art
Standarte
das
Veni
Vidi
Vici
entgegenhält
.
dieses
Blatt
ist
so
gedrängt
voll
,
daß
man
die
nackten
Kinder
mit
Siegeszweigen
zwischen
Pferden
und
Rädern
nur
mit
Angst
ansieht
;
in
der
Wirklichkeit
müßten
sie
längst
zerquetscht
sein
.
trefflicher
war
jedoch
ein
solches
Gedränge
,
das
für
die
Augen
immer
unfaßlich
und
für
den
Sinn
verwirrend
ist
,
bildlich
nicht
darzustellen
.
10.
ein
zehntes
Bild
aber
ist
für
uns
nun
von
der
größten
Bedeutung
:
denn
das
Gefühl
,
der
Zug
sei
nicht
geschlossen
,
wandelt
einen
jeden
an
,
der
die
neun
Blätter
hintereinanderlegt
.
wir
finden
nicht
allein
den
Wagen
steil
,
sondern
sogar
hinter
demselben
durch
den
Rahmen
abgeschnittene
Figuren
;
das
Auge
verlangt
einen
Nachklang
und
wenigstens
einige
der
Hauptgestalt
nahetretende
,
den
Rücken
deckende
Gestalten
.
zu
Hülfe
kommt
uns
nun
ein
eigenhändiger
Kupferstich
,
welcher
mit
der
größten
Sorgfalt
gearbeitet
und
zu
den
vorzüglichsten
Werken
des
Meisters
dieser
Art
zu
rechnen
ist
.
eine
Schar
tritt
heran
männlicher
,
älterer
und
jüngerer
,
sämtlich
charakteristischer
Personen
.
daß
es
der
Senat
sei
,
ist
keineswegs
zuzugeben
;
der
Senat
wird
den
Triumphzug
am
schicklichen
Ort
durch
eine
Deputation
empfangen
haben
,
aber
auch
diese
konnte
ihm
nicht
weiter
entgegengehen
,
als
nötig
war
,
umzukehren
und
vorauszuschreiten
und
den
versammelten
Vätern
die
Ankömmlinge
vorzuführen
.
doch
sei
diese
Untersuchung
dem
Altertumsforscher
vorbehalten
.
nach
unserer
Weise
dürfen
wir
nur
das
Blatt
aufmerksam
betrachten
,
so
spricht
es
sich
,
wie
jedes
vortreffliche
Kunstwerk
,
selbst
aus
;
da
sagen
wir
denn
geradezu
:
es
ist
der
Lehrstand
,
der
gern
dem
siegenden
Wehrstand
huldiget
,
weil
durch
diesen
allein
Sicherheit
und
Fördernis
zu
hoffen
ist
.
den
Nährstand
hatte
Mantegna
in
den
Triumphzug
als
Tragende
,
Bringende
,
Feiernde
,
Preisende
verteilt
,
auch
in
der
Umgebung
als
Zuschauer
aufgestellt
.
nun
aber
freut
sich
der
Lehrstand
,
den
Überwinder
zu
begleiten
,
weil
durch
ihn
Staat
und
Kultur
wieder
gesichert
ist
.
in
Absicht
auf
Mannigfaltigkeit
der
Charakteristik
ist
das
beschriebene
Blatt
eines
der
schätzbarsten
,
die
wir
kennen
,
und
Mantegna
hat
gewiß
diesen
Zug
auf
der
hohen
Schule
von
Padua
studiert
.
voran
im
ersten
Glied
,
in
langen
faltigen
Gewändern
,
drei
Männer
,
mittleren
Alters
,
teils
ernsten
,
teils
heiteren
Angesichts
,
wie
beides
Gelehrten
und
Lehrern
ziemt
.
im
zweiten
Gliede
zeichnet
sich
zunächst
eine
alte
,
kolossale
,
behaglich-dicke
,
kräftige
Natur
aus
,
die
hinter
allem
dem
mächtigen
Triumphgewirre
sich
noch
ganz
tüchtig
hervortut
.
das
bartlose
Kinn
läßt
einen
fleischigen
Hals
sehen
,
die
Haare
sind
kurz
geschnitten
;
höchst
behaglich
hält
er
die
Hände
auf
Brust
und
Bauch
und
macht
sich
nach
allen
bedeutenden
Vorgängen
noch
immer
auffallend
bemerklich
.
unter
den
Lebendigen
hab
'
ich
niemanden
gesehen
,
der
ihm
zu
vergleichen
wäre
,
außer
Gottsched
;
dieser
würde
in
ähnlichem
Fall
und
gleicher
Kleidung
ebenso
einhergeschritten
sein
:
er
sieht
vollkommen
dem
Pfeiler
einer
dogmatisch-didaktischen
Anstalt
gleich
.
wie
er
ohne
Bart
und
Haupthaare
,
sind
auch
seine
Kollegen
,
wenngleich
behaart
,
doch
ohne
Bärte
;
der
vorderste
,
etwas
ernster
und
grämlicher
,
scheint
eher
dialektischen
Sinn
zu
haben
.
solcher
Lehrenden
sind
sechs
,
welche
in
Haupt
und
Geist
alles
mit
sich
zu
tragen
scheinen
;
dagegen
die
Schüler
nicht
allein
durch
jüngere
,
leichtere
Gestalten
bezeichnet
sind
,
sondern
auch
dadurch
,
daß
sie
gebundene
Bücher
in
Händen
tragen
,
anzuzeigen
,
daß
sie
,
sowohl
hörend
als
lesend
,
sich
zu
unterrichten
geneigt
seien
.
zwischen
jene
Ältesten
und
Mittleren
ist
ein
Knabe
von
etwa
acht
Jahren
eingeklemmt
,
um
die
ersten
Lehrjahre
zu
bezeichnen
,
wo
das
Kind
sich
anzuschließen
geneigt
ist
,
sich
einzumischen
Lust
hat
;
es
hängt
ein
Pennal
an
seiner
Seite
,
anzudeuten
,
daß
er
auf
dem
Bildungswege
sei
,
wo
dem
Herankömmling
manches
Unangenehme
begegnet
.
wunderlicher
und
anmutig-natürlicher
ist
nichts
zu
ersinnen
als
dies
Figürchen
in
solcher
Lage
.
die
Lehrer
gehen
jeder
vor
sich
hin
,
die
Schüler
unterhalten
sich
untereinander
.
nun
aber
macht
den
ganzen
Schluß
,
wie
billig
,
das
Militär
,
von
welchem
denn
doch
zuerst
und
zuletzt
die
Herrlichkeit
des
Reiches
nach
außen
erworben
und
die
Sicherheit
nach
innen
erhalten
werden
muß
.
diese
ganze
große
Forderung
aber
befriedigt
Mantegna
mit
ein
paar
Figuren
:
ein
jüngerer
Krieger
,
einen
Ölzweig
tragend
,
den
Blick
aufwärts
gerichtet
,
läßt
uns
im
Zweifel
,
ob
er
sich
des
Siegs
erfreue
,
oder
ob
er
sich
über
das
Ende
des
Kriegs
betrübe
;
dagegen
ein
alter
,
ganz
abgelebter
,
in
den
schwersten
Waffen
indem
er
die
Dauer
des
Krieges
repräsentiert
,
überdeutlich
ausspricht
,
dieser
Triumphzug
sei
ihm
beschwerlich
und
er
werde
sich
glücklich
schätzen
,
heute
abend
irgendwo
zur
Ruhe
zu
kommen
.
der
Hintergrund
dieses
Blatts
nun
,
anstatt
daß
wir
bisher
meistens
freie
Aussichten
gehabt
,
drängt
sich
,
dem
Menschendrang
gemäß
,
gleichfalls
zusammen
;
rechter
Hand
sehen
wir
einen
Palast
,
zur
Linken
Turm
und
Mauern
;
die
Nähe
des
Stadttors
möchte
damit
angedeutet
sein
,
angezeigt
,
daß
wir
uns
wirklich
am
Ende
befinden
,
daß
nunmehr
der
ganze
Triumphzug
in
die
Stadt
eingetreten
und
innerhalb
derselben
beschlossen
sei
.
sollten
auch
dieser
Vermutung
die
Hintergründe
der
vorhergehenden
Blätter
zu
widersprechen
scheinen
,
indem
landschaftliche
Aussichten
,
viel
freie
Luft
,
zwar
auf
Hügeln
Tempel
und
Paläste
,
doch
auch
Ruinen
gesehen
werden
,
so
läßt
sich
doch
auch
annehmen
,
daß
der
Künstler
hiebei
die
verschiedenen
Hügel
von
Rom
gedacht
und
sie
so
bebaut
und
so
ruinenhaft
,
wie
er
sie
zu
seiner
Zeit
gefunden
,
vorgestellt
habe
.
diese
Auslegung
gewinnt
um
so
mehr
Kraft
,
als
doch
wohl
einmal
ein
Palast
,
ein
Kerker
,
eine
Brücke
,
die
als
Wasserleitung
gelten
kann
,
eine
hohe
Ehrensäule
da
steht
,
die
man
denn
doch
auf
städtischem
Grund
und
Boden
vermuten
muß
.
doch
wir
halten
inne
,
weil
wir
sonst
ins
Grenzenlose
gerieten
und
man
mit
noch
so
viel
gehäuften
Worten
den
Wert
der
flüchtig
beschriebenen
Blätter
doch
nicht
ausdrücken
könnte
.
Cäsars
Triumphzug
,
gemalt
von
Mantegna
.
zweiter
Abschnitt
.
1
)
Ursprung
,
Wanderung
,
Beschaffenheit
der
Bilder
.
2
)
fernere
Geschichte
derselben
.
Sammlungen
Karls
I.
von
England
.
3
)
Mantegnas
eigene
Kupferstiche
in
bezug
auf
den
Triumph
.
4
)
Zeugnis
von
Vasari
mit
Bemerkungen
darüber
.
5
)
allgemeine
Betrachtung
und
Mißbilligung
seiner
falschen
Methode
,
von
hinten
hervor
zu
beschreiben
.
6
)
Emendation
der
Bartschischen
Auslegung
.
7
)
Schwergeburths
Zeichnung
.
1.
Mantegna
lebte
1451
bis
1517
und
malte
in
seiner
besten
Zeit
auf
Anregen
seines
großen
Gönners
,
Ludwig
Gonzaga
,
Herzogs
von
Mantua
,
gedachten
Triumphzug
für
den
Palast
in
der
Nähe
des
Klosters
St.
Sebastian
.
der
Zug
ist
nicht
auf
die
Wand
,
nicht
im
unmittelbaren
Zusammenhange
gemalt
,
sondern
in
neun
abgesonderten
Bildern
,
vom
Platze
beweglich
;
daher
sie
denn
auch
nicht
an
Ort
und
Stelle
geblieben
.
sie
kamen
vielmehr
unter
Karl
I.
,
welcher
als
ein
großer
Kunstfreund
die
köstlichsten
Schätze
zusammenbrachte
und
also
auch
den
Herzog
von
Mantua
auskaufte
,
nach
London
und
blieben
daselbst
,
obgleich
nach
seinem
unglücklichen
Tode
die
meisten
Besitzungen
dieser
Art
durch
eine
Auktion
verschleudert
wurden
.
gegenwärtig
befinden
sie
sich
,
hochgeehrt
,
im
Palaste
Hamptoncourt
,
neun
Stücke
,
alle
von
gleicher
Größe
,
völlig
quadrat
,
jede
Seite
neun
Fuß
,
mit
Wasserfarben
auf
Papier
gemalt
,
mit
Leinwand
unterzogen
,
wie
die
Raffaelischen
Kartone
,
welche
denselben
Palast
verherrlichen
.
die
Farben
dieser
Bilder
sind
höchst
mannigfaltig
,
wohl
erhalten
und
lebhaft
,
die
Hauptfarben
in
allen
ihren
Abstufungen
,
Mischungen
und
Übergängen
zu
sehen
:
denn
Scharlach
steht
anderes
Hell-
und
Tiefrot
entgegen
,
an
Dunkel-
und
Hellgelb
fehlt
es
nicht
,
Himmelblau
zeigt
sich
,
Blaßblau
,
Braun
,
Schwarz
,
Weiß
und
Gold
.
die
Gemälde
sind
überhaupt
in
gutem
Zustande
,
besonders
die
sieben
ersten
;
die
zwei
letzteren
,
ein
wenig
verbleicht
,
scheinen
von
der
Zeit
gelitten
zu
haben
oder
abgerieben
zu
sein
;
doch
ist
dies
auch
nicht
bedeutend
.
sie
hangen
in
vergoldeten
Rahmen
neun
Fuß
hoch
über
dem
Boden
,
drei
und
drei
auf
drei
Wände
verteilt
;
die
östliche
ist
eine
Fensterseite
,
und
folgen
sie
,
von
der
südlichen
zur
nördlichen
,
völlig
in
der
Ordnung
,
wie
sie
Andreas
Andreani
numeriert
hat
.
Erwähnung
derselben
tut
Hamptoncourt-Guide
,
Seite
19
,
mit
wenigen
Worten
;
nicht
viel
umständlicher
das
Prachtwerk
the
History
of
the
Royal
Residences
of
Windsor
Castle
,
St.
James's
Palace
p.
p.
by
W.
H.
Pyne
.
in
three
Volumes
.
London
1819
,
welches
gerade
diesem
Zimmer
keine
bildliche
Darstellung
gegönnt
hat
.
vorstehende
nähere
Nachricht
verdanken
wir
der
Gefälligkeit
eines
in
England
wohnenden
deutschen
Freundes
,
des
Herrn
Dr.
Noehden
,
welcher
nichts
ermangeln
läßt
,
das
in
Weimar
angeknüpfte
schöne
Verhältnis
auch
in
der
Ferne
dauerhaft
und
in
Wechselwirkung
zu
erhalten
.
auf
unser
zutrauliches
Ansuchen
begab
er
sich
wiederholt
nach
Hamptoncourt
,
und
alles
,
was
wir
genau
von
Maß
,
Grund
,
Farben
,
Erhaltung
,
Aufstellung
und
so
weiter
angeben
,
ist
die
Frucht
seiner
aufmerksamen
Genauigkeit
.
2.
die
frühste
Neigung
der
Engländer
zur
Kunst
mußte
sich
,
in
Ermangelung
inländischer
Talente
,
nach
auswärtigen
Künstlern
und
Kunstwerken
umsehen
.
unter
Heinrich
dem
Achten
arbeitete
Holbein
viel
in
England
.
was
unter
Elisabeth
und
jakob
dem
Ersten
geschehen
,
wäre
noch
zu
untersuchen
.
der
hoffnungsvolle
Kronprinz
Heinrich
,
zu
Anfang
des
siezehnten
Jahrhunderts
geboren
,
hatte
viel
Sinn
für
die
Künste
und
legte
bedeutende
Sammlungen
an
.
als
er
vor
dem
achtzehnten
Jahre
mit
Tode
abging
,
erbte
Karl
der
Erste
mit
der
Krone
die
Sammlung
des
Bruders
und
seine
Liebhaberei
.
Rubens
und
van
Dyck
werden
als
Künstler
beschäftigt
,
als
Kunstkenner
zu
Sammlungen
behülflich
.
die
Sammlung
des
Herzogs
von
Mantua
wird
angekauft
,
mit
ihr
also
die
neun
Tafeln
Triumphzug
.
über
das
Jahr
sind
wir
nicht
genau
belehrt
,
es
muß
aber
zwischen
1625
und
1642
fallen
,
indem
nachher
,
während
der
Bürgerkriege
,
Geldmangel
dem
König
dergleichen
Akquisitionen
untersagte
.
"
nach
des
Königs
Ermordung
wurde
sowohl
sein
als
seiner
Gemahlin
und
Prinzen
Vermögen
der
Nation
heimgefallen
erklärt
und
durch
einen
Parlamentsbeschluß
vom
März
1649
auktionsweise
zum
Verkauf
angeboten
,
worunter
auch
sämtliche
Kunstwerke
und
Gemälde
.
aber
erst
den
folgenden
Juni
faßte
die
Gemeine
,
um
ihr
neues
Gemeingut
desto
kräftiger
zu
befestigen
,
über
die
Verwendung
des
persönlichen
Vermögens
des
letzten
Königs
,
der
Königin
und
Prinzen
einen
Beschluß
.
sie
erließ
einen
Befehl
,
alles
zu
verzeichnen
,
zu
schätzen
und
zu
verkaufen
,
ausgenommen
solche
Teile
,
welche
zum
Gebrauch
des
Staates
vorzubehalten
seien
;
jedoch
mit
solcher
Vorsicht
,
um
alle
Nachrede
einzelnen
Interesses
zu
vermeiden
,
daß
kein
Glied
des
Hauses
sich
damit
befasse
.
in
diese
Schätzung
und
Verkauf
waren
eingeschlossen
,
heu
dolor
!
die
ganze
Sammlung
von
edeln
Gemälden
,
alten
Statuen
und
Büsten
,
welche
der
letzte
König
mit
grenzenlosen
Kosten
und
Mühen
von
Rom
und
allen
Teilen
Italiens
herbeigeschafft
hatte
"
.
ein
Verzeichnis
dieser
höchst
kostbaren
Merkwürdigkeiten
,
wovon
jetzt
gar
manche
den
Palästen
des
Louvre
und
Escurials
,
auch
mancher
ausländischen
Fürsten
zur
Verherrlichung
dienen
,
mit
Schätzungs-
und
Verkaufspreisen
,
ward
unter
folgendem
Titel
1757
in
London
gedruckt
:
a
Catalogue
and
Description
of
King
Charles
the
First's
Capital
Collection
of
Puctures
,
Bronzes
,
Limnings
,
Medals
,
Statues
and
other
Curiosities
.
nun
heißt
es
auf
der
fünften
Seite
:
Gemälde
zu
Hamptoncourt
Nr.
332
,
geschätzt
4675
Pfund
10
Schill
.
darunter
waren
:
1
)
neun
Stück
,
der
Triumphzug
des
Julius
Cäsar
,
gemalt
von
Andreas
Mantegna
,
geschätzt
1000
Pfund
.
2
)
Herodias
,
St.
Johannes
'
Haupt
in
einer
Schüssel
haltend
,
von
Tizian
,
geschätzt
150
Pfund
.
die
größere
Anzahl
der
Gemälde
,
welche
den
übrigen
Wert
von
3525
Pfund
10
Schillinge
ausmachte
,
ist
nicht
einzeln
aufgeführt
.
da
nun
aber
hieraus
hervorgeht
,
daß
Karl
der
Erste
die
Gemälde
Mantegnas
besessen
,
so
wird
noch
zum
Überfluß
dargetan
,
woher
sie
zu
ihm
gekommen
;
folgendes
diene
zur
Erläuterung
:
"
König
Karls
Museum
war
das
berühmteste
in
Europa
;
er
liebte
,
verstand
und
schätzte
die
Künste
.
da
er
nicht
das
Glück
hatte
,
große
Malergeister
unter
seinen
Untertanen
zu
finden
,
so
rief
er
die
geschicktesten
Meister
anderer
Nationen
herbei
,
mit
rühmlicher
Vorliebe
,
um
sein
eigenes
Land
zu
bereichern
und
zu
unterrichten
.
auch
beschränkte
er
seinen
Aufwand
keineswegs
auf
lebende
Künstler
:
denn
außer
einzelnen
Stücken
kaufte
er
die
berühmte
Sammlung
des
Herzogs
von
Mantua
,
nachdem
er
vorher
eine
Grundstiftung
gelegt
hatte
von
dem
,
was
er
von
seinem
Bruder
erbte
,
dem
liebenswürdigen
Prinzen
Heinrich
,
der
,
wie
man
aus
dem
Katalog
sieht
,
auch
,
außer
andern
würdigen
Eigenschaften
,
Geschmack
für
Gemälde
besaß
und
einen
edlen
Eifer
,
die
Künste
zu
ermuntern
.
glücklicherweise
sind
diese
so
oft
belobten
Bilder
in
England
geblieben
und
wohl
auch
noch
andere
,
die
wir
dort
bewundern
.
ob
zufällig
,
wollen
wir
nicht
entscheiden
:
denn
die
Klausel
des
republikanischen
Beschlusses
,
daß
man
zurückhalten
könne
,
was
zum
Gebrauch
des
Staates
dienlich
sei
,
ließ
ja
gar
wohl
zu
,
daß
jene
zwar
gewaltsamen
,
aber
keineswegs
rohen
und
unwissenden
Machthaber
das
Beste
auf
den
nunmehr
republikanischen
Schlössern
zurückbehielten
"
.
dem
sei
nun
,
wie
ihm
sei
,
der
Engländer
,
dem
wir
die
bisherige
Aufklärung
schuldig
sind
,
äußert
sich
folgendermaßen
:
"
der
Streich
,
der
die
Königswürde
so
tief
niederlegte
,
zerstreute
zugleich
die
königliche
tugendsame
Sammlung
.
die
ersten
Kabinette
von
Europa
glänzen
von
diesem
Raube
;
die
wenigen
guten
,
in
den
königlichen
Palästen
zerstreuten
Stücke
sind
bei
uns
nur
kümmerliche
Überreste
von
dem
,
was
gesammelt
oder
wieder
versammelt
war
von
König
Karls
glänzenden
Galerien
.
man
sagt
,
die
Holländer
hätten
vieles
angekauft
und
einiges
seinem
Sohne
wieder
überlassen
.
der
beste
Teil
aber
bleibt
begraben
in
der
Düsternis
,
wenn
er
nicht
gar
untergeht
in
den
Gewölben
des
Escurials
"
.
3.
Mantegnas
Kupferstiche
werden
hochgehalten
wegen
Charakter
und
meisterhafter
Ausführung
,
freilich
nicht
im
Sinne
neuer
Kupferstecherkunst
.
Bartsch
zählt
ihrer
siebenundzwanzig
,
die
Kopien
mitgerechnet
;
in
England
befinden
sich
nach
Noehden
siebenzehn
;
darunter
sind
auf
den
Triumphzug
bezüglich
nur
viere
,
Nr.
5
,
6
und
7
,
die
sechste
doppelt
,
aber
umgekehrt
,
worauf
ein
Pilaster
.
ein
englischer
noch
lebender
Kenner
hegt
die
Überzeugung
,
daß
nicht
mehr
als
genannte
vier
Stücke
vorkommen
,
und
auch
wir
sind
der
Meinung
,
daß
Mantegna
sie
niemals
alle
neun
in
Kupfer
gestochen
habe
.
uns
irret
keineswegs
,
daß
Strutt
in
seinem
biographischen
Wörterbuche
der
Kupferstecher
,
Band
II
,
Seite
120
,
sich
folgendermaßen
ausdrückt
:
"
der
Triumph
des
Julius
Cäsar
,
gestochen
nach
seinen
eigenen
Gemälden
,
in
neun
Platten
mittlerer
Größe
,
beinahe
viereckig
.
eine
vollständige
Sammlung
dieser
Kupfer
ist
äußerst
rar
;
kopiert
aber
wurden
sie
von
Andreas
Andreani
"
.
wenn
denn
nun
auch
Baldinucci
in
seiner
Geschichte
der
Kupferstecherkunst
sagt
,
Mantegna
habe
den
Triumphzug
des
Julius
Cäsar
während
seines
Aufenthaltes
in
Rom
in
Kupfer
gestochen
,
so
darf
uns
dieses
keineswegs
zum
Wanken
bringen
;
vielmehr
können
wir
denken
,
daß
der
außerordentliche
Künstler
diese
einzelnen
Vorarbeiten
in
Kupfer
,
wahrscheinlich
auch
in
Zeichnungen
,
die
verloren
oder
unbekannt
sind
,
gemacht
und
bei
seiner
Rückkehr
nach
Mantua
das
Ganze
höchst
wundersam
ausgeführt
.
und
nun
sollen
die
aus
der
innern
Kunst
entnommenen
Gründe
folgen
,
die
uns
berechtigen
,
dieser
Angabe
kühnlich
zu
widersprechen
.
die
Nummern
fünf
und
sechs
(
Bartsch
12
,
13
)
,
von
Mantegnas
eigener
Hand
,
liegen
,
durch
Glück
und
Freundesgunst
,
neben
den
Platten
von
Andreani
uns
vor
Augen
.
ohne
daß
wir
unternehmen
,
mit
Worten
den
Unterschied
im
besonderen
auszudrücken
,
so
erklären
wir
im
allgemeinen
,
daß
aus
den
Kupfern
etwas
Ursprüngliches
durchaus
hervorleuchte
;
man
sieht
darin
die
große
Konzeption
eines
Meisters
,
der
sogleich
weiß
,
was
er
will
,
und
in
dem
ersten
Entwurf
unmittelbar
alles
Nötige
der
Hauptsache
nach
darstellt
und
einander
folgen
läßt
.
als
er
aber
an
eine
Ausführung
im
großen
zu
denken
hatte
,
ist
es
wundersam
zu
beobachten
und
zu
vergleichen
,
wie
er
hier
verfahren
.
-
jene
ersten
Anfänge
sind
völlig
unschuldig
,
naiv
,
obschon
reich
,
die
Figuren
zierlich
,
ja
gewissermaßen
nachlässig
,
und
jede
im
höchsten
Sinne
ausdrucksvoll
;
die
andern
aber
,
nach
den
Gemälden
gefertigt
,
sind
ausgebildet
,
kräftig
,
überreich
,
die
Figuren
tüchtig
,
Wendung
und
Ausdruck
kunstvoll
,
ja
mitunter
künstlich
;
man
erstaunt
über
die
Beweglichkeit
des
Meisters
bei
entschiedenem
Verharren
;
da
ist
alles
dasselbe
und
alles
anders
;
der
Gedanke
unverrückt
,
das
Walten
der
Anordnung
völlig
gleich
,
im
Abändern
nirgends
gemäkelt
noch
gezweifelt
,
sondern
ein
anderes
,
höheren
Zweck
Erreichendes
ergriffen
.
daher
haben
jene
ersten
eine
Gemütlichkeit
ohnegleichen
,
weil
sie
unmittelbar
aus
der
Seele
des
großen
Meisters
hervortraten
,
ohne
daß
er
an
eigentliche
Kunstzwecke
gedacht
zu
haben
scheint
.
wir
würden
sie
einem
liebenswürdigen
häuslichen
Mädchen
vergleichen
,
um
welche
zu
werben
ein
jeder
Jüngling
sich
geneigt
fühlen
müßte
;
in
den
andern
aber
,
den
ausgeführten
,
würden
wir
dieselbe
Person
wiederfinden
,
aber
als
entwickelte
,
erst
verheiratete
junge
Frau
,
und
wenn
wir
jene
einfach
gekleidet
,
häuslich
beschäftigt
gesehen
,
finden
wir
sie
nun
in
aller
Pracht
,
womit
der
Liebende
das
Geliebte
so
gern
ausschmückt
.
wir
sehen
sie
in
die
Welt
hervorgetreten
,
bei
Festen
und
Tänzen
,
wir
vermissen
jene
,
indem
wir
diese
bewundern
.
doch
eigentlich
darf
man
die
Unschuld
nicht
vermissen
,
wo
sie
einem
höheren
Zwecke
aufgeopfert
ist
.
wir
wünschen
einem
jeden
wahren
Kunstfreunde
diesen
Genuß
und
hoffen
,
daß
er
dabei
unsere
Überzeugung
gewinnen
solle
.
in
dieser
werden
wir
nur
um
so
mehr
bestärkt
durch
das
,
was
Herr
Dr.
Noehden
von
dem
dritten
Kupfer
des
Mantegna
,
welches
Bartsch
nicht
tat
,
in
Vergleichung
mit
der
siebenten
Tafel
des
Andreas
Andreani
meldet
:
"
wenn
auf
den
beiden
andern
Blättern
,
Nummer
fünf
und
sechs
,
gegen
die
Gemälde
Abänderungen
vorkommen
,
so
sind
sie
noch
stärker
bei
der
gegenwärtigen
Nummer
.
die
edlen
Gefangenen
werden
zwar
vorgeführt
,
allein
die
höchst
liebliche
Gruppe
der
Mutter
mit
Kindern
und
Ältermutter
fehlt
ganz
,
welche
also
später
von
dem
Künstler
hinzugedacht
worden
.
ferner
ist
ein
gewöhnliches
Fenster
auf
dem
Kupferstiche
dargestellt
,
aus
welchem
drei
Personen
heraussehen
;
in
dem
Gemälde
ist
es
ein
breites
gegittertes
Fenster
,
als
welches
zu
einem
Gefängnis
gehört
,
hinter
welchem
mehrere
Personen
,
die
man
für
Gefangene
halten
kann
,
stehen
.
wir
betrachten
dies
als
eine
übereinstimmende
Anspielung
auf
den
vorübergehenden
Zug
,
in
welchem
ebenfalls
Veränderungen
stattgefunden
"
.
und
wir
von
unserer
Seite
sehen
hier
eine
bedeutende
Steigerung
der
küstlerischen
Darstellung
und
überzeugen
uns
,
daß
dieses
Kupfer
,
wie
die
beiden
andern
,
dem
Gemälde
vorgegangen
.
4.
Vasari
spricht
mit
großem
Lobe
von
diesem
Werke
,
und
zwar
folgendermaßen
:
"
dem
Marchese
von
Mantua
,
Ludwig
Gonzaga
,
einem
großen
Gönner
und
Schätzer
von
Andreas
'
Kunstfertigkeit
,
malte
er
,
bei
St.
Sebastian
in
Mantua
,
Cäsars
Triumphzug
,
das
Beste
,
was
er
jemals
geliefert
hat
.
hier
sieht
man
in
schönster
Ordnung
den
herrlich
verzierten
Wagen
(
*
)
,
Verwandte
,
Weihrauch
und
Wohlgerüche
,
Opfer
,
Priester
,
bekränzte
geweihte
Stiere
,
Gefangene
,
von
Soldaten
eroberte
Beute
,
geordneten
Heereszug
,
Elefanten
,
abermals
Beute
,
Viktorien
,
Städte
und
Festungen
auf
verschiedenen
Wagen
;
zugleich
auch
abgebildet
grenzenlose
Trophäen
auf
Spießen
und
Stangen
,
auch
mancherlei
Schutzwaffen
für
Haupt
und
Rumpf
,
Ausputz
,
Zierat
,
unendliche
Gefäße
.
unter
der
Menge
bemerkt
man
ein
Weib
,
das
einen
Knaben
an
der
Hand
führt
,
der
weinend
einen
Dorn
im
Füßchen
sehr
anmutig
und
natürlich
der
Mutter
hinweist
.
(
**
)
.
in
diesem
Werke
hat
man
auch
abermals
einen
Beweis
von
seiner
schönen
Einsicht
in
die
perspektivischen
Künste
;
denn
indem
er
seine
Bodenfläche
über
dem
Auge
anzunehmen
hatte
,
so
ließ
er
die
ersten
Füße
an
der
vordern
Linie
des
Planums
vollkommen
sehen
,
stellte
jedoch
die
folgenden
desselben
Gliedes
mehr
perspektivisch
,
gleichsam
sinkend
vor
,
so
daß
nach
und
nach
Füße
und
Schenkel
dem
Gesetz
des
Augpunktes
gemäß
sich
verstecken
.
ebenso
hält
er
es
auch
mit
Beute
,
Gefäßen
,
Instrumenten
und
Zieraten
;
er
läßt
nur
die
untere
Fläche
sehen
,
die
obere
verliert
sich
ebenfalls
nach
denselben
Regeln
.
wie
er
denn
überhaupt
Verkürzungen
darzustellen
besonders
geschickt
war
"
.
mit
einem
solchen
(
*
)
Sternchen
haben
wir
vorhin
eine
Lücke
angedeutet
,
die
wir
nunmehr
ausfüllen
wollen
.
Vasari
glaubt
in
einem
nahe
vor
dem
Triumphwagen
stehenden
Jüngling
einen
Soldaten
zu
sehen
,
der
den
Sieger
mitten
in
der
Herrlichkeit
des
Festzuges
mit
Schimpf-
und
Schmähreden
zu
demütigen
gedenkt
,
welche
Art
von
übermütiger
Gewohnheit
aus
dem
Altertume
wohl
überliefert
wird
.
allein
wir
glauben
die
Sache
anders
auslegen
zu
müssen
;
der
vor
dem
Wagen
stehende
Jüngling
hält
auf
einer
Stange
,
gleichsam
als
Feldzeichen
,
einen
Kranz
,
in
welchem
die
Worte
veni
,
vidi
,
vici
eingeschrieben
sind
;
dies
möchte
also
wohl
dem
Schluß
die
Krone
aufsetzen
.
denn
wenn
vorher
auf
mancherlei
Bändern
und
Banderolen
an
Zinken
und
Posaunen
,
auf
Tafeln
und
Täfelchen
schon
Cäsar
genannt
und
also
diese
Feierlichkeit
auf
ihn
bezogen
wird
,
so
ist
doch
hier
zum
Abschluß
das
höchste
Verdienst
einer
entscheidenden
Schnelligkeit
verkündet
und
ihm
von
einem
frohen
Anhänger
vorgehalten
,
woran
bei
genauerer
Betrachtung
wohl
kein
Zweifel
übrigbleiben
möchte
.
(
**
)
.
das
zweite
Zeichen
deutet
abermals
auf
eine
vom
Vasari
abweichende
Meinung
.
wir
fragten
nämlich
,
da
auf
dem
Andreanischen
Blatte
Nr.
7
dieser
vom
Vasari
gerühmte
Dorn
nicht
zu
entdecken
war
,
bei
Herrn
Dr.
Noehden
in
London
an
,
inwiefern
das
Gemälde
hierüber
Auskunft
gebe
;
er
eilte
dieser
und
einiger
andern
Anfragen
wegen
gefälligst
nach
Hamptoncourt
und
ließ
nach
genauer
Untersuchung
sich
folgendermaßen
vernehmen
:
"
an
der
linken
Seite
der
Mutter
ist
ein
Knabe
(
vielleicht
drei
Jahre
alt
)
,
welcher
an
dieselbe
hinaufklimmen
will
.
er
hebt
sich
auf
der
Zehe
des
rechten
Fußes
,
seine
rechte
Hand
faßt
das
Gewand
der
Mutter
,
welche
ihre
Linke
nach
ihm
herabgestreckt
und
mit
derselben
seinen
linken
Arm
ergriffen
hat
,
um
ihm
aufzuhelfen
.
der
linke
Fuß
des
Knaben
hat
sich
vom
Boden
gehoben
,
dem
Anscheine
nach
bloß
zufolge
des
aufstrebenden
Körpers
.
ich
hätte
es
nie
erraten
,
daß
ein
Dorn
in
diesen
Fuß
getreten
,
oder
der
Fuß
auf
irgendeine
andere
Weise
verwundet
wäre
,
da
das
Bild
,
wenn
meine
Augen
nicht
ganz
wunderlich
trügen
,
gewiß
nichts
von
der
Art
zeigt
.
das
Bein
ist
zwar
steif
aufgezogen
,
welches
sich
freilich
zu
einem
verwunderten
Fuße
passen
würde
;
aber
dies
reimt
sich
ebenso
gut
mit
dem
bloß
in
die
Höhe
strebenden
Körper
.
der
ganz
schmerzlose
Ausdruck
des
Gesichtes
bei
dem
Knaben
,
welcher
heiter
und
froh
,
obgleich
begierig
,
hinaufsieht
,
und
der
ruhige
Blick
der
herabsehenden
Mutter
scheinen
mir
der
angenommenen
Verletzung
ganz
zu
widersprechen
.
an
dem
Fuße
selbst
müßte
man
doch
wohl
eine
Spur
der
Verwundung
,
z.
B.
einen
fallenden
Blutstropfen
bemerken
;
aber
durchaus
nichts
Ähnliches
ist
zu
erblicken
.
es
ist
unmöglich
,
daß
der
Künstler
,
wenn
er
ein
solches
Bild
dem
Zuschauer
hätte
eindrücken
wollen
,
es
so
zweifelhaft
und
versteckt
gelassen
haben
könnte
.
um
ganz
ohne
Vorurteil
bei
der
Sache
zu
verfahren
,
fragte
ich
den
Diener
,
welcher
die
Zimmer
und
Gemälde
im
Schlosse
zu
Hamptoncourt
zeigt
und
der
mehrere
Jahre
lang
dieses
Geschäft
verwaltet
hat
,
einen
ganz
mechanischen
kenntnislosen
Menschen
,
ob
er
etwas
von
einem
verwundeten
Fuße
oder
einem
Dornstich
an
dem
Knaben
bemerkte
.
ich
wollte
sehen
,
welchen
Eindruck
die
Darstellung
auf
das
gemeine
Auge
und
den
gemeinen
Verstand
machte
.
'
nein
'
,
war
die
Antwort
,
'
davon
läßt
sich
nichts
erkennen
:
es
kann
nicht
sein
,
der
Knabe
sieht
ja
viel
zu
heiter
und
froh
aus
,
als
daß
man
ihn
sich
verwundet
denken
könnte
'
.
über
den
linken
Arm
der
Mutter
ist
,
so
wie
bei
dem
rechten
,
ein
rotes
Tuch
oder
Shawl
geworfen
,
und
die
linke
Brust
ist
ebenfalls
ganz
entblößt
.
hinter
dem
Knaben
,
zur
linken
Seite
der
Mutter
,
steht
gebückt
eine
ältliche
Frau
,
mit
rotem
Schleiertuche
über
dem
Kopfe
.
ich
halte
sie
für
die
Großmutter
des
Knaben
,
da
sie
so
teilnehmend
um
ihn
beschäftigt
ist
.
in
ihrem
Gesichte
ist
auch
nichts
von
Mitleiden
,
welches
doch
wahrscheinlich
ausgedrückt
worden
wäre
,
wenn
das
Enkelchen
an
einer
Dornwunde
litte
.
in
der
rechten
Hand
scheint
sie
die
Kopfbedeckung
des
Knaben
(
ein
Hütchen
oder
Käppchen
)
zu
halten
,
und
mit
der
linken
berührt
sie
den
Kopf
desselben
"
.
5.
sieht
man
nun
die
ganze
Stelle
,
wodurch
uns
Vasari
über
diesen
Triumphzug
hat
belehren
wollen
,
mit
lebendigem
Blick
an
,
so
empfindet
man
alsbald
den
inneren
Mangel
einer
solchen
Vortragsweise
;
sie
erregt
in
unserer
Einbildungskraft
nur
einen
wüsten
Wirrwarr
und
läßt
kaum
ahnen
,
daß
jene
Einzelnheiten
sich
klar
in
eine
wohlgedachte
Folge
reihen
würden
.
schon
darin
hat
es
Vasari
gleich
anfangs
versehen
,
daß
er
von
hinten
anfängt
und
vor
allem
auf
die
schöne
Verziertheit
des
Triumphwagens
merken
läßt
;
daraus
folgt
denn
,
daß
es
ihm
unmöglich
wird
,
die
voraustretenden
gedrängten
,
aber
doch
gesonderten
Scharen
ordnungsgemäß
aufeinander
folgen
zu
lassen
;
vielmehr
greift
er
auffallende
Gegenstände
zufällig
heraus
,
daher
denn
eine
nicht
zu
entwirrende
Verwickelung
entsteht
.
wir
wollen
ihn
aber
deshalb
nicht
schelten
,
weil
er
von
Bildern
spricht
,
die
ihm
vor
Augen
stehen
,
von
denen
er
glaubt
,
daß
jedermann
sie
sehen
wird
.
auf
seinem
Standpunkte
konnte
die
Absicht
nicht
sein
,
sie
den
Abwesenden
oder
gar
Künftigen
,
wenn
die
Bilder
verlorengegangen
,
zu
vergegenwärtigen
.
ist
dieses
doch
auch
die
Art
der
Alten
,
die
uns
oft
in
Verzweiflung
bringt
.
wie
anders
hätte
Pausanias
verfahren
müssen
,
wenn
er
sich
des
Zweckes
hätte
bewußt
sein
können
,
uns
durch
Worte
über
den
Verlust
herrlicher
Kunstwerke
zu
trösten
!
die
Alten
sprachen
als
gegenwärtig
zu
Gegenwärtigen
,
und
da
bedarf
es
nicht
vieler
Worte
.
den
absichtlichen
Redekünsten
Philostrats
sind
wir
schuldig
,
daß
wir
uns
einen
deutlichern
Begriff
von
verlornen
köstlichen
Bildern
aufzubauen
wagen
.
6.
Bartsch
in
seinem
Peintre
graveur
,
Band
XIII
,
Seite
234
,
spricht
unter
der
eilften
Nummer
der
Kupferstiche
des
Andreas
Mantegna
:
"
der
römische
Senat
begleitet
einen
Triumph
.
die
Senatoren
richten
ihren
Schritt
gegen
die
rechte
Seite
,
auf
sie
folgen
mehrere
Krieger
,
die
man
zur
Linken
sieht
,
unter
welchen
einer
besonders
auffällt
,
der
mit
der
Linken
eine
Hellebarde
faßt
,
am
rechten
Arme
ein
ungeheures
Schild
tragend
.
der
Grund
läßt
zur
Rechten
ein
Gebäude
sehen
,
zur
Linken
einen
runden
Turm
.
Mantegna
hat
dieses
Blatt
nach
einer
Zeichnung
gestochen
,
die
er
bei
seinem
Triumphzug
Cäsars
wahrscheinlich
benutzen
wollte
,
wovon
er
jedoch
keinen
Gebrauch
gemacht
hat
"
.
wie
wir
dieses
Blatt
auslegen
,
ist
in
dem
ersten
Aufsatze
über
Mantegna
im
vorigen
Stücke
zu
ersehen
;
deshalb
wir
unsere
Überzeugung
nicht
wiederholen
,
sondern
nur
bei
dieser
Gelegenheit
den
Dank
,
den
wir
unserm
verewigten
Bartsch
schuldig
sind
,
auch
von
unserer
Seite
gebührend
abstatten
.
hat
uns
dieser
treffliche
Mann
in
den
Stand
gesetzt
,
die
bedeutendsten
und
mannigfaltigsten
Kenntnisse
mit
weniger
Mühe
zu
gewinnen
,
so
sind
wir
in
einem
andern
Betracht
auch
schuldig
,
ihn
als
Vorarbeiter
anzusehen
und
hie
und
da
,
besonders
in
Absicht
auf
die
gebrauchten
Motive
,
nachzuhelfen
;
denn
das
ist
ja
eben
eins
der
größten
Verdienste
der
Kupferstecherkunst
,
daß
sie
uns
mit
der
Denkweise
so
vieler
Künstler
bekannt
macht
und
,
wenn
sie
uns
die
Farbe
entbehren
lehrt
,
das
geistige
Verdienst
der
Erfindung
auf
das
sicherste
überliefert
.
7.
um
nun
aber
sowohl
uns
als
andern
teilnehmenden
Kunstfreunden
den
vollen
Genuß
des
Ganzen
zu
verschaffen
,
ließen
wir
durch
unseren
geschickten
und
geübten
Kupferstecher
Schwerdgeburth
diesen
abschließenden
Nachzug
,
völlig
in
der
Dimension
der
Andreanischen
Tafeln
und
in
einer
den
Holzstock
sowohl
in
Umrissen
als
Haltung
nachahmenden
Zeichnungsart
,
ausführen
,
und
zwar
in
umgekehrter
Richtung
,
so
daß
die
Wandelnden
nach
der
Linken
zu
schreiten
.
und
so
legen
wir
dieses
Blatt
unmittelbar
hinter
den
Triumphwagen
Cäsars
,
wodurch
denn
,
wenn
die
zehn
Blätter
hintereinander
gesehen
werden
,
für
den
geistreichen
Kenner
und
Liebhaber
das
anmutigste
Schauspiel
entsteht
,
indem
etwas
,
von
einem
der
außerordentlichsten
Menschen
vor
mehr
als
dreihundert
Jahren
intentioniert
,
zum
erstenmal
zur
Anschauung
gebracht
wird
.
la
cena
,
pittura
in
muro
di
Giotto
.
nel
refettorio
del
Convento
di
S.
Croce
di
Firenze
,
J
A.
Ramboux
dis
.
,
Ferd
.
Ruschweyh
inc
.
Romae
1821
die
Weimarischen
Kunstfreunde
könnten
sich
die
Anzeige
dieses
Kupferstichs
leicht
machen
und
nur
sagen
,
Herr
Ramboux
habe
Giottos
Freskogemälde
treufleißig
nachgezeichnet
und
Herr
Ruscheweyh
sei
als
Kupferstecher
wegen
der
angewendeten
großen
Sorgfalt
und
reinlichen
Arbeit
nicht
weniger
zu
loben
.
sie
könnten
etwa
ferner
noch
hinzusetzen
,
daß
jeder
echte
verständige
Kunstliebhaber
eilen
soll
,
mit
diesen
Blättern
seine
Sammlung
zu
bereichern
;
und
so
wäre
die
Sache
wahrscheinlich
zu
jedermanns
Wohlgefallen
abgetan
und
besagte
W.
K.
F.
hätten
noch
dazu
ihrem
eigenen
Gewissen
nicht
das
geringste
vorzuwerfen
,
denn
alles
verhält
sich
in
der
Tat
also
.
aber
es
haben
seit
geraumer
Zeit
schwere
Verirrungen
des
Geschmacks
sich
eingefunden
,
und
sie
mehren
sich
;
daher
liegt
uns
,
liegt
jedem
in
Sachen
der
Kunst
Unbefangenen
die
Pflicht
ob
,
bessere
Überzeugung
bei
dargebotener
Gelegenheit
auszusprechen
,
und
so
müssen
wir
uns
auch
im
gegenwärtigen
Falle
zu
etwas
mehr
Umständlichkeit
entschließen
.
Werke
wie
das
Abendmahl
des
Giotto
werden
gewöhnlich
aus
ganz
verschiedenen
Gesichtspunkten
und
in
entgegengesetztem
Sinne
beurteilt
.
Liebhaber
,
welche
Vorliebe
hegen
für
die
alte
Schule
,
bewundern
die
Simplizität
,
das
Gemütvolle
,
Treuherzige
,
Eigenschaften
,
die
freilich
der
Kunst
unserer
Tage
sehr
zu
mangeln
pflegen
,
übersehen
aber
die
unzulängliche
Kunstbeschaffenheit
der
Werke
aus
dem
vierzehnten
Jahrhundert
und
möchten
solche
gar
als
Muster
zur
Nachahmung
empfehlen
,
welches
vermutlich
auch
der
Fall
mit
den
Blättern
des
Herrn
Ruscheweyh
nach
Giotto
sein
wird
.
andere
hingegen
regeln
ihr
Urteil
nach
unverdauten
Schönheitsbegriffen
,
verlangen
nie
weniger
als
das
Vollkommene
,
und
so
wie
jene
die
einzelnen
guten
Eigenschaften
unbedingt
preisen
,
ebenso
scheinen
diese
nur
nach
Fehlern
zu
spähen
;
sie
bemerken
die
ungleiche
Länge
der
Füße
am
Apollo
,
finden
am
Laokoon
einiges
nicht
richtig
,
versichern
,
daß
am
borghesischen
Fechter
die
Linie
des
Rückens
mit
der
Linie
des
Vorderleibs
wenig
übereinstimme
u.
s.
w.
diesen
Gestrengen
ist
nun
freilich
der
alte
ehrliche
Giotto
mit
seinen
langen
steifen
Figuren
,
Proportions-
und
Zeichnungsmängeln
und
Sünden
wider
die
Perspektive
ein
Ärgernis
.
sei
uns
aber
erlaubt
,
zwischen
beiderlei
Urteilen
in
die
Mitte
zu
treten
und
frei
ohne
Umschweife
zu
sagen
:
die
erstgenannten
irren
,
und
die
andern
verderben
uns
den
Genuß
am
Kunstwerk
.
wahrhaft
nützliches
Prüfen
,
gerechtes
Würdigen
wird
nie
,
wofern
nicht
besondere
Zwecke
solches
erheischen
,
bei
den
Fehlern
verweilen
,
doch
dieselben
nicht
übersehen
;
das
Verdienstliche
aber
,
erscheine
dasselbe
in
welcher
Gestalt
es
wolle
,
anerkennen
,
immerfort
sich
erinnernd
,
wie
vom
Winter
nicht
Rosen
,
vom
Frühjahr
keine
Trauben
verlangt
werden
dürfen
;
das
heißt
:
der
billige
verständige
Kunstrichter
lobt
und
tadelt
nicht
bloß
nach
mehr
oder
weniger
Lust
und
Unlust
,
so
er
im
Anschauen
eines
Werks
empfindet
,
sondern
sein
Urteil
hat
jedesmal
die
Geschichte
der
Kunst
zur
Unterlage
,
er
berücksichtigt
sorgfältig
Ort
und
Zeit
der
Entstehung
,
den
jedesmaligen
Zustand
der
Kunst
;
ferner
den
Geschmack
der
Schule
,
auch
den
eigentümlichen
des
Meisters
.
um
aber
auf
das
Abendmahl
des
Giotto
zurückzukommen
,
so
ist
dasselbe
allerdings
ein
merkwürdiges
Bild
,
zwar
nicht
in
dem
Sinne
,
als
ob
es
sich
zum
Studium
eignet
für
angehende
Künstler
:
denn
wer
hieran
den
guten
Geschmack
erwerben
,
sich
in
der
Zeichnung
und
andern
ebenso
notwendigen
Kunstfordernissen
festsetzen
wollte
,
verfehlte
sicherlich
seinen
Zweck
;
aber
in
kunsthistorischem
Betracht
und
für
Denkende
ist
das
Werk
in
hohem
Grade
schätzbar
,
indem
es
Gelegenheit
gibt
,
zu
sehen
,
wie
der
reichbegabte
Giotto
den
Gegenstand
vom
Abendmahl
unseres
Herrn
sich
gedacht
,
jedoch
mit
kindlicher
,
der
schweren
Aufgabe
noch
nicht
gewachsener
Kunst
hinter
seinen
bessern
Absichten
und
Bestrebungen
zurückbleiben
mußte
.
betrachtet
man
dagegen
denselben
Gegenstand
von
Leonardo
da
Vinci
ausgeführt
,
so
ergibt
sich
aus
der
Vergleichung
beider
die
deutlichste
,
fruchtbarste
Ansicht
von
den
Fortschritten
,
welche
die
Kunst
neuerer
Zeit
im
Verlauf
von
nicht
viel
weniger
als
zwei
Jahrhunderten
gemacht
hat
,
weil
beide
,
Meister
von
bewundernswürdigen
Talenten
und
jeder
mit
Hinsicht
auf
seine
Zeit
groß
zu
nennen
,
für
ihre
Darstellungen
ungefähr
den
gleichen
Moment
wählten
;
L.
da
Vinci
nämlich
den
,
wo
Christus
zu
den
Jüngern
sagt
:
"
einer
unter
euch
wird
mich
verraten
"
.
(
Matth.
Kap.
26
,
V.
21.
)
Giotto
aber
scheint
vornehmlich
die
Stelle
(
V.
23
)
beachtet
zu
haben
,
wo
es
heißt
:
"
der
mit
mir
in
die
Schüssel
tauchet
,
wird
mich
verraten
"
.
bei
ihm
verursacht
das
vom
Herrn
gesprochene
Wort
bloß
eine
Unterredung
;
mehrere
der
Apostel
scheinen
sich
entschuldigen
zu
wollen
,
andere
sehen
wehmütig
aus
,
einer
(
der
vierte
,
Christo
zur
Rechten
sitzende
)
macht
die
Gebärde
des
Entsetzens
,
Judas
langt
ruhig
sich
einen
Bissen
.
das
Bemühen
des
Malers
,
dem
Verräter
einen
von
den
übrigen
Aposteln
unterschiedenen
,
gemeinern
Charakter
zu
geben
,
ist
jedoch
nicht
zu
verkennen
.
in
der
Darstellung
des
Leonard
da
Vinci
hingegen
waltet
die
Kunst
frei
,
und
war
schon
ausgebildet
genug
,
um
das
Schwerste
zu
unternehmen
.
das
Wort
,
die
Voraussagung
des
Herrn
,
es
werde
ihn
einer
der
mit
zu
Tische
Sitzenden
verraten
,
regt
die
ganze
Gesellschaft
urplötzlich
gewaltsam
auf
;
alle
fahren
zusammen
und
bilden
höchst
belebte
,
vortrefflich
angeordnete
Gruppen
;
alles
lebt
,
alles
ist
in
Bewegung
;
die
Mannigfaltigkeit
der
Affekte
,
der
Gebärden
kann
nicht
größer
sein
,
Gestalt
und
Züge
einer
jeden
Figur
sind
mit
dem
,
was
sie
vornimmt
,
was
sie
leidet
,
ganz
übereinstimmend
,
der
Ausdruck
wahr
und
kräftig
;
Judas
erschrickt
,
fährt
zurück
und
stößt
das
vor
ihm
stehende
Salzfaß
um
.
mehrere
dergleichen
bedeutende
Züge
ließen
sich
noch
angeben
,
allein
es
ist
genug
geschehen
,
um
das
Nützliche
,
Belehrende
einer
Vergleichung
beider
Werke
darzutun
.
Anfang
und
Vollendung
der
neuern
Kunst
dürften
durch
andere
Beispiele
kaum
wieder
so
anschaulich
und
hervortretend
gemacht
werden
können
.
die
Externsteine
.
an
der
südwestlichen
Grenze
der
Grafschaft
Lippe
zieht
sich
ein
langes
waldiges
Gebirg
hin
,
der
Lippische
Wald
,
sonst
auch
der
Teutoburger
Wald
genannt
,
und
zwar
in
der
Richtung
von
Südost
nach
Nordwest
;
die
Gebirgsart
ist
bunter
Sandstein
.
an
der
nordöstlichen
Seite
gegen
das
flache
Land
zu
,
in
der
Nähe
der
Stadt
Horn
am
Ausgange
eines
Tales
,
stehen
,
abgesondert
vom
Gebirg
,
drei
bis
vier
einzelne
senkrecht
in
die
Höhe
strebende
Felsen
;
ein
Umstand
,
der
bei
genannter
Gebirgsart
nicht
selten
ist
.
ihre
ausgezeichnete
Merkwürdigkeit
erregte
von
den
frühsten
Zeiten
Ehrfurcht
;
sie
mochten
dem
heidnischen
Gottesdienst
gewidmet
sein
und
wurden
sodann
dem
christlichen
geweiht
.
der
kompakte
,
aber
leicht
zu
bearbeitende
Stein
gab
Gelegenheit
,
Einsiedeleien
und
Kapellen
auszuhöhlen
,
die
Feinheit
des
Korns
erlaubte
sogar
,
Bildwerke
darin
zu
arbeiten
.
an
dem
ersten
und
größten
dieser
Steine
ist
die
Abnahme
Christi
vom
Kreuz
,
in
Lebensgröße
,
halb
erhaben
,
in
die
Felswand
eingemeißelt
.
eine
treffliche
Nachbildung
dieses
merkwürdigen
Altertums
verdanken
wir
dem
Königlich
Preußischen
Hofbildhauer
Herrn
Rauch
,
welcher
dasselbe
im
Sommer
1823
gezeichnet
,
und
erwehrt
man
sich
auch
nicht
des
Vermutens
,
daß
ein
zarter
Hauch
der
Ausbildung
dem
Künstler
des
neunzehnten
Jahrhunderts
angehöre
,
so
ist
doch
die
Anlage
selbst
schon
bedeutend
genug
,
deren
Verdienst
einer
früheren
Epoche
nicht
abgesprochen
werden
kann
.
wenn
von
solchen
Altertümern
die
Rede
ist
,
muß
man
immer
voraussagen
und
-
setzen
,
daß
,
von
der
christlichen
Zeitrechnung
an
,
die
bildende
Kunst
,
die
sich
im
Nordwesten
niemals
hervortrat
,
nur
noch
im
Südosten
,
wo
sie
ehemals
den
höchsten
Grad
erreicht
,
sich
erhalten
,
wiewohl
nach
und
nach
verschlechtert
habe
.
der
Byzantiner
hatte
Schulen
oder
vielmehr
Gilden
der
Malerei
,
der
Mosaik
,
des
Schnitzwerks
;
auch
wurzelten
diese
und
rankten
um
so
fester
,
als
die
christliche
Religion
eine
von
den
Heiden
ererbte
Leidenschaft
,
sich
an
Bildern
zu
erfreuen
und
zu
erbauen
,
unablässig
forthegte
und
daher
dergleichen
sinnliche
Darstellungen
geistiger
und
heiliger
Gegenständen
auf
einen
solchen
Grad
vermehrte
,
daß
Vernunft
und
Politik
empört
sich
dagegen
zu
sträuben
anfingen
,
wodurch
denn
das
großte
Unheil
entschiedener
Spaltungen
der
morgenländischen
Kirche
bewirkt
ward
.
im
Westen
war
dagegen
alle
Fähigkeit
,
irgendeine
Gestalt
hervorzubringen
,
wenn
sie
je
dagewesen
,
völlig
verloren
.
die
eindringenden
Völker
hatten
alles
,
was
in
früherer
Zeit
dahin
gewandert
sein
mochte
,
weggeschwemmt
,
eine
öde
,
bildlose
Landweite
war
entstanden
;
wie
man
aber
,
um
ein
unausweichliches
Bedürfnis
zu
befriedigen
,
sich
überall
nach
den
Mitteln
umsieht
,
auch
der
Künstler
sich
immer
gern
dahin
begibt
,
wo
man
sein
bedarf
,
so
konnte
es
nicht
fehlen
,
daß
nach
einiger
Beruhigung
der
Welt
,
bei
Ausbreitung
des
christlichen
Glaubens
,
zu
Bestimmung
der
Einbildungskraft
die
Bilder
im
nördlichen
Westen
gefordert
und
östliche
Künstler
dahin
gelockt
wurden
.
ohne
also
weitläufiger
zu
sein
,
geben
wir
gerne
zu
,
daß
ein
mönchischer
Künstler
unter
den
Scharen
der
Geistlichen
,
die
der
erobernde
Hof
Karl
des
Großen
nach
sich
zog
,
dieses
Werk
könne
verfertigt
haben
.
solche
Techniker
,
wie
noch
jetzt
unsere
Stukkatoren
und
Arabeskenmaler
,
führten
Muster
mit
sich
,
wornach
sie
auch
deshalb
genau
arbeiteten
,
weil
die
einmal
gegebene
Gestalt
sich
zu
sicherem
,
andächtigem
Behuf
immerfort
identisch
eindrücken
und
so
ihre
Wahrheit
bestärken
sollte
.
wie
dem
nun
auch
sei
,
so
ist
das
gegenwärtig
in
Frage
stehende
Kunstwerk
seiner
Art
und
Zeit
nach
gut
,
echt
und
ein
östliches
Altertum
zu
nennen
,
und
da
die
treffliche
Abbildung
jedermann
im
Steindruck
zugänglich
sein
wird
,
so
wenden
wir
unsere
Aufmerksamkeit
zuerst
auf
die
gestauchte
Form
des
Kreuzes
,
die
sich
der
gleichschenkligen
des
griechischen
annähert
;
sodann
aber
auf
Sonn
'
und
Mond
,
welche
in
den
obern
Winkeln
zu
beiden
Seiten
sichtbar
sind
und
in
ihren
Scheiben
zwei
Kinder
sehen
lassen
,
auf
welchen
besonders
unsere
Betrachtung
ruht
.
es
sind
halbe
Figuren
,
mit
gesenkten
Köpfen
,
vorgestellt
wie
sie
große
herabsinkende
Vorhänge
halten
,
als
wenn
sie
damit
ihr
Angesicht
verbergen
und
ihre
Tränen
abtrocknen
wollten
.
daß
dieses
aber
eine
uralte
sinnliche
Vorstellung
der
orientalischen
Lehre
,
welche
zwei
Prinzipien
annimmt
,
gewesen
sei
,
erfahren
wir
durch
Simplicius
'
Auslegung
zu
Epiktet
,
indem
derselbe
im
vierunddreißigsten
Abschnitt
spottend
sagt
:
"
ihre
Erklärung
der
Sonn-
und
Mondfinsternisse
legt
eine
zum
Erstaunen
hohe
Gelehrsamkeit
an
den
Tag
:
denn
sie
sagen
,
weil
die
Übel
,
die
mit
dem
Bau
der
Welt
verflochten
sind
,
durch
ihre
Bewegungen
viel
Verwirrung
und
Aufruhr
machen
,
so
ziehen
die
Himmelslichter
gewisse
Vorhänge
vor
,
damit
sie
an
jenem
Gewühl
nicht
den
mindesten
Teil
nehmen
,
und
die
Finsternisse
seien
nichts
anders
als
dieses
Verbergen
der
Sonne
oder
des
Mondes
hinter
ihrem
Vorhang
"
.
nach
diesen
historischen
Grundlagen
gehen
wir
noch
etwas
weiter
und
bedenken
,
daß
Simplicius
mit
mehreren
Philosophen
aus
dem
Abendlande
um
die
Zeit
des
Manes
nach
Persien
wanderte
,
welcher
ein
geschickter
Maler
oder
doch
mit
einem
solchen
verbündet
gewesen
zu
sein
scheint
,
indem
er
sein
Evangelium
mit
wirksamen
Bildern
schmückte
und
ihm
dadurch
den
besten
Eingang
verschaffte
.
und
so
wäre
es
wohl
möglich
,
daß
sich
diese
Vorstellung
von
dort
herschriebe
,
da
ja
die
Argumente
des
Simplicius
gegen
die
Lehre
von
zwei
Prinzipien
gerichtet
sind
.
doch
da
in
solchen
historischen
Dingen
aus
strenger
Untersuchung
immer
mehr
Ungewißheit
erfolgt
,
so
wollen
wir
uns
nicht
allzu
fest
hierauf
lehnen
,
sondern
nur
andeuten
,
daß
diese
Vorstellung
des
Externsteins
einer
uralten
orientalischen
Denkweise
gemäß
gebildet
sei
.
übrigens
hat
die
Komposition
des
Bildes
wegen
Einfalt
und
Adel
wirkliche
Vorzüge
.
ein
den
Leichnam
herablassender
Teilnehmer
scheint
auf
einen
niedrigen
Baum
getreten
zu
sein
,
der
sich
durch
die
Schwere
des
Mannes
umbog
,
wodurch
denn
die
immer
unangenehme
Leiter
vermieden
ist
.
der
Aufnehmende
ist
anständig
gekleidet
,
ehrwürdig
und
ehrerbietig
hingestellt
.
vorzüglich
aber
loben
wir
den
Gedanken
,
daß
der
Kopf
des
herabsinkenden
Heilandes
an
das
Antlitz
der
zur
Rechten
stehenden
Mutter
sich
lehnt
,
ja
durch
ihre
Hand
sanft
angedrückt
wird
;
ein
schönes
,
würdiges
Zusammentreffen
,
das
wir
nirgends
wiedergefunden
haben
,
ob
es
gleich
der
Größe
einer
so
erhabenen
Mutter
zukommt
.
in
späteren
Vorstellungen
erscheint
sie
dagegen
heftig
in
Schmerz
ausbrechend
,
sodann
in
dem
Schoß
ihrer
Frauen
ohnmächtig
liegend
,
bis
sie
zuletzt
,
bei
Daniel
von
Volterra
,
rücklings
quer
hingestreckt
,
unwürdig
auf
dem
Boden
gesehen
wird
.
aus
einer
solchen
das
Bild
durchschneidenden
horizontalen
Lage
der
Mutter
jedoch
haben
sich
die
Künstler
wahrscheinlich
deshalb
nicht
wieder
herausgefunden
,
weil
eine
solche
Linie
,
als
Kontrast
des
schroff
in
die
Höhe
stehenden
Kreuzes
,
unerläßlich
scheint
.
daß
eine
Spur
des
Manichäismus
durch
das
Ganze
gehe
,
möchte
sich
auch
noch
durch
den
Umstand
bekräftigen
,
daß
,
wenn
Gott
der
Vater
sich
über
dem
Kreuze
mit
der
Siegsfahne
zeigt
,
in
einer
Höhle
unter
dem
Boden
ein
paar
hart
gegeneinander
knieende
Männer
von
einem
löwenklauigen
Schlangendrachen
als
dem
bösen
Prinzip
umschlungen
sind
,
welche
,
da
die
beiden
Hauptweltmächte
einander
das
Gleichgewicht
halten
,
durch
das
obere
große
Opfer
kaum
zu
retten
sein
möchten
.
und
nun
vergessen
wir
nicht
anzuführen
,
daß
in
d'
Agincourts
Werk
Histoire
des
Arts
par
les
Monuments
,
und
zwar
auf
dessen
163.
Tafel
,
eine
ähnliche
Vorstellung
vorhanden
ist
,
wo
auf
einem
Gemälde
,
die
Kreuzabnahme
vorstellend
,
oben
an
der
einen
Seite
der
Sonnenknabe
deutlich
zu
sehen
ist
,
indessen
der
Mondknabe
durch
die
Unbilden
der
Zeit
ausgelöscht
worden
.
nun
aber
zum
Schluß
werd
'
ich
erinnert
,
daß
ähnliche
Abbildungen
in
den
Mithratafeln
zu
sehen
seien
,
weshalb
ich
denn
die
erste
Tafel
aus
Thomas
Hyde
Historia
religionis
veterum
Persarum
bezeichne
,
wo
die
alten
Götter
Sol
und
Luna
noch
aus
Wolken
oder
hinter
Gebirgen
in
erhobener
Arbeit
hervortreten
,
sodann
aber
die
Tafeln
XIX
und
XX
zu
Heinrich
Seels
Mithrageheimnissen
,
Aarau
1823
,
noch
anführe
,
wo
die
genannten
Gottheiten
in
flachvertieften
Schalen
wenig
erhöht
symbolisch
gebildet
sind
.
Christus
.
nebst
zwölf
alt-
und
neutestamentlichen
Figuren
,
den
Bildhauern
vorgeschlagen
.
wenn
wir
den
Malern
abgeraten
,
sich
vorerst
mit
biblischen
Gegenständen
zu
beschäftigen
,
so
wenden
wir
uns
,
um
die
hohe
Ehrfurcht
,
die
wir
vor
jenem
Zyklus
hegen
,
zu
betätigen
,
an
die
Bildhauer
und
denken
hier
die
Angelegenheit
im
Großen
zu
behandeln
.
es
ist
uns
schmerzlich
zu
vernehmen
,
wenn
man
einen
Plastiker
auffordert
,
Christus
und
seine
Apostel
in
einzelnen
Bildnissen
aufzustellen
;
Raffael
hat
es
mit
Geist
und
Heiterkeit
einmal
malerisch
behandelt
,
und
nun
sollte
man
es
dabei
bewenden
lassen
.
wo
soll
der
Plastiker
die
Charaktere
hernehmen
,
um
sie
genugsam
zu
sondern
?
die
Zeichen
des
Märtyrertums
sind
der
neuern
Welt
nicht
anständig
genügend
,
der
Künstler
will
die
Bestellung
nicht
abweisen
,
und
da
bleibt
ihm
denn
zuletzt
nichts
übrig
,
als
wackern
,
wohlgebildeten
Männern
Ellen
auf
Ellen
Tuch
um
den
Leib
zu
drapieren
,
mehr
als
sie
je
in
ihrem
ganzen
Leben
möchten
gebraucht
haben
.
in
einer
Art
von
Verzweiflung
,
die
uns
immer
ergreift
,
wenn
wir
mißgeleitete
oder
mißbrauchte
schöne
Talente
zu
bedauern
haben
,
bildete
sich
bei
mir
der
Gedanke
,
dreizehn
Figuren
aufzustellen
,
in
welchen
der
ganze
biblische
Zyklus
begriffen
werden
könnte
,
welches
wir
denn
mit
gutem
Wissen
und
Gewissen
hiedurch
mitteilen
.
I.
Adam
,
in
vollkommen
menschlicher
Kraft
und
Schönheit
;
ein
Kanon
,
nicht
wie
der
Heldenmann
,
sondern
wie
der
fruchtreiche
,
weichstarke
Vater
der
Menschen
zu
denken
sein
möchte
;
mit
dem
Fell
bekleidet
,
das
,
seine
Nacktheit
zu
decken
,
ihm
von
oben
gegeben
ward
.
zu
der
Bildung
seiner
Gesichtszüge
würden
wir
den
größten
Meister
auffordern
.
der
Urvater
sieht
mit
ernstem
Blick
,
halb
traurig
lächelnd
,
auf
einen
derben
,
tüchtigen
Knaben
,
dem
er
die
rechte
Hand
aufs
Haupt
legt
,
indem
er
mit
der
linken
das
Grabscheit
,
als
von
der
Arbeit
ausruhend
,
nachlässig
sinken
läßt
.
der
erstgeborne
Knabe
,
ein
tüchtiger
Junge
,
erwürgt
mit
wildem
Kindesblick
und
kräftigen
Fäusten
ein
paar
Drachen
,
die
ihn
bedrohen
wollten
,
wozu
der
Vater
,
gleichsam
über
den
Verlust
des
Paradieses
getröstet
,
hinsieht
.
wir
stellen
bloß
das
Bild
dem
Künstler
vor
die
Augen
,
es
ist
für
sich
deutlich
und
rein
,
was
man
hinzudenken
kann
,
ist
gering
.
II
.
Noah
,
als
Winzer
,
leicht
gekleidet
und
geschürzt
,
aber
doch
schon
gegen
das
Tierfell
anmutig
kontrastierend
,
einen
reich
behangenen
Rebestock
in
der
linken
Hand
,
einen
Becher
,
den
er
zutraulich
hinweist
,
in
der
rechten
.
sein
Gesicht
edelheiter
,
leicht
von
dem
Geiste
des
Weins
belebt
.
er
muß
die
zufriedene
Sicherheit
seiner
selbst
andeuten
,
ein
behagliches
Bewußtsein
,
daß
,
wenn
er
auch
die
Menschen
von
wirklichen
Übeln
nicht
zu
befreien
vermöge
,
er
ihnen
doch
ein
Mittel
,
das
gegen
Sorge
und
Kummer
,
wenn
auch
nur
augenblicklich
,
wirken
solle
,
darzureichen
das
Glück
habe
.
III
.
Moses
.
diesen
Heroen
kann
ich
mir
freilich
nicht
anders
als
sitzend
denken
,
und
ich
erwehre
mich
dessen
um
so
weniger
,
als
ich
um
der
Abwechselung
willen
auch
wohl
einen
Sitzenden
und
in
dieser
Lage
Ruhenden
möchte
dargestellt
sehen
.
wahrscheinlich
hat
die
überkräftige
Statue
des
Michel
Angelo
am
Grabe
Julius
'
des
Zweiten
sich
meiner
Einbildungskraft
dergestalt
bemächtigt
,
daß
ich
nicht
von
ihr
loskommen
kann
;
auch
sei
deswegen
das
fernere
Nachdenken
und
Erfinden
dem
Künstler
und
Kenner
überlassen
.
IV
.
David
darf
nicht
fehlen
,
ob
er
mir
gleich
auch
als
eine
schwierige
Aufgabe
erscheint
.
den
Hirtensohn
,
Glücksritter
,
Helden
,
Sänger
,
König
und
Frauenlieb
in
einer
Person
,
oder
eine
vorzügliche
Eigenschaft
derselben
hervorgehoben
darzustellen
,
möge
dem
genialen
Künstler
glücken
.
V.
Jesaias
.
Fürstensohn
,
Patriot
und
Prophet
,
ausgezeichnet
durch
eine
würdige
,
warnende
Gestalt
.
könnte
man
durch
irgendeine
Überlieferung
dem
Kostüm
jener
Zeiten
beikommen
,
so
wäre
das
hier
von
großem
Werte
.
VI
.
Daniel
.
diesen
getrau
'
ich
mir
schon
näher
zu
bezeichnen
.
ein
heiteres
,
längliches
,
wohlgebildetes
Gesicht
,
schicklich
bekleidet
,
von
langem
lockigem
Haar
,
schlanke
zierliche
Gestalt
,
enthusiastisch
in
Blick
und
Bewegung
.
da
er
in
der
Reihe
zunächst
an
Christum
zu
stehen
kommt
,
würd
'
ich
ihn
gegen
diesen
gewendet
vorschlagen
,
gleichsam
im
Geiste
den
Verkündeten
vorausschauend
.
VII
.
wenn
wir
uns
vorstellen
,
in
eine
Basilika
eingetreten
zu
sein
und
im
Vorschreiten
links
die
beschriebenen
Gestalten
betrachtet
zu
haben
,
so
gelangen
wir
nun
in
der
Mitte
vor
Christus
selbst
,
welcher
als
hervortretend
aus
dem
Grabe
darzustellen
ist
.
die
herabsinkenden
Grabestücher
werden
Gelegenheit
geben
,
den
göttlich
aufs
neue
Belebten
in
verherrlichter
Mannesnatur
und
schicklicher
Nacktheit
darzustellen
,
zur
Versöhnung
,
daß
wir
ihn
sehr
unschicklich
gemartert
,
sehr
oft
nackt
am
Kreuze
und
als
Leichnam
sehen
mußten
.
es
wird
dieses
eine
der
schönsten
Aufgaben
für
den
Künstler
werden
,
welche
unsres
Wissens
noch
niemals
glücklich
gelöst
worden
ist
.
VIII
.
gehen
wir
nun
an
der
andern
Seite
hinunter
und
betrachten
die
sechs
folgenden
neutestamentlichen
Gestalten
,
so
finden
wir
den
Jünger
Johannes
.
diesem
würden
wir
ein
rundliches
Gesicht
,
krause
Haare
und
durchaus
eine
derbere
Gestalt
als
dem
Daniel
geben
,
um
durch
jenen
das
sehnsüchtige
Liebestreben
nach
dem
Höchsten
,
hier
die
befriedigte
Liebe
in
der
herrlichsten
Gegenwart
auszudrücken
.
bei
solchen
Kontrasten
läßt
sich
auf
eine
zarte
,
kaum
den
Augen
bemerkbare
Weise
die
Idee
darstellen
,
von
welcher
wir
eigentlich
ergriffen
sind
.
IX
.
Matthäus
,
der
Evangelist
.
diesen
würden
wir
vorstellen
als
einen
ernsten
,
stillen
Mann
von
entschieden
ruhigem
Charakter
.
ein
Genius
,
wie
ihm
ja
immer
zugeteilt
wird
,
hier
aber
in
Knabengestalt
,
würde
ihm
beigesellt
,
der
in
flach
erhobener
Arbeit
eine
Platte
ausmeißelt
,
auf
deren
sichtbarem
Teil
man
die
Verehrung
des
auf
der
Mutter
Schoße
sitzenden
Jesuskindlein
durch
einen
König
,
im
Fernen
durch
einen
Hirten
mit
Andeutungen
von
folgenden
zu
sehen
hätte
.
der
Evangelist
,
ein
Täfelchen
in
der
Linken
,
einen
Griffel
in
der
Rechten
,
blickt
heiter
aufmerksam
nach
dem
Vorbilde
,
als
einer
,
der
augenblicklich
niederschreiben
will
.
wir
sehen
diese
Gestalt
mit
ihrer
Umgebung
auf
mannigfaltige
Weise
freudig
im
Geiste
.
wir
betrachten
überhaupt
diesen
dem
Sinne
nach
als
das
Gegenbild
von
Moses
und
wünschen
,
daß
der
Künstler
tiefen
Geistes
hier
Gesetz
und
Evangelium
in
Kontrast
bringe
;
jener
hat
die
schon
eingegrabenen
starren
Gebote
im
Urstein
,
dieser
ist
im
Begriff
,
das
lebendige
Ereignis
leicht
und
schnell
aufzufassen
.
jenem
möchte
ich
keinen
Gesellen
geben
,
denn
er
erhielt
seine
Tafeln
unmittelbar
aus
der
Hand
Gottes
;
bei
diesem
aber
kann
,
wenn
man
allegorisieren
will
,
der
Genius
die
Überlieferung
vorstellen
,
durch
welche
eine
dergleichen
Kunde
erst
zu
dem
Evangelisten
mochte
gekommen
sein
.
X.
diesen
Platz
wollen
wir
dem
Hauptmann
von
Kapernaum
gönnen
;
er
ist
einer
der
ersten
Gläubigen
,
der
von
dem
hohen
Wundermanne
Hülfe
fordert
,
nicht
für
sich
noch
einen
Blutsverwandten
,
sondern
für
den
treusten
,
willfährigsten
Diener
.
es
liegt
hierin
etwas
so
Zartes
,
daß
wir
wünschten
,
es
möchte
mit
empfunden
werden
.
da
bei
dem
ganzen
Vorschlag
eigentlich
Mannigfaltigkeit
zugleich
beabsichtigt
ist
,
so
haben
wir
hier
einen
römischen
Hauptmann
in
seinem
Kostüme
,
der
sich
trefflich
ausnehmen
wird
.
wir
verlangen
nicht
gerade
,
daß
man
ihm
ausdrücklich
ansehe
,
was
er
bringt
und
will
;
es
ist
uns
genug
,
wenn
der
Künstler
einen
kräftig
verständigen
und
zugleich
wohlwollenden
Mann
darstellt
.
XI
.
Maria
Magdalena
.
diese
würde
ich
sitzend
oder
halb
gelehnt
dargestellt
wünschen
,
aber
weder
mit
einem
Totenkopf
noch
einem
Buche
beschäftigt
;
ein
zu
ihr
gesellter
Genius
müßte
ihr
das
Salbfläschchen
vorweisen
,
womit
sie
die
Füße
des
Herrn
geehrt
,
und
sie
sähe
es
mit
frommem
,
wohlgefälligem
Behagen
an
.
diesen
Gedanken
haben
wir
schon
in
einer
allerliebsten
Zeichnung
ausgeführt
gesehen
,
und
wir
glauben
nicht
,
daß
etwas
Frommanmutigeres
zu
denken
sei
.
XII
.
Paulus
.
der
ernste
gewaltige
Lehrer
!
er
wird
gewöhnlich
mit
dem
Schwerte
vorgestellt
,
welches
wir
aber
wie
alle
Marterinstrumente
ablehnen
und
ihn
lieber
in
der
bewegten
Stellung
zu
sehen
wünschten
eines
,
der
seinem
Wort
mit
Mienen
sowohl
als
Gebärde
Nachdruck
verleihen
und
Überzeugung
erringen
will
.
er
würde
als
Gegenstück
von
Jesaias
,
dem
vor
Gefahr
warnenden
Lehrer
,
dem
die
traurigsten
Zustände
vorausblickenden
Seher
nicht
gerade
gegenüberstehen
,
aber
noch
in
Bezug
zu
denken
sein
.
XIII
.
Petrus
.
diesen
wünscht
'
ich
nun
auf
das
geistreichste
und
wahrhafteste
behandelt
.
wir
sind
oben
in
eine
Basilika
hereingetreten
,
haben
zu
beiden
Seiten
in
den
Interkolumnien
die
zwölf
Figuren
im
allgemeinen
erblickt
,
in
der
Mitte
,
in
dem
würdigsten
Raum
,
den
Einzelnen
,
Unvergleichbaren
.
wir
fingen
historisch
auf
unserer
linken
Hand
an
und
betrachteten
das
Einzelne
der
Reihe
nach
.
in
der
Gestalt
,
Miene
,
Bewegung
St.
Peters
aber
wünscht
'
ich
folgendes
ausgedruckt
.
in
der
Linken
hängt
ihm
ein
kolossaler
Schlüssel
,
in
der
Rechten
trägt
er
den
Gegenpart
,
eben
wie
einer
,
der
im
Begriff
ist
,
auf-
oder
zuzuschließen
.
diese
Haltung
,
diese
Miene
recht
wahrhaft
auszudrücken
,
müßte
einem
echten
Künstler
die
größte
Freude
machen
.
ein
ernster
forschender
Blick
würde
gerade
auf
den
Eintretenden
gerichtet
sein
,
ob
er
denn
auch
sich
hierher
zu
wagen
berechtigt
sei
?
und
dadurch
würde
zugleich
dem
Scheidenden
die
Warnung
gegeben
,
er
möge
sich
in
acht
nehmen
,
daß
nicht
hinter
ihm
die
Türe
für
immer
zugeschlossen
werde
.
Wiederaufnahme
.
ehe
wir
aber
wieder
hinaustreten
,
drängen
sich
uns
noch
folgende
Betrachtungen
auf
.
hier
haben
wir
das
Alte
und
Neue
Testament
,
jenes
vorbildlich
auf
Christum
deutend
,
sodann
den
Herrn
selbst
in
seine
Herrlichkeit
eingehend
und
das
Neue
Testament
sich
in
jedem
Sinne
auf
ihn
beziehend
.
wir
sehen
die
größte
Mannigfaltigkeit
der
Gestalten
und
doch
immer
,
gewissermaßen
paarweise
,
sich
aufeinander
beziehend
,
ohne
Zwang
und
Anforderung
:
Adam
auf
Noah
,
Moses
auf
Matthäus
,
Jesaias
auf
Paulus
,
Daniel
auf
Johannes
;
David
und
Magdalena
möchten
sich
unmittelbar
auf
Christum
selbst
beziehen
,
jener
stolz
auf
solch
einen
Nachkommen
,
diese
durchdrungen
von
dem
allerschönsten
Gefühle
,
einen
würdigen
Gegenstand
für
ihr
liebevolles
Herz
gefunden
zu
haben
.
Christus
steht
allein
im
geistigen
Bezug
zu
seinem
himmlischen
Vater
.
den
Gedanken
,
ihn
darzustellen
,
wie
die
Grabestücher
von
ihm
wegsinken
,
haben
wir
schon
benutzt
gefunden
;
aber
es
ist
nicht
die
Frage
,
neu
zu
sein
,
sondern
das
Gehörige
zu
finden
oder
,
wenn
es
gefunden
ist
,
es
anzuerkennen
.
es
ist
offenbar
,
daß
bei
der
Fruchtbarkeit
der
Bildhauer
sie
nicht
immer
glücklich
in
der
Wahl
ihrer
Gegenstände
sind
;
hier
werden
ihnen
viele
Figuren
geboten
,
deren
jede
einzeln
wert
ist
des
Unternehmens
;
und
sollt
'
auch
das
Ganze
,
im
Großen
ausgeführt
,
nur
der
Einbildungskraft
anheimgegeben
werden
,
so
wäre
doch
in
Modellen
mäßiger
Größe
mancher
Ausstellung
eine
anmutige
Mannigfaltigkeit
zu
geben
.
der
Verein
,
der
dergleichen
billigte
,
würde
wahrscheinlich
Beifall
und
Zufriedenheit
erwerben
.
würden
mehrere
Bildhauer
aufgerufen
,
sich
nach
ihrer
Neigung
und
Fähigkeit
in
die
einzelnen
Figuren
zu
teilen
,
sie
in
gleichem
Maßstab
zu
modellieren
,
so
könnte
man
eine
Ausstellung
machen
,
die
in
einer
großen
bedeutenden
Stadt
gewiß
nicht
ohne
Zulauf
sein
würde
.
Landschaftliche
Malerei
.
Schema
auf
einem
Blatt
mit
Notizen
für
die
Zeitschrift
'
Über
Kunst
und
Altertum
'
.
der
Künstler
peinliche
Art
zu
denken
.
woher
abzuleiten
.
der
echte
Künstler
wendet
sich
aufs
Bedeutende
,
daher
die
Spuren
der
ältesten
landschaftlichen
Darstellungen
alle
groß
,
höchst
mannigfaltig
und
erhaben
sind
.
Hintergrund
in
Mantegnas
Triumphzug
.
Titians
Landschaften
.
das
Bedeutende
des
Gebirgs
,
der
Gebäude
beruht
auf
der
Höhe
;
daher
das
Steile
.
das
Anmutige
beruht
auf
der
Ferne
;
daher
von
oben
herab
das
Weite
.
hiedurch
zeichnen
sich
aus
alle
,
die
in
Tirol
,
Salzburgischen
und
sonst
mögen
gearbeitet
haben
.
Breughel
,
Jodokus
Momper
,
Roland
Savery
,
Isaak
Major
haben
alle
diesen
Charakter
.
Albrecht
Dürer
und
die
übrigen
Deutschen
.
sie
haben
alle
mehr
oder
weniger
etwas
Peinliches
,
indem
sie
gegen
die
ungeheuern
Gegenstände
die
Freiheit
des
Wirkens
verlieren
oder
solche
behaupten
,
insofern
ihr
Geist
groß
und
denselben
gewachsen
ist
.
daher
sie
bei
allem
Anschauen
der
Natur
,
ja
Nachahmung
derselben
ins
Abenteuerliche
gehen
,
auch
manieriert
werden
.
bei
Paul
Brill
mildert
sich
dieses
,
ob
er
gleich
noch
immer
hohen
Horizont
liebt
und
es
im
Vordergrund
an
Gebirgsmassen
und
in
dem
übrigen
an
Mannigfaltigkeit
es
fehlen
läßt
.
eintretende
Niederländer
.
vor
Rubens
.
Rubens
selbst
.
nach
Rubens
.
er
als
Historienmaler
suchte
nicht
sowohl
das
Bedeutende
,
als
daß
er
es
jedem
Gegenstand
zu
verleihen
wußte
,
daher
seine
Landschaften
einzig
sind
.
es
fehlt
auch
nicht
an
steilen
Gebirgen
und
grenzenlosen
Gegenden
,
aber
auch
dem
ruhigsten
,
einfachsten
,
ländlichen
Gegenstand
weiß
er
etwas
von
seinem
Geiste
zu
erteilen
und
das
Geringste
dadurch
wichtig
und
anmutig
zu
machen
.
Rembrandts
Realism
in
Absicht
auf
die
Gegenstände
.
Licht
,
Schatten
und
Haltung
sind
bei
ihm
das
Ideelle
.
Bolognesische
Schule
.
die
Caracci
.
Grimaldi
.
im
Claude
Lorrain
erklärt
sich
die
Natur
für
ewig
.
die
Poussins
führen
sie
ins
Ernste
,
Hohe
,
sogenannte
Heroische
.
Anregung
der
Nachfolger
.
endliches
Auslaufen
in
die
Portraitlandschaften
.
ausführliches
Schema
.
in
ihren
Anfängen
als
Nebenwerk
des
Geschichtlichen
.
durchaus
einen
steilen
Charakter
,
weil
ja
ohne
Höhen
und
Tiefen
keine
Ferne
interessant
dargestellt
werden
kann
.
männlicher
Charakter
der
ersten
Zeit
.
die
erste
Kunst
durchaus
ahnungsreich
,
deshalb
die
Landschaft
ernst
und
gleichsam
drohend
.
Forderung
des
Reichtums
.
daher
hohe
Standpunkte
,
weite
Aussichten
.
Beispiele
.
Breughel
.
Paul
Brill
;
dieser
schon
höchst
gebildet
,
geistreich
und
mannigfaltig
.
man
sehe
seine
zwölf
Monate
in
sechs
Blättern
und
die
vielen
anderen
nach
ihm
gestochenen
Blätter
.
Jodokus
Momper
,
Roland
Savery
.
Einsiedeleien
.
nach
und
nach
steigende
Anmut
.
Tizian
.
die
Caraccis
.
Dominichin
.
Claude
Lorrain
.
Ausbreitung
über
eine
heitere
Welt-Zartheit-Wirkung
der
atmosphärischen
Erscheinungen
aufs
Gemüt
.
Poussin
der
Historienmaler
.
Caspar
Poussin
.
heroische
Landschaft
.
genau
besehen
eine
nutzlose
Erde
.
abwechselndes
Terrain
ohne
irgendeinen
gebauten
Boden
.
ernste
,
nicht
gerade
idyllische
,
aber
einfache
Menschen
.
anständige
Wohnungen
ohne
Bequemlichkeit
.
Sicherung
der
Bewohner
und
Unwohner
durch
Türme
und
Festungswerke
.
in
diesem
Sinn
eine
fortgesetzte
Schule
,
vielleicht
die
einzige
,
von
der
man
sagen
kann
,
daß
der
reine
Begriff
die
Anschauung
der
Meister
ohne
merkliche
Abnahme
überliefert
habe
.
Glauber
.
Seb
.
Bourdon
.
Francisque
Milet
.
Neve
.
die
Niederländer
berühren
wir
nicht
.
Übergang
aus
dem
Ideellen
zum
Wirklichen
durch
Topographieen
.
Merians
weit
umherschauende
Arbeiten
.
beide
Arten
gehen
noch
nebeneinander
.
endlich
,
besonders
durch
Engländer
,
der
Übergang
in
die
Veduten
.
so
wie
beim
Geschichtlichen
die
Porträtform
.
neuere
Engländer
,
an
der
großen
Liebhaberei
zu
Glaude
und
Poussin
noch
immer
verharrend
.
sich
zu
den
Veduten
hinneigend
,
aber
immer
noch
in
der
Komposition
an
atmosphärischen
Effekten
sich
ergötzend
und
übend
.
die
Hackertsche
klare
,
strenge
Manier
steht
dagegen
;
seine
merkwürdigen
,
meisterhaften
Bleistift-
und
Federzeichnungen
nach
der
Natur
auf
weiß
Papier
,
um
ihnen
mit
Sepia
Kraft
und
Haltung
zu
geben
.
Studien
der
Engländer
auf
blau
und
grau
Papier
mit
schwarzer
Kreide
und
wenig
Pastell
,
etwas
nebulistisch
,
im
ganzen
aber
gut
gedacht
und
sauber
ausgeführt
.
Entwurf
des
Aufsatzes
.
I.
.
als
sich
die
Malerei
im
Westen
,
besonders
in
Italien
,
von
dem
östlichen
byzantinischen
mumienhaften
Herkommen
wieder
zur
Natur
wendete
,
war
bei
ihren
ernsten
,
großen
Anfängen
die
Tätigkeit
bloß
auf
menschliche
Gestalt
gerichtet
,
unter
welcher
das
Göttliche
und
Gottähnliche
vorgestellt
ward
.
eine
kapellenartige
Einfassung
ward
den
Bildern
allenfalls
zuteil
,
und
zwar
ganz
der
Sache
angemessen
,
weil
sie
ja
in
Kirchen
und
Kapellen
aufgestellt
werden
sollten
.
wie
man
aber
bei
weiterem
Fortrücken
der
Kunst
sich
in
freier
Natur
umsah
,
sollte
doch
immer
auch
Bedeutendes
und
Würdiges
den
Figuren
zur
Seite
stehen
,
deshalb
denn
auch
hohe
Augpunkte
gewählt
,
auf
starren
Felsen
vielfach
übereinander
getürmte
Schlösser
,
tiefe
Täler
,
Wälder
und
Wasserfälle
dargestellt
wurden
.
die
Umgebungen
nahmen
in
der
Folge
immer
mehr
überhand
,
drängten
die
Figuren
ins
Engere
und
Kleinere
,
bis
sie
zuletzt
in
dasjenige
,
was
wir
Staffage
nennen
,
zusammenschrumpften
.
diese
landschaftlichen
Tafeln
aber
sollten
,
wie
vorher
die
Heiligenbilder
,
auch
durchaus
interessant
sein
,
und
man
überfüllte
sie
deshalb
nicht
allein
mit
dem
,
was
eine
Gegend
liefern
konnte
,
sondern
man
wollte
zugleich
eine
ganze
Welt
bringen
,
damit
der
Beschauer
etwas
zu
sehen
hätte
und
der
Liebhaber
für
sein
Geld
doch
auch
Wert
genug
erhielte
.
von
den
höchsten
Felsen
,
worauf
man
Gemsen
umherklettern
sah
,
stürzten
Wasserfälle
zu
Wasserfällen
hinab
durch
Ruinen
und
Gebüsch
.
diese
Wasserfälle
wurden
endlich
benutzt
zu
Hammerwerken
und
Mühlen
;
tiefer
hinunter
bespülten
sie
ländliche
Ufer
,
größere
Städte
,
trugen
Schiffe
von
Bedeutung
und
verloren
sich
endlich
in
den
Ozean
.
daß
dazwischen
Jäger
und
Fischer
ihr
Handwerk
trieben
und
tausend
andere
irdische
Wesen
sich
tätig
zeigten
,
läßt
sich
denken
;
es
fehlte
der
Luft
nicht
an
Vögeln
,
Hirsche
und
Rehe
weideten
auf
den
Waldblößen
,
und
man
würde
nicht
endigen
,
dasjenige
herzuzählen
,
was
man
dort
mit
einem
einzigen
Blick
zu
überschauen
hatte
.
damit
aber
zuletzt
noch
eine
Erinnerung
an
die
erste
Bestimmung
der
Tafel
übrigbliebe
,
bemerkte
man
in
einer
Ecke
irgendeinen
heiligen
Einsiedler
.
Hieronymus
mit
dem
Löwen
,
Magdalene
mit
dem
Haargewande
fehlten
selten
.
II
..
Tizian
,
insofern
er
sich
zur
Landschaft
wandte
,
fing
schon
an
,
mit
diesem
Reichtum
sparsamer
umzugehen
;
seine
Bilder
dieser
Art
haben
einen
ganz
eigenen
Charakter
.
hölzerne
,
wunderlich
übereinandergezimmerte
Häuser
,
mittelgebirgige
Gegenden
,
mannigfaltige
Hügel
,
anspülende
Seen
,
niemals
ohne
bedeutende
Figuren
,
menschliche
,
tierische
.
auch
legte
er
seine
schönen
Kinder
ohne
Bedenken
ganz
nackt
unter
freien
Himmel
ins
Gras
.
III
..
Breughels
Bilder
zeigen
die
wundersamste
Mannigfaltigkeit
:
gleichfalls
hohe
Horizonte
,
weit
ausgebreitete
Gegenden
,
die
Wasser
hinab
bis
zum
Meere
;
aber
der
Verlauf
seiner
Gebirge
,
obgleich
rauh
genug
,
ist
doch
weniger
steil
,
besonders
aber
durch
eine
seltnere
Vegetation
merkwürdig
;
das
Gestein
hat
überall
den
Vorrang
,
doch
ist
die
Lage
seiner
Schlösser
,
Städte
höchst
mannigfaltig
und
charakteristisch
;
durchaus
aber
ist
der
ernste
Charakter
des
sechzenten
Jahrhunderts
nicht
zu
verkennen
.
Paul
Bril
,
ein
hochbegabtes
Naturell
.
in
seinen
Werken
läßt
sich
die
oben
beschriebene
Herkunft
noch
wohl
verspüren
;
aber
es
ist
alles
schon
froher
,
weitherziger
und
die
Charaktere
der
Landschaft
schon
getrennt
:
es
ist
nicht
mehr
eine
ganze
Welt
,
sondern
bedeutende
,
aber
immer
noch
weitgreifende
Einzelnheiten
.
wie
trefflich
er
die
Zustände
der
Lokalitäten
,
des
Bewohnens
und
Benutzens
irdischer
Örtlichkeiten
gekannt
,
beurteilt
und
gebraucht
,
davon
geben
seine
zwölf
Monate
in
sechs
Blättern
das
schönste
Beispiel
.
besonders
angenehm
ist
zu
sehen
,
wie
er
immer
zwei
auf
zwei
zu
paaren
gewußt
und
wie
ihm
aus
dem
Verlauf
des
einen
in
den
andern
ein
vollständiges
Bild
darzustellen
gelungen
sei
.
der
Einsiedeleien
des
Martin
de
Vos
,
von
Johann
und
Raphael
Sadeler
in
Kupfer
gestochen
,
ist
auch
zu
gedenken
.
hier
stehen
die
Figuren
der
frommen
Männer
und
Frauen
mit
wilden
Umgebungen
im
Gleichgewicht
;
beide
sind
mit
großem
Ernst
und
tüchtiger
Kunst
vorgetragen
.
IV
..
das
siebzehnte
Jahrhundert
befreit
sich
immer
mehr
von
der
zudringlichen
,
ängstigenden
Welt
:
die
Figuren
der
Carrache
erfordern
weitern
Spielraum
.
vorzüglich
setzt
sich
eine
große
,
schön
bedeutende
Welt
mit
den
Figuren
ins
Gleichgewicht
und
überwiegt
vielleicht
durch
höchst
interessante
Gegenden
selbst
die
Gestalten
.
Dominichin
vertieft
sich
bei
seinem
bolognesischen
Aufenthalt
in
die
gebirgigen
und
einsamen
Umgebungen
;
sein
zartes
Gefühl
,
seine
meisterhafte
Behandlung
und
das
höchst
zierliche
Menschengeschlecht
,
das
in
seinen
Räumen
wandelt
,
sind
nicht
genug
zu
schätzen
.
von
Claude
Lorrain
,
der
nun
ganz
ins
Freie
,
Ferne
,
Heitere
,
Ländliche
,
Feenhaft-Architektonische
sich
ergeht
,
ist
nur
zu
sagen
,
daß
er
ans
Letzte
einer
freien
Kunstäußerung
in
diesem
Fache
gelangt
.
jedermann
kennt
,
jeder
Künstler
strebt
ihm
nach
,
und
jeder
fühlt
mehr
oder
weniger
,
daß
er
ihm
den
Vorzug
lassen
muß
.
V.
.
hier
nun
entstand
auch
die
sogenannte
heroische
Landschaft
,
in
welcher
ein
Menschengeschlecht
zu
hausen
schien
von
wenigen
Bedürfnissen
und
von
großen
Gesinnungen
.
Abwechselung
von
Feldern
,
Felsen
und
Wäldern
,
unterbrochenen
Hügeln
und
steilen
Bergen
,
Wohnungen
ohne
Bequemlichkeit
,
aber
ernst
und
anständig
,
Türme
und
Befestigungen
,
ohne
eigentlichen
Kriegszustand
auszudrücken
,
durchaus
aber
eine
unnütze
Welt
,
keine
Spur
von
Feld-
und
Gartenbau
,
hie
und
da
eine
Schafherde
,
auf
die
älteste
und
einfachste
Benutzung
der
Erdoberfläche
hindeutend
.
Fragment
aus
dem
Nachlaß
von
Eckermann
betitelt
:
zu
malende
Gegenstände
.
nachdem
ich
über
vieles
gleichgültig
geworden
,
betrübt
es
mich
noch
immer
und
in
der
neuesten
Zeit
sehr
oft
,
wenn
ich
des
bildenden
Künstlers
Talent
und
Fleiß
auf
ungünstige
,
widerstrebende
Gegenstände
verwendet
sehe
;
daher
kann
ich
mich
nicht
enthalten
,
von
Zeit
zu
Zeit
auf
einiges
Vorteilhafte
hinzudeuten
.
eine
so
zarte
wie
einfache
Darstellung
gäbe
jene
jugendlich-unverdorbene
reife
Jungfrau
Thisbe
,
die
an
der
gesprungenen
Wand
horcht
.
wer
den
Gesichtsausdruck
und
das
Behaben
eines
blühenden
,
in
Liebe
befangenen
Mädchens
,
dem
Ort
und
Stelle
einer
Zusammenkunft
ins
Ohr
geraunt
wird
,
vollkommen
darzustellen
wüßte
,
sollte
gepriesen
werden
.
nun
aber
zum
Heiligsten
überzugehen
,
wüßte
ich
in
dem
ganzen
Evangelium
keinen
höhern
und
ausdruckvollern
Gegenstand
als
Christus
,
der
,
leicht
über
das
Meer
wandelnd
,
dem
sinkenden
Petrus
zu
Hülfe
tritt
.
die
göttliche
und
menschliche
Natur
des
Erlösers
ist
nie
den
Sinnen
und
so
identisch
darzustellen
,
ja
der
ganze
Sinn
der
christlichen
Religion
nicht
besser
mit
wenigem
auszudrücken
.
das
Übernatürliche
,
das
dem
Natürlichen
auf
eine
übernatürlich-natürliche
Weise
zu
Hülfe
kommt
und
deshalb
das
augenblickliche
Anerkennen
der
Schiffer
und
Fischer
,
daß
der
Sohn
Gottes
bei
ihnen
gegenwärtig
sei
,
hervorruft
,
ist
selten
gemalt
worden
,
und
der
größte
Vorteil
für
den
lebenden
Künstler
ist
,
daß
Raffael
nicht
unternommen
;
denn
mit
ihm
zu
ringen
ist
so
gefährlich
als
mit
Phanuel
.
(
I.
B.
Mos.
XXXII
.
)
