Maximen und Reflexionen Kunst und Knstler. das Schne ist eine Manifestation geheimer Naturgesetze, die uns ohne dessen Erscheinung ewig wren verborgen geblieben. wem die Natur ihr offenbares Geheimnis zu enthllen anfngt, der empfindet eine unwiderstehliche Sehnsucht nach ihrer wrdigsten Auslegerin, der Kunst. die Schnheit: jede milde hohe bereinstimmung alles dessen, was unmittelbar, ohne berlegen und Nachdenken zu erfordern, gefllt. Kunst: eine andere Natur, auch geheimnisvoll, aber verstndlicher; denn sie entspringt aus dem Verstande. die Natur wirkt nach Gesetzen, die sie sich in Eintracht mit dem Schpfer vorschrieb, die Kunst nach Regeln, ber die sie sich mit dem Genie einverstanden hat. die Unmglichkeit, Rechenschaft zu geben von dem Natur- und Kunstschnen; denn ad 1. mten wir die Gesetze kennen, nach welchen die allgemeine Natur handeln will und handelt, wenn sie kann, und ad 2. die Gesetze kennen, nach denen die allgemeine Natur unter der besonderen Form der menschlichen Natur produktiv handeln will und handelt, wenn sie kann. wir wissen von keiner Welt als im Bezug auf den Menschen; wir wollen keine Kunst, als die ein Abdruck dieses Bezug ist. die Schnheit kann nie ber sich selbst deutlich werden. Schnheit und Geist mu man entfernen, wenn man nicht ihr Knecht werden will. die Kunst ruht auf einer Art religiosem Sinn, auf einem tiefen, unerschtterlichen Ernst; deswegen sie sich auch so gern mit der Religion vereinigt. die Religion bedarf keines Kunstsinnes, sie ruht auf ihrem eignen Ernst; sie verleiht aber auch keinen, so wenig sie Geschmack gibt. die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen; darum scheint es eine Torheit, sie wieder durch Worte vermitteln zu wollen. doch indem wir uns darin bemhen, findet sich fr den Verstand so mancher Gewinn, der dem ausbenden Vermgen auch wieder zugute kommt. im sthetischen tut man nicht wohl zu sagen: die Idee des Schnen; dadurch vereinzelt man das Schne, das doch einzeln nicht gedacht werden kann. vom Schnen kann man einen Begriff haben, und dieser Begriff kann berliefert werden. Kant hat uns aufmerksam gemacht, da es eine Kritik der Vernunft gebe, da dieses hchste Vermgen, was der Mensch besitzt, Ursache habe, ber sich selbst zu wachen. wie groen Vorteil uns diese Stimme gebracht, mge jeder an sich selbst geprft haben. ich aber mchte in eben dem Sinne die Aufgabe stellen, da eine Kritik der Sinne ntig sei, wenn die Kunst berhaupt, besonders die deutsche, irgend wieder sich erholen und in einem erfreulichen Lebensschritt vorwrtsgehen solle. organische Natur: ins Kleinste lebendig; Kunst: ins Kleinste empfunden. Konflikte Sprnge der Natur und der Kunst. eintretender Genius zur rechten Zeit. Element genugsam vorbereitet. nicht roh und starr. auch nicht schon verbracht. ebenso mit der Organisation. hier springt die Natur auch nur, insofern alles vorbereitet ist, als ein Hheres, in die Wirklichkeit Tretendes zur eminenten Erscheinung gelangen kann. jedes gute und schlechte Kunstwerk, sobald es entstanden ist, gehrt zur Natur. die Antike gehrt zur Natur, und zwar, wenn sie anspricht, zur natrlichsten Natur, und diese edle Natur sollen wir nicht studieren, aber die gemeine! denn das Gemeine ist's eigentlich, was den Herren Natur heit! aus sich schpfen, mag wohl heien, mit dem eben fertig werden, was uns bequem wird! die hchste Absicht der Kunst ist, menschliche Formen zu zeigen, so sinnlich bedeutend und so schn, als es mglich ist. man weicht der Welt nicht sicherer aus als durch die Kunst, und man verknpft sich nicht sicherer mit ihr als durch die Kunst. selbst im Augenblick des hchsten Glcks und der hchsten Not bedrfen wir des Knstlers. die Kunst beschftigt sich mit dem Schweren und Guten. das Schwierige leicht behandelt zu sehen, gibt uns das Anschauen des Unmglichen. die Alten vergleichen die Hand der Vernunft. die Vernunft ist die Kunst der Knste. die Hand die Technik alles Handwerks. Vollkommenheit ist schon da, wenn das Notwendige geleistet wird, Schnheit, wenn das Notwendige geleistet, doch verborgen ist. Vollkommenheit kann mit Disporportion bestehen, Schnheit allein mit Proportion. Realitt in der hchsten Ntzlichkeit (Zweckmigkeit) wird auch schn sein. die Manifestation der Idee als des Schnen ist ebenso flchtig als die Manifestation des Erhabenen, des Geistreichen, des Lustigen, des Lcherlichen. dies ist die Ursache, warum so schwer darber zu reden ist. zum Schnen wird erfordert ein Gesetz, das in die Erscheinung tritt. Beispiel von der Rose. in den Blten tritt das vegetabilische Gesetz in seine hchste Erscheinung, und die Rose wre nun wieder der Gipfel dieser Erscheinung. Perikarpien knnen noch schn sein. die Frucht kann nie schn sein; denn da tritt das gevetabilische Gesetz in sich (ins bloe Gesetz) zurck. das Gesetz, das in die Erscheinung tritt, in der grten Freiheit, nach seinen eigensten Bedingungen, bringt das objektiv Schne hervor, welches freilich wrdige Subjekte finden mu, von denen es aufgefat wird. Schnheit der Jugend aus obigem abzuleiten. Alter: stufenweises Zurcktreten aus der Erscheinung. inwiefern das Alternde schn genannt werden kann. ewige Jugend der griechischen Gtter. die Symbolik verwandelt die Erscheinung in Idee, die Idee in ein Bild, und so, da die Idee im Bild immer unendlich wirksam und unerreichbar bleibt und, selbst in allen Sprachen ausgesprochen, doch unaussprechlich bliebe. die Allegorie verwandelt die Erscheinung in einen Begriff, den Begriff in ein Bild, doch so, da der Begriff im Bilde immer noch begrenzt und vollstndig zu halten und zu haben und an demselben auszusprechen sei. mein Verhltnis zu Schiller grndete sich auf die entschiedene Richtung beider auf einen Zweck, unsere gemeinsame Ttigkeit auf die Verschiedenheit der Mittel, wodurch wir jenen zu erreichen strebten. bei einer zarten Differenz, die einst zwischen uns zur Sprache kam, und woran ich durch eine Stelle seines Briefs wieder erinnert werde, macht' ich folgende Betrachtungen. es ist ein groer Unterschied, ob der Dichter zum Allgemeinen das Besondere sucht oder im Besondern das Allgemeine schaut. aus jener Art entsteht Allegorie, wo das Besondere nur als Beispiel, als Exempel des Allgemeinen gilt; die letztere aber ist eigentlich die Natur der Poesie, sie spricht ein Besonderes aus, ohne ans Allgemeine zu denken oder darauf hinzuweisen. wer nun dieses Besondere lebendig fat, erhlt zugleich das Allgemeine mit, ohne es gewahr zu werden, oder erst spt. das ist die wahre Symbolik, wo das Besondere das Allgemeinere reprsentiert, nicht als Traum und Schatten, sondern als lebendig-augenblickliche Offenbarung des Unerforschlichen. die Form will so gut verdauet sein als der Stoff; ja sie verdaut sich viel schwerer. den Stoff sieht jedermann vor sich, den Gehalt findet nur der, der etwas dazu tun hat, und die Form ist ein Geheimnis den meisten. "vis superba formae". ein schnes Wort von Johannes Secundus. das Was des Kunstwerks interessiert den Menschen mehr als das Wie; jenes knnen sie einzeln ergreifen, dieses im Ganzen nicht fassen. daher kommt das Herausheben von Stellen, wobei zuletzt, wenn man wohl aufmerkt, die Wirkung der Totalitt auch nicht ausbleibt, aber jedem unbewut. die Frage: "woher hat's der Dichter?" geht auch nur aufs Was; vom Wie erfhrt dabei niemand etwas. vom eigentlich Produktiven ist niemand Herr, und sie mssen es alle nur so gewhren lassen. das Erste und Letzte, was vom Genie gefordert wird, ist Wahrheitsliebe. das Genie bt eine Art Ubiquitt aus, ins Allgemeine vor, ins Besondere nach der Erfahrung. das Glck des Genies: wenn es zu Zeiten des Ernstes geboren wird. das Genie mit Grosinn sucht seinem Jahrhundert vorzueilen; das Talent aus Eigensinn mchte es oft zurckhalten. der herrliche Kirchengesang: Veni creator Spiritus ist ganz eigentlich ein Appell ans Genie; deswegen er auch geist- und Kraftreiche Menschen gewaltig anspricht. der Humor ist eins der Elemente des Genies, aber, sobald er vorwaltet, nur ein Surrogat desselben; er begleitet die abnehmende Kunst, zerstrt, vernichtet sie zuletzt. es gibt nichts Gemeines, was, fratzenhaft ausgedrckt, nicht humoristisch ausshe. hierber kann eine Arbeit anmutig aufklren, die wir vorbereiten: smtliche Knstler nmlich, die uns schon von so manchen Seiten bekannt sind, ausschlielich von der ethischen zu betrachten, aus den Gegenstnden und der Behandlung ihrer Werke zu entwickeln, was Zeit und Ort, Nation und Lehrmeister, was eigne unzerstrliche Individualitt beigetragen, sie zu dem zu bilden, was sie wurden, sie bei dem zu erhalten, was sie waren. einem jeden wohlgesinnten Deutschen ist eine gewisse Portion poetischer Gabe zu wnschen als das wahre Mittel, seinen Zustand, von welcher Art er auch sei, mit Wert und Anmut einigermaen zu umkleiden. Poesie wirkt am meisten im Anfang der Zustnde, sie seien nun ganz roh, halbkultiviert oder bei Abnderung einer Kultur, beim Gewahrwerden einer fremden Kultur, da man also sagen kann, die Wirkung der Neuheit findet durchaus statt. Musik im besten Sinne bedarf weniger der Neuheit, ja vielmehr je lter sie ist, je gewohnter man sie ist, desto mehr wirkt sie. die Wrde der Kunst erscheint bei der Musik vielleicht am eminentesten, weil sie keinen Stoff hat, der abgerechnet werden mte. sie ist ganz Form und Gehalt und erhht und veredelt alles, was sie ausdrckt. die Musik ist heilig oder profan. das Heilige ist ihrer Wrde ganz gem, und hier hat sie die grte Wirkung aufs Leben, welche sich durch alle Zeiten und Epochen gleich bleibt. die profane sollte durchaus heiter sein. eine Musik, die den heiligen und profanen Charakter vermischt, ist gottlos, und eine halbschrige, welche schwache, jammervolle, erbrmliche Empfindungen auszudrcken Belieben findet, ist abgeschmackt. denn sie ist nicht ernst genug, um heilig zu sein, und es fehlt ihr der Hauptcharakter des Entgegengesetzten: die Heiterkeit. die Heiligkeit der Kirchenmusiken, das Heitere und Neckische der Volksmelodien sind die beiden Angeln, um die sich die wahre Musik herumdreht. auf diesen beiden Punkten beweist sie jederzeit eine unausbleibliche Wirkung: Andacht oder Tanz. die Vermischung macht irre, die Verschwchung wird fade, und will die Musik sich an Lehrgedichte oder beschreibende und dergleichen wenden, so wird sie kalt. Kantilene: die Flle der Liebe und jedes leidenschaftlichen Glcks verewigend. die Sehnsucht, die nach auen, in die Ferne strebt, sich aber melodisch in sich selbst beschrnkt, erzeugt den Minor. der Rhythmus hat etwas Zauberisches, sogar macht er uns glauben, das Erhabene gehre uns an. ein edler Philosoph sprach von der Baukunst als einer erstarrten Musik und mute dagegen manches Kopfschtteln gewahr werden. wir glauben diesen schnen Gedanken nicht besser nochmals einzufhren, als wenn wir die Architektur eine verstummte Tonkunst nennen. man denke sich den Orpheus, der, als ihm ein groer wster Bauplatz niedersetzte und durch die belebenden Tne seiner Leier den gerumigen Marktplatz um sich her bildete. die von krftig-gebietenden, freundlich lockenden Tnen schnell ergriffenen, aus ihrer massenhaften Ganzheit gerissenen Felssteine muten, indem sie sich enthusiastisch herbeibewegten, sich kunst- und handwerksgem gestalten, um sich sodann in rhythmischen Schichten und Wnden gebhrend hinzuordnen. und so mag sich Strae zu Straen anfgen! an wohlschtzenden Mauern wird's auch nicht fehlen. die Tne verhallen, aber die Harmonie bleibt. die Brger einer solchen Stadt wandlen und weben zwischen ewigen Melodien; der Geist kann nicht sinken, die Ttigkeit nicht einschlafen, das Auge bernimmt Funktion, Gebhr und Pflicht des Ohres, und die Brger am gemeinsten Tage fhlen sich in einem ideellen Zustand: ohne Reflexion, ohne nach dem Ursprung zu fragen, werden sie des hchsten sittlichen und religiosen Genusses teilhaftig. man gewhne sich, in Sankt Peter auf und ab zu gehen, und man wird ein Analogon desjenigen empfinden, was wir auszusprechen gewagt. der Brger dagegen in einer schlecht gebauten Stadt, wo der Zufall mit leidigem Besen die Huser zusammenkehrte, lebt unbewut in der Wste eines dstern Zustandes; dem fremden Eintretenden jedoch ist es zumute, als wenn er Dudelsack, Pfeifen und Schellentrommeln hrte und sich bereiten mte, Brentnzen und Affensprngen beiwohnen zu mssen. die mimische Tanzkunst wrde eigentlich alle bildenden Knste zugrunde richten, und mit Recht. glcklicherweise ist der Sinnenreiz, den sie bewirkt, so flchtig, und sie mu, um zu reizen, ins bertriebene gehen. dieses schreckt die brigen Knstler glcklicherweise sogleich ab; doch knnen sie, wenn sie klug und vorsichtig sind, viel dabei lernen. man soll sich alles praktisch denken und deshalb auch dahin trachten, da verwandte Manifestationen der groen Idee, insofern sie durch Menschen zur Erscheinung kommen sollen, auf eine gehrige Weise ineinander wirken. Malerei, Plastik und Mimik stehen in einem unzertrennlichen Bezug; doch mu der Knstler, zu dem einen berufen, sich hten, von dem andern beschdigt zu werden: der Bildhauer kann sich vom Maler, der Maler vom Mimiker verfhren lassen, und alle drei knnen einander so verwirren, da keiner derselben auf den Fen stehen bleibt. wie man gebildete Menschen sieht, so findet man, da sie nur fr eine Manifestation des Urwesens oder doch nur fr wenige empfnglich sind, und das ist schon genug. das Talent entwickelt im Praktischen alles und braucht von den theoretischen Einzelnheiten nicht Notiz zu nehmen: der Musikus kann ohne seinen Schaden den Bildhauer ignorieren und umgekehrt. Plastik wirkt eigentlich nur auf ihrer hchsten Stufe; alles Mittlere kann wohl aus mehr denn einer Ursache imponieren, aber alle mittleren Kunstwerke dieser Art machen mehr irre, als da sie erfreuen. die Bildhauerkunst mu sich daher noch ein stoffartiges Interesse suchen, und das findet sie in den Bildnissen bedeutender Menschen. aber auch hier mu sie schon einen hohen Grad erreichen, wenn sie zugleich wahr und wrdig sein will. die bildende Kunst ist auf das Sichtbare angewiesen, auf die uere Erscheinung des Natrlichen. das rein Natrliche, insofern es sittlich gefllig ist, nennen wir naiv. naive Gegenstnde sind also das Gebiet der Kunst, die ein sittlicher Ausdruck des Natrlichen sein soll. Gegenstnde, die nach beiden Seiten hinweisen, sind die gnstigsten. die Malerei ist die llichste und bequemste von allen Knsten. die llichste, weil man ihr um des Stoffes und des Gegenstandes willen auch da, wo sie nur Handwerk oder kaum eine Kunst ist, vieles zugute hlt und sich an ihr erfreut; teils, weil eine technische, obgleich geistlose Ausfhrung den Ungebildeten wie den Gebildeten in Verwunderung setzt, so da sie sich also nur einigermaen zur Kunst zu steigern braucht, um in einem hheren Grade willkommen zu sein. Wahrheit in Farben, Oberflchen, in Beziehungen der sichtbaren Gegenstnde aufeinander ist schon angenehm, und da das Auge ohnehin gewohnt ist, alles zu sehen, so ist ihm eine Migestalt und also auch ein Mibild nicht so zuwider als dem Ohr ein Miton. man lt die schlechteste Abbildung gelten, weil man noch schlechtere Gegenstnde zu sehen gewohnt ist. der Maler darf also nur einigermaen Knstler sein, so findet er schon ein greres Publikum als der Misiker, der auf dem gleichen Grade stnde; wenigstens kann der geringste Maler immer fr sich operieren, anstatt da der mindere Musiker sich mit anderen soziieren mu, um durch gesellige Leistung einigen Effekt zu tun. die Frage, ob man bei Betrachtung von Kunstleistungen vergleichen solle oder nicht, mchten wir folgendermaen beantworten: der ausgebildete Kenner soll vergleichen; denn ihm schwebt die Idee vor, er hat den Begriff gefat, was geleistet werden knne und solle; der Liebhaber, auf dem Wege zur Bildung begriffen, frdert sich am besten, wenn er nicht vergleicht, sondern jedes Verdienst einzeln betrachtet: dadurch bildet sich Gefhl und Sinn fr das Allgemeinere nach und nach aus. das Vergleichen der Unkenner ist eigentlich nur eine Bequemlichkeit, die sich gern des Urteils berheben mchte. perspektivische Gesetze: die mit so groem Sinn als Richtigkeit die Welt auf das Auge des Menschen und seinen Standpunkt beziehen und dadurch mglich machen, da jedes sonderbare verworrne Gedrng von Gegenstnden in ein reines ruhiges Bild verwandelt werden kann. wer zuerst aus der Systole und Diastole, zu der die Retina gebildet ist, aus dieser Synkrisis und Diakrisis, mit Plato zu sprechen, die Farbenharmonie entwickelte, der hat die Prinzipien des Kolorits entdeckt. wer zuerst im Bilde auf seinen Horizont die Zielpunkte des mannigfaltigen Spiels waagerechter Linien bannte, erfand das Prinzip der Perspektive. es ist schon genug, da Kunstliebhaber das Vollkommene bereinstimmend anerkennen und schtzen; ber das Mittlere lt sich der Streit nicht endigen. alles Prgnante, was allein an einem Kunstwerk vortrefflich ist, wird nicht anerkannt, alles Fruchtbare und Frdernde wird beseitigt, eine tief umfassende Synthesis begreift nicht leicht jemand. Werke der Kunst werden zerstrt, sobald der Kunstsinn verschwindet. in allen Knsten gibt es einen gewissen Grad, den man mit den natrlichen Anlagen, sozusagen allein erreichen kann. zugleich aber ist es unmglich, denselben zu berschreiten, wenn nicht die Kunst zu Hlfe kommt. Gemt hat jedermann, Naturell manche, Kunstbegriffe sind selten. "blasen ist nicht flten, ihr mt die Finger bewegen". was die letzte Hand tun kann, mu die erste schon entschieden aussprechen. hier mu schon bestimmt sein, was getan werden soll. es ist so schwer, etwas von Mustern zu lernen, als von der Natur. ihr whlt euch ein Muster, und damit vermischt ihr eure Individualitt: das ist alle eure Kunst. da ist an keine Grundstze, an keine Schule, an keine Folge zu denken, alles willkrlich und wie es einem jeden einfllt. da man sich von Gesetzen losmacht, die blo durch Tradition geheiligt sind, dagegen ist nichts zu sagen; aber da man nicht denkt, es mssen doch Gesetze sein, die aus der Natur jeder Kunst entspringen, daran denkt niemand. vollkommene Knstler haben mehr dem Unterricht als der Natur zu danken. gerade das, was ungebildeten Menschen am Kunstwerk als Natur auffllt, das ist nicht Natur (von auen), sondern der Mensch (Natur von innen). das Schrecklichste fr den Schler ist, da er sich am Ende doch gegen den Meister wiederherstellen mu. je krftiger das ist, was was dieser gibt, in desto grerem Unmut, ja Verzweiflung ist der Empfangende. in der wahren Kunst gibt es keine Vorschule, wohl aber Vorbereitungen; die beste jedoch ist die Teilnahme des geringsten Schlers am Geschft des Meisters. aus Farbenreibern sind treffliche Maler hervorgegangen. ein anderes ist die Nachffung, zu welcher die natrliche allgemeine Ttigkeit des Menschen durch einen bedeutenden Knstler, der das Schwere mit Leichtigkeit vollbringt, zufllig angeregt wird. nur in der Schule selbst ist die eigentliche Vorschule. die Meisterschaft gilt oft fr Egoismus. die Kunst kann niemand frdern als der Meister. Gnner frdern den Knstler, das ist recht und gut; aber dadurch wird nicht immer die Kunst gefrdert. jeder groe Knstler reit uns weg, steckt uns an. alles, was in uns von eben der Fhigkeit ist, wird rege, und da wir eine Vorstellung vom Groen und einige Anlage dazu haben, so bilden wir uns gar leicht ein, der Keim davon stecke in uns. der zur Vernunft geborene Mensch bedarf noch groer Bildung, sie mag sich ihm nun durch Sorgfalt der Eltern und Erzieher, durch friedliches Beispiel oder durch strenge Erfahrung nach und nach offenbaren. ebenso wird zwar der angehende Knstler, aber nicht der vollendete geboren; sein Auge komme frisch auf die Welt, er habe glcklichen Blick fr Gestalt, Proportion, Bewegung: aber fr hhere Komposition, fr Haltung, Licht, Schatten, Farben kann ihm die natrliche Anlage fehlen, ohne da er es gewahr wird. ist er nun nicht geneigt, von hher ausgebildeten Knstlern der Vor- und Mitzeit das zu lernen, was ihm fehlt, um eigentlicher Knstler zu sein, so wird er im falschen Begriff von bewahrter Originalitt hinter sich selbst zurckbleiben, denn nicht allein das, was mit uns geboren ist, sondern auch das, was wir erwerben knnen, gehrt uns an, und wir sind es. man sagt wohl zum Lobe des Knstlers: er hat alles aus sich selbst. wenn ich das nur nicht wieder hren mte! genau besehen, sind die Produktionen eines solchen Originalgenies meistens Reminiszenzen; wer Erfahrung hat, wird sie meist einzeln nachweisen knnen. "Pereant, qui ante nos nostra dixerunt!" so wunderlich knnte nur derjenige sprechen, der sich einbildete, ein Autochthon zu sein. wer sich's zur Ehre hlt, von vernnftigen Vorfahren abzustammen, wird ihnen doch wenigstens ebensoviel Menschensinn zugestehen als sich selbst. daher ist das schnste Zeichen der Originalitt, wenn man einen empfangenen Gedanken dergestalt fruchtbar zu entwickeln wei, da niemand leicht, wieviel in ihm verborgen liege, gefunden htte. viele Gedanken heben sich erst aus der allgemeinen Kultur hervor wie die Blten aus den grnen Zweigen. zur Rosenzeit sieht man Rosen berall blhen. eigentlich kommt alles auf die Gesinnungen an; wo diese sind, treten auch die Gedanken hervor, und nachdem sie sind, sind auch die Gedanken. was nicht originell ist, daran ist nichts gelegen, und was originell ist, trgt immer die Gebrechen des Individuums an sich. das sogenannte Aus-sich-Schpfen macht gewhnlich falsche Originale und Manieristen. warum schelten wir das Manierierte so sehr, als weil wir glauben, das Umkehren daher auf den rechten Weg sei unmglich? das Manierierte ist ein verfehltes Ideelle, ein subjektiviertes Ideelle; daher fehlt ihm das Geistreiche nicht leicht. da Menschen dasjenige noch zu knnen glauben, was sie gekonnt haben, ist natrlich genug; da andere zu vermgen glauben, was sie nie vermochten, ist wohl seltsam, aber nicht selten. die Kunst soll das Penible nicht vorstellen. "an meinen Bildern mt ihr nicht schnuffeln, die Farben sind ungesund." Rembrandt. aus vielen Skizzen endlich ein Ganzes hervorzubringen, gelingt selbst den Besten nicht immer. selbst das mige Talent hat immer Geist in Gegenwart der Natur; deswegen einigermaen sorgfltige Zeichnungen der Art immer Freude machen. Ursache des Dilettantismus: Flucht vor der Manier, Unkenntnis der Methode, trichtes Unternehmen, gerade immer das Unmgliche leisten zu wollen, welches die hchste Kunst erforderte, wenn man sich ihm je nhern knnte. die Dilettanten, wenn sie das Mglichste getan haben, pflegen zu ihrer Entschuldigung zu sagen, die Arbeit sei noch nicht fertig. freilich kann sie nie fertig werden, weil sie nie recht angefangen ward. der Meister stellt sein Werk mit wenigen Strichen als fertig dar; ausgefhrt oder nicht, schon ist es vollendet. der geschickteste Dilettant tastet im Ungewissen, und wie die Ausfhrung wchst, kommt die Unsichrheit der ersten Anlage immer mehr zum Vorschein. ganz zuletzt entdeckt sich erst das Verfehlte, das nicht auszugleichen ist, und so kann das Werk freilich nicht fertig werden. Fehler der Dilettanten: Phantasie und Technik unmittelbar verbinden zu wollen. die Zudringlichkeiten junger Dilettanten mu man mit Wohlwollen ertragen: sie werden im Alter die wahrsten Verehrer der Kunst und des Meisters. Dilettantismus, ernstlich behandelt, und Wissenschaft, mechanisch betrieben, werden Pedanterei. "es gibt auch Afterknstler: Dilettanten und Spekulanten; jene treiben die Kunst um des Vergngens, diese um des Nutzens willen". die Lust der Deutschen am Unsichern in den Knsten kommt aus der Pfuscherei her; denn wer pfuscht, darf das Rechte nicht gelten lassen, sonst wre er gar nichts. es ist eine Tradition, Daedalus, der erste Plastiker, habe die Erfindung der Drehscheibe des Tpfers beneidet. von Neid mchte wohl nichts vorgekommen sein; aber der groe Mann hat wahrscheinlich vorempfunden, da die Technik zuletzt in der Kunst verderblich werden msse. die Technik im Bndnis mit dem Abgeschmackten ist die frchterlichste Feindin der Kunst. bei jedem Kunstwerk, gro oder klein, bis ins Kleinste kommt alles auf die Konzeption an. man kann nicht genug wiederholen, der Dichter sowie der bildende Knstler solle zuerst aufmerken, ob der Gegenstand, den er zu behandeln unternimmt, von der Art sei, da sich ein mannigfaltiges, vollstndiges, hinreichendes Werk daraus entwickeln knne. wird dieses versumt, so ist alles brige Bestreben vllig vergebens: Silbenfu und Reimwort, Pinselstrich und Meielhieb sind umsonst verschwendet; und wenn sogar eine meisterhafte Ausfhrung den geistreichen Beschauer auch einige Augenblicke bestechen knnte, so wird er doch das Geistlose, woran alles Falsche krankt, gar bald empfinden. allen andern Knsten mu man etwas vorgeben, der griechischen allein bleibt man ewig Schuldner. wer Proportion (das Mebare) von der Antike nehmen mu, sollte uns nicht gehssig sein, weil wir das Unmebare von der Antike nehmen wollen. was hat ein Maler zu studieren, bis er eine Pfirsche sehen kann wie Huysum, und sollen wir nicht versuchen, ob es mglich sei, den Menschen zu sehen, wie ihn ein Grieche gesehen hat? lat doch den deutschen Dichtern den frommen Wunsch, auch als Homeriden zu gelten! deutsche Bildhauer, es wird euch nicht schaden, zum Ruhm der letzten Praxiteliden zu streben! jemand sagte: "was bemht ihr euch um den Homer? ihr versteht ihn doch nicht". darauf antwortet' ich: versteh ich doch auch Sonne, Mond und Sterne nicht; aber sie gehen ber meinem Haupt hin, und ich erkenne mich in ihnen, indem ich sie sehe und ihren regelmigen wunderbaren Gang betrachte, und denke dabei, ob auch wohl etwas aus mir werden knnte. da die bildende Kunst in der Ilias auf einer so hohen Stufe erscheint, mchte wohl ein Argument fr die Modernitt des Gedichtes abgeben. der fr dichterische und bildnerische Schpfungen empfngliche Geist fhlt sich dem Altertum gegenber in den anmutigst-ideellen Naturzustand versetzt, und noch auf den heutigen Tag haben die Homerischen Gesnge die Kraft, uns wenigstens fr Augenblicke von der furchtbaren Last zu befreien, welche die berlieferung von mehrern tausend Jahren auf uns gewlzt hat. bei Betrachtung von Kunstwerken, sowohl dichterischen als bildnerischen, des dritten und vierten Jahrhunderts lt sich bemerken, wie lange die Knstler noch am alten guten Sinne festgehalten haben, da schon alles um sie her dafr erstorben war. Erklrungsart der Kunstwerke auf diesem Wege. sie sind keineswegs abstrus, sondern plastisch zu nennen. siehe das Kapitolinische Basrelief mit dem Prometheus pp. auf den heiligen Joseph berhaupt haben es die Knstler abgesehen. die Byzantiner, denen man nicht nachsagen kann, da sie berflssigen Humor anbrchten, stellen doch bei der Geburt den Heiligen immer verdrielich vor. das Kind liegt in der Krippe, die Tiere schauen hinein, verwundert, statt ihres trockenen Futters ein lebendiges, himmlisch-anmutiges Geschpf zu finden. Engel verehren den Ankmmling, die Mutter sitzt still dabei; St. Joseph aber sitzt abgewendet und kehrt unmutig den Kopf nach der sonderbaren Szene. mit dem grten Entzcken sieht man im Apollosaal der Villa Aldobrandini zu Frascati, auf welche glckliche Weise Domenichin die Ovidischen Metamorphosen mit der schicklichsten rtlichkeit umgibt; dabei nun erinnert man sich gern, da die glcklichsten Ereignisse doppelt selig empfunden werden, wenn sie uns in herrlicher Gegend gegnnt waren, ja da gleichgltige Momente durch wrdige Lokalitt zu hoher Bedeutung gesteigert wurden. in jedem Knstler liegt ein Keim von Verwegenheit, ohne den kein Talent denkbar ist, und dieser wird besonders rege, wenn man den Fhigen einschrnken und zu einseitigen Zwecken dingen und brauchen will. Raffael ist unter den neuern Knstlern auch hier wohl der reinste. er ist durchaus naiv, das Wirkliche kommt bei ihm nicht zum Streit mit dem Sittlichen oder gar Heiligen. der Teppich, worauf die Anbetung der Knige abgebildet ist, eine berschwenglich herrliche Komposition, zeigt von dem ltesten anbetenden Frsten bis zu den Mohren und Affen, die sich auf den Kamelen mit pfeln ergtzen, eine ganze Welt. hier durfte der heilige Joseph auch ganz naiv charakterisiert werden als Pflegevater, der sich ber die eingekommenen Geschenke freut. das Trocken- Naive, das Steif-Wackere, das ngstlich-Rechtliche, und womit man ltere deutsche Kunst charakterisieren mag, gehrt zu jeder frheren einfachen Kunstweise. die alten Venezianer, Florentiner und so weiter haben das alles auch. und wir Deutsche sollen uns dann nur fr original halten, wenn wir uns nicht ber die Anfnge erheben? weil Albrecht Drer bei dem unvergleichlichen Talent sich nie zur Idee des Ebenmaes der Schnheit, ja sogar nie zum Gedanken einer schicklichen Zweckmigkeit erheben konnte, sollen wir auch immer an der Erde kleben? Albrecht Drern frderte ein hchst innigstes realistisches Anschauen, ein liebenswrdiges menschliches Mitgefhl aller gegenwrtigen Zustnde; ihm schadete eine trbe, form- und bodenlose Phantasie. wie Martin Schn neben ihm steht und wie das deutsche Verdienst sich dort beschrnkt, wre interessante zu zeigen, und ntzlich zu zeigen, da dort nicht aller Tage Abend war. lste sich doch in jeder italienischen Schule der Schmetterling aus der Puppe los! sollen wir ewig als Rauben herumkriechen, weil einige nordische Knstler ihre Rechnung dabei finden? Charaktere machen oft die Schwche zum Gesetz. Weltkenner haben gesagt: "die Klugheit ist unberwindlich, hinter welcher sich die Furcht versteckt". schwache Menschen haben oft revolutionre Gesinnungen; sie meinen, es wre ihnen wohl, wenn sie nicht regiert wrden, und fhlen nicht, da sie weder sich noch andere regieren knnen. in eben dem Falle sind die neuern deutschen Knstler: den Zweig der Kunst, den sie nicht besitzen, erklren sie fr schdlich und daher wegzuhauen. in Rembrandts trefflicher Radierung, der Austreibung der Kufer und Verkufer aus den Tempelhallen, ist die Glorie, welche gewhnlich des Herrn Haupt umgibt, in die vorwrtswirkende Hand gleichsam gefahren, welche nun in gttlicher Tat glanzumgeben, derb zuschlgt. um das Haupt ist's, wie auch das Gesicht, dunkel. bei Gelegenheit der Berlinischen Vorbilder fr Fabrikanten kam zur Sprache, ob so groer Aufwand auf die hchste Ausfhrung der Bltter wre ntig gewesen; wobei sich ergab, da gerade den talentvollen jungen Knstler und Handwerker die Ausfhrung am meisten reizt, und da er durch Beachtung und Nachbildung derselben erst befhigt wird, das Ganze und den Wert der Formen zu begreifen. Friedrich der Zweite zu Pferd nach Chodowiecky ist, in Zinn gemalt, in Nrnberg zu haben; gewhnlich fhrt er die Soldaten der Kinder an und ist auch da noch ehrwrdig. ich mchte ihn aber doch auf hnliche Weise weder in Lebensgre, noch weniger kolossal mit Augen sehen. Chodowiecky ist ein sehr respektabler und wir sagen idealer Knstler. seine guten Werke zeugen durchaus von Geist und Geschmack. mehr Ideales war in dem Kreise, in dem er arbeitete, nicht zu fordern. zeichnet doch euere patriotischen Gegenstnde! einen Knig, der auf einer Brunnenrhre sitzt und denkt! ja, wenn ihr seine Gedanken zeichnen knntet! ein solcher Knig hat mit eurer bildenden Kunst nichts zu tun; er soll nur im Geist und der Wahrheit verehrt werden. zeichnet, stecht in Kupfer, bezahlt, verkauft, belohnt immer in offenbarer Stille, und wenn euch ein tadelnd Wort trifft, so lat's ja higehn; aber reizt nur niemanden, diese Armseligkeiten immer lauter und lauter vor den Ohren der Welt auszulachen! es gibt keine patriotische Kunst und keine patriotische Wissenschaft. beide gehren wie alles hohe Gute der ganzen Welt an und knnen nur durch allgemeine freie Wechselwirkung aller zugleich Lebenden in steter Rcksicht auf das, was uns vom Vergangenen brig und bekannt ist, gefrdert werden. wenn ihr sagt: "wir machen's so", da hat kein Mensch was dagegen; sagt ihr aber: "ihr sollt's auch so machen, euch nach unserer Beschrnkung beschrnken", da kommt ihr um vieles zu spt. Paris ist offen, Italien wird's auch werden; solange uns der Atem bleibt, werden wir den Knstler in das Weite der Welt und Kunst und in die Beschrnktheit seiner selbst weisen. beschrnkt doch den Knstler nicht durch solche ...; fhlt sich doch ohnehin jeder in dem weitesten Welt- und Kunstgenu beschrnkt genug! klassisch ist das Gesunde, romantisch das Kranke. Ovid blieb klassisch auch im Exil: er sucht sein Unglck nicht in sich, sondern in seiner Entfernung von der Hauptstadt der Welt. das Romantische ist schon in seinen Abgrund verlaufen; das Grlichste der neuern Produktionen ist kaum noch gesunkener zu denken. Englnder und Franzosen haben uns darin berboten. Krper, die bei Leibesleben verfaulen und sich in detaillierter Betrachtung ihres Verwesens erbauen, Tote, die zum Verderben anderer am Leben bleiben und ihren Tod am Lebendigen ernhren: dahin sind unsre Produzenten gelangt! im Altertum spuken dergleichen Erscheinungen nur vor wie seltene Krankheitsflle; bei den Neuern sind sie endemisch und epidemisch geworden. das sogenannte Romantische einer Gegend ist ein stilles Gefhl des Erhabenen unter der Form der Vergangenheit oder, was gleich lautet, der Einsamkeit, Abwesenheit, Abgeschiedenheit. das Absurde, mit Geschmack dargestellt, erregt Widerwillen und Bewunderung. von der Notwendigkeit, da der bildende Knstler Studien nach der Natur mache, und von dem Werte derselben berhaupt sind wir genugsam berzeugt; allein wir leugnen nicht, da es uns fters betrbt, wenn wir den Mibrauch eines so lblichen Strebens gewahr werden. nach unserer berzeugung sollte der junge Knstler wenig oder gar keine Studien nach der Natur beginnen, wobei er nicht zugleich dchte, wie er jedes Blatt zu einem Ganzen abrunden, wie er diese Einzelnheit, in ein angenehmes Bild verwandelt, in einen Rahmen eingeschlossen, dem Liebhaber und Kenner gefllig anbieten mge. es steht manches Schne isoliert in der Welt, doch der Geist ist es, der Verknpfungen zu entdecken und dadurch Kunstwerke hervorzubringen hat. - die Blume gewinnt erst ihren Reiz durch das Insekt, das ihr anhngt, durch den Tautropfen, der sie befeuchtet, durch das Gef, woraus sie allenfalls ihre letzte Nahrung zieht. kein Busch, kein Baum, dem man nicht durch die Nachbarschaft eines Felsens, einer Quelle Bedeutung geben, durch eine mige einfache Ferne grern Reiz verleihen knnte. so ist es mit menschlichen Figuren und so mit Tieren aller Art beschaffen. der Vorteil, den sich der junge Knstler hiedurch verschafft, ist gar mannigfaltig. er lernt denken, das Passende gehrig zusammenbinden, und wenn er auf diese Weise geistreich komponiert, wird es ihm zuletzt auch an dem, was man Erfindung nennt, an dem Entwickeln des Mannigfaltigen aus dem Einzelnen keineswegs fehlen knnen. tut er nun hierin der eigentlichen Kunstpdagogik wahrhaft Genge, so hat er noch nebenher den groen, nicht zu verachtenden Gewinn, da er lernt, verkufliche, dem Liebhaber anmutige und liebliche Bltter hervorzubringen. eine solche Arbeit braucht nicht im hchsten Grade ausgefhrt und vollendet zu sein; wenn sie gut gesehen, gedacht und fertig ist, so ist sie fr den Liebhaber oft reizender als ein greres ausgefhrtes Werk. beschaue doch jeder junge Knstler seine Studien im Bchelchen und im Portefeuille und berlege, wie viele Bltter er davon auf jene Weise geniebar und wnschenswert htte machen knnen. es ist nicht die Rede vom Hheren, wovon man wohl auch sprechen knnte, sondern es soll nur als Warnung gesagt sein, die von einem Abwege zurckruft und aufs Hhere hindeutet. versuche es doch der Knstler nur ein halb Jahr praktisch und setze weder Kohle noch Pinsel an ohne Intention, einen vorliegenden Naturgegenstand als Bild abzuschlieen. hat er angebornes Talent, so wird sich's bald offenbaren, welche Absicht wir bei diesen Andeutungen im Sinne hegten. wenn ich jngere deutsche Maler, sogar solche, die sich eine Zeitlang i Italien aufgehalten, befrage, warum sie doch, besonders in ihren Landschaften, so widerwrtige grelle Tne dem Auge darstellen und vor aller Harmonie zu fliehen scheinen, so geben sie wohl ganz dreist und getrost zur Antwort, sie shen die Natur genau auf solche Weise. mancher hat nach der Antike studiert und sich ihr Wesen nicht ganz zugeeignet: ist er darum scheltenswert? die hheren Forderungen sind an sich schon schtzbarer, auch unerfllt, als niedrige, ganz erfllte. wer gegenwrtig ber Kunst schreiben oder gar streiten will, der sollte einige Ahndung haben von dem, was die Philosophie in unsern Tagen geleistet hat und zu leisten fortfhrt. ein Knstler, der schtzbare Arbeiten verfertigt, ist nicht immer imstande, vo eignen oder fremden Werken Rechenschaft zu geben. wenn Knstler von Natur sprechen, subintelligieren sie immer die Idee, ohne sich's deutlich bewut zu sein. ebenso geht's allen, die ausschlielich die Erfahrung anpreisen; sie bedenken nicht, da die Erfahrung nur die Hlfte der Erfahrung ist. man sagt: "studiere, Knstler, die Natur!" es ist aber keine Kleinigkeit, aus dem Gemeinen das Edle, aus der Unform das Schne zu entwickeln. erst hrt man von Natur und Nachahmung derselben; dann soll es eine schne Natur geben. man soll whlen. doch wohl das Beste! und woran soll man's erkennen? nach welcher Norm soll man whlen? und wo ist denn die Norm? doch wohl nicht auch in der Natur? und gesetzt, der Gegenstand wre gegeben, der schnste Baum im Walde, der in seiner Art als vollkommen auch vom Frster anerkannt wrde. nun, um den Baum in ein Bild zu verwandeln, gehe ich um ihn herum und suche mir die schnse Seite. ich trete weit genug weg, um ihn vllig zu bersehen, ich warte ein gnstiges Licht ab, und nun soll von dem Naturbaum noch viel auf das Papier bergegangen sein! der Laie mag das glauben; der Knstler, hinter den Kulissen seines Handwerks, sollte aufgeklrter sein. Natur und Idee lt sich nicht trennen, ohne da die Kunst sowie das Leben zerstrt werde. man kann den Idealisten alter und neuer Zeit nicht verargen, wenn sie so lebhaft auf Beherzigung des Einen dringen, woher alles entspringt, und worauf alles wieder zurckzufhren wre. denn freilich ist das belebende und ordnende Prinzip in der Erscheinung dergestalt bedrngt, da es sich kaum zu retten wei. allein wir verkrzen uns an der andern Seite wieder, wenn wir das Formende und die hhere Form selbst in eine vor unserm uern und innern Sinn verschwindende Einheit zurckdrngen. wir Menschen sind auf Ausdehnung und Bewegung angewiesen; diese beiden allgemeinen Formen sind es, in welchen sich alle brigen Formen, besonders die sinnlichen offenbaren. eine geistige Form wird aber keineswegs verkrzt, wenn sie in der Erscheinung hervortritt, vorausgesetzt, da ihr Hervortreten eine wahre Zeugung, eine wahre Fortpflanzung sei. das Gezeugte ist nicht geringer als das Zeugende, ja es ist der Vorteil lebendiger Zeugung, da das Gezeugte vortrefflicher sein kann als das Zeugende. dieses weiter auszufhren und vollkommen anschaulich, ja, was mehr ist, durchaus praktisch zu machen, wrde von wichtigem Belang sein. eine umstndliche folgerechte Ausfhrung aber mchte den Hrern bergroe Aufmerksamkeit zumuten. das Altertum setzen wir gern ber uns, aber die Nachwelt nicht. nur ein Vater neidet seinem Sohn nicht das Talent. sich subordinieren ist berhaupt keine Kunst; aber in absteigender Linie, in der Deszendenz etwas ber sich erkennen, was unter einem steht! es begegnete und geschieht mir noch, da ein Werk bildender Kunst mir beim ersten Anblick mifllt, weil ich ihm nicht gewachsen bin; ahne ich aber ein Verdienst daran, so such' ich ihm beizukommen, und dann fehlt es nicht an den erfreulichsten Entdeckungen: an den Dingen werd' ich neue Eigenschaften und an mir neue Fhigkeiten gewahr. die Kunst an und fr sich selbst ist edel; deshalb frchtet sich der Knstler nicht vor dem Gemeinen. ja indem er es aufnimmt, ist es schon geadelt, und so sehen wir die grten Knstler mit Khnheit ihr Majesttsrecht ausben. es ist keine Kunst, eine Gttin zur Hexe, eine Jungfrau zur Hure zu machen; aber zur umgekehrten Operation, Wrde zu geben dem Verschmhten, wnschenswert zu machen das Verworfene, dazu gehrt entweder Kunst oder Charakter. die Kunst ist ein ernsthaftes Geschft, am ernsthaftesten, wenn sie sich mit edlen heiligen Gegenstnden beschftigt; der Knstler aber steht ber der Kunst und dem Gegenstande: ber jener, da er sie zu seinen Zwecken braucht, ber diesem, weil er ihn nach eigner Weise behandelt. in Kunst und Wissenschaft sowie im Tun und Handeln kommt alles darauf an, da die Objekte rein aufgefat und ihrer Natur gem behandelt werden. das Verhltnis der Knste und Wissenschaften zum Leben ist nach Verhltnis der Stufen, worauf sie stehen, nach Beschaffenheit der Zeiten und tausend andern Zuflligkeiten sehr verschieden; deswegen auch niemand darber im Ganzen leicht klug werden kann. she man Kunst und Wissenschaft nicht als ein Ewiges, in sich selbst Lebendig-Fertiges verehrend an, das im Zeitverlaufe nur Vorzge und Mngel durcheinander mischt, so wrde man selbst irre werden und sich betrben, da Reichtum in eine solche Verlegenheit setzen kann. das Frtreffliche ist unergrndlich, man mag damit anfangen, was man will.